Kajira von Gor ist ein 1983 erschienener Science-Fiction-Fantasy-Roman von John Norman. Das Buch ist der 19. Band der 38 Bücher umfassen Gor-Romanreihe von John Norman und der dritte Sklavinnen-Roman innerhalb der Reihe. Von 1986 bis 2011 war das Buch in Deutschland als jugendgefährdende Schrift indiziert.

Das Buch war von 1986 bis 2011 in Deutschland als jugendgefährdende Schrift indiziert, wobei die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in ihrer Entscheidung vor dem Hintergrund der im Roman enthaltenen Kajira-Thematik mit Verstößen gegen die Menschenwürde, Diskriminierung der Frau und der Gefahr der sittlichen Desorientierung von Kindern und Jugendlichen argumentierte. Die gesetzliche Indizierungsfrist von 25 Jahren lief 2011 aus und wurde nicht im Rahmen eines erneuten Prüfverfahren erneuert, sodass das Buch seither wieder in Deutschland frei verkauft werden darf.

Handlung mini|Die Welt von Gor. Die Handlung wird aus der Sicht der weiblichen Protagonistin Tiffany Collins geschildert. Die US-amerikanische Parfümverkäuferin wird eines Abends betäubt und entführt. Als sie erwacht, findet sie sich auf dem fremden Planeten Gor im Herrscherpalast der Stadt Corcyrus wieder, wo ihr der Ministerpräsident Ligurious erklärt, dass sie die Rolle von Sheila, der Herrscherin der Stadt, einzunehmen hat. Tiffany entscheidet sich mangels Alternativen mitzuspielen. Mit der Zeit erfährt Tiffany mehr über die goreanische Kultur und den Charakter ihrer politischen Herrschaft. Vor allem aber ist sie aufgrund ihrer submissiv-sexuellen Neigung besonders von der Institution der weiblichen Sklaverei auf Gor fasziniert. Als sich Corycrus plötzlich mit der rivalisierenden Stadt Argentum im Krieg befindet, überschlagen sich die Ereignisse, an deren scheinbarem Ende Tiffany sich als Gefangene und schließlich auf dem Sklavenmarkt wiederfindet und die weibliche Sklaverei auf Gor in ihrer ganzen Konsequenz kennenlernt. Doch auch ihre Vergangenheit holt sie bald wieder ein.

Hintergrund

Hintergrund der feministischen Debatte der 1970er- und 1980er-Jahre Die Veröffentlichung der meisten Gor-Romane (Bände 1–25) von 1966 bis 1985 fällt zeitlich in die gleiche Epoche wie die Hochzeit des Feminismus und die Zeit der verstärkten gesetzlichen Gleichberechtigung und Emanzipation der Frauen in Europa und Amerika. Sie fällt ebenso zusammen mit der Epoche des aufkommenden Bodice-Ripper-Romans, in denen vor allem weibliche Autoren begannen, Abenteuer- und Liebesromane mit weiblichen Hauptprotagonisten zu schreiben, die etwa Entführung und sexuelle Gewalt durch Männer erleben, zu denen sie aber letztlich eine romantische Beziehung entwickeln. Von Seiten der feministischen Bewegung wurden die Bodice-Ripper-Romane teils massiv kritisiert, da Feministinnen befürchteten, dass Frauen durch solche Lektüre daran gewöhnt werden könnten, Vergewaltigung und häusliche Gewalt als selbstverständlichen Teil ihres eigenen Lebens zu akzeptieren. Der Bodice Ripper zeigte unschuldige Jungfrauen, die durch Vergewaltigung zu Nymphomaninnen und romantisch Liebenden wurden: ein Szenario, das nach feministischer Auffassung mit den Fantasien realer Vergewaltiger erschreckend genau übereinstimmte.

John Normans Gor-Bücher – noch dazu von einem Mann geschrieben – verkörperten dieses Szenario in noch drastischerer Weise. Nach Normans philosophischen Kajira-Konzept liegt es in der Natur und Biologie veranlagt, dass der Mann über die Frau herrscht, die ihm als Sklavin dienen müsse und wolle, jedoch werde sie in der irdischen Gesellschaft mit dem politischen Konzept der Gleichberechtigung der Geschlechter daran gehindert, sich ihrer natürlichen Veranlagung hinzugeben. In den Gor-Romanen erfahren Frauen ihre wahre Weiblichkeit daher erst in der Sklaverei und Unterdrückung durch den Mann.

