Die maledivisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das Verhältnis zwischen der Inselrepublik der Malediven und der Republik Portugal. Die Länder unterhalten seit 1995 diplomatische Beziehungen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu den Malediven, diplomatisches Institut des Außenministerium Portugals, abgerufen am 29. März 2026

Ihre Beziehungen gelten als freundschaftlich, aber noch wenig intensiv. Abseits der historischen Präsenz der Portugiesen auf den Malediven, an deren Ende 1573 der maledivische Feiertag Qaumee Dhuvas (englisch: National Day) jährlich erinnert, bestehen keine bedeutenden kulturellen, wirtschaftlichen, politischen oder religiösen Gemeinsamkeiten zwischen den geografisch weit voneinander entfernten Staaten. So bestehen keine gegenseitigen diplomatischen Vertretungen, keine Städtefreundschaften und keine Freundschaftsgesellschaften oder Parlamentariergruppen (Stand 2020). Ihr offizieller Austausch findet über multilaterale Organisationen statt, insbesondere die verschiedenen UN-Organisationen und die Partnerschaft zwischen den Malediven und der EU, der Portugal seit 1986 angehört,International Partnerships: Maldives, Webseite der Europäischen Kommission zur Partnerschaft mit den Malediven, abgerufen am 3. April 2026 und dort sind insbesondere Umweltthemen wie Meeresschutz und der Kampf gegen den Klimawandel für beide Staaten besonders wichtige Themen. Daneben stellt der Tourismus das engste Verbindungsglied: die Malediven sind bei portugiesischen Urlaubern als exklusives und exotisches Reiseziel bekannt, es bestehen portugiesische Tourismusinvestitionen auf den Malediven, und im Rahmen politischer und privatwirtschaftlicher Veranstaltungen und Messen zu Tourismusthemen treffen Vertreter beider Länder regelmäßig zusammen, darunter auch auf der jährlichen Tourismusmesse Better Tourism Lisbon travel market (BTL) in den Lissabonner Messehallen FIL, wo auch die Malediven regelmäßig vertreten sind. Dieser Wirtschaftsbereich ist für beide Länder bedeutend.

Eine nennenswerte gegenseitige Diaspora als mögliches weiteres Verbindungsglied besteht nicht: im Jahr 2021 waren lediglich sieben maledivischen Staatsbürger in Portugal gemeldet, fünf im Distrikt Coimbra und zwei im Distrikt Lissabon,Offizielle portugiesische Ausländerstatistiken nach Distrikt, (damalige) portugiesische Ausländer- und Grenzbehörde SEF, abgerufen am 29. März 2026 auf den Malediven waren im Jahr 2020 keine Portugiesen konsularisch registriert.Webseite zur portugiesisch-maledivischen Migration beim portugiesischen wissenschaftlichen Observatório da Emigração, abgerufen am 29. März 2026

Zivilgesellschaftlich bestehen im Bereich des Sports regelmäßige Kontakte auf internationalen Veranstaltungen, in Kultur und anderen Bereichen dagegen nur sporadisch.

Geschichte mini|hochkant|Zeichnung maledivischer Menschen im portugiesischen Códice Casanatense (um 1540). mini|hochkant|Zeichnung Malés von 1886 mit der alten portugiesischen Festung: die Malediven waren nur sporadisch und punktuell von den Portugiesen kontrolliert und zählten nur von 1558 bis 1573 zum portugiesischen Kolonialreich, ohne bedeutende Spuren aus der Zeit. mini|hochkant|Flugzeug der in Portugal ansässigen NetJets Europe-Airline auf dem Malé International Airport (2007): im Tourismus bestehen heute die aktivsten Verbindungen zwischen beiden Ländern. Im Zuge der zweiten Indienexpedition unter Pedro Álvares Cabral erreichten die Portugiesen die Malediven 1505 als erste Europäer.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs (Kröners Taschenausgabe. Band 385). Aus dem Portugiesischen von Michael von Killisch-Horn. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-38501-5, S. 147.

