Johannes Wertheim (* 14. Mai 1888 in Wien; † 26. September 1942 im KZ Auschwitz) war ein österreichischer Verlagsbuchhändler, Funktionär und Schriftsteller.

Leben Wertheims Eltern waren der Journalist Abraham Wertheim und dessen Ehefrau Adelheid, geb. Schwarz. Nach dem Abschluss am Erzherzog-Rainer-Gymnasium in Wien studierte er von 1907 bis 1912 Philosophie, Pädagogik und Anglistik an der Universität Wien und wurde 1912 promoviert. Er war Mitglied der zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion, wurde während des Januarstreiks 1918 in Wien inhaftiert und gründete 1918 zusammen mit Leo Rothziegel, Egon Erwin Kisch und anderen die Föderation Revolutionärer Sozialisten Internationale (FSRI), die sich später mit der KPÖ zusammenschloss. Wertheim war führend in der KPÖ tätig, wo er für Presse und Propaganda zuständig war und kurzfristig als Chefredakteur des Zentralorgans „Die Rote Fahne“ amtierte. 1920 kandidierte er gegen den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Friedrich Adler bei den Nationalratswahlen.

Seit 1921 leitete Wertheim die Arbeiterbuchhandlung der KPÖ in der Alser Straße in Wien, 1924 gründete er den Verlag für Literatur und Politik. Bis 1933 erschienen dort 132 Werke und drei Zeitschriften. Der Verlag vertrieb die in Berlin erscheinenden Bände der Lenin-Werkausgabe und andere Grundlagenschriften des Sozialismus. Daneben gründete Wertheim auch den Agis- und den Münster-Verlag. Der Agis-Verlag spezialisierte sich auf Anti-Kriegsliteratur, hier erschien auch Heinrich Wandts Buch „Erotik und Spionage in der Etappe Gent“, das sich mit kriminellem Verhalten von militärischem Personal in besetzten Gebieten im Ersten Weltkrieg beschäftigte.

Nach dem Verbot der KPÖ im Mai 1933 entzog man Wertheim im Juni 1934 die Gewerbeberechtigung. Wertheim floh 1934 über Zürich nach Paris. Bis 1939 arbeitete er im Verlagswesen der Kommunistischen Internationale. Von 1939 bis 1940 war er interniert, ab Mai 1941 im Internierungslager Pithiviers. 1942 wurde er vom Sammellager Drancy ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Johannes Wertheim war seit 1914 mit Hilde (Hilda), geb. Hofmann, verheiratet, die später Redakteurin der „Roten Fahne“ und Funktionärin der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) war.

Veröffentlichungen

Die Föderation revolutionärer Sozialisten „Internationale“. Eine Episode aus der österreichischen Arbeiterbewegung 1918/19. In: Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Bd. 12 (1926), S. 297–309 (Digitalisat). Durch Demokratie zum Faschismus: 1918–1928. Verlag der Arbeiterbuchhandlung, Wien ca. 1928. Das Jubiläum einer alten Hure und ihre Gratulanten. In: Die Rote Fahne. Bd. 11 (1928), Nr. 127, 31. Mai 1928, S. 5 (Digitalisat). Im Zeichen der Sowjetunion werden wir siegen. In: Die Rote Fahne, Bd. 12 (1929), 1. Mai 1929, S. 8 (Digitalisat). Sozialdemokratische Arbeiter über die Sowjetunion. Die 3. österreichische Arbeiterdelegation im Lande des sozialistischen Aufbaus. Bund der Freunde der Sowjetunion, Wien 1931.

Literatur

Georges Wertheim: Die Odyssee eines Verlegers: In memoriam Dr. Johannes Wertheim (1888–1942). In: Jahrbuch des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (1996), S. 204–229. Manfred Mugrauer: Wertheim, Johann (Johannes) (1888–um 1942), Verlagsbuchhändler, Funktionär und Schriftsteller. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. Bd. 16 (2019), Lieferung 70, S. 143f. (online: https://doi.org/10.1553/0x003afd3c). Hanna Schneck: Die kommunistischen Verlage von Hilde und Johannes Wertheim. In: Dies., Arne Reimer, Monika Faber u. a.: Buchumschlag! Fotomontagen im politischen Kampf der 1930er-Jahre in Österreich. Schlebrügge.Editor, Wien 2025, ISBN 978-3-903447-23-3, S. 104–119.

Kategorie:Parteifunktionär (Österreich) Kategorie:Autor Kategorie:Buchhändler Kategorie:Todesopfer im KZ Auschwitz Kategorie:Politiker (Wien) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1888 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann