Craugastor crassidigitus, auf Englisch als Isla Bonita Robber Frog oder Slim-fingered Rain Frog bezeichnet, ist eine Art innerhalb der Familie der Craugastoridae und gehört zur Gattung Craugastor. Ein etablierter deutscher Name ist für diese Art nicht dokumentiert.
Beschreibung Nach AmphibiaWeb variiert die Größe je nach Population zwischen etwa 20,2 mm und 44,7 mm. Kopf-Rumpf-Länge (SVL) von Craugastor crassidigitus. Nach Leenders erreichen Männchen eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 30 mm, Weibchen von bis zu 48 mm; die Art zeigt damit einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus, wobei Weibchen insgesamt robuster gebaut sind als Männchen. Der Körper ist schlank, mit langen, muskulösen Hinterbeinen. Der Kopf ist relativ schmal und misst 35,5–41,0 % der Kopf-Rumpf-Länge. Die Schnauze ist mäßig lang und leicht zugespitzt. Der Canthus rostralis ist scharf ausgeprägt, und der obere Augenlidrand trägt einige dunkelbraune Flecken sowie mehrere niedrige, nicht vorspringende Höcker. Das Trommelfell ist deutlich erkennbar und misst bei Männchen die Hälfte bis zwei Drittel, bei Weibchen zwei Fünftel bis drei Fünftel des Augendurchmessers; es wird von einer supratympanalen Hautleiste gesäumt, die steil nach unten abfällt. Die Rückenhaut ist fein gekörnt und mit vereinzelten Höckern besetzt, insbesondere im Schulterbereich, während die Bauchseite glatt ist.
An den Händen sind keine Schwimmhäute zwischen den Fingern vorhanden. Die Finger I und II tragen kleine, runde Haftscheiben, während die Finger III und IV stark vergrößerte, abgestutzte Haftscheiben aufweisen. Die Zehen sind demgegenüber deutlich stärker durch Schwimmhäute verbunden, vor allem zwischen den Zehen II, III und IV, mit seitlichen Hautfransen an den unbewebten Abschnitten; die Haftscheiben der Zehen sind kleiner als die vergrößerten Fingerscheiben.
Männchen besitzen einen kehlständigen Schallsack sowie Stimmritzen, die jedoch von außen meist nicht sichtbar sind. Auf den Daumen tragen Männchen nicht-dornige Brunftschwielen.
Die Rückenfärbung ist sehr variabel. Populationen aus Costa Rica sind lavendelfarben bis rötlich-olivbraun. Panamaische Populationen können grau, graubraun, hell- oder dunkelbraun, rosa-, orange- oder rötlichbraun sein. Die Bauchseite ist typischerweise weiß oder hellgelb. Die Gliedmaßen sind auf der Unterseite blassgrün oder gelb, manchmal auch orange. Einzelne Tiere können orange-rote Flecken oder Suffusionen auf den Oberschenkeln aufweisen. Die Kehlenfärbung variiert stark von weiß bis schwarz. Die untere Irisbälfte ist blassgau, die obere kann grau, bronze, braun oder rot sein.
Es sind drei Grundmuster bekannt: (1) einheitliche Grundfarbe mit dunklen Rückenzeichnungen (meist Sanduhr, Schmetterlingsform oder W-Muster sowie ein Balken oder Schmetterling zwischen den Augen), (2) blasse, ungefleckte Färbung mit dunklen Linien entlang der Rückenränder, und (3) wie Typ 2, jedoch mit hellem Medianstreifen. Ergänzend wird ein breiter, heller Mittelrückenstreifen beschrieben, der bei manchen Individuen auftreten kann.
Jungtiere mehrerer Hochlandpopulationen weisen einen deutlichen Grünanteil in der Färbung auf, und auch adulte Tiere zeigen gelegentlich eine unregelmäßige, metallisch-grüne Marmorierung auf Kopf und Rücken.
Ähnliche Arten Craugastor crassidigitus kann mit mehreren nahe verwandten Arten verwechselt werden.
Craugastor fitzingeri besitzt dunkelbraune bis schwarze Oberschenkelrückseiten mit deutlichen, blassgelben Flecken sowie eine rauere, mit verstreuten Höckern und Leisten versehene Rückenhaut und eine mäßige Zehenbehäutung.
Craugastor talamancae weist ebenfalls einheitlich rötlich-braune Oberschenkelrückseiten auf, hat jedoch nur eine basale Zehenbehäutung und lässt sich meist anhand eines weißen, auf den Körper übergreifenden Lippenstreifens unterscheiden.
Craugastor chingopetaca zeigt eingedellte Haftscheiben an den äußeren Fingern und einen fehlenden weißen Streifen an der Kehle. Craugastor rayo unterscheidet sich durch purpurbraune Oberschenkelrückseiten und einen deutlichen Höcker an jeder Ferse.
Verbreitung Craugastor crassidigitus kommt in Costa Rica, Panama und im äußersten Nordwesten Kolumbiens vor. Ein Vorkommen im benachbarten Nicaragua wird erwartet, wurde aber noch nicht bestätigt. Die Art ist von 10 bis 2.000 m über dem Meeresspiegel nachgewiesen, ist jedoch am häufigsten unterhalb von 1.500 m.
In Costa Rica ist die Art an mehreren Standorten nachgewiesen, darunter San Vito, Guayacan, Monteverde, Parque Nacional Braulio Carrillo sowie La Selva und die umliegenden Sekundärwälder.
