Jeleńcz (deutsch Jellentsch, ab 15. August 1936 Hirschfelde (Pom.); kaschubisch Jeléńcz) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Parchowo im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, etwa zehn Kilometer östlich von Bytów, drei Kilometer nördlich des Kirchdorfs Półczno und vier Kilometer südsüdwestlich des Kirchdorfs Parchowo.

Östlich des Dorfkerns liegt der Stropne-See, von dem früher ein Viertel zum Gut Jellentsch und drei Viertel zum Gut Parchow oder Parchau in Westpreußen gehörten. Westlich des Dorfs befindet sich der Piepchen-See.

Geschichte mini|Bäuerliches Anwesen (2018) mini|Wohngebäude (2018) In einem Grenzbrief vom 9. Oktober 1313, den Markgraf Waldemar von Brandenburg dem Deutschen Orden aushändigte, nachdem er ihm durch Vertrag zu Słupsk vom 10. Juni 1310 einen Teil Pommerns verkauft hatte, werden zwei unweit des Sees Glyno (Glinow-See) gelegene Grenzdörfer namens Goluzsino und Goliczeuo genannt.Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 6–8, Nr. 10 (Google Books). Dabei könnte es sich um die Dörfer Golzau (ehemals Kreis Karthaus) und Jellentsch (Hirschfelde) handeln. Nach dem Visitationsrezess von 1437 musste das Dorf Jellentsch dem Deutschen Orden für dreißig Zinshufen (2000 Magdeburger Morgen) dreißig Scheffel Hafer liefern und mit einem Kriegsreiter dienen.Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Druck von B. Lilienthal, Bütow 1858, S. 99–100 (Google Books).

Auf der Lubinschen Karte von 1618 ist das Dorf unter dem Namen Gellentzow verzeichnet. In den pommerschen Hufenmatrikeln von Pommern-Stettin des Jahres 1628 kommt es als Dorf befreiter Bauern (gefreyte Panen) mit einer Flächengröße von 15 Hufen unter dem Namen Gelentze vor.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 260, Nr. 148 (Google Books). Zur Zeit der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 gehörte das adlige Gut Gelentze zum Kirchspiel Pomeißke.Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, E. J. Dalkowski, Königsberg 1858, Band 1: Die Geschichte, Anhang S. 24, Nr. 6 (Google Books).

Laut Vasallentabelle besaß um 1756 Michel Ernst von Rüdgisch-Modrzewski († vor 1771)Rolf Straubel: Grundbesitz und Militärdienst: Kurzbiographien pommerscher Offiziere (1715 bis 1806), Teil I: Biographien, Böhlau, Köln 2021, S. 583–584 (Google Books, eingeschränkte Vorschau). einen Anteil von Jellentsch.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 393, Nr. 162 (Google Books), Der Namenszusatz R.-Modrzewski bezieht sich darauf, dass früher das Gut Moddrow ein Stammsitz der alten kaschubischen Familie Rüdgisch war.George Adalbert von Mülverstedt: Ausgestorbener Preussischer Adel – Provinz Pommern, Bauer und Raspe, Nürnberg 1894, S. 81 (Google Books). Einen weiteren Anteil besaß Johan Georg von Wittken, Gefr. Corpor. a. D., der sechs Jahre lang Militärdienst geleistet hatte.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 398, Nr. 229 (Google Books), Um das Jahr 1782 gehörte das adlige Gut Jellentsch dem Lieutenant Ernst Ludwig von Rüdgisch (* um 1736, † 2. Februar 1793), der neun eheliche Kinder hatte (sieben Söhne, von denen vier vor ihm verstarben, und zwei Töchter).Königlich Preußischer Staats Anzeiger, No. 282, Berlin, Donnerstag den 30 November 1865, S. 3880, Bekanntmachung (Google Books).

Um 1804 befand sich laut Vasallentabelle Friedrich Philip von Blankensee im Besitz von Jellentsch.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 485, Nr. 2 (Google Books). Im Verzeichnis der Pommerschen Ritterschaft vom 1. Januar 1862 wird Otto Ferdinand Meißner als Besitzer von Jellentsch genannt, der das Gut am 2. Oktober 1852 für 12.800 Taler von den Häckerschen Erben gekauft hatte.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 569, Nr. 43 (Google Books).

Im Jahr 1865 wurden Nachfahren der kaschubischen Familie Rüdgisch gesucht, da Friedrich Anton von Rüdgisch († 26. September 1842 in Brieg), Königlicher Hauptmann a. D., testamentarisch verfügt hatte, dass nach dem Tod seiner Ehefreau, Charlotte geb. Mann, die Hälfte des Nachlasses entferntere Verwandte seiner Familie erben sollten.

Am 14. September 1900 wurden die Landgemeinde Jellentsch und der Gutsbezirks Jellentsch zur Landgemeinde Jellentsch zusammengeschlossen.Amtsbezirk Kniprode (Territorial.de)

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 418,5 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Jellentsch 33 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 39 Pferde, 112 Stück Rindvieh, 17 Schafe und 147 Stück Borstenvieh hielten.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 136–137, Ziffer 17 (Google Books).

