Der Flughafen Krefeld-Bockum (oftmals nur Flughafen Krefeld bzw. Flugplatz Bockum, am 27. Mai 1916 gegründet als Königlich Preußischer Fliegerhorst Crefeld und ab 1930 amtlich Flughafen Krefeld a. Rh.) war ein Flughafen im nordrhein-westfälischen Krefeld. Der Verkehrslandeplatz war von 1918 bis 1945 in Betrieb und bot zwischen 1926 und 1933 zivile Linienflüge der Deutschen Luft Hansa AG an. Aus seinem Gelände wurde der heutige Stadtteil Gartenstadt erbaut.
Anfänge
Vorgeschichte Die Idee, neben dem Flugplatz Egelsberg einen weiteren, größeren Flugplatz in Krefeld zu errichten, entstand rund um die Flugwoche auf dem Egelsberg im Sommer 1913, auf der zahlreiche Krefelder Geschäftsleute eine solche Idee äußerten.Roland Häusler: Einst stand das Tor zur Welt weit offen. In: Rheinische Post, Juli 1978, Nr. 24. Abgerufen am 24. Januar 2025 im Stadtarchiv Krefeld Seit 1911 nutzten Piloten wie Eugen Arns die damals freien Flächen des späteren Krefelder Stadtwaldes zur Landung ihrer Maschinen, was der Stadt den inoffiziellen Beinamen „Fliegerstadt“ brachte.
An der Flugwoche 1913 nahm auch Georg Mürau teil, Fluglehrer und Inhaber einer Flugschule auf dem Flugplatz Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen. Aufgrund von mangelndem Platz suchte er für seine Flugschule einen neuen Ort, was die Stadt Krefeld dankend aufgriff, weil sie ohnehin im Luftverkehr expandieren wollte. Für eine Expansion war jedoch die Unterstützung des Militärs nötig, das das für Flugplätze infrage kommende Gelände vorrangig nutzte.Hans Vogt: Seidene Kugel und fliegende Kiste: eine Geschichte der Luftfahrt in Krefeld und am Niederrhein. Stadt Krefeld, Krefeld 1993, ISBN 3-9801610-8-0, S. 139–148
Mürau reiste deshalb zur Jahreswende 1913/1914 im offiziellen Auftrag der Stadt Krefeld nach Berlin, um für Krefeld als Flugplatzstandort zu werben. Es standen drei mögliche Areale zur Auswahl: ein Areal südlich von Oppum, ein Areal im Kempener Feld, an dem später die britische Kaserne ihren Platz fand, und jenes Areal in der Gemarkung Verberg, das von den Stadtplanern schließlich auch genehmigt wurde.
Die Grundstücksverhandlungen zwischen der Stadt Krefeld und den insgesamt 35 Grundstückseigentümern um eine rund 100 Hektar große Fläche, bestehend aus 130 Flurstücken, begannen alsbald. Die Stadt erlangte für 1,1 Millionen Mark sämtliche Rechte an den Grundstücken, vorerst jedoch befristet bis zum 1. Mai 1914. Gleichzeitig meldeten drei Flugzeugbauer aus Johannisthal ihr Interesse an einer Zweigstelle in Krefeld an: die Albatros-Werke GmbH, die Rumpler-Luftfahrzeug GmbH und die Luft-Verkehrs-Gesellschaft AG. Die Verhandlungen wurden von allen Seiten intensiv betrieben, sodass bereits erste Vertragsentwürfe entstanden.
Obwohl sich die Gutachter für den Standort Krefeld aussprachen, legte die Generalinspektion des Militär-Verkehrswesens ihr Veto ein. Das Veto wurde damit begründet, dass die Schornsteine der Uerdinger Industrie zu dicht unter dem Anflugsektor seien.Mitteilung des Oberbürgermeisters in der Stadtverordnetensitzung vom 23. April 1914. Zitiert nach Hans Vogt: Seidene Kugel und fliegende Kiste: eine Geschichte der Luftfahrt in Krefeld und am Niederrhein. Stadt Krefeld, Krefeld 1993, ISBN 3-9801610-8-0, S. 140 Des Weiteren konnte man sich nicht mit den Gesellschaftern der Flugzeugwerke einigen, weil die Stadt der Gewährung der Gewerbesteuerfreiheit nicht nachkam. So kam es, dass lediglich ein Flugstützpunkt (damals nicht mehr als ein Notlandeplatz für Flieger) zugesagt wurde. Müraus Fliegerschule fand deshalb auf dem Flugplatz Egelsberg ihren Platz, wo die Stadt seine Flugzeughalle aufstellte. Die Flugschule wurde jedoch bereits kurze Zeit später als Privatbetrieb aufgegeben und vom Militär genutzt, welches das Gelände nach Kriegsbeginn benötigte.Die aufgeflogene Schule. In: Westdeutsche Zeitung, 30. September 1961, Nr. 228, abgerufen am 24. Januar 2025 im Stadtarchiv Krefeld
Bereits im Frühjahr 1915 kam das Thema des Flugplatzes jedoch erneut auf. Trotz gescheiterter Verhandlungen lud die Stadt am 17. Februar 1915 rund 40 Grundstückseigentümer ein und machte dort ein weiteres Mal Kaufangebote, um den Flugplatz errichten zu können. Die Verhandlungen waren teils langwierig, weil die Landwirte ihr Land nur ungern an die Stadt abtreten wollten. Erst durch den Einsatz des Bockumer Pastors Niesen konnten sich Stadt und Eigentümer einigen. Die Stadt kaufte das rund 100 Hektar große Gelände und stellte es für militärische Zwecke zur Verfügung.