Die Kajira- / Sklavinnen-Romane Das narrative Konzept der Kajira findet sich in John Normans Gor-Romanen seit dem ersten Band, doch baute er es im Laufe der Reihe zunehmend aus. Mit dem 1977 erschienenen siebten Band Sklavin auf Gor (Captive of Gor) rückte er die Kajira-Sklaverei wesentlich in den Fokus und brachte erstmals eine weibliche Hauptfigur als Ich-Erzählerin, die in die Sklaverei gezwungen wird – ihr Erleben der Welt von Gor als Kajira stellt die wesentliche Handlung dar.Christophe Duret: Transfictionality, Thetic Space, and Doctrinal Transtexts: The Procedural Expansion of Gor in Second Life’s Gorean Role-playing Games, 2018, S. 10. In einigen späteren Romanen der Gor-Reihe setzte Norman das Konzept fort, auch hier sind die Ich-Erzählerinnen und Hauptprotagonisten Frauen, die in eine Existenz als Sklavinnen/Kajirae gezwungen werden. Die entsprechenden Bände werden daher oft auch als Kajira- oder Sklavinnen-Romane bezeichnet.Gorean Posts (Luther) - Barbarians of Gor.com - “slave” novels, abgerufen am 19. November 2024. Bei den Kajira-Romanen handelt es sich um die elf Bände Nr. 7 – Sklavin auf Gor / Die Sklavin, Nr. 11 – In Sklavenketten auf Gor / Das Sklavenmädchen, Nr. 19 – Kajira von Gor, Nr. 22 – Die Tänzerin von Gor, Nr. 26 – Die Zeugin, Nr. 27 – Prize of Gor, Nr. 31 – Conspirators of Gor, Nr. 32 – Smugglers of Gor, Nr. 34 – Plunder of Gor, Nr. 35 – Quarry of Gor und Nr. 38 – Treasure of Gor.Christophe Duret: Transfictionality, Thetic Space, and Doctrinal Transtexts: The Procedural Expansion of Gor in Second Life’s Gorean Role-playing Games, 2018, S. 10. (Stand 2018; wohl auch Band 34, 35 und 38).

Bewertung und Folgen in den USA in den 1980er-Jahren Die Entwicklung der Gor-Reihe durch die zunehmende Kajira-Thematik führte zu einer stark zunehmenden, teils heftigen Kritik an den Romanen. 1983 bewertete Peter Mauzy den ersten Kajira-Roman Sklavin auf Gor sowie den nachfolgenden Band Die Jäger von Gor als wichtigste Bände der Gor-Reihe, in der der zuvor untergeordnete Aspekt der weiblichen Sklaverei zum zentralen Thema der Gor-Reihe werde. Mauzy attestierte, dass die Handlung, Action, Storyline und Charakterentwicklung in den Hintergrund trete, während Norman fortan in langen expositorischen Passagen seine Philosophie der weiblichen Unterwerfung und männlichen Dominanz vermittle.Peter Mauzy: The Gor Novels, Survey of Modern Fantasy Literature, 2/1/1983, Bd./Jhrg. 2 Zu demselben Schluss kam ebenfalls 1983 Robert Reginald.Robert Reginald: Xenograffiti: Essays on Fantastic Literature, Studies in the Philosophy and Cristicism of Literature, S. 73–75. David Langford beschrieb 1988 im SFX Magazine die Wandlung der späteren Romanreihe als „zu einer extrem sexistischen, sadomasochistischen Pornographie, in der Frauen rituell gedemütigt werden, und haben deshalb weithin Anstoß erregt“.David Langford: SFX Magazine, Ausgabe 39, Juni 1998.

In den späten 1980er-Jahren wurden das Erscheinen der Gor-Romane beim DAW Books Verlag eingestellt;David Langford: SFX Magazine, Ausgabe 39, Juni 1998. der Verlag argumentierte mit sinkenden Verkaufszahlen, was David Langford als „dürftigen Vorwand“ beschrieb.

