mini|hochkant|Wappen derer von Sidessen im Wappenbuch des Westfälischen Adels Siddessen (auch Sidessen o. ä.) ist der Name eines erloschenen westfälischen Uradelsgeschlechts.
Geschichte Das Geschlecht hatte seinen namensgebenden Stammsitz in Siddessen im Stift Paderborn, heute ein Ortsteil von Brakel im Kreis Höxter.Spießen (1901–1903), S. 118.
Ritter Goswin von Siddessen, der an Lepra erkrankt war und dem von der Kirche vermittelt worden war, dass der Herr jeden züchtigt, der der Besserung bedarf, beschloss, um wenigstens eine gesunde Seele zu retten, der Kirche vier Mansen zur Buße zu schenken. Diesen Vorsatz setzte er 1158 (wohl eher 1178?) in die Tat um, indem er dem Paderborner Bischof Siegfried († 1188) vier Höfe zu Ostheim, Frondenhusen, Baddenhusen und Dallessen mit der Bitte auftrug, sie dem Kloster Gehrden zu schenken, damit dieses für seine arme Seele bitte. Der Bischof nahm das Geschenk an, ließ Hermann (I.) von Siddessen, Goswins Bruder, der damals noch kinderlos war, auf seine Rechte an den geschenkten Gütern verzichten und übertrug sie dem Kloster. Einige Jahre später begab sich Goswin, um Gott näher zu treten, mit seiner Frau Aleid und seinem Sohn Johann von Siddessen nach Gehrden. Alle drei ließen sich der klösterlichen Bruderschaft einverleiben. Als 1184 Aleid, als die Letzte der drei, starb, focht Bruder Hermann (I.) von Siddessen mit seiner Frau Hilburga und seinen Kindern Heinrich, Udo, Hermann (II.), Goswin, Johann, Anton (I.) und Werner (I.) die Schenkung als gesetzes- und rechtswidrig an. Er behauptete, der Übertrag habe nicht für immer, sondern nur für die Lebenszeit seines Bruders Goswin gegolten. Nachdem es daraufhin zu kriegerischen Auseinandersetzungen, Brand und Raub, zwischen den Parteien gekommen war, sollte Bischof Sifried 1186 in der Sache entscheiden. Er sprach Hermann und seiner Familie eine Entschädigung von 20 Mark zu, die das Kloster zu zahlen hatte. Im Gegenzug sollten die von Siddessen auf alle Rechte verzichten.Fahne (1858), S. 362 f.
Hermanns (I.) von Siddessen und Hilburgas Tochter Jutta von Siddessen (urkundlich 1184–1202) heiratete Hermann von Wethen (urkundlich 1150–1202), Hermann und Hilburgas Sohn Anton (I.) von Siddessen (urkundlich 1156–1202) war Ritter und mit einer von Rotwordessen verheiratet. Ihr Sohn Anton (II.) von Siddessen (urkundlich 1180–1345) ehelichte Hadelburgis von Steinheim (urkundlich 1205–1345). Ihre Tochter Elisabeth von Siddessen (urkundlich 1230–1256) war die Ehefrau von Burchard von Asseln (urkundlich 1227–1285).
Arnold von Siddessen war 1341 Bürgermeister der Stadt Borgentreich im Kreis Höxter.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 604u / Kloster Hardehausen / Urkunden, Nr. 547, Mr. 548, abgerufen am 12. April 2026.
Eine andere Familienlinie beginnt mit Hermann (IV.) von Siddessen, verheiratet mit Helmburg. Ihr Sohn Johann (III.) von Siddessen (urkundlich 1320) war Ritter und Burgmann zu Warburg. Er war mit Germode von Brakel (urkundlich 1299–1320) verheiratet. Von ihrem Sohn Hermann (V.) von Siddessen und einer unbekannten Frau stammt Johann (IV.) von Siddessen, verheiratet mit einer von Spiegel. Ihr Sohn Wener (II.) von Siddessen (urkundlich 1447–1472) war Burgmann und Bürgermeister in Volkmarsen und mit Grete von Brobecke verheiratet. Ihr Sohn Johann (V.) von Siddessen (urkundlich 1438–1474) war 1474 Pfarrer in Wettesingen. Werner (II.) hatte einen jüngeren Bruder namens Ernst von Siddessen, mit dem zusammen er 1460 zwei Hufen zu Großeneder, heute ein Stadtteil von Borgentreich, verkaufte.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 608u / Kloster Abdinghof, Paderborn / Urkunden, Nr. 717 - b, abgerufen am 12. April 2026. Wohl ein weiterer Bruder von Werner (II.), Johann (VI.) von Siddessen, erhielt 1445 vom Abt des Klosters Adinghof in Pacht einen Hof und 20 Morgen Land bei Großeneder, wie schon sein gleichnamiger Vater.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 608u / Kloster Abdinghof, Paderborn / Urkunden, Nr. 672, abgerufen am 12. April 2026.