Am 18. März 1915 schrieb Georg Mürau an die Stadt Krefeld. Er habe erfahren, dass die Flugplatzfrage erneut aufgekommen sei, und stellte sich sofort für leitende Positionen zur Verfügung. Die Stadt antwortete ihm, der Flugplatz sei derzeit „mehr als unwahrscheinlich“. Und obwohl sich erneut zwei Flugzeugbauer für den Standort Krefeld gemeldet hatten, kamen die Ambitionen um einen Flughafen vorerst zu einem Ende. mini|Ein Findlingsblock mit Gedenktafel zeigt den früheren Eingang mit Tor
Königlich Preußischer Fliegerhorst Crefeld 1916 stellte das Preußische Kriegsministerium überraschend seine Bedenken gegen einen Flugplatz in Bockum zurück,Hans Vogt, Herbert Brenne: Krefeld im Luftkrieg: 1939-1945. Verlag Röhrscheid, Bonn 1986, ISBN 978-3-9801610-2-2, S. 23–26 weil der Luftkrieg bis dahin ein immer größeres Ausmaß angenommen hatte und es im Bereich des VII. Armeekorps (Münster) nur drei Militärfliegerstationen (bzw. Fliegerhorste) gab: Dortmund, Paderborn und eben ein dafür zur Verfügung gestelltes Gelände in Krefeld.Akte betr. Aufstellung und Lagepläne sämtlicher Fliegerhorste des Deutschen Heeres September 1918 im Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, Signatur PH 9 XV/3
In einem Pachtvertrag zwischen der Münsteraner Verwaltung und der Stadt Krefeld vom 27. Mai 1916 wurde beschlossen, unter dem Namen „Königlich Preußischer Fliegerhorst Crefeld“ eine Fliegerstation anzulegen. Die Stadt stellte dem Deutschen Reich das Gelände kostenlos zur Verfügung und erlangte in diesem Zuge auch das Eigentum an einigen weiteren Flächen, die die Landwirte nun widerstandslos verkauften, da ansonsten eine Enteignung gedroht hätte. Die Stadtverordnetenversammlung hatte bereits 1914 beschlossen, den Erwerb des Reservelandes in diesem Gebiet zu genehmigen, da eine so große zusammenhängende Fläche nur selten zu erwerben wäre. Im Pachtvertrag stand nämlich auch, dass die Stadt Krefeld das Gelände kostenlos zurückerhalten würde, wenn es nach 30 Jahren nicht mehr als Flugplatz genutzt werde.Verpachtung des Flugplatzes Krefeld in Krefeld-Verberg an den Reichs-Militär-Fiskus im Stadtarchiv Krefeld, Bestand 4/Nr. 1421
Der Bau von acht Flugzeughallen, einer Werfthalle sowie Wirtschaftsgebäuden, Unterkünften und Bahnanschluss begann 1917 und war im Frühjahr 1918 abgeschlossen. Daraufhin zog die Kampfeinsitzer-Staffel Nr. 7 aus Freiburg im Breisgau unter Oberleutnant Eilers in Krefeld ein. Diese wurde jedoch bereits Anfang 1918 nach Düsseldorf versetzt, um auf dem Flugplatz Bockum Platz für eine Fliegerschule zu machen, die ihren Betrieb im Juli 1918 aufnahm. Insgesamt 90 Flugschüler wurden in Bockum ausgebildet, die ihre Ausbildung kriegsbedingt jedoch nicht mehr abschließen konnten.
Königlich Belgischer Fliegerhorst Nachdem Unbefugte den Flugplatz, insbesondere die Treibstofflager, geplündert hatten, bezogen am 8. Dezember 1918 die belgischen Truppen den Flugplatz.Pastor Dr. Nießen: Erinnerungen über das Kriegsende auf dem Bockumer Flugplatz. In: Krefelder Jahresbuch Die Heimat, 1930, S. 106 ff. Zitiert nach Hans Vogt: Seidene Kugel und fliegende Kiste: eine Geschichte der Luftfahrt in Krefeld und am Niederrhein. Stadt Krefeld, Krefeld 1993, ISBN 3-9801610-8-0, S. 144
Die Belgier nutzten Bockum als großes Standquartier, der eigentliche Flugbetrieb war stark zurückgegangen. Vier der acht Flugzeughallen wurden demontiert und zum Wiederaufbau nach Gent gebracht.Eugen Arns war der erste Flieger Krefelds. In: Westdeutsche Zeitung, 19. August 1967, Nr. 192. In der städtischen Pachtakte ist vermerkt, dass der Flugplatz seit Januar 1919 „fast gar nicht mehr zum Fliegen gebraucht“ werde. Es wurde versucht, einen Teil der Fläche für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen, was letztlich jedoch an der fehlenden Freigabe der Belgier scheiterte.
