Wie du dir, so ich mir (Originaltitel: Getting even) ist eine erstmals 1971 bei Random House erschienene Textsammlung von Woody Allen. Die deutsche Übersetzung von Benjamin Schwarz erschien erstmals 1978 bei Rogner & Bernhard. Kurzbeschreibung Wie du dir, so ich mir enthält 17 Texte unterschiedlicher Gattung und unterschiedlicher Erzählperspektive zu unterschiedlichen Themen. Inhalte der einzelnen Texte Die Metterling-Listen (Originaltitel: The Metterling Lists)
Im Stil einer Rezension beschäftigt sich dieser Text mit dem ersten Band des zweibändigen Werkes „Die gesammelten Wäschelisten Hans Metterlings“, die, so der vermeintliche Rezensionstext über das vermeintliche Buch, „uns auf vollkommene, geradezu totale Weise mit diesem geplagten Genie bekannt“ machen,Woody Allen: Allen für alle. Seine besten Stories. (=Sammlung Luchterhand, Band 1053.) Aus dem Amerikanischen von Benjamin Schwarz. Luchterhand-Literaturverlag, Hamburg/Zürich 1992. ISBN 3-630-71053-0. S. 69. einem Zeitgenossen von Rilke und Wagner sowie anderer Größen: Lou Andreas-Salomé „schrieb an Nietzsche, Metterlings Unterhosen seien das Erhabenste, was ihr je begegnet sei, einschließlich Also sprach Zarathustra. Nietzsche nahm das wie ein Gentleman, aber auf Metterlings Unterwäsche war er immer eifersüchtig“,Allen, Allen für alle, S. 73. derweil der „Irre von Prag“ Hans Metterling paranoid wird. „Vor allem glaubte er, er werde entweder verfolgt oder verfolge selber jemanden. Er erzählte engen Freunden von einer Verschwörung mit dem Ziel, ihm sein Kinn zu stehlen“.Allen, Allen für alle, S. 74. Ein kurzer Blick auf das organisierte Verbrechen (Originaltitel: A look at organized crime)
Dieser Text beschäftigt sich scheinbar mit Geschichte und Bandenstruktur von Mafia und Cosa Nostra in Chicago, New Jersey, New York, „Gruppen ziemlich ernster Männer, deren größte Freude im Leben darin besteht, zu sehen, wie lange es gewisse Leute im East River unter Wasser aushalten, ehe sie zu blubbern anfangen“,Allen, Allen für alle, S. 80. und deren Tätigkeitsbereiche Ermordungen sind, „Glücksspiel, Rauschgifthandel, Prostitution, Flugzeugentführungen, Wuchergeschäfte und das Schmuggeln eines großen Weißfischs zu unzüchtigen Zwecken über die Staatsgrenze.“Allen, Allen für alle, S. 77. Die Schmidt-Memoiren (Originaltitel: The Schmeed Memoirs)
Nach einleitenden Worten gibt der Ich-Erzähler, der Friseur Friedrich Schmidt, einen Einblick in seine Memoiren, „deren Veröffentlichung bald zu erwarten ist.“Allen, Allen für alle, S. 99. Schmidt liefert als Haar- und Bart-Experte diverser Nazi-Größen Einblicke in deren Gebaren, beispielsweise einen Streit zwischen Göring und Heß über ein Schaukelpferdchen, das beim Haareschneiden als Sitzplatz dient, oder einen umfangreicheren Abschnitt über Hitlers Frage „Wie würde ich mit Koteletten aussehen?“,Allen, Allen für alle, S. 100. die unter anderem sogar den Generalstab beschäftigt: „Von Rundstedt erklärte […], es wäre ein Fehler zu versuchen, die Koteletten auf zwei Seiten gleichzeitig in Angriff zu nehmen, und riet, daß es klüger wäre, alle Anstrengungen auf eine gelungene Kotelette zu konzentrieren.“Allen, Allen für alle, S. 102. Der Text endet im Führerbunker, wo Hitler immer noch mit Haarfragen beschäftigt ist: „Von absoluter Größe besessen wie üblich, schwor er, er werde schließlich noch eine gewaltige Pompadourfrisur tragen“.Allen, Allen für alle, S. 105. Meine Philosophie (Originaltitel: My philosophy)
Durch ein Soufflé erleidet der Ich-Erzähler einen Fußbruch und kann sich während seiner Genesung daher den Schriften großer Denker widmen. Die Folge: Obgleich er laut eigener Einschätzung kaum zwei Sätze in einem Aufsatz „Mein Tag im Zoo“ zustande bringen würde, fühlt er sich selbst zur Metaphysik berufen. Meine Philosophie fasst die daraus resultierenden Gedanken über den Tod, das Schöne, das Gerechte und die Wahrheit zusammen und enthält darüber hinaus unter anderem eine Parodie auf Vor dem Gesetz, Aphorismen sowie nur zum Scheine eine Abhandlung über die Bewältigung der Gürtelrose. Ja, aber kriegt die Dampfmaschine das denn fertig? (Originaltitel: Yes, but can the steam engine do this?)