Anfangs bezeichneten die Portugiesen mit Maldivas die gesamten Inseln sowohl des heutigen Staates Malediven als auch der heute zu Indien gehörenden Lakkadiven, gleichwohl ihnen damals schon große Unterschiede zwischen den beiden Inselgruppen in Bezug auf Kultur, Handelsbeziehungen und politisch-diplomatische Verhältnisse bekannt waren. Während die Lakkadiven vor allem mit Kannur (port. Cananor) an der indischen Malabarküste verbunden waren, hatten die Malediven vor allem zur Insel Ceylon (das heutige Sri Lanka) ihre wichtigsten Beziehungen.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006 (ISBN 972-47-2935-4), S. 819 Seit Beginn des 16. Jahrhunderts konsolidierten die Portugiesen ihre Präsenz in der Region zunehmend und weiteten das portugiesische Kolonialreich von Goa aus weiter aus, in dem sie Befestigungen und Handelsstützpunkte errichteten. Im Zusammenhang mit der Eroberung Colombos auf Ceylon im Jahr 1508 errichteten sie danach, zur Absicherung der Seewege zu ihrem neuen Handelsstützpunkt, eine Reihe weiterer Festungen, darunter auch eine auf den Malediven. Darüber hinaus jedoch schenkten die Portugiesen den Inseln lange Zeit vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs (Kröners Taschenausgabe. Band 385). Aus dem Portugiesischen von Michael von Killisch-Horn. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-38501-5, S. 151f.

Der Herrscher Mamale des indischen Kannur strebte dann eine Ausdehnung seines Machtbereichs auf die Malediven an und unterband damit die ab 1520 ohnehin nur halbherzigen portugiesischen Ansätze, hier einen befestigten Handelsposten zu errichten, um ihre Handelswege in der Region auch nach Süden hin besser abzusichern. In der Folge kam es zu keiner nennenswerten portugiesischen Präsenz auf den Malediven, und die Portugiesen schenkten den Inseln nun immer weniger Beachtung und begnügten sich mit der für sie wichtigen strategischen Kontrolle der hier verlaufenden Handelswege.

Im Jahr 1558 besetzten die Portugiesen dann die Inseln und versuchten sie zu christianisieren, trafen dabei aber auf zunehmend starken, religiös motivierten Widerstand und wurden nach einem achtjährigen Widerstandskrieg unter dem Anführer Muhammad Thakurufaanu al-Auzam 1573 wieder von der, bis heute streng sunnitischen, Bevölkerung vertrieben. Mit dem Feiertag Qaumee Dhuvas (englisch National Day) gedenken die Malediven bis heute dieser historischen Episode, die als Grundstein der fortan erfolgreichen Ablehnung jeder Fremdherrschaft auf den Malediven gesehen wird.Maldives: Qaumee Dhuvas - August 14, 2026, Artikel einer internationalen Website zu Nationalfeiertagen, abgerufen am 4. April 2026Os primeiros portugueses nas Maldivas - „Die ersten Portugiesen auf den Malediven“, Artikel vom 2. Oktober 2025 der portugiesischen Reisewebsite portuguesesemviagem.com, abgerufen am 4. April 2026

Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Malediven erst niederländisch, ohne eine faktische Kolonie zu werden, und danach britisch, um ab dem Vertrag der Briten mit dem Sultan von Malé 1887 formell britisches Schutzgebiet zu werden, wobei die Briten vor Ort kaum präsent waren und das Sultanat der Malediven sich weiterhin selbstständig regierte. Die Überreste der kleinen portugiesischen Festung in der Hauptstadt Malé wurden im Zuge der Umgestaltung der Stadt durch Sultan Muhammad Shamsuddeen III. Mitte der 1920er Jahre abgerissen, womit das letzte nennenswerte Erbe der Portugiesen auf den Malediven verschwand. 1965 wurden die Malediven auch formell wieder vom Vereinigten Königreich unabhängig.

