mini|Gebäude der ehemaligen II. städtischen Höheren Mädchenschule mit Lehrerinnenseminar (ab 1927: Gaudigschule in Leipzig) Die Leipziger Gaudigschule befand sich im Gebäude der damaligen Döllnitzer Straße 2 (heute Lumumbastraße) im Stadtteil Gohlis. Ursprünglich als II. städtische Höhere Mädchenschule mit angeschlossenem Lehrerinnenseminar errichtet, wurde sie 1927 zu Ehren ihres verstorbenen Gründungsdirektors, des damals weltweit geschätzten Reformpädagogen Hugo Gaudig (1860–1923) in Gaudigschule umbenannt. Der Solitärbau steht in der Nähe der Michaeliskirche.

Geschichte Die Schule entstand in den Jahren 1905 bis 1907 nach den Entwürfen des Leipziger Stadtbaurates Otto Wilhelm Scharenberg in enger Kooperation mit Hugo Gaudig und seinen reformpädagogischen Ideen. Das Schulgebäude vereinigt stilistisch Elemente des Historismus und des Jugendstils. Das Gebäude entstand im Auftrag der Stadt Leipzig. Der Schulbetrieb der Reformschule stand „im Spannungsfeld zwischen reformpädagogischem Aufbruch und Hoffnung einerseits sowie Diffamierung […] andererseits.“Andreas Pehnke: Zum Schicksal der Leipziger Gaudigschule (1945 bis 1951). Ein Stück Wirkungsgeschichte aus den Akten der Schulbürokratie., in: Neue Sammlung, 37 (1997) 1, S. 7–25. Literaturhinweis auf www.fachportal-paedagogik.de Eine der prominentesten Schülerinnen dieser Einrichtung war Hannelore Kohl. Der reformpädagogische Ansatz hatte letztlich gegen die gegen sie gerichteten diktatorischen Mittel stalinistischer Machart keine Chance. Der einstigen Hochburg der Reformpädagogik blieb nur die Zwangsauflösung 1945. Sie war dann „Arbeiter- und Bauernfakultät“ und beherbergte schließlich bis in die 1990er Jahre das Herder-Institut zur Förderung der Sprachkenntnisse ausländischer Studierender.

Ab dem Jahr 2000 diente das damals leerstehende Gebäude als Drehort für den Dienstsitz der Tatort-Ermittler Ehrlicher und Kain, gespielt von Peter Sodann und Bernd Michael Lade, wobei sich das Büro von Ehrlicher im einstigen Direktorenzimmer befand.

Im Jahr 2009 wurde das Schulgebäude schließlich aufwendig saniert und zu 42 Eigentumswohnungen umgebaut.

Architektur Der Grundriss des Baues ist langrechteckiger und abgewinkelter mit Querriegel. Das Gebäude ist dreigeschossig mit hohem Sockelgeschoss sowie einem ausgebauten Dachgeschoss. Es hat eine Putzfassade. Der Mittelbau ist mit einem hohen Stufengiebel, Belvedère, dreibogige Vorhalle mit abschließendem Altan, versehen. Die Seitenflügel sind von zwei kurzen, ebenfalls mit Stufengiebeln versehenen Querbauten abgeschlossen. Sie haben polygonale Erker. Die Dachformen sind Sattel- und Walmdach. Bemerkenswert ist das Eingangsportal mit der Portikus und dem darüber befindlichen Austritt. Die Fenster-Umrahmung ist auch Rochlitzer Porphyrtuff.Wolfgang Hocquél: Architekturführer Leipzig. Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart. Passage-Verlag, Leipzig 2023, S. 174, ISBN 978-3-95415-128-8.

Lehrer an der Gaudigschule (Auswahl) mini|Lehrerkollegium an der Gaudigschule im Jahr 1912: Sitzend von links: Hugo Eberwein – Moritz Vogel – Hugo Gaudig – Rosalie Büttner – Paul Krüger – Margarete Heinrich 1. Reihe von links: Paul Platen – Anna Maria Curtius – Margarete Steffenhagen – Ida Bernhard – Gottlob Schauerhammer – Gertrud Hoffmann – Theodor Friedrich – Mathilde Rümcker – Paul Rostosky 2. Reihe von links: Paul Gedan – Max Buchheim – Paul Ehrmann – Käthe Riemer – Emma Martens – Marie Keutel – Johanna Wanjeck – Elisabeth Kunz – Hedwig Hallmann – Arno Schmieder 3. Reihe von links: Paul Krägelin – Magnus Fritzsch – Elisabeth Glaß – Edmund Fickelscherer – Emma Ruschhaupt – Richard Tränkmann – Elsa Kratzi – Ernst Walther -Georg Oeser – Anton Kreischer Rosalie Büttner (1846–1914), Pädagogin, Frauenrechtlerin Paul Ehrmann (1868–1937), Zoologe, Pädagoge Theodor Friedrich (1879–1947), Philologe, Pädagoge, Goetheforscher Hugo Gaudig (1860–1923), Direktor, Reformpädagoge Hellmuth Heinze (1892–1979), Altphilologe, Pädagoge Gertrud Herrmann (1896–1942), Pädagogin, Germanistin Paul Losse (1890–1962), Musikpädagoge, Konzertsänger, Publizist Charlotte Müller (1893–1972), Pädagogin, Direktorin Waldus Nestler (1887–1954), Pädagoge Paul Platen (1890–1964), Pädagoge, Geograph Rosemarie Sacke-Gaudig (1904–1997), Pädagogin, Ehefrau von Georg Sacke Hans Salié (1902–1978), Mathematiker, Pädagoge Otto Scheibner (1877–1961), Arbeitspädagoge Otto Hermann Steche (1879–1945), Mediziner, Zoologe und Pädagoge Moritz Vogel (1846–1922), Organist, Komponist, Musikpädagoge und Musikkritiker Otto Weigel (1890–1945), Maler, Grafiker, Pädagoge

Schülerinnen an der Gaudigschule (Auswahl) Ingrid Biedenkopf (* 1931), Publizistin, Ehefrau von Kurt Biedenkopf Maria Cordes (1905–1993), Juristin Maria Grollmuß (1896–1944), Publizistin, Widerstandskämpferin Hannelore Kohl (1933–2001), Ehefrau von Helmut Kohl Gisela May (1924–2016), Sängerin, Schauspielerin Gerda Taro (1910–1937), deutsche Fotografin

Weblinks

Gaudigschule Leipzig (ehem. II. Höhere Mädchenschule, Zentrum-Nord, Stadt Leipzig) auf www.architektur-blicklicht.de Döllnitzer Straße 2 auf Leipzig-Lese

Einzelnachweise

Gaudigschule Gaudigschule Gaudigschule Kategorie:Ehemalige Schule in Sachsen Kategorie:Erbaut 1907 Kategorie:Nordvorstadt (Leipzig)