mini|Henri-François des Herbiers, Marquis de L’Estenduère. Henri-François des Herbiers, Marquis de L’Estenduère (* 6. Juni 1682 in Angers; † 26. März 1750 in Rochefort), war ein Offizier der französischen Marine und Aristokrat des 17. und 18. Jahrhunderts.

Geboren in einer Adelsfamilie aus Poitou, begann er seine Navigationsausbildung bei seinem Onkel und trat sehr jung der französischen Marine bei. Er war Teilnehmer verschiedener Kriege, zeitweise Kaperfahrer und unternahm in den 1720er Jahren kartographische Missionen an den Küsten Neufrankreichs.

Am 25. Oktober 1747 vollbrachte er seine größte Waffenleistung in der Zweiten Seeschlacht am Kap Finisterre. Er hatte den Auftrag übernommen, einen Handelskonvoi mit acht Begleitschiffen zu den Antillen zu eskortieren. Dieser wurde vom britischen Konteradmiral Hawke mit 14 Schiffen angegriffen und überstand über sieben Stunden erbitterte Kämpfe. Sechs der französischen Begleitschiffe wurden gekapert, der Konvoi jedoch fast vollständig gerettet. Estenduère entkam der Gefangennahme, während sein Schiff, Le Tonnant (80 Kanonen), schwer beschädigt und teilweise entmastet wurde. Sein Stellvertreter, der Marquis de Vaudreuil auf der Intrépide (74 Kanonen) kam ihm zu Hilfe, nahm sein Schiff in Schlepp und erreichte im Schutz der Dunkelheit Brest. Er beendete seine Karriere im Rang eines Chef d’escadre (Konteradmiral).

Biographie Herkunft und Familie Henri-François des Herbiers entstammt dem Haus Herbiers, einer alten Adelsfamilie aus Poitou und Aunis, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Ein Almeric Desherbiers hatte eine angesehene Stellung am Hof von König Philipp I. inne, sein Sohn, Geoffroi Desherbiers, begleitete Wilhelm IX. von Aquitanien auf den Kreuzzug von 1101 ins Heilige Land. Ihre Nachkommen dienten dem Königreich Frankreich sowohl zur See als auch an Land. Jean Desherbiers, Ritter und Herr von Estenduère, fiel 1356 in der Schlacht von Poitiers. Mehrere Herren von Estenduère traten dem Orden des Heiligen Johannes von Jerusalem bei. Die Familie war mit den Familien Sourdis, du Chaffault und de La Roche-Saint-André verwandt. Herbiers Vater, Henri Auguste des Herbiers, Herr von L'Estenduère, war capitaine de vaisseau (Schiffskapitän) der Königlichen Marine. Als Ritter des Ordre royal et militaire de Saint-Louis zeichnete er sich im Holländischen Krieg mehrfach aus.

Frühes Leben und Pfälzischer Erbfolgekrieg Henri-François des Herbiers wurde am 6. Juni 1682 in Angers geboren. Seine Eltern ermöglichten ihm die für seine Herkunft typische Ausbildung mit Privatlehrern. Sein Onkel Armand des Herbiers, Kapitän und Kommandant der Téméraire erkannte in ihm allerdings die Eignung für eine militärische Laufbahn, nahm ihn an Bord seines Schiffes und erteilte ihm Unterricht in Navigation.

Die Schlacht von Lagos (1693) mini|Schlacht von Lagos vor der Küste Portugals, Öl auf Leinwand von Jean Antoine Théodore Gudin. Herbiers diente hiernach unter Montbault, dem späteren Kommandanten der Téméraire, als dieser den Befehl erhielt, sich dem Geschwader unter Marschall Tourville im Mittelmeer anzuschließen, um einen britisch-niederländischen Konvoi nach Smyrna abzufangen, der mit immensen Reichtümern beladen war. Der junge Estenduère wurde Zeuge dieser Seeschlacht, die Tourville für sich entscheiden konnte und bei der 70 bis 100 gegnerische Handelsschiffe zerstört wurden. Er beobachtete Tourvilles Vorgehen während der Kämpfe genau.

Im folgenden Jahr diente er erneut unter Montbault als Matrose auf der Le Bizarre, wo er wiederum Gelegenheit hatte, die Grundlagen der Seemannschaft zu erlernen.

Karriere in der französischen Marine Schließlich meldete sein Onkel Estenduère 1697, also im Alter von 14 Jahren, zu den Gardemarins. Er ging an Bord des Schiffes L’Emporté unter dem Kommando von Monsieur de Belle-Isle Erard und war im Folgejahr, auf Le Faucon tätig, das von seinem Onkel kommandiert wurde. Kurz darauf wurde Estenduère bereits zum aide-d’artillerie ernannt.

