mini|hochkant|Alex Pretti (2018)

Die Tötung von Alex Pretti ereignete sich am 24. Januar 2026 in Minneapolis, Minnesota. Alex Jeffrey Pretti, ein 37-jähriger US-amerikanischer Krankenpfleger, wurde von Bundespolizisten der United States Border Patrol (USBP) mit mehreren Schüssen getötet. Vorausgegangen war in Minneapolis (Minnesota) etwa zwei Wochen vorher die bisher nicht aufgeklärte Tötung von Renée Good, die am Rand der Aktivitäten der hier von der Trump-Regierung eingesetzten ICE-Bundespolizisten geschah. Beide Ereignisse und die Reaktion der Behördenspitze und des US-Präsidenten führten dann an den Folgetagen zu einer Intensivierung der Proteste gegen die US-Immigrationsbehörde auf lokaler und nationaler Ebene.

Hintergrund Am 6. Januar 2026 kündigte das US-Heimatschutzministerium im Rahmen der Operation Metro Surge die bislang größten Razzien in der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul an und erklärte, dafür 2000 Bundesbeamte einzusetzen. Die Behörde führte Fahrzeugkontrollen durch und nahm innerhalb kurzer Zeit rund 150 Personen fest. Vor Ort war auch Heimatschutzministerin Kristi Noem. Am 7. Januar kam es zu der Tötung von Renée Good, wenige Tage später wurde ein venezolanischer Migrant angeschossen. Trotz einer nationalen Protestwelle und Kritik der Lokalbehörden und politischen Opposition am Vorgehen der Bundespolizisten in Minneapolis setzten die Einwanderungsbehörden ihre Einsätze unvermindert fort.

Tathergang mini|Reihe von Bundespolizisten, Nicollet Avenue in Minneapolis, 24. Januar 2026 Am 24. Januar 2026 wurde der Krankenpfleger Alex Pretti um 09:05 Uhr bei einem Einsatz an der Kreuzung 26th Street und Nicollet Avenue in Minneapolis von zweiCNN ICE- und/oder Grenzkontroll-Polizisten mit mehreren Schüssen getötet.

Ein Zeuge gab an, dass Polizisten versucht hätten, ein Restaurant zu betreten, aber abgewiesen worden seien. Videos des Vorfalls zeigten, wie Pretti mehrere Polizisten mit seinem Handy filmte. Als ein Polizist auf ihn zulief, ging Pretti filmend rückwärts. Dann ging er auf den Bürgersteig und versuchte, zwei Frauen zu helfen, die zuvor von einem Polizisten zu Boden gestoßen worden waren, und stellte sich zwischen die Frauen und den angreifenden Polizisten. Der Polizist besprühte daraufhin Pretti mit Pfefferspray. Pretti wurde dann von fünf dazukommenden Polizisten weggezerrt, zu Boden geworfen und dort fixiert.BBC verify

Mehrere Handyvideos dokumentieren den Vorgang und die tödlichen Polizeischüsse. Eine Analyse der New York Times ergab, dass Alex Pretti in den Augenblicken, bevor die Gruppe von Bundespolizisten ihn zu Boden rang, nur sein Mobiltelefon in der Hand hielt. Als die Polizisten ihn auf dem Boden fixiert hatten, schlug ein Polizist ihm mehrmals mit einem metallenen Gegenstand auf den Kopf. Als Pretti bereits am Boden lag, scheint einer der Polizisten Prettis Waffe aus dessen Hosenbund gezogen zu haben. Dieser Polizist geht dann mit dem Gegenstand weg. Danach gab es einen Ruf über die Waffe und es wurden innerhalb von fünf bis sechs Sekunden zehn Schüsse abgegeben Dabei wurde er aus nächster Nähe von hinten erschossen. Es erfolgten auch durch andere anwesende Beamte an ihm keine Erste-Hilfe-Maßnahmen., Titel vormals „Minneapolis Live Updates: Videos Appear to Contradict Federal Account of Killing“ Zwei Zeugen sagten in eidesstattlicher Aussage aus, dass Pretti keine Waffe in der Hand hatte und einer Frau helfen wollte, die von Bundespolizisten zu Boden gestoßen worden war. Dies ist auf veröffentlichten Handy-Aufnahmen von Tatzeugen deutlich erkennbar.

