mini|Adlerklauen aus der Krapina-Höhle, die auf ein Alter von etwa 130.000 Jahren datiert wurden. Sie könnten Teil einer Schmucksammlung gewesen sein. Die Urgeschichte Istriens und Dalmatiens, also die dortige menschliche Geschichte vor den ersten schriftlichen Quellen, lässt sich zumindest im Norden Kroatiens rund eine Million Jahre belegen, als das Land im Altpaläolithikum erstmals von Menschen bewohnt war. In der Höhle Šandalja I bei Pula fand sich ein Steinwerkzeug, das auf bis zu 800.000 Jahre datiert wurde.
Das Gebiet wurde im Mittelpaläolithikum von Neandertalern bewohnt, wobei an zwei Stellen menschliche Überreste entdeckt wurden. Krapina, die ältere der beiden Neandertalerfundstätten, ist, was die Zahl der dort nachgewiesenen Individuen anbetrifft, die größte, allerdings liegt sie im Nordosten Kroatiens.Ivor Janković, James C. M. Ahern, Ivor Karavanić, Fred H. Smith: The importance of Croation Hominin Pleistocene in the Study of Human Evolution, in: Katerina Harvati, Mirjana Roksandic (Hrsg.): Paleoanthropology of the Balkans and Anatolia. Human Evolution and its Context, Springer, Dordrecht 2016, S. 34–50, hier: S. 34. Auf der anderen Seite stellt die Vindija-Höhle einen recht späten Nachweis für Neandertaler dar, der zudem gleichfalls weit von der Küste entfernt liegt.
Mit (anatomisch modernen) Menschen rechnet man in Dalmatien und auf Istrien erst vor mehr als 30.000 Jahren. Ihre Knochen fanden sich bei Pula in der Höhle Šandalja II.Ivor Jankovic, James C. M. Ahern, Ivor Karavanić, Trent Stockton, Fred H. Smith: Epigravettian Human Remains and Artifacts from Šandalja II, Istria, Croatia, in: PaleoAnthropology 2012, S. 87–122.
Im 6. Jahrtausend v. Chr. setzte an dem langgestreckten Küstensaum mit dem Neolithikum die Landbebauung und die Viehhaltung ein. Die über See gekommenen Bewohner produzierten ihre Lebensmittel selbst, eine Lebensweise, die sie aus dem östlichen Mittelmeer mitgebracht hatten. Sie wurden zunehmend sesshaft, viele von ihnen lebten dabei weiterhin partiell von der Jagd und vom Fischfang. Viele Dörfer nahmen bald urbane Strukturen an. Vor der Vučedol-Kultur (3000–2200 v. Chr.) wird erstmals Kupferverarbeitung fassbar.
Mit dem Einsetzen frühester und zunächst seltener Schriftquellen sind erstmals Namen von individuellen Akteuren und von Gruppen überliefert. Im 1. Jahrtausend v. Chr. war der Küstensaum demnach von Venetern und Histriern besiedelt, weiter im Süden lebten Liburner und Illyrer. Die römische Geschichtsschreibung übertrug die letztere Bezeichnung nach und nach auf alle Völker auf der westlichen Balkanhalbinsel. Die gesellschaftlichen Hierarchien nach dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurden steiler, die Expansion keltischer Stämme verdrängte große Gruppen südwärts, die dort neue Reiche errichteten. Gleichzeitig gründeten von Süden her Griechen eine Reihe von Kolonien entlang der Küste, die die Nachbarn kulturell stark beeinflussten. Ab der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurde das Gebiet römisch, nach jahrelangen Aufständen entstand die militärisch gesicherte Provinz Dalmatia.
Paläolithikum Zu den wichtigsten Fundstätten des Paläolithikums am Ostrand der Adria, bei denen es sich meist um Höhlen handelt, zählen Krapina, Vindija, Velika pećina, Veternica, Šandalja I und II, die Romualdo-Höhle, dann die Vergotinova pećina und die Cerovačke pećine.