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) 1703 wurde er in das Département Port-Louis entsandt, wo er mit der Bestückung der Küstenbatterien betraut war.

Zu dieser Zeit verbündeten sich verschiedene Mächte Europas gegen Ludwig XIV., um ihn daran zu hindern, seinen Enkel, den Herzog von Anjou, auf den spanischen Thron zu setzen. England und die Niederlande entsandten eine große Flotte zum Angriff auf die spanische Küste. Ludwig XIV. ordnete den Bau von Schiffen in den Häfen des Mittelmeers und des Atlantiks an und ernannte seinen legitimen Sohn, den Grafen von Toulouse, zum Großadmiral von Frankreich. Weiterhin ernannte er Marschall de Cœuvres zu seinem Untergebenen und wies ihn an, die Leitung aller Operationen des Feldzugs zu übernehmen. Am 16. Mai 1704 verließ ein Verband den Hafen von Brest, um sich dem im Mittelmeer stationierten Geschwader von Toulon anzuschließen. Estenduère, der 1703 zum Fähnrich ernannt worden war, diente auf der Fregatte La Prohibition unter dem Kommando von Monsieur de Puligny. Anschließend wechselte er auf Le Gaillard unter dem Kommando des Chevalier d’Osmond. Estenduère gelang es, die Wertschätzung dieses Offiziers zu gewinnen, obwohl dieser als kritischer Vorgesetzter bekannt war. Als Le Saint-Michel unter dem Kommando von de Riberet in Seenot geriet, wurde Estenduère mit der Rettung beauftragt. Er zögerte nicht und setzte mit einem Boot zu dem Schiff über, um dort das Kommando zu übernehmen. Tatsächlich gelang die Rettung und Estenduère wurde zum lieutenant de vaisseau (Leutnant zur See) ernannt.

Schlacht von Vélez-Málaga (24. August 1704) mini|Die Schlacht von Vélez-Málaga, 24. August 1704. In der Schlacht bei Vélez-Málaga am 24. August 1704 wurde L’Estenduère durch einen Bombensplitter am Kopf verletzt, wodurch sein Kiefer zertrümmert wurde. Diese Schlacht war die letzte bedeutende Seeschlacht unter Ludwig XIV.

Noch im selben Jahr belagerte die Flotte des mit Frankreich verbündeten spanischen Königs Philipp V. Gibraltar, das kurz zuvor, im August 1704, von den Briten eingenommen worden war. Der Marquis de Châteaurenault erhielt das Kommando über das französische Kontingent von vierzehn Schiffen, sowie den Befehl, mit den Schiffen im Hafen vor Anker zu gehen, um die Belagerer mit Artilleriefeuer zu unterstützen.

Jean-Bernard de Pointis kommandierte bei der Unternehmung die Fregatte L’Étoile. Estenduère, obwohl noch nicht von seiner Verwundung genesen, bat darum, auf dem Schiff Dienst tun zu dürfen. Als Pierre Gabaret, der Kommandant der Le Sévissant, verwundet wurde, übernahm De Pointis das Kommando über das Schiff und übertrug Estenduère das Kommando über L’Étoile, wobei er ihn mehreren ranghöheren Offizieren vorzog.

Schlacht von Marbella (21. März 1705) Nach der Schlacht von Vélez-Málaga hatte Admiral Rooke das Mittelmeer verlassen. Ein starkes Geschwader der Royal Navy blieb allerdings zur Sicherung Gibraltars unter dem Kommando von Konteradmiral John Leake vor Ort. Zunächst mussten diese Schiffe allerdings in Lissabon instand gesetzt werden.

Châteaurenault setzte unterdessen die Belagerung fort und hoffte, Gibraltar bald einnehmen zu können. Er brachte eine große Anzahl von Schaluppen mit, um den neuen Pier anzugreifen. Leake hatte seine Schiffe jedoch bereits reparieren lassen können und verließ Lissabon. Er wurde durch mehrere niederländische und portugiesische Schiffe verstärkt, die im Tejo Zuflucht gesucht hatten, und verfügte nun über 23 Linienschiffe. Begünstigt durch einen Nebel, der ihn aus einiger Entfernung von der Küste nicht sichtbar machte, erreichte er die Einfahrt zur Bucht von Gibraltar, wo er nur fünf französische Schiffe vorfand. Als Pointis unerwartet das feindliche Geschwader sah, ließ er die Ankertaue kappen und schaffte es, Gibraltar zu umrunden. Die Besatzungen waren jedoch durch Krankheiten geschwächt. Die Abteilungen, die er für die Belagerung einsetzen wollte, und seine Schiffe, die ebenfalls reparaturbedürftig waren, wurden nach zweistündiger Verfolgung eingeholt. Das erste französische Schiff leistete wenig Widerstand. Die anderen vier verteidigten sich energisch. De Pointis, de Lauthier und Estenduère schafften es, durch die feindliche Flotte zu segeln, setzten ihre Schiffe vor Marbella, westlich von Málaga, auf Grund und steckten sie in Brand. Diese Niederlage hätte vermieden werden können, wenn de Pointis vorsorglich einige leichte Schiffe vor Kap Saint Vincent stationiert hätte, um von den Feindbewegungen gewarnt zu sein.