Der Ich-Erzähler gibt in der Hoffnung, dass seine „kümmerlichen Notizen einen wahren Historiker inspirieren möchten, hieraus zu schöpfen“,Allen, Allen für alle, S. 9. jene Notizen über die fiktiven Irrungen und Wirrungen in der Erfindungsgeschichte des Sandwichs sowie eine Biografie des zugehörigen Earls of Sandwich wieder, der am Ende an nicht auskurierten O-Beinen verstirbt. Der Tod klopft (Originaltitel: Death knocks)
In diesem Das siebente Siegel parodierenden Einakter poltert um Mitternacht der Tod beim 57-jährigen Nat Ackerman herein. Ackerman sucht Ausflüchte gegen sein Ableben, erklärt, er fühle sich gesund oder der Tod könne doch in der Nachbarschaft klingeln, überredet den Tod schließlich zu einer Partie Gin Rummy, in deren Verlauf Ackerman den Tod immer mehr in ein Gespräch verwickelt. Die Bühne verdunkelt sich, erhellt sich wieder, es ist Morgen, und Ackerman hat einen zusätzlichen Lebenstag gewonnen. Der Tod erklärt, in einem Revanche-Spiel sein an Ackerman verlorenes Geld zurückgewinnen zu wollen, weil er sonst in ernsthafte Schwierigkeiten geriete. Ackerman willigt ein, vorausgesetzt, dass er dabei dann nicht nur einen zusätzlichen Lebenstag, sondern eine zusätzliche Lebenswoche oder gar einen zusätzlichen Lebensmonat gewinnen könne. Der Tod, der aufgrund seiner Spielverluste kein Geld für ein Hotel mehr hat, erklärt, die Zeit bis zum Revanche-Spiel in einer Kneipe totschlagen zu wollen, und verlässt Ackerman. Das Frühjahrsprogramm (Originaltitel: Spring Bulletin)
Der Text Das Frühjahrsprogramm entwirft ein imaginäres Kurs-Programm, das mehr oder weniger typisch für Hochschul-Kursprogramme oder Weiterbildungsprogramme der Erwachsenenbildung ist. Im Fach Wirtschaftstheorie beispielsweise wird hierbei unter anderem thematisiert, wie man sich bei Inflation oder Wirtschaftskrise kleiden möge, in Psychopathologie, warum mancher die Gesellschaft von Bibern schätze, in Astronomie, wie man sich bei einer Explosion der Sonne verhalten solle, und in Sozialarbeit, wie man eine Straßenbande zu einer Basketball-Mannschaft forme – und andersherum.
Chassidische Geschichten, mit einer Anleitung zu ihrem Verständnis von einem anerkannten Gelehrten (Originaltitel: Hassidic tales, with a guide to their interpretation by the noted scholar)
Dieser Text versammelt sechs Miniaturen über verschiedene Rabbiner: Einer beispielsweise schlägt einem Fragenden von hinten auf den Schädel, weil „dieser Mann nichts Besseres zu tun hat, als in der Weltgeschichte herumzureisen und den Leuten auf die Nerven zu gehen“,Allen, Allen für alle, S. 63. ein zweiter muss sich mit einem Gläubigen herumplagen, der die Hässlichkeit seiner Tochter mit der eines Herings vergleicht, in einer dritten Geschichte wird klar, „daß das Fasten ein großer Fehler ist. Besonders auf leeren Magen.“Allen, Allen für alle, S. 66.
Der Briefwechsel zwischen Gossage und Vardebedian (Originaltitel: The Gossage-Vardebedian papers)
Dieser Text gibt einen Briefwechsel zweier rechthaberischer Fernschach-Partner wieder, in deren Partie die Züge der Gegner per Brief übermittelt werden. Ausgehend von der Tatsache, dass ein Brief Gossages verloren gegangen ist, müssten die beiden Gegner ein „verfilztes Tatsachengewirr“Allen, Allen für alle, S. 110. entwirren, beharren aber jeweils auf ihrer Position. Schließlich ergänzt erst Gossage seinen Brief um eine Skizze, wie die Schachfiguren zu stehen hätten, was dann seinerseits Verdebedian zu einer Skizze bewegt sowie zu der Anmerkung, Gossages Skizze zeigen, dass Gossage „eher unbekümmert und wie die Marx Brothers an das Spiel“ herangeht. Der Ton wird rauer, Gossage wirft Verdebedian „Doppelzüngigkeit und Aggression“ vor,Allen, Allen für alle, S. 111. Verdebedian Gossage „zur Neige gehende Geisteskräfte“,Allen, Allen für alle, S. 112. schließlich erklären sich beide jeweils zum Sieger der Schachpartie und einigen sich für die Revanche auf Scrabble.
