Mariana Șora (* 26. Mai 1917 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 19. Dezember 2011 in München) war eine rumänische Literaturwissenschaftlerin, Publizistin und Übersetzerin aus dem und in das Rumänische, Deutsche, Ungarische und Französische.
Leben und Wirken Ungarn und Rumänien 1917–1939 Marianne Klein stammte aus einer jüdischen Familie, in der Deutsch und Ungarisch gesprochen wurde, die Eltern waren zur römisch-katholischen Konfession konvertiert. Der Vater Rudolf Klein war Bankangestellter und später Direktor und war streng zu seiner Tochter, die Mutter war Elisabeth, geborene Fischer. Sie stammten aus Timișoara (Temeschwar), lebten während des Ersten Weltkriegs in Budapest und kehrten 1919 in ihre Heimatstadt zurück. Marianne besuchte dort eine deutschsprachige katholische Grundschule und danach auf Druck des Vaters ein rumänisches Gymnasium, für das sie diese Sprache im Alter von 11 Jahren erst erlernen musste. Im letzten Jahr vor dem Abschluss nahm sie noch zusätzlichen privaten Französisch-Unterricht. 1934 begann sie ein Studium der Germanistik und Romanistik in Timișoara, das sie 1938 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss.
Frankreich 1939–1948 1939 heiratete Marianne ihren ehemaligen Klassenkameraden und Kommilitonen Mihai Șora und zog mit ihm nach Paris, wo er ein Stipendium erhalten hatte. Dort studierte sie an der Sorbonne einige Monate französische Literatur. Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Juni 1940 konnten die beiden nach Süden fliehen, lebten einige Monate in Nizza und ab Dezember 1940 in Grenoble. Dort studierte sie englische Sprache und Literatur und bekam 1943 ihr erstes Kind.
1945 konnte die Familie nach Paris zurückkehren, wo sie in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen von dem bekannten Religionswissenschaftler Mircea Eliade finanziell erheblich unterstützt wurden, sie kannten ihn seit ihrer Studienzeit als Dozenten und hatten danach einen engen freundschaftlichen Briefkontakt zu ihm unterhalten.Mircea Eliade, Memorii (1907–1960), ediția a II-a, Ed. Humanitas, București, 1997, p. 296, 327, 400 und öfter, mit seinen Erinnerungen an Mariana und Mihai Șora In diesem Jahr bekam Marianne Șora ihr zweites Kind. Ab 1946 konnte sie in der rumänischen Botschaft in Paris als Übersetzerin arbeiten, ab 1947 als einfache Schreibkraft mit leichten Übersetzungstätigkeiten.
Rumänien 1948–1977 1948 zog Mariana Șora wieder nach Rumänien, nachdem ihr Mann Mihai nach einem Aufenthalt von dort nicht mehr nach Frankreich zurückkehren durfte. Ab 1950 war sie als wissenschaftliche Assistentin an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität in Bukarest angestellt, wurde aber nach den politischen Säuberungen 1952 wieder entlassen. Seitdem war sie als Publizistin und Übersetzerin tätig, zunächst in einem Kollektiv, das 1956 ein deutsch-rumänisches Wörterbuch und 1963 und ein rumänisch-deutsches fertigstellte.
Deutschland 1977–2011 1977 emigrierte die Familie in die Bundesrepublik Deutschland. Sie lebten zunächst in Köln und danach in München, wo Marianne Șora auch für die rumänischsprachigen Radiosendungen der BBC und für den Sender Radio Free Europe tätig war. In dieser Zeit wurde sie vom rumänischen Geheimdienst Securitate beobachtet. Marianne Șora publizierte in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Veröffentlichungen.
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in einem Pflegeheim in München, wo sie 2011 im Alter von 94 Jahren starb. Ihr Ehemann Mihai Șora heiratete danach im Alter von 96 Jahren seine langjährige Freundin Luiza Palanciuc, die dann verhinderte, dass eine fertig vorbereitete mehrbändige Ausgabe von Briefen und Tagebüchern von Marianne Șora in den Druck kam.Aurelian Crăiuțu (4 ianuarie 2012), „La despărțirea de Mariana Șora”, Revista 22
Publikationen Maroana Șora übersetzte zahlreiche literarische Werke aus dem Deutschen, Ungarischen und Französischen in das Rumänische, darunter Das Schloß von Franz Kafka, Der Schatz im Silbersee von Karl May und Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll, sowie Schriften von Willi Bredel, Thomas Mann, Jakob Wassermann, Eugen Ionescu und weiteren. Des Weiteren übersetzte sie einige Werke rumänischer und ungarischer Gegenwartsautoren in das Deutsche und einen Roman aus dem Ungarischen in das Französische, der aber nicht gedruckt wurde. Insgesamt waren es über 100 Übersetzungen.
Sie verfasste außerdem in rumänischer Sprache eine umfangreiche Monographie über Heinrich Mann, nachdem ihr eine solche über dessen Bruder Thomas nicht genehmigt worden war, weitere wissenschaftliche Bücher und Aufsätze über die deutsche und Weltliteratur, zwei Romane, Erinnerungen und mehr.
Literatur „In Memoriam: Mariana Șora”, în România literară, XLIII, nr. 51–52,
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literaturwissenschaftler Kategorie:Publizist Kategorie:Übersetzer aus dem Rumänischen Kategorie:Übersetzer ins Rumänische Kategorie:Übersetzer aus dem Deutschen Kategorie:Übersetzer ins Deutsche Kategorie:Übersetzer aus dem Ungarischen Kategorie:Übersetzer ins Ungarische Kategorie:Übersetzer aus dem Französischen Kategorie:Übersetzer ins Französische Kategorie:Hörfunkjournalist Kategorie:Rumäne Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Frau