mini|San Giovanni Battista im Plan des Jacopo de’ Barbari, angefertigt um 1500 (Detail) mini|Canaletto: Ausschnitt aus dem Gemälde Bacino di San Marco, um 1738, Museum of Fine Arts, Boston San Giovanni Battista, zur Unterscheidung von den anderen, demselben Kirchenpatron geweihten Kirchen der Stadt häufig San Giovanni Battista della Giudecca genannt, war ein Kirchen- und Klosterkomplex auf der Giudecca, einer Inselkette am Südrand des historischen Zentrums der Stadt Venedig. Die Feier der ersten Weihung wurde jedes Jahr am 12. Februar begangen, allerdings ist nicht überliefert welchen Jahres. Die Gründung erfolgte ab 1333, das zugehörige Kloster wurde 1344 fertiggestellt, der Orden der Kamaldulenser 1767 von der Republik Venedig aufgelöst. Abgerissen wurde der Komplex vor 1821, nachdem er seit 1806 verwaist gewesen war.
Geschichte Die Kirche geht auf eine Initiative der Kamaldulenser von San Mattia auf der Insel Murano, nördlich von Venedig, zurück. Auslöser war der Nachlass des Buonacorso Benedetti, eines vermögenden Cittadino und Händlers aus Lucca, der in Venedig schwer erkrankt war. Er erteilte den Eremiten von San Mattia und zwei Commissari den Auftrag, auf der Giudecca eine Kirche für Johannes den Täufer zu errichten. Dort sollte auch ein Kloster der Kamaldulenser entstehen, das aber von San Mattia abhängig sein sollte. Darüber hinaus war ein Hospiz namens San Francesco für 20 Arme vorgesehen. Als Buonacorso Benedetti im Jahr 1333 wieder gesund wurde, gedachte er selbst ein Kloster im Gebiet von Treviso zu gründen. Wie Flaminio Corner vermerkt, starb er jedoch bereits 1339, wie sich aus einer Inschrift in seiner Urne ablesen lasse. Sein Leichnam wurde in das Kloster auf der Giudecca verbracht.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 457.
Dieses Kloster wurde 1344 fertiggestellt und 1369 erweitert. 1413 kam es mit Papst Johannes XXIII. zu einer Auseinandersetzung um dessen in den Augen des Senats von Venedig unrechtmäßigen Eingriff in die Wahl des Priors. Der Senat betrachtete das Kloster als dem Dogen untergeordnet, während der Papst dies ignorierte und einen Girolamo Tagliapietra zum Prior bestimmte; die venezianischen Unterhändler erreichten, dass Tagliapietra zwar im Amt bleiben konnte, doch seine Nachfolger bestimmte fortan Venedig.
Mit dem aus Venedig stammenden Papst Eugen IV., in dessen Amtszeit die Frage der Rückkehr der Orden zur Observanz eines der vorherrschenden Themen war,Simona Iaria: Da Ambrogio Traversari a Luca Carducci : aspetti e momenti della riforma camaldolese nell’età di Eugenio IV., in: Aevum LXXXIX (2025) 483–524, hier: S. 483. kam es zu einer noch heftigeren Auseinandersetzung, als dieser das Kloster der Kongregation der Säkularkanoniker von San Giorgio in Alga unterstellen wollte. 1502 kam es mit Papst Alexander VI. zu einer ähnlichen Auseinandersetzung. Das Franziskus-Hospiz war inzwischen mit so geringen Mitteln ausgestattet, dass es seine Pforten schließen musste.
Die geistliche Unterordnung unter die Kamaldulenser wurde aufgegeben, als sich das Kloster der 1496 gegründeten Kongregation de nove luoghi anschloss. Diese wiederum wurde der Kongregation von San Michele di Murano unterstellt; dieses Kloster galt als caput, als Haupt einer „mächtigen, selbständigen Kongregation“.Giovanni Tabacco: Kamaldulenser, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. V, Sp. 878–880, hier: Sp. 880. Insgesamt bestand diese aus 17 luoghi, also Plätzen oder Orten. Das Besondere war, dass dem Kloster nunmehr ein eigener Abt vorstand.
Das Kloster San Giovanni Battista wurde 1767 von der Republik Venedig aufgelöst, die Kamaldulenser wurden jedoch nicht vertrieben und praktizierten weiterhin die Riten in der Kirche,Giuseppe Tassini: Curiosità veneziane, Filippi, Venedig 1979, S. 264. bis das Kloster 1806 durch napoleonische Dekrete geschlossen wurde. In den Jahren vor 1821 wurde der Komplex aus Kirche und Kloster abgerissen.
Literatur Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 457 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 19 f. („S. Zuanne, oder S. Giovanni della Zuecca, Kamaldulenser Mönche“). (Digitalisat)
Weblinks
Anmerkungen
Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Giovanni Battista Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Giudecca Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Venedig Venedig