Die London’s Air Ambulance Charity (LAA) ist eine gemeinnützige Organisation im Bereich der Flugrettung in London. Das auf Traumaversorgung spezialisierte Team aus Ärzten und Paramedics rückt von 8 Uhr bis zum Sonnenuntergang mit einem Hubschrauber, in der Nacht mit einem Einsatzfahrzeug aus. Der 1989 gegründete Dienst führt in ganz London erweiterte medizinische Notfallversorgung wie prähospitale ECMO, Thorakotomien oder Bluttransfusionen durch und zählt zu den renommiertesten Traumateams auf der ganzen Welt. Studien zufolge wurde die Todesrate infolge schwerem Trauma in London um bis zu 40 % gesenkt. Stationiert ist das Team am Royal London Hospital in Whitechapel.
Geschichte Mit der zunehmenden Motorisierung der Innenstadt Londons und dem technischen Fortschritt stieg die Anzahl an schweren Traumas in den 1980er Jahren in London stark an. Sie war damals, wie auch heute noch eine der führenden Todesursachen in der jüngeren Bevölkerung. Die Idee für einen helikoptergestützten Traumadienst entstand der Organisation zufolge 1986 auf einem Tennisplatz, wo die Frau des Chefarztes für Unfallchirurgie des Royal London Hospital mit dem Geschäftsführer von United Newspapers, Lord Stevens of Ludgate, über die Traumaversorgung in Deutschland diskutierte. Dort waren Hubschrauber in der Notfallversorgung bereits seit vielen Jahren gängige Praxis. 1988 erklärte Express Newspapapers sich bereit, für vier Jahre alle Kosten eines helikopterbasierten Notfalldienstes zu übernehmen, ein Angebot über ca. 4 Millionen Pfund. Später in diesem Jahr veröffentlichte die Vereinigung der Unfallchirurgen Englands einen Bericht über Patienten, die wegen mangelnder prähospitaler Traumaversorgung starben.
Im Dezember 1988 wurde der erste Hubschrauber, ein 1982 gebauter Airbus AS365 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen G-HEMS ausgeliefert. 1989 stieg der London Ambulance Service in das Projekt ein und erklärte sich bereit, die Paramedics für den Dienst bereitzustellen. Dies geschieht bis heute. Die finalen Sponsoren und Unterstützer für das Projekt hatten sich dann mit Daily Express (ex United Newspapers), dem Royal London Hospital und dem NHS gefunden. Damit war die Finanzierung des umstrittenen Dienstes in den ersten Jahren gesichert.
Im September 1989 flog der Dienst seinen ersten Einsatz. Organspenden wurden von Schottland nach London geflogen. 1990 wurden die ersten Notfalleinsätze vom kleinen Flugfeld Biggin Hill aus geflogen. Bis zum heutigen Tag wird der Hubschrauber hier aufgetankt. Zudem wurden die ersten Notfallmediziner, zehn Paramedics und einige Chefärzte des Royal London Hospital, in den Dienst eingeführt. In der ersten Zeit gab es starke Kritik gegen den Dienst. Die Hubschrauberflüge in der Innenstadt wären gefährlich, laut und unnötig. Eine Zeitung schrieb gar von einem „Desaster für die Lokalbevölkerung“. mini|Altes Einsatzfahrzeug der LAA Im Januar 1991 rückte der Hubschrauber zu seinem ersten Großereignis aus. Beim Cannon Street Crash landete das Team nur wenige Meter hinter einem verunfallten Zug und koordinierte zusammen mit dem LAS die Versorgung der ca. 550 Patienten. 1992 wurde der erste Medizinische Leiter eingestellt. Charlie Balderstone war damit der Verbindungspunkt zum LAS. Beim Bishopsgate-Bombenanschlag der IRA 1993 mit einem Toten und 44 Verletzten wurde das Team bei seiner Arbeit an der Anschlagsstelle von einer Filmcrew begleitet. Zudem wurde im Dezember die erste erfolgreiche Thorakotomie, eine Operation am offenen Herzen, auf der Straße durchgeführt. Damit wurde das Team in der ganzen Welt bekannt und auch die Anerkennung in London stieg an.
1996 wurde wieder starke Kritik am Dienst geäußert. Nach negativen Medienberichten stand die von Spenden finanzierte Organisation vor einer Existenzkrise. Studien zeigten, dass es besser sei, den Hubschrauber mit Einsatzfahrzeugen zu ersetzen. Durch Medienberichte und Interviews von Patienten, den die Lodnon Air Ambulance das Leben gerettet hatte, stieg die Anerkennung in der Bevölkerung wieder. Im Dezember 1997 stieg der britische Konzern Virgin ein und kaufte den Hubschrauber von Daily Express ab. Damit und durch starke Medienarbeit wurde die Finanzierung wieder sichergestellt. Einen Monat später wurde der Hubschrauber von Virgin durch eine MD902 Explorer ersetzt.
