Ernestine „Erna“ Lederer, geb. Mendel (; * 28. Juni 1884 in Wien, Österreich-Ungarn; † 29. Januar 1981 in Haifa) war eine österreichische Radiererin, Malerin, Grafikerin und Zeichnerin, die während der NS-Verfolgung im Exil die US-amerikanische Staatsbürgerschaft annahm und 1968 nach Israel zog.
Werdegang Erna Mendel wurde 1884 als Tochter von Siegmund und Therese Mendel in eine gutsituierte jüdische Wiener Familie geboren. Ihre Eltern förderten ihr bereits früh entdecktes künstlerisches Talent und sie absolvierte die Kunstschule für Frauen und Mädchen in Wien bei Ludwig Michalek. 1903 war sie Gründungsmitglied des Radierklubs Wiener Künstlerinnen, der aus der ersten Abschlussklasse der Kunstschule für Frauen und Mädchen hervorging. Der Radierklub hatte seinen Sitz in einer Druckerei in der Graf Starhemberggasse 3 im Wiener Gemeindebezirk Wieden. Die Mitglieder arbeiteten und druckten in der Kupferdruckerei ihre Werke und verlegten Jahresmappen. Die bildnerischen Themen reichten von Landschaften und Stadtansichten über Interieurs bis Porträt und Akt. In den Publikationen des Radierklubs, dem Erna Mendel bis 1906 angehörte, erschienen regelmäßig ihre Zeichnungen.
Im Februar 1909 heiratete Erna Mendel den Ingenieur der Chemie und Industrieunternehmer Gustav Lederer, mit dem sie die Söhne Fritz Sigmund (1910–1971) und Karl Theodor (1912) bekam. Die Familie wohnte in der Lannerstraße 12 in Döbling. In der Folge beteiligte sie sich mit Grafiken und Radierungen an mehreren Ausstellungen. 1926 folgte ein Aufenthalt in Berlin, wo sie bei Johannes Itten studierte und sich zunehmend der Zeichnung und Malerei widmete. Bei den Planungen zur neuen Villa des Ehepaares in der Scheibengasse 12 auf der Hohen Warte verliebte Erna Lederer-Mendel sich in den beauftragten Architekten Ernst Schwadron. Die Familie zog 1928 noch in das neue Haus, aber 1929 wurde die Ehe geschieden und 1930 heiratete sie Ernst Schwadron. Bekanntheit erlangte ihr Entwurf eines weißen Teppichs für sein Penthouse am Franz-Josefs-Kai 3 in Wien. Die Ehe wurde 1931 geschieden. Dennoch signierte sie weiterhin ihre Werke mit „Erna Schwadron“ oder „Erna Svadron“.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich emigrierte Erna Lederer-Schwadron 1938 nach New York, ebenso wie ihr Sohn Fritz, der 1938 aus rassistischen Gründen die Universität Wien verlassen musste und erst in Illinois und später als Patentanwalt ebenfalls in New York lebte. Viele ihrer Originalradierungen und Materialien gingen während des Zweiten Weltkrieges verloren. 1944 erhielt Erna Lederer-Schwadron die amerikanische Staatsbürgerschaft. Bis 1968 lebte sie in New York und übersiedelte dann nach Haifa zu ihrem Sohn Karl Theodor. Sie war zeitlebens künstlerisch tätig und wendete sich im Alter von 90 Jahren wieder dem Kupferstich zu. Erna Lederer-Schwadron starb Anfang 1981 im Kreise ihrer Familie in Haifa.
Ausstellungen und Sammlungen In Wien wurden in Ausstellungen der Albertina Erna Lederer-Schwadrons Werke – vorwiegend Kupferstiche – gezeigt. In Paris wurde sie bei einer Ausstellung mit einem „Diplome d’honneur“ ausgezeichnet. Ausstellungen in New York und Haifa folgten. 1911: Ausstellung Radierklub Wiener Künstlerinnen, Wien 1914: Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1972: Nahmani’s Art Gallery, Haifa, Israel 1978: Hageffen Gallery Haifa, Israel 1982: Hageffen Gallery, Haifa, Israel 2002: Frauen machen Druck. Galerie im Sitzungssaal, Wien 2016/2017: Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938. Jüdisches Museum Wien, Wien
Arbeiten von Erna Lederer-Schwadron wurden vom Budapester K.u.K. Museum und von der Österreichischen Hofkanzlei in Wien erworben. Ihr künstlerischer Nachlass befindet sich in Israel und in Sammlungen weltweit.
Einzelnachweise Ilse Korotin (Hrsg.): Fuchs-Braun Grete; Radiererin. In: biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 944. Abgerufen am 29. März 2026 Ilse Korotin (Hrsg.): Adler Maria (Marie), geb. Schmalfuss; Malerin, Grafikerin und Radiererin. In: biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 40. Abgerufen am 29. März 2026 Ernst Schwadron. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Abgerufen am 29. März 2026 Ursula Müksch: Der Frau ihre Kunst und Freiheit – Der unaufhaltbare Wandel der Frau in Gesellschaft und Kunst. In: Deutsche Exlibris Gesellschaft: Jahrbuch 2020, S. 139 Lederer-Mendel, Erna. In: Frauen in Bewegung 1848–1938. Datenbank Österreichische Nationalbibliothek. Abgerufen am 28. März 2026 Fritz (Fred) Lederer. In: Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Universität Wien. Abgerufen am 29. März 2026 Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik. In: Das Haus der Frau auf der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik. Verlag des Deutschen Buchgewerbevereins, Leipzig 1914, S. 11 Hannah Landsmann: Unterwegs in „Unserer Stadt!“ - Döbling. In: Jüdisches Museum Wien vom 2. März 2022. Abgerufen am 29. März 2026 Frauen machen Druck. In: Der Standard vom 18. März 2002. Abgerufen am 28. März 2026
Kategorie:Maler (Österreich) Kategorie:Zeichner (Österreich) Kategorie:Radierer (Österreich) Kategorie:Maler (Israel) Kategorie:Zeichner (Israel) Kategorie:Österreichischer Emigrant in Israel Kategorie:Österreichischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Österreicher Kategorie:Israeli Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1981 Kategorie:Frau