Bekenntnisse eines Vollgefressenen, nach der Lektüre Dostojewskis und der neuen „Gewichtswacht“ auf derselben Flugreise (Originaltitel: Notes from the overfed, after reading Dostoevski and the new „Weight Watchers“ magazine on the same plane trip)
Der schwer übergewichtige Ich-Erzähler erklärt, wie er dermaßen übergewichtig wurde, dass er mangels Kleidung das Haus nicht mehr verlassen konnte: Es begann mit einem Gespräch über die Existenz Gottes, in dem der Onkel des Ich-Erzählers die dingliche Allgegenwart Gottes postulierte und seine Ausführungen damit schließt, dass Gott somit sogar im Naschwerk weile. Das löste beim Ich-Erzähler eine wahllose Fresssucht aus, um Gott in sich aufzunehmen. Schon nach sechs Monaten Ernährungsexzess fühlte der Ich-Erzähler sich als Heiligster der Heiligen und ist daher seither nicht mehr gewillt, von seinen göttlichen Gewichtsmassen zu lassen.
Erinnerungen an die zwanziger Jahre (Originaltitel: A Twenties memory)
Der Ich-Erzähler, ein Möchtegern-Schriftsteller, macht im Laufe der Zwanziger Jahre in Chicago, Südfrankreich, Italien, Spanien, Kenia nähere Bekanntschaft mit Kulturgrößen wie Pablo Picasso, Gertrude Stein sowie vor allem Ernest Hemingway, mit dem er in Chicago erst in Jack Dempseys Trainingslager zusammenwohnt und den er später in Kenia wiedertrifft. „Er kam ins Plaudern über Tod und Abenteuer, wie nur er das konnte, und als ich wieder wach wurde, hatte er ein Lager aufgeschlagen“.Allen, Allen für alle, S. 166. Auch in Spanien ist der Ich-Erzähler mit Hemingway zusammen, „Hemingway nahm mich zum Thunfischfang mit, und ich fing vier Dosen“.Allen, Allen für alle, S. 167. Graf Dracula (Originaltitel: Count Dracula)
Graf Dracula nimmt während einer totalen Sonnenfinsternis an, es sei Nacht, und verlässt deshalb seinen Sarg. Er eilt zum Haus eines Bäcker-Ehepaars, um es auszusaugen, doch bekommt erklärt, er wäre sieben Stunden zu früh aufgetaucht und die Dunkelheit währte nur kurz. Da die Zeit zur Flucht aus dem Heim des Bäcker-Ehepaars nicht mehr reicht, sucht der Vampir Schutz in einem Schrank. Das Bürgermeister-Ehepaar besucht das Bäcker-Ehepaar und scheitert ebenso wie dieses, Dracula zum Verlassen des Schrankes zu bewegen. Die beiden Ehepaare belustigen sich über Dracula, trinken Wein, bis der Bürgermeister des in seinen Augen albernen Verhaltens Draculas überdrüssig ist und die Schranktür gewaltsam öffnet, so dass Dracula zu Staub zerfällt. Ein bisschen lauter, bitte! (Originaltitel: A little louder, please)
Der Ich-Erzähler will in einer Broadway-Bar mit einer Blondine anbändeln, bekommt aber erst Ärger mit deren unerwartet auftauchendem Freund, nach seiner Flucht auf die Straße den Zorn eines Sizilianers zu spüren, der die Ehre dieser seiner Cousine verteidigen will. Der Ich-Erzähler flieht in ein Wochenschau-Kino und entdeckt dort anlässlich eines Beitrags über eine Neuguinea-Reise eine Lücke in seiner kulturellen Bildung: dass er von der Kunst eines Marcel Marceau ebenso wenig versteht wie von den Gesten eines Ureinwohners Neuguineas. Anderntags besucht der Ich-Erzähler in einem Theater die pantomimische Darstellung eines Picknicks. Der Ich-Erzähler versucht zur Verwunderung des Publikums, dem Pantomimen dabei zu helfen, die Einzelheiten der pantomimischen Darbietung zu verdeutlichen, indem er laut mutmaßt, was der Pantomime gerade tut. Nach dem Theaterbesuch konzentriert der Ich-Erzähler sich auf den Verzehr eines in seiner Bedeutung unmissverständlichen Hamburgers und gibt am Ende der Geschichte zu, dass er weiterhin an seinem Verständnis der Pantomime arbeiten müsse. Gespräche mit Helmholtz (Originaltitel: Conversations with Helmholtz)