1999 ging die durch Unternehmensspenden finanzierte Organisation an die Öffentlichkeit, erhielt ihre Bezeichnung als Hilfsorganisation und begann Merchandise zu verkaufen, dessen Erlös in die Aufrechterhaltung des Dienstes investiert wird. Zudem wurde 1999 das erste Einsatzfahrzeug angekauft. Damit ist der Dienst von nun an auch zu Nachtzeiten und bei schlechter Witterung verfügbar, wenn der Hubschrauber nicht fliegen kann. Im Januar 2001 wurde die Physician Response Unit (PRU) eingeführt. Diese rückt mit einem Einsatzfahrzeug zu medizinischen Notfällen aus und soll Patienten zuhause versorgen, um die Krankenhäuser zu entlasten.
Die Terroranschläge am 7. Juli 2005 waren bis heute der größte Einsatz der LAA. 18 statt der normalerweise verfügbaren ein bis zwei Teams wurden zusammengezogen, um die über 700 Patienten zu versorgen. Wenig später besuchten Queen Elisabeth II und der Londoner Bürgermeister den Dienst als Anerkennung der Arbeit bei den Terroranschlägen.
Im Mai 2006 fand der erste internationale Traumakongress in London statt, geleitet von der LAA. Damit wurde London mit dem Team zur Weltstadt des Traumas. mini|Das Traumateam bei der Landung vor dem Bahnhof King's Kross Seit 2010 werden alle Paramedics vom London Ambulance Service, und damit vom NHS, bezahlt. 2011 wurde David Lockey als erster Professor für Notfallmedizin eingestellt. Zudem rückt der Hubschrauber seit Dezember 2011 vom Dach des Royal London Hospital, einem der höchsten Helipads Europas, aus. Seit März 2012 transportiert die LAA als erste britische Organisation Blutkonserven auf den Straßen. Im September erlangte der Dienst wieder Medienpräsenz durch die Rettung von Sir Stirling Moss, als dieser ein schweres Trauma erlitt.
Seit 2013 ist der Hubschrauber über Nacht auf der RAF-Basis Northold eingehangart, dies spart Zeit und Treibstoff. Im Februar 2014 wurde der erste Parallelstudiengang für Notfallmedizin vom LAA in Zusammenarbeit mit der Queen Mary University ins Leben gerufen. 2014 erhielt die Organisation eine Spende von einer Million Pfund, um einen zweiten Hubschrauber anzukaufen. Zudem wurde in diesem Jahr die weltweit erste REBOA-Operation auf der Straße durchgeführt. Seit 2015 werden die Teams direkt von der Leitstelle über eine App disponiert.
Im Januar 2016 wurde nach langen Spendenkampagnen ein zweiter Hubschrauber angekauft und in den Dienst eingeführt. Die gut 6 Millionen Pfund teure MD902 wurde mit dem Kennzeichen G-LNDN ausgeliefert. Seit August 2017 ist die PRU rund um die Uhr im Dienst. 2020 wurde das PRU-Team dann um eine zweite Einheit erweitert. Im Dezember 2021 wurde zu den Pendlerzeiten ein zweites Trauma-Team eingeführt. Das unter dem Namen Medic 3 operierende Team soll die häufigen Verkehrsunfälle zu dieser Zeit kompensieren. 2022 wurde das dritte PRU-Team eingeführt. Im Oktober 2024 wurden dann zwei neue Airbus-H135-Hubschrauber für gut 15 Millionen Pfund angekauft. Seit Mai 2025 führt das Team prähospitale ECMO-Versorgung durch.
Medizinische Versorgung Das Team der London’s Air Ambulance ist eine der renommiertesten Trauma-Spezialeinheiten der Welt. Das aus spezialisierten Ärzten und Paramedics bestehende Team rückt nur zu schwersten Verletzungen aus und führt klinische Maßnahmen durch, die sonst Krankenhäusern vorbehalten sind. Eigener Aussage zufolge erhöht dies die Überlebenschance bei schweren Traumata in London um bis zu 40 %. Auch übernimmt die Organisation Pionierleistungen und Studien. Eine Aufzählung spezieller Maßnahmen im prähospitalen Bereich, welche die LAA durchführt:
Prähospitale ECMO REBOA Thorakotomie Ganzbluttransfunionen
Die PRU (=Physician Response Unit) ist eine 2001 gegründete Einheit der Organisation, die sich auf die Heimbehandlung der Patienten spezialisiert hat. Die ebenfalls aus Ärzten und speziellen Paramedics bestehende Einheit soll damit die Krankenhäuser entlasten und die Patienten in ihrem gewohnten Umfeld belassen. Sie verschreibt unter anderem auch Medikamente. Täglich sind drei PRUs im Einsatz.