Ein späterer Johann von Siddessen, vermutlich ein Sohn von Johann (VI.), war mit Katharina von Imbsen, Schwester von Johannes von Ymmessen, 1478–1522 Domherr und Kämmerer zu Paderborn, Obedientiar zu Wewer, Propst zu Hameln, verheiratet.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 156u / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Wewer / Urkunden, Nr. 63, U 132 / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.) / Akten, Nr. 15334, abgerufen am 12. April 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 401u / Fürstbistum Paderborn / Urkunden, Nr. 2634, abgerufen am 12. April 2026. Ihr Sohn, der Knappe Arnold von Siddessen (urkundlich ab 1497; † zwischen 1543 und 1549), Burgmann zu Borgentreich und Lehnsnehmer des Klosters Abdinghof,Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 404u / Fürstbistum Paderborn, Lehnskurie / Urkunden, Nr. 1270, abgerufen am 12. April 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 608u / Kloster Abdinghof, Paderborn / Urkunden, Nr. 894, abgerufen am 12. April 2026. ehelichte vor dem 8. Oktober 1533 Jutta von Stockhausen, Tochter von Hans von Stockhausen und Jutta von Spiegel. Die Eheleute Siddessen-Stockhausen hatten einen Sohn namens Arnold. Arnold von Siddessen († zwischen 1590 und 1595), wie sein Vater Burgmann zu Borgentreich und Lehnsnehmer des Klosters Abdinghof,Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 404u / Fürstbistum Paderborn, Lehnskurie / Urkunden, Nr. 457, Nr. 963, Nr. 966, Nr. 1271, Nr. 1272, Nr. 1273, abgerufen am 12. April 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 608u / Kloster Abdinghof, Paderborn / Urkunden, Nr. 906, Nr. 991, abgerufen am 12. April 2026. war ab 1578 in erster Ehe mit Walburg von Spiegel († zwischen 1591 und 1609), Tochter des Phlipp von Spiegel zum Desenberg und der Catharina von Canstein, verheiratet. In zweiter Ehe heiratete er Eitel Bischoff. 1580 erhielt er vom Abt Georg des Klosters Marienmünster einen Lehnbrief über ein Viertel des Zehnten zu Alvensen, einen Hof und vier Hufen dort.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 607u / Kloster Marienmünster / Urkunden, Nr. 15, abgerufen am 12. April 2026. Nach dem Tod Arnolds war Heinrich von Calenberg zu Westheim Vormund der nachgelassenen Söhne Arnolds: Schöneberg, Fritz Arnd (Friedrich Arnold), Lippold und Simon Gottschalk von Siddessen.Jacobs (1972/3), Sp. 303–306. Am 11. April 1611 stellte Friedrich Arnold von Siddessen einen Lehnrevers für Güter des Klosters Albinghof aus.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 608u / Kloster Abdinghof, Paderborn / Urkunden, Nr. 1026, abgerufen am 12. April 2026. Kurz darauf muss er verstorben sein, denn schon am 10. September 1612 wurden diese Güter, 8 Hufen Land, 8 Kotstätten und der Schaftrift zu Halle (Mannlehen) sowie 2 Hufen zu Dodenhusen und 3 Hufen zu Halle (Pachtlehen) in der Herrschaft Homburg, an Dietrich von Halle vergeben, unter Bezeugung des Lippolds von Siddessen.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 608u / Kloster Abdinghof, Paderborn / Urkunden, Nr. 1617, abgerufen am 12. April 2026. 1630 stellte Lippold von Siddessen, wie seine Vorfahren Burgmann zu BorgentreichLandesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 404u / Fürstbistum Paderborn, Lehnskurie / Urkunden, Nr. 975, Nr. 1274, Nr. 1275, Nr. 1276, Nr. 1277, abgerufen am 12. April 2026. und in erster Ehe mit Guida von Calenberg verheiratet,Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, E 301u / Grafschaft Rietberg / Urkunden, Nr. 901, abgerufen am 12. April 2026. zusammen mit seinem Schwiegersohn Georg Hilmar von Haxthausen (erscheint 1634 als verstorbenVereinigte Westfälische Adelsarchive, Abb.A.Ak / Abbenburg, Akten, Nr. Abb.A.Ak - 26, abgerufen am 12. April 2026.), Ehemann seiner Tochter Eva Judith von Siddessen, eine Schuldverschreibung aus.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Gre.A / Archiv Grevenburg, Nr. Gre.Gre - 2960, abgerufen am 12. April 2026. Zehn Jahre später, 1640, heiratete Lippold von Siddessen in zweiter Ehe Clara Anna von Spiegel, Tochter des Hermann von Spiegel zum Desenberg.Leopold Nedopil: Deutsche Adelsproben aus dem Deutschen Ordens-Central-Archive, 2. Band, Wien 1868, S. 280 (PDF; 22,1 MB auf wikimedia.org). Mit dem Tod von Lippold von Siddessen († 1652) erlosch das Geschlecht im Mannesstamm.
Anna Margaretha von Siddessen (* ca. 1609), Tochter des oben genannten Fritz Arnd von Siddessen, Burgmann zu Borgentreich, und dessen Ehefrau Margaretha von Weiters († vor 2. September 1615), lebte noch bis 1675. Sie war ab 1634/5 mit Heinrich Bischoff († 1685), Ratsherr und Bürgermeister in Helmarshausen, verheiratet.
Wappen Blasonierung: In Rot ein in drei Reihen von Schwarz und Silber gerauteter schrägrechter Balken. Der Helm mit rot-silbernen Helmdecken ein offener roter Flug, jeder Flügel absteigend mit dem beschriebenen Balken belegt.
Literatur Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 362 f. (Boogle Bücher). Johannes Friedrich Jacobs: Eine Nachkommenlinie der Edlen Jutta von Schöneberg. In: Hessische Familienkunde, Bd. 11 (1972–1973), Sp. 303–306 (PDF; 41 KB auf jacobs-schumacher.eu). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 118 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 297 (hhu.de).
Einzelnachweise
Kategorie:Westfälisches Adelsgeschlecht