In einer eidesstattlichen Erklärung sagte ein vor Ort anwesender Arzt aus, dass Pretti mehrere Schussverletzungen, darunter mindestens drei im Rücken, eine im Brustkorb und eine im Nacken erlitten habe. Dieser Arzt konnte später keinen Puls mehr feststellen und erklärte, dass umstehende Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde ihn zunächst daran gehindert hätten, lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen, und selbst keine Erste Hilfe geleistet hätten. Vielmehr hätten diese Alex Pretti auf die Seite gelegt und offenbar die Anzahl seiner Schusswunden gezählt.

Eine weitere Zeugin berichtete in einem Interview mit Anderson Cooper von CNN, dass sie nach den Schüssen auf Pretti aufgrund der Art und Weise, wie die Beamten seinen Körper bewegten, um offenbar die Schusswunden zu zählen, überzeugt war, dass er bereits tot war. Zudem gab der Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, an, dass Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums örtliche Polizeikräfte am Zugang zum Tatort gehindert hätten. Minnesota Public Radio berichtete über eine Aussage eines Zeugen: „Der Herr, neben dem ich stand, konzentrierte sich darauf, den Menschen, die in die Nicollet Avenue kamen, zu erklären, dass sie langsam gehen mussten, und half ihnen dabei durchzukommen. Die ICE-Polizisten kamen auf uns zu und sagten uns: ‚Zurücktreten, zurücktreten.‘ Ich stieg auf den Schneehaufen, und bevor ich mich versah, schossen sie auf ihn.“

Im Widerspruch zu den Videoaufnahmen behaupteten die US-Behörden anfangs, Pretti habe sich den Einsatzkräften mit einer Waffe genähert und die Schüsse seien in Notwehr gefallen. Stephen Miller, Vizestabschef des Weißen Hauses, bezeichnete Pretti als „Terroristen“. Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino nannte Pretti einen Verdächtigen und die Einsatzkräfte des Bundes Opfer. Für keine dieser Behauptungen legten die Behörden Belege vor. Hochrangige Beamte der US-Regierung verteidigten die Erschießung des 37-jährigen Alex Pretti in Minneapolis am 25. Januar 2026 nach wie vor, obwohl unter anderem die Redaktionen der Washington Post und des Senders CNN mehrere Videoaufnahmen der Tat aus verschiedenen Perspektiven bis ins kleinste Detail untersucht hatten. Pretti besaß die Befugnis zum Besitz und Mitführen einer Waffe. Laut einer Analyse der Videos durch die New York Times gibt es keine Anzeichen, dass er die Waffe im Verlauf der Konfrontation gezogen oder auch nur entblößt hätte.

Tatopfer Alex Jeffrey Pretti (* 1988) lebte im Süden von Minneapolis und war US-Bürger.

2006 schloss er die Preble High School in Green Bay in Wisconsin ab. Anschließend besuchte er das College of Liberal Arts der University of Minnesota, an der er 2011 sein Studium mit einem Bachelor of Arts in Biologie, Gesellschaft und Umwelt abschloss. Später war er als diplomierter Intensiv-Pfleger im Minneapolis Veterans Affairs Medical Center tätig; außerdem sei er im Bereich Gesundheitswissenschaften sowie beim Ministerium für Veteranenangelegenheiten tätig gewesen. Sein Strafregister enthielt nach Angabe der Behörden keine Vorstrafen, lediglich Strafzettel wegen Falschparkens. Einige Stunden nach seinem Tod wurde ein Video, das Pretti bei seiner Arbeit zeigt, veröffentlicht und ging viral. In diesem Video aus dem Jahr 2024 ehrt er einen kürzlich verstorbenen Veteranen.