Veröffentlichung In den USA erschien das englischsprachige Originalwerk 1983.John Norman: Kajira von Gor, Heyne Verlag, München 1985, S. 4. Im Jahr 1985 erschien eine deutschsprachige, stark gekürzte Fassung des Heyne Verlags.John Norman: Kajira von Gor, Heyne Verlag, München 1985, 203 Seiten.

Indizierung in Deutschland

Indizierung in Deutschland als jugendgefährdende Schrift von 1986 bis 2011 Die Veröffentlichung der deutschsprachigen Übersetzung im Jahr 1985 fiel in eine Zeit, in der gegen die Bücher der Gor-Reihe Prüfverfahren zur Bewertung als jugendgefährdende Schriften begannen. Von 1985 bis 1987 wurden insgesamt elf Bände als jugendgefährdende Schriften eingestuft und indiziert, darunter auch Kajira von Gor.Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Pr 593/85, Entscheidung Nr. 3585 vom 20. Februar 1986, S. 1–6.

Am 21. November 1985 reichte das Kreisjugendamt Karlsruhe bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften einen Antrag auf Indizierung des Buchs ein.Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Pr 593/85, Entscheidung Nr. 3585 vom 20. Februar 1986, S. 1. Am 20. Februar 1986 entschied die Bundesprüstelle zugunsten einer Indizierung. Die Indizierung lief nach der gesetzlichen Frist von 25 Jahren aus.Entscheidung Nr. A 13/11 vom 17. Januar 2011 (Pr. 1155/10) Eine Neubewertung zur erneuten Indizierung fand nicht statt, sodass das Buch seither wieder frei verkauft werden darf.

Indizierungsverfahren 1985/86 Argumente des Antragstellers

In der Antragschrift argumentierte das Jugendamt, die Schrift sei geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu verwirren, da die Frau zur Sklavin des Mannes degradiert und suggeriert werde, dass sie sich in der Rolle als Sklavin des Mannes wohlfühle sowie nur seinen Ansprüchen zu dienen habe.Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Pr 593/85, Entscheidung Nr. 3585 vom 20. Februar 1986, S. 2. Damit werde die Würde des Menschen und insbesondere die Würde der Frau verletzt.

Argumente des beklagten Heyne-Verlags

Der Heyne-Verlag argumentierte gegen eine Indizierung, wobei er ausführte, dass sich die gekürzte Übersetzung der Darstellungen sexueller und gewalttätiger Handlungen enthielte;Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Pr 593/85, Entscheidung Nr. 3585 vom 20. Februar 1986, S. 3. zudem sei der Roman dem Science-Fiction-Fantasy-Genre zuzuordnen und daher rein fiktiv ohne Bezug zur gelebten Realität. "Die Frauen von Gor seien nicht die Frauen unserer Gesellschaft."

Entscheidungsbegründung zur Indizierung

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften folgte der Einschätzung des Antragstellers für eine Indizierung. Der Inhalt des Buchs sei geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren und nach § A Abs. 1 Satz 1 GjS sittlich zu gefährden. Der Inhalt sei frauendiskriminierend; der Autor entwickle ein Normalitätskonzept, das die Frau zum Konsumartikel und Objekt männlicher Lust mache. Gepredigt werde ein den Grundwerten der deutschen Verfassung diametral entgegengesetztes Verhalten. Die im Buch vorkommenden Frauen seien fast alle hübsch und versklavt, ihre Aufgabe die ständige sexuelle Verfügbarkeit als Sklavinnen; auch das Erscheinungsbild der Frau sei allein auf die Sexualität komprimiert.Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Pr 593/85, Entscheidung Nr. 3585 vom 20. Februar 1986, S. 3f. Als besonders ethisch sozialethisch verwirrend werte die Bundesprüfstelle, dass die Frauen in ihrer Unterordnung als Sklavinnen selbst höchste Lust empfinden.Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Pr 593/85, Entscheidung Nr. 3585 vom 20. Februar 1986, S. 4. Dabei wird auf die zentralen weiblichen Figuren des Buchs verwiesen, etwa die Hauptfigur Tiffany Collins, die gegen das innere Verlangen ankämpfen muss, sich zu unterwerfen. Beide weiblichen Hauptfiguren erblühten erst durch die Versklavung zur wahren Weiblichkeit.