Mitarbeiter Das Team der LAA besteht aus erfahrenen Ärzten und speziellen Paramedics. Die Ärzte sind meist Chefärzte aus dem Royal London Hosital, alle sechs Monate gibt es aber für ausländische Ärzte die Möglichkeit, für sechs Monate ebenfalls im Dienst mitzufahren. Damit soll internationaler Austausch sichergestellt werden. Die Paramedics gehören allesamt dem London Ambulance Service an und besitzen eine Spezialisierung. Die Hubschrauber werden immer von zwei erfahrenen Piloten geflogen. Die Physician Response Unit ist meist mit zwei bis drei Mitarbeitern besetzt, das Traumateam rückt tagsüber mit dem Hubschrauber, besetzt mit zwei Piloten und drei Medizinern bzw. zu Nachtzeiten mit einem Paramedic und einem Arzt, aus.
Zudem hat die Organisation ein dediziertes Feuerwehrteam, das den Brandschutz am Helipad des Royal London Hospital sicherstellt.
Die medizinische Leitung ist Anne Weaver unterstellt.
Flotte mini|Der erste Hubschrauber der LAA London’s Air Ambulance operiert zu Tagzeiten mit einem Hubschrauber, zu Nachtzeiten mit einem Einsatzfahrzeug. Die Physician Response Unit operiert immer in einem Einsatzfahrzeug.
G-HEMS
Der erste Hubschrauber der Organisation war eine 1982 gebauter Aérospatiale SA 365N Dauphin. Er wurde 1989 mit dem Kennzeichen G-HEMS angekauft und stand bis 2000 unter mehreren Bemalungen und Sponsoren im Einsatz. mini|MD 902 G-EHMS bei der Landung in der Nähe der Tower-Bridge G-EHMS & G-LNDN
Die Dauphin wurde von einer 2000 gebauten MD 902 Explorer unter dem Luftfahrzeugkennzeichen G-EHMS ersetzt. Diese trug die bis heute gebräuchliche rote Bemalung mit grün-gelben Streifen. 2012 wurde der Hubschrauber mit einer speziellen Kühleinrichtung ausgestattet, die es dem Team erlaubt, als erste Luftrettungsorganisation im UK Vollblutkonserven zu transportieren.
2015 wurde nach einer großangelegten Spendenkampagne eine zweite MD 902 angekauft. Diese soll als Ersatzhubschrauber bei Wartungsarbeiten oder im Falle einer Großschadenslage verwendet werden. Das Fluggerät wurde 2008 gebaut und bis zur Übernahme durch LAA 2016 in Katar verwendet. Es wurde unter G-LNDN registriert. mini|Airbus H135 G-LAAB bei der Landung im Ruskin Park G-LAAA & G-LAAB
Die zwei aktuellen Hubschrauber wurden im Juli 2022 bestellt, um die in die Jahre gekommenen Fluggeräte zu ersetzen. Am 1. Oktober 2024 wurden die beiden Hubschrauber des Typs Airbus H135 unter den Luftfahrzeugkennzeichen G-LAAA und G-LAAB beim Luftwaffenstützpunkt Northhold ausgeliefert. Dabei war unter anderem Prince William, der Pate der Organisation, anwesend.
Finanzierung London’s Air Ambulance ist eine ausschließlich aus Spenden finanzierte Organisation. Nur die medizinische Besatzung ist vom NHS gestellt. Im Jahr 2024 wurden 24,1 Millionen Pfund eingenommen, 370.000 Pfund davon von Regierungsorganisationen. Die Ausgaben beliefen sich auf 16 Millionen Pfund.
Einsätze Das Team der LAA ist vor allem auf die Versorgung schwerster Traumata und von Herzstillständen spezialisiert. Im Jahr 2024 wurden 1.996 Patienten versorgt. Ein Drittel davon wurde Oper von Gewalttaten wie Messerattacken oder Schießereien, 303 wurden durch Stürze aus größerer Höhe verletzt. Es wurden 47 Thorakotomien durchgeführt und 221 Vollbluttransfusionen gegeben.
Dokumentationen In seiner Geschichte wurde die LAA immer wieder von Fernsehteams und Dokumentationen begleitet, eine Auswahl davon:
Blues ans Twos 1993 BBC Trauma 2004 Medic One 2009 999 1994 An Hour to Save Your Life Critical 2024
Weblinks
Website der London’s Air Ambulance
Einzelnachweise
Kategorie:Luftrettungsorganisation Kategorie:Luftrettung nach Staat Kategorie:Rettungsdienst