Am Abend des 27. Juni 1919, einen Tag vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, bereiteten sich französische und belgische Flieger auf dem Flugplatz auf einen Bombenflug nach Essen vor. Am Tag der Unterzeichnung seien alle Truppen in Bockum froh gewesen, als die Nachricht kam, dass sie nicht starten müssten.
Auf dem Flugplatz Bockum waren rund 73 belgische Soldaten stationiert.Das ist nun schon über vierzig Jahre her. In: Westdeutsche Zeitung, 7. Juli 1965, Nr. 155. Abgerufen am 24. Januar 2025 im Stadtarchiv Krefeld In vielen belgischen Berichten und Dokumenten wurde der Flugplatz aufgrund des ähnlichen Namens fälschlicherweise als Flugplatz Bochum genannt. Die Besetzung dauerte bis zum 1. Februar 1926 an.
Flughafen Krefeld-Bockum Bereits am 2. Februar 1926 überflog ein Flugzeug der Luft Hansa mit Journalisten an Bord Krefeld und den Niederrhein und kreiste um 12:08 Uhr über der Stadt. Die Maschine, die Max Kahlow flog, wurde von der Stadtbevölkerung bejubelt und gefeiert. Die erste Landung auf dem befreiten Flugplatz Bockum machte jedoch erst Otto Wieprich zwei Tage später, am 4. Februar 1926.Niederrheinische Volkszeitung vom 5. Februar 1926, zitiert nach Hans Vogt: Seidene Kugel und fliegende Kiste: eine Geschichte der Luftfahrt in Krefeld und am Niederrhein. Stadt Krefeld, Krefeld 1993, ISBN 3-9801610-8-0, S. 147
In der gleichen Zeit fanden insgesamt drei „Befreiungsflugtage“ in Bockum statt, um den Beginn der neuen Luftfahrtära zu feiern. Zum „großen Befreiungsflugtag“ am 7. März 1926, bei dem bekannte Piloten wie Gerhard Fieseler und Ernst Udet auftraten, kamen rund 30.000 Besucher. Am 20. Juni 1926 fand der „Großflugtag zu Ehren von Werner Voß und Emil Schäfer“ mit rund 20.000 Besuchern statt. Die daraus geschaffene „Schäfer-Voß-Gedenkstaffel“ etablierte sich und wurde zur Ehrung der beiden Fliegerasse jährlich wiederholt. Zur Beerdigung Schäfers im Juni 1917 war in Bockum neben seinem Kollegen Werner Voß auch der bekannte Flieger Manfred von Richthofen gelandet; Voß und von Richthofen fielen kurze Zeit später ebenfalls im Krieg. Der „kleine Flugtag“ fand am 27. Juni 1926 statt und zog rund 4000 Besucher an.
Unter der Leitung des Verkehrsdezernenten und Beigeordneten der Stadt Krefeld, August Mathias Walter Beyer (1889–1933), bewirkte die Stadt vor der Regierung in Berlin erfolgreich die Vermarktung ihres Verkehrslandeplatzes und begann Geschäftsbeziehungen mit der Luft Hansa.
Am 12. April startete um 6:30 Uhr der erste Linienflug der Luft Hansa zum Flughafen Berlin-Tempelhof. Eine Junkers F 13 flog über Essen, Dortmund und Braunschweig bis nach Berlin, wo die Maschine sicher um 11:15 Uhr landete, und markierte damit den Beginn der neuen Flugstrecke.Eröffnung des Luftverkehrs Krefeld-Berlin. In: Westdeutsche Zeitung, 11. Juni 1976. Abgerufen am 24. Januar 2025 im Stadtarchiv Krefeld Der Rückflug erfolgte am gleichen Tag, die Maschine startete um 14:45 Uhr in Tempelhof und landete um 19:25 Uhr wieder erfolgreich in Bockum. Im Generalanzeiger der Stadt Krefeld vom 11. April 1926 stand dazu im Wortlaut: „Der 12. April 1926 wird später einmal ein Wendepunkt in der Verkehrsgeschichte Krefelds und des linken Niederrheins bedeuten.“Generalanzeiger der Stadt Krefeld, 11. April 1926. Zitiert nach Krefelder Familie, Ausgabe Nr. 3, 1979. Abgerufen am 24. Januar 2025 im Stadtarchiv Krefeld