miniatur|Mimi Sheraton (2022) Miriam „Mimi“ Helene Sheraton, geb. Salomon (geb. 10. Februar 1926 in New York City; gest. 6. April 2023 ebenda) war eine US-amerikanische Restaurantkritikerin und Sachbuchautorin.

Leben mini|Kritik von Mimi Sheraton als Werbung in Gray’s Papaya Sheraton wuchs zusammen mit ihrem jüngeren Bruder in einem jüdischen Elternhaus auf; der Vater war Obst- und Gemüsegroßhändler.Andrew Silow-Carroll: Mimi Sheraton, groundbreaking food critic and scholar of the bialy, dies at 97. timesofisrael.com, 10. April 2023. Sie besuchte bis 1943 die Midwood High School und studierte bis 1947 Marketing und Journalismus an der School of Commerce der New York University. Anschließend ließ sie sich an der New York School of Interior Design zur Dekorateurin ausbilden.

Sheraton war zunächst für eine Werbeagentur tätig und schrieb für die Zeitschrift Good Housekeeping zum Thema Innenarchitektur. Ende der 1940er-Jahre wechselte sie zum Jugendmagazin Seventeen und verfasste neben Beiträgen zum Thema Inneneinrichtung auch Artikel zum Thema Essen und Trinken. Sie entschied sich, als freie Autorin und Journalistin zu arbeiten. Sie veröffentlichte 1964 The Seducer’s Cookbook, das 1966 unter dem Titel Verführen à la carte auch auf Deutsch erschien, und 1965, nach Reisen durch Deutschland in den Vormonaten, The German Cookbook. Ab Ende der 1960er-Jahre war Sheraton als freie Restaurantkritikerin tätig und arbeitete unter anderem für die Publikationen Cue, The Village Voice und New York. Für das Unternehmen Restaurant Associates war sie zudem beratend tätig.

Im Jahr 1975 kam Sheraton zunächst als Restaurantredakteurin für die erweiterte Lebensmittelsparte zur New York Times. Von 1976 bis 1983 war sie als Nachfolgerin von Craig ClaiborneChristoph Ribbat: Im Restaurant: Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne‘‘. Suhrkamp, Berlin 2016, S. 110. für die Zeitung als Restaurantkritikerin tätig. Zu der Zeit galt sie als „Amerikas berühmteste Restaurantkritikerin“ (America’s most famous restaurant reviewer)Marc P. Levy: Sheraton, Mimi. In: Andrew F. Smith (Hrsg.): Savoring Gotham: A Food Lover's Companion to New York City. Oxford University Press, Oxford et al. 2015, S. 532.. Später veröffentlichte sie Gastronomiebeiträge in Zeitschriften wie Vanity Fair, Time, Harper’s Bazaar, Vogue und Condé Nast Traveler sowie online auf The Daily Beast.Daniela Galarza: Mimi Sheraton on Restaurant Critics and Why They Should Remain Anonymous. eater.com, 22. Januar 2018.

Um Restaurants unerkannt und damit objektiv bewerten zu können, verkleidete sie sich bei Restaurantbesuchen häufig.Peter Wells: As Restaurant Critic, Mimi Sheraton Made a Show Out of Hiding. nytimes.com, 7. April 2023. Ihre Kritiken galten als „hart, aber fair und gewissenhaft recherchiert“ („tough but fair and scrupulously researched“)Robert D. McFadden: Mimi Sheraton, Innovative New York Times Food Critic, Dies at 97. nytimes.com, 6. April 2023., so probierte sie 1972 für eine Rezension des New York alle 1196 Lebensmittel, die bei Bloomingdale’s verkauft wurden. Für einen Artikel zu New Yorks besten Salaten mit Hühnchen testete sie 60 verschiedene Salate und probierte 104 Beef- und Pastrami-Sandwiches an einem Tag für einen Artikel über Feinkost-Sandwiches.

Sheraton stand schnellen Trends in der Gastronomie skeptisch gegenüber und kritisierte überteuerte Speisen; bei ihren Besprechungen nannte sie auch immer die Preise der jeweiligen Gerichte. Mehrfach wurde sie erfolglos für Verrisse von betroffenen Restaurants verklagt.Mimi Sheraton: Not Facing Up to Her Critics. New York Magazine, 28. November 1977, S. 8. Als sie 1977 für die New York Times Frankreich bereiste und die französische Nouvelle Cuisine auch aufgrund der Favorisierung von Präsentation über Geschmack schlecht bewertete, führte dies zu öffentlicher Kritik der französischen Presse. Sie trat daraufhin verschleiert in einer französischen Talkshow auf, um sich ihren Kritikern zu stellen, woraufhin der ebenfalls zu den Kritisierten gehörte Paul Bocuse nach Drehende handgreiflich wurde.Christoph Ribbat: Im Restaurant: Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne‘‘. Suhrkamp, Berlin 2016, S. 111.