Altpaläolithikum Vier Kilometer nordöstlich von Pula glaubte man im Süden Istriens die ältesten menschlichen Spuren des Küstensaums in einem System mehrerer zusammenhängender Höhlen gefunden zu haben. Es handelt sich um Geröllwerkzeuge in der Höhle Šandalja I, deren Alter sich jedoch nicht mehr genau bestimmen lässt. Die Schichten in der von Mirko Malez untersuchten Höhle sind bis zu 9 m stark. Einer der dort entdeckten Chopper – Chopper, also Geröllwerkzeuge, sind die ältesten Steingeräte der Menschheit – wurde auf ein Alter von 800.000 Jahren geschätzt.Šandalja, Istarska Enciklopedija (archive.org, 21. Oktober 2013). Tierische Überreste aus derselben Schicht – Pferde, Flusspferde, Bisons – ließen demnach sogar Datierungen auf ein Alter von 1 bis 1,5 Millionen Jahren zu. Bearbeitungsspuren zeigen, dass die frühen Menschen die Knochen bearbeiteten, um an das Mark zu gelangen. Sollte sich die frühere Datierung als zutreffend erweisen, könnte es sich um eine Etappe der frühesten menschlichen Besiedlung des Kontinents handeln, die im Westen bis zur Vallonet-Höhle in Frankreich oder den spanischen Fundstätten reicht. 2010 publizierte Giulia Codacci-Terlević eine Monographie zu der wichtigen Höhle.Giulia Codacci-Terlević: Šandalja I, Arheol. Muz. Istre, Pula 2010. Bald wurde das Thema von ihr auch pädagogisch aufgearbeitet: Giulia Codacci-Terlević: Šandalja: I (= San Daniele: I). Katalozi Edukacijskog odjela, br. 8, Pula, Archäologisches Museum Istrien, 2010. Allerdings wurde ein angeblich menschlicher Zahn, der dieser Periode zugewiesen worden war, inzwischen als Hirschzahn identifiziert.Karel Valoch: The earliest occupation of Europe: Eastern Central and Southeastern Europe, in: Wil Roebroeks, Thijs van Kolfschoten (Hrsg.): The Earliest Occupation of Europe, Leiden University Press, 1995, S. 67–84. Vgl. Wil Roebroeks, Thijs van Kolfschoten: The Earliest Occupation of Europe, Cambridge University Press, 2015.
Mittelpaläolithikum mini|Hauptfundstätten des Neandertalers mini|links|Eingang zum Neandertalermuseum Krapina mini|Der Unterkiefer J von Krapina mini|Knochenfund aus „Krapina 17647“ Viel häufiger und besser gesichert sind an der Ostseite der Adria Funde aus dem Mittelpaläolithikum, und zwar ausnahmslos dem Moustérien (etwa 120.000 bis 40.000 BP), wie die Funde aus der Mujina-Höhle. 1899 entdeckte der Geologe und Paläontologe Dragutin (Karl) Gorjanović-Kramberger (1856–1936) in einem Abri am nahe der Stadt Krapina gelegenen Hügel Hušnjak insgesamt knapp 900 Überreste von etwa 23 frühen Neandertalern aus der Zeit vor 100.000 bis 127.000 Jahren (vgl. Krapina (archäologischer Fundplatz)).Tanya M. Smith, Paul Tafforeau, Donald J. Reid, Joane Pouech, Vincent Lazzari, John P. Zermeno, Debbie Guatelli-Steinberg, Anthony J. Olejniczak, Almut Hoffman, Jakov Radovčić, Masrour Makaremi, Michel Toussaint, Chris Stringer, Jean-Jacques Hublin: Dental evidence for ontogenetic differences between modern humans and Neanderthals, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 107,49 (2010) 20923–20928 (online). Ferner wurden mehrere hundert Steinwerkzeuge und zahlreiche Tierknochen gefunden. Wie so oft kursierten Mutmaßungen, dass es sich hierbei um einen Begräbnisplatz gehandelt habe, an dem ritueller Kannibalismus betrieben worden sei.Karl Gorjanović-Kramberger: Der diluviale Mensch von Krapina in Kroatien, Wiesbaden 1906 (online). Abbildungen finden sich hier (archive.org, 20. April 2013). Der Entdecker nannte seinen Fund Homo primigenius, bevor er dem Neandertaler zugeordnet werden konnte. Inzwischen gilt die Annahme, die Neandertaler von Krapina seien Kannibalen gewesen, als widerlegt.Jörg Orschiedt: Der Fall Krapina – neue Ergebnisse zur Frage von Kannibalismus beim Neandertalern, in: Quartär 55 (2008) 63–81 (academia.edu).
2010 wurde das Neandertalermuseum in Krapina eröffnet. Es zeigte sich, dass die Neandertaler in der Höhle die Zerlegung der Jagdbeute und die Steinbearbeitung nicht räumlich trennten, dass es aber sehr wohl Wechsel in den Nutzungszonen der Höhle gab, etwa im Eingangsbereich oder in geschützten Nischen. Außerdem wurde der Platz anfangs nur gelegentlich aufgesucht, während sich anhand der hohen Dichte der Artefakte für die spätere Phase eine sehr viel längere oder dauerhaftere Bewohnung ergibt.Renata Nizek, Ivor Karavanić: Prostorna analiza nalaza musterijenskih razina D2, E1, E2 i E3 Mujine pećine / The Spatial Analysis of Finds from Mousterian Levels D2, E1, E2 and E3 at Mujina pećina, in: Prilozi Instituta za arheologiju u Zagrebu 29 (2013) 25–55 (online).
mini|links|Der Ausgang der Vindija-Höhle, wo sich späte Neandertalerüberreste fanden, vor allem aber menschliches Erbgut