Erst am 9. Februar 1995 nahmen die Malediven und Portugal direkte diplomatische Beziehungen auf. Sie richteten danach jedoch weder gegenseitige diplomatische noch konsularische Vertretungen ein und näherten sich kaum an. Zwar beglückwünschen sich beide Staaten am jeweiligen Nationalfeiertag offiziell und bekräftigen die freundschaftlichen Beziehungen und ihren Willen, engere Beziehungen knüpfen zu wollen.Foreign Minister Dr. Khaleel sends Portugal Day greetings to the Foreign Minister of Portugal (aktuelles Beispiel der jährlichen Grußnoten), Pressemeldung vom 10. Juni 2025 des maledivischen Außenministeriums zum Dia de Portugal, abgerufen am 29. März 2026 Doch mangels bedeutender gemeinsamer Themen abseits von Tourismus und Umweltthemen ist dies bislang kaum geschehen.

Diplomatie Die Malediven unterhalten keine eigene Botschaft in Portugal, zuständig ist die maledivische Vertretung in Brüssel.

Portugal hat ebenfalls keine Botschaft auf den Malediven, das Land gehört zum Amtsbezirk des portugiesischen Botschafters in Indien.Diplomatisch-konsularische Kontakte Portugals auf den Malediven, Website des portugiesischen Außenministeriums für Reisende und Auslandsportugiesen, abgerufen am 29. März 2026

Auch gegenseitige Konsulate bestehen nicht (alles Stand Februar 2026).

Wirtschaft mini|Transportzug aus der Autoeuropa-Fabrik: Fahrzeuge sind nach Aluminium das zweitwichtigste Exportgut Portugals auf die Malediven, von wo ausschließlich Fisch, Krustentiere und andere Meeresfrüchte nach Portugal kommen. Der bilaterale Handel zwischen den Malediven und Portugal ist noch sehr schwach entwickelt. Im Jahr 2024 belief sich das Handelsvolumen auf etwa 3,94 Mio. US-Dollar, mit einem massiven Handelsbilanzüberschuss von etwa 3,85 Mio. US-Dollar zu Gunsten Portugals.

Die Malediven exportierten dabei Waren im Wert von 44.520 US-Dollar nach Portugal, ausschließlich Fisch, Krustentiere und Meeresfrüchte.Maldives Exports to Portugal auf tradingeconomics.com, abgerufen am 3. April 2026

In Gegenrichtung führte Portugal Waren im Wert von 3,89 Mio. US-Dollar in die Malediven aus, davon 1,13 Mio. US-Dollar Aluminium, 0,750 Mio. US-Dollar Fahrzeuge, 0,588 Mio. US-Dollar Textilien und 0,215 Mio. US-Dollar Keramikprodukte.Maldives Imports from Portugal auf tradingeconomics.com, abgerufen am 3. April 2026

Die portugiesische Außenhandelskammer AICEP unterhält kein Büro auf den Malediven, das Land wird vom AICEP-Büro in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi betreut.

Neben dem Warenaustausch bestehen auch vereinzelte portugiesische Direktinvestitionen auf den Malediven, etwa das Ecoboo Maldives, ein von zwei Portugiesen ökologisch entworfenes und geführtes Hotel auf der Insel Thinadhoo.Portrait des Ecoboo Maldives (portugiesisch) auf einer portugiesischen Reisewebsite, abgerufen am 4. April 2026

Sport Fußball mini|hochkant|Der frühere maledivische Läufer und heutige Trainer Naseer Ismail. Die Maledivische und die Portugiesische Fußballnationalmannschaft der Männer spielten bisher noch nicht gegeneinander. Auch die Maledivische und die Portugiesische Fußballnationalmannschaft der Frauen noch nicht, und am portugiesischen Algarve-Cup haben die Malediverinnen bisher nicht teilgenommen (alles Stand Februar 2026).

Der Portugiese Manuel Gonçalves Gomes, bekannt als Professor Neca, war 2004 Trainer der Maledivischen Männer-Auswahl. Der Portugiese Bernardo Tavares trainierte 2017 den maledivischen Hauptstadtklub New Radiant.

Andere Der olympische maledivische Läufer Naseer Ismail startete bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften 2003 im portugiesischen Vilamoura, wo er auf dem 85. Platz landete.

Weblinks

Website der diplomatischen Beziehungen der Malediven zu Portugal beim maledivischen Außenministerium Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu den Malediven, diplomatisches Institut des portugiesischen Außenministeriums

Einzelnachweise