Tod seines Bruders Kurz nach diesem Ereignis erkrankte de Estenduère schwer an den Folgen einer Verwundung, die er sich in der Schlacht von Vélez-Málaga zugezogen hatte, auch, weil er keine ausreichende medizinische Versorgung in Anspruch genommen hatte und stattdessen im Einsatz verblieben war. Seine Familie befürchtete zeitweise seinen Tod, doch er erholte sich schließlich, litt jedoch zeitlebens unter Kopfschmerzen. Nach seiner Genesung erfuhr er vom Tod seines Bruders Antoine Benjamin des Herbiers d’Ardelay, Ritter des Malteserordens und Gardemarin, dessen Kopf von einer Kanonenkugel abgetrennt worden war, als er als Artillerieoffizier bei der Belagerung von Gibraltar eingesetzt war.

Belagerung von Barcelona Ludwig XIV. unterstützte weiterhin seinen Enkel Philipp V. auf dem spanischen Thron. Als er erfuhr, dass Barcelona belagert wurde, ließ er in Toulon eine Flotte ausrüsten; das Kommando hatten erneut der Graf von Toulouse und Marschall Cœuvres. Sie trafen schnell vor Ort ein und blockierten den Hafen. Estenduère diente bei dieser Unternehmung als Leutnant auf der L’Arragon erneut unter dem Kommando seines Onkels Armand des Herbiers. Inzwischen schickten Engländer und Holländer ein Geschwader unter von John Leake an der spanischen Küste entlang nordwärts. Als die Franzosen dies erfuhren, schickte der Graf von Toulouse ihnen einige Schiffe zur Aufklärung entgegen. L’Arragon war eines dieser Schiffe, traf auf die feindliche Flotte und wurde gekapert. Estenduère wurde gefangen genommen, konnte allerdings flüchten und sich erneut der französischen Flotte anschließen. In der Folge musste die französische Flotte die Blockade Barcelonas aufgeben.

Kaperkrieg Da Ludwig XIV. finanzielle Mittel nicht ausreichten, um seinen Gegnern wirksam direkt entgegenzutreten, rüstete er kleinere Geschwader für den Kaperkrieg aus. 1706 wurde L’Estenduère dem Verband des Chevalier d’Augiers zugeteilt und war auf dem Schiff L’Achille unter dem Kommando von de Lupé eingesetzt. Der Verband operierte vor der afrikanischen Atlantikküste, um auf niederländische Schiffe auf dem Weg nach Ostindien warteten. In der Folge gelang es dem Verband, mehrere niederländische Schiffe, sowie vor St. Helena zwei englische Schiffe auf ihrer Rückkehr aus Indien zu kapern. De Lupé starb während der Unternehmung und Augiers übergab das Kommando über die L’Achille an Estenduère, wobei er ihn wiederum mehreren rangälteren Offizieren vorzog.

1707 und 1708 diente er nacheinander unter mehreren Chef d’escadre (Konteradmiral) bei Eskortmissionen spanischer Galeonen.

Schlacht von Lizard Point 250px|mini|Schlacht von Lizard Point, Öl auf Leinwand von Jean Antoine Théodore Gudin. 1707 war L’Estenduère unter den Offizieren, die Duguay-Trouin für sein kleines Geschwader auswählte, das einen britischen Konvoi nach Portugal abfangen sollte. In der Folge nahm er als stellvertretender Kommandant der Achille am Seegefecht bei Lizard Point teil, das Duguay-Trouin für Frankreich entscheiden konnte, obwohl die Transportschiffe letztlich entkommen konnten, was einen größeren Sieg verhinderte.

1710 starb L’Estenduères Onkel, unter dem er in seinen frühen Jahren gedient hatte. Dessen zehnjähriger Sohn wurde daraufhin von ihm aufgenommen und in seinem Werdegang gefördert.

Im selben Jahr erhielt er den Befehl, auf der Élisabeth einzuschiffen und den Marineminister Pontchartrain nach Martinique zu eskortieren.

Missionen nach Ostindien