Porajmos [] (auch Porrajmos, deutsch: „das Verschlingen“) ist ein Wort aus dem Romanes.
Der Begriff wurde in einem Artikel des Historikers Henry R. Huttenbach aus dem Jahr 1991 als Neologismus Porajmos (auch Porrajmos, Porraimos und Pharrajimos) eingeführt, um dem Völkermord an den europäischen Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten einen eigenen Namen zu geben.Vgl. Er wurde in den 1990er Jahren durch den Linguisten und Roma-Aktivisten Ian Hancock popularisiert, um einen spezifischen Begriff für den Völkermord zu etablieren.
Der Begriff wird überwiegend von nicht den Roma angehörigen Aktivisten benutzt. Unter den Sinti ist er nicht bekannt; unter den Roma ist er weitgehend ungebräuchlich.Yaron Matras: A Conflict of Paradigms. In: Romani Studies. Band 14, Nr. 2, Dezember 2004, S. 193–209, doi:10.3828/rs.2004.7. Er wird sowohl paternalistisch als auch euphemistisch gewertet.
Die Autoren Lev Tcherenkov und Stéphane Laederich, die selbst Roma sind, lehnen den Begriff in ihrem Werk The Rroma aus dem Jahr 2004 ab, da eine sexuelle Konnotation (= „weit öffnen“) bestehe.Lev Tcherenkov, Stéphane Laederich: The Rroma. Otherwise known as Gypsies, Gitanos, Tsiganes, Tigani, Çingene, Zigeuner, Bohémiens, Travellers, Fahrende etc. Schwabe, Basel 2004, ISBN 3-7965-2090-1, Abschnitt An Unfortunate Choice of Words, S. 184, Zitat: Beate Eder-Jordan schloss sich 2008 dieser Kritik an.Beate Eder-Jordan: Die nationalsozialistische Rassen– und Vernichtungspolitik im Spiegel der Literatur der Roma und Sinti. In: Felicitas Fischer von Weikersthal: Der nationalsozialistische Genozid an den Roma Osteuropas. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, ISBN 978-3-412-20181-4, S. 115–168. Der Linguist Marcel Courthiade wies darauf hin, dass das Wort Porajmos missverständliche und unangemessene Deutungen zulasse. Nach Luca Bravi am Dipartimento Forlilpsi der Universität Florenz bedeute Porajmos Vergewaltigung und es werde eine falsche Übersetzung wie Verschlingen unhinterfragt rezipiert.Porrajmos, a disputed word.
Romani Rose, Verbandsfunktionär und seit 1982 Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, gab 2015 an, den Begriff Holocaust zu verwenden, da eine Differenzierung zwischen Shoah und Porajmos auf einen Streit darüber hinauslaufe, wer das schlimmere Unrecht erlitten habe.Interview mit Romani Rose, 3. August 2015, Krakau, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, abgerufen am 12. März 2025. Er vertritt damit eine erinnerungspolitische Perspektive, die sich gegen eine Hierarchisierung nationalsozialistischer Genozide richtet und betont, dass der Genozid an Sinti und Roma nicht als „kleinerer“ Völkermord neben dem Holocaust erscheinen dürfe. In romani-sprachlichen und rom-zentrierten Diskursen werden daneben auch eigenständige Begriffe wie Samudaripen verwendet, die den Genozid in der Sprache der Minderheit selbst benennen.
Siehe auch Liste der Ghettos und Lager für Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus Liste der Konzentrationslager des Deutschen Reichs Liste der KZ-Stammlager (und Listen der Außenlager) Liste der Ghettos in der Zeit des Nationalsozialismus
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:NS-Völkermord an den Sinti und Roma Kategorie:Fremdsprachige Phrase