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Jellentsch eine Flächengröße von 4,4 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen, wo Jellentsch der einzige Wohnplatz war, standen insgesamt 29 bewohnte Wohnhäuser.

Am 15. August 1936 wurde die Gemeinde Jellentsch in Hirschfelde (Pom.) umbenannt.

Bis 1945 bildete Jellentsch eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Hirschfelde war dem Amtsbezirk Kniprode zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Kniprode.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Ende der Kampfhandlungen wurde Hirschfelde zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der darauf folgenden Zeit wanderten Polen zu, und ein Großteil der einheimischen Dorfbewohner wurden von der polnischen Administration aus Hirschfelde vertrieben. Der Ortsname Hirschfelde wurde zu „Jeleńcz“ polonisiert.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – Dorf,Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087, Nr. (7) (Google Books) . 1818 58 Dorf, adlige Besitzung (55 Einwohner), und Wassermühle (drei Einwohner), zum Kirchspiel Groß Pomeiske gehörigAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 250, Ziffer 652–653 (Google Books).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 291, Ziffer 7 (Google Books). 1846 120 DorfBütower Kreisblatt, No. 3, Bütow, 17. Januar 1849, S. 11–12, Einwohner-Tabelle, Ziffer 19 (bibliotekacyfrowa.eu, PDF) 1852 122 DorfTopographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 262 (Google Books). 1855 141 am Jahresende, davon 97 Evangelische und 44 KatholikenHermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 33 (Google Books).1864 155 am 3. Dezember, im Gemeindebezirk und im Gutsbezirk zusammenKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 38–39 (Google Books). 1867 156 am 3. Dezember, davon 33 in der Landgemeinde und 123 im Gutbezirk 1871 122 am 1. Dezember, davon 28 in Landgemeinde (13 Evangelische, 15 Katholiken) und 94 im Gutsbezirk (76 Evangelische, 18 Katholiken)Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 174–175, Ziffer 11 und Ziffer 50 (Google Books). 1885 132 am 1. Dezember, davon 34 in der Landgemeinde (19 Evangelische, 15 Katholiken) und 98 im Gutsbezirk (acht Evangelische, 90 Katholiken)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 190–191, Ziffer 17 (Google Books), und S. 192–193, Ziffer 54 (Google Books). 1895 188 am 2. Dezember, davon 39 in der Landgemeinde (14 Evangelische, 25 Katholiken) und 149 im Gutsbezirk (78 Evangelische, 71 Katholiken)Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 196–197, Ziffer 17 (Google Books), und S. 198–199, Ziffer 54 (Google Books).. 1905 215 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 104 Evangelische (sämtlich mit deutscher Muttersprache) und 111 Katholiken (drei mit deutscher und 108 mit polnischer Muttersprache)Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für die Provinz Pommern. Auf Grund von Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1908, 4. Kreis Bütow, S. 16–17, Ziffer 17 (pbc.gda.pl), und S. 16–17, Ziffer 17 (pbc.gda.pl).T 1910 184 am 1. Dezember, DorfJellentsch, Dorf mit Gut, Kreis Bütow, Rgierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Jellentsch (meyersgaz.org). 1925 203 Landgemeinde, in 36 Haushaltungen, davon 127 Evangelische und 76 KatholikenDie Gemeinde Jellentsch im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011) 1933 177 1939 170

Kirche Kirchspiel bis 1945 In Hirschfelde war die Bevölkerung mehrheitlich evangelischer Konfession. Die evangelischen Einwohner gehörten zum Kirchspiel Kniprode.

Das katholische Kirchspiel war in Bütow.

Polnisches Kirchspiel seit 1945 Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Söhne und Töchter des Orts Ernst Ludwig von Rüdgisch (* um 1736, † 2. Februar 1793), Lieutenant a. D., wird 1778 als Erbherr auf Jellentsch genannt, hinterließ neun eheliche Kinder: Georg Ernst Friedrich, † 21. April 1778 Gottlobine Dorothea Ernst Carl Friedrich Johann Ludwig, * 29. Juni 1783, † 29. Dezember 1853 in Lissa, Kreis Neumarkt, Mittelschlesien, preußischer Oberstlieutenant a. D., Erbherr auf JellentschHugo Clemens Constantin Ludwig Eduard Kroll: Offizier-Stammliste des Leib-Grenadier-Regiments König Wilhelm III. Mittler, Berlin 1899, S. 223–224, Nr. 275 (Google Books). Marie Sophie Henriette Heinrich August, † 14. Mai 1789 August Wilhelm, † 26. August 1790 Jacob Christoph Wilhelm, † 25. März 1792 Benjamin Philipp

Literatur Jellentsch, Dorf mit Gut, Kreis Bütow, Rgierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Jellentsch (meyersgaz.org). Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087, Nr. (7) (Google Books).