Lebensweise Craugastor crassidigitus ist überwiegend nachtaktiv und wird dann häufig auf niedriger Vegetation sowie auf dem Waldboden angetroffen; ebenso findet man die Art auf Felsen an kleinen, steinigen Wasserläufen. Tagsüber zieht sie sich in die Laubstreu zurück, aus der die Tiere gelegentlich von Wanderern aufgescheucht werden, was auf ein gewisses Maß an Tagaktivität hindeutet. Die Art zeigt jedoch kein aquatisches Verhalten und meidet auch während der Trockenzeit wassergefüllte Bromelien. Die eng verwandte Art Craugastor fitzingeri besetzt eine sehr ähnliche ökologische Nische, und beide Arten kommen mitunter gemeinsam vor.
Männchen rufen meist von Zweigen oder anderen Sitzwarten nahe dem Boden, wobei ihr zweitöniger Ruf sowohl der Anwesenheitsanzeige als auch der Reviermarkierung dient. Es sind zwei Ruftypen bekannt: ein vogelähnliches Zwitschern und ein „Chuck-Chirp“. Das vogelähnliche Zwitschern ist etwa 0,10–0,12 s lang und liegt im Frequenzbereich von 1.400–4.500 Hz. Der Chuck-Chirp ist 0,02–0,13 s lang und klingt wie kurze Klicklaute, die langsam beginnen und am Ende schneller werden. Die Rufaktivität ist am ausgeprägtesten in der Abenddämmerung, insbesondere nach starken Nachmittagsregen, gelegentlich rufen Männchen auch an bewölkten, leicht regnerischen Tagen. Während der Trockenzeit sind Rufe selten, obwohl die Tiere weiterhin aktiv sind; die höchste Rufintensität fällt vermutlich mit der Hauptfortpflanzungszeit während der Regenzeit zusammen.
Die Art weist eine direkte Entwicklung auf; die Jungtiere schlüpfen direkt als fertig entwickelte Frösche aus den Eiern, ohne ein freies Kaulquappen-Stadium zu durchlaufen. Die Weibchen legen ihre Eier an feuchten Kleinstandorten in der Laubstreu oder in flachen Bodenmulden ab, häufig unter einem Ast oder Stein.
Craugastor crassidigitus kommt sowohl in weitgehend unberührten Wäldern als auch in Sekundärvegetation, Plantagen und anderen anthropogen veränderten Habitaten vor und gilt als anpassungsfähige, häufige Art, solange Baumbestand und die damit verbundene Laubstreu-Bodenschicht weitgehend erhalten bleiben.
Gefährdung Craugastor crassidigitus wird von der IUCN auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als „nicht gefährdet“ (Least Concern, LC) geführt. Die letzte Bewertung erfolgte am 4. September 2019 und wurde 2020 veröffentlicht. Begründet wird diese Einstufung mit dem weiten Verbreitungsgebiet, der Toleranz gegenüber einem breiten Spektrum an Habitaten und der vermuteten großen Gesamtpopulation. Der Populationstrend gilt dennoch als abnehmend.
Als einzige dokumentierte Bedrohung gilt die Chytridiomykose, verursacht durch den Pilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd), der in Teilen des Verbreitungsgebiets zu Populationsrückgängen geführt hat. Schwere Rückgänge wurden aus El Copé in Panama gemeldet; die Population in Monteverde verschwand aus dem unteren Peñas-Blancas-Tal. In anderen Gebieten wie Braulio Carrillo und La Selva ist die Art weiterhin präsent.
Die Art kommt in mehreren Schutzgebieten innerhalb ihres Verbreitungsgebiets vor, darunter der Parque Nacional Natural Katíos in Kolumbien.
Systematik und Taxonomie Die Art wurde im Jahr 1952 von Edward Harrison Taylor als Eleutherodactylus crassidigitus erstmals beschrieben. Sie wurde 2005 in die Gattung Craugastor und die Familie Craugastoridae gestellt.
Populationen aus höheren Lagen der Cordillera de Talamanca unterscheiden sich von Tieflandpopulationen in Körpergröße, Färbung und Kopfform. Es wird daher vermutet, dass es sich bei Craugastor crassidigitus tatsächlich um einen Komplex mehrerer, noch nicht formal beschriebener Arten handelt.
Folgende Synonyme sind bekannt: Eleutherodactylus crassidigitus Taylor, 1952 (Basionym)
Einzelnachweise Craugastor crassidigitus bei AmphibiaWeb. University of California, Berkeley. Abgerufen am 15. Februar 2026. Craugastor crassidigitus Twan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 240–242. Abgerufen am 10. Juni 2026.
Literatur Lynch, J. D. and Myers, C. W. (1983). Frogs of the fitzingeri group of Eleutherodactylus in eastern Panama and Chocoan South America (Leptodactylidae). Bulletin of the American Museum of Natural History 175(5): 481–572. Crawford, A. J. and Smith, E. N. (2005). Cenozoic biogeography and evolution in direct-developing frogs of Central America (Leptodactylidae: Eleutherodactylus) as inferred from a phylogenetic analysis of nuclear and mitochondrial genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 25: 536–555. Savage, J. M. (2002). The Amphibians and Reptiles of Costa Rica: A Herpetofauna between two Continents, between two Seas. University of Chicago Press, Chicago.
Weblinks
Craugastor crassidigitus bei AmphibiaWeb, University of California, Berkeley. Craugastor crassidigitus bei GBIF – Global Biodiversity Information Facility. Craugastor crassidigitus bei ADW – Animal Diversity Web. Craugastor crassidigitus bei MOL – Map of Life. Craugastor crassidigitus bei iNaturalist.org
Kategorie:Craugastoridae Kategorie:Craugastoridae (Familie)