Er nahm unter anderem an Protesten infolge der Tötung von Renée Good teil. Nach seiner Erschießung wurde außerdem eine Videoaufnahme bekannt, die zeigt, dass es elf Tage vor seiner Tötung bei einem Protest eine Auseinandersetzung zwischen Pretti mit US-Bundespolizisten gab. Dabei spuckte Pretti in Richtung eines unmarkierten Polizeiwagens und trat zweimal gegen diesen wegfahrenden Wagen, wobei ein Rücklicht kaputtging. Daraufhin brachte ihn einer der Einsatzkräfte zu Boden und weitere kamen hinzu und schossen Tränengas in die Menge der umstehenden Demonstranten. Aus den gesamten Aufnahmen geht nicht hervor, was vor dem Vorfall passierte.Video zeigt Konfrontation zwischen Alex Pretti und Bundesbeamten – elf Tage vor tödlichen Schüssen. In: Spiegel.de vom 29. Januar 2026. Auch ist unklar, ob die in die Erschießung verwickelten Beamten bei diesem Vorfall beteiligt waren.

Untersuchungen

Laut dem Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, wurde der örtlichen Polizei der Zugang zum Tatort durch Beamte des Heimatschutzministeriums (DHS) verweigert, obwohl die Landespolizei (Minnesota Bureau of Criminal Apprehension, BCA) auf richterliche Anordnung hin agierte.

Noch am selben Tag genehmigte Richter Tostrud vom Bundesbezirksgericht für den Bezirk Minnesota einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung (temporary restraining orders) gegen das DHS und entschied, alle Beweise zu dem Fall müssten aufbewahrt werden. Die Generalstaatsanwaltschaft von Minnesota schloss sich dieser Klage an. In Bezug auf die Erlangung der richterlichen Anordnung und später der einstweiligen Verfügung durch den Staat erklärte der Generalstaatsanwalt von Minnesota, Keith Ellison: „Dies ist Neuland. Wir mussten so etwas noch nie zuvor tun.“

Nachdem Trumps Justizministerium zunächst darauf bestanden hatte, dass sich das D.H.S. in einem Untersuchungsverfahren selbst kontrollierte, erklärte am 30. Januar 2026 der Stellvertretende Bundesjustizminister Todd Blanche (engl.: Deputy Attorney General), das FBI müsse doch ein „Standard-Untersuchungsverfahren“ in der Sache Pretti durchführen. „Auch, soweit nötig, unter Mitwirkung der Civil Rights Division.“In Minnesota, America’s Federal System Is Coming Apart. - Übersetzung der Ankündigung, die die New York Times am 30. Januar publizierte Auf: nytimes.com vom 30. Januar 2026.

Folgen Zwei Bundesbeamte, die in die tödlichen Schüsse auf den US-Bürger Alex Pretti in Minneapolis involviert waren, wurden nach mehreren Tagen gegen Ende Januar 2026 von ihrem Dienst suspendiert. Das bestätigte ein Sprecher des Heimatschutzministeriums. Der nach der Tötung Prettis in die Kritik geratene Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino wurde inzwischen wieder zurück nach Kalifornien abkommandiert.

In einem vorläufigen Untersuchungsbericht der Grenzschutzbehörde CBP an Mitglieder des Kongresses in Washington ist laut Medien keine Rede mehr davon, dass Pretti nach seiner Waffe gegriffen habe. Auch Präsident Donald Trump distanzierte sich indirekt von früheren Aussagen hochrangiger Regierungsvertreter, die Pretti als Attentäter bezeichnet hatten. Trump sprach stattdessen von einem „sehr unglücklichen Vorfall“. Vor diesem Hintergrund stellte er ein weniger aggressives Vorgehen der Bundesbehörden in Aussicht und kündigte eine „leichte Deeskalation“ an. Zugleich betonte er in einem Interview mit Fox News, dass dies keinen Rückzug der Bundesbehörden darstelle, sondern lediglich eine geringfügige Anpassung ihres Vorgehens. Der umstrittene Leiter der ICE-Razzien in Minnesota, Gregory Bovino, wurde aus der Region abberufen. Außerdem teilte das Heimatschutzministerium mit, es habe dessen Social-Media-Konten sperren lassen.Majid Sattar, Washington: Todesschüsse in Minneapolis: Wie es zum Abzug Bovinos kam. Auf: faz.net vom 27. Januar 2026. Donald Trump teilte mit, dass stattdessen Tom Homan die Leitung übernehmen werde.

Reaktionen

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