Sheraton reiste viel und veröffentlichte Koch- und Sachbücher zu Speisen aus aller Welt. Fünf ihrer Bücher beschäftigten sich mit Zentral- und Osteuropäischer Küche. Privat besaß sie eine Sammlung mit rund 2000 Kochbüchern.Alex Witchel: At lunch with Mimi Sheraton; Undisguised Pleasures Of a Former Critic. nytimes.com, 12. Mai 2004. Sie war als Dozentin an der Cornell University School of Hotel Administration und am Culinary Institute of America im kalifornischen St. Helena tätig.Mimi Sheraton auf villagepreservation.org

Privates Sie war in erster Ehe (1945–1954) mit dem Kriegsheimkehrer William Sheraton verheiratet; der zweiten, 1955 geschlossenen Ehe mit Tafelgeschirrimporteur Richard Falcone entstammte ein Sohn. Sheraton lebte seit 1965 in Greenwich Village und verstarb 2023 im NYU Langone Medical Center in Manhattan.

Publikationen 1964: The Seducer’s Cookbook dt. 1966: Verführen à la carte: Das Menü zu zweit, wie man es vorbereitet, zubereitet u. inszeniert 1964: City Portraits: A guide to 60 of the world’s great cities 1965: The German Cookbook: A complete guide to mastering authentic German cooking 1967: Hord d’oeuvres & Appetizers 1971: How Does Your Garden Grow? A Guidebook for First-Time Gardeners 1973: Family Circle's Barbecues from Around the World 1979: From My Mother's Kitchen: Recipes and Reminiscences 1981: Visions of Sugarplums: A Cookbook of Cakes, Cookies, Candies & Confections from All the Countries that Celebrate Christmas 1983: Mimi Sheraton's the New York Times Guide to New York Restaurants 1985: Is Salami and Eggs Better than Sex? A Memoir of a Happy Eater (mit Alan King) 1986: Mimi Sheraton's Favorite New York Restaurants 1992: Food Tales 1995: The Whole World Loves Chicken Soup: Recipes and Lore to Comfort Body and Soul 1997: Food Markets of the World (mit Nelli Sheffer) dt. 1998: Märkte der Welt: ein Fest der Sinne 2000: The Bialy Eaters: The Story of a Bread and a Lost World 2001: Hors d'Oeuvres & Appetizers 2004: Eating My Words: An Appetite for Life (Autobiografie) 2015: 1,000 Foods to Eat Before You Die. A Food Lover’s Life List

Weitere 2002: Linda Amster: The New York Times Jewish Cookbook (Vorwort von Mimi Sheraton) 2004: Frank Pellegrino: Rao’s Recipes from the Neighborhood: Frank Pellegrino Cooks Italian with Family and Friends (Vorwort von Mimi Sheraton)

Auszeichnungen 1974: J.C. Penney-University of Missouri Award für ihre 1973 erschienenen Artikel in New YorkBetween The Lines. In: New York Magazine, 18. November 1974, S. 6. 1996: IACP Julia Child Award für The Whole World Loves Chicken SoupBest of the Books. In: Los Angeles Times, 2. Mai 1996. 1996: James Beard Award, in der Kategorie Single Subject, für The Whole World Loves Chicken Soup 2014: James Beard Award in der Kategorie Magazine Feature Writing About Restaurants and/or Chefs, für den Artikel Seasons in the Sun über das 40-jährige Jubiläum des Four Seasons Hotel New York in Vanity Fair 2016: Augie Award des Culinary Institute of AmericaA Sold-out Gathering Celebrates New York Dining Legends at the 2016 CIA Leadership Awards. ciaalumninetwork.com, abgerufen am 1. März 2025.

Literatur Marc P. Levy: Sheraton, Mimi. In: Andrew F. Smith (Hrsg.): Savoring Gotham: A Food Lover's Companion to New York City. Oxford University Press, Oxford et al. 2015, S. 532–533. Sheraton, Mimi. In: Scot Peacock (Hrsg.): Contemporary Authors, New Revision Series, Band 104. Cengage Gale, 2002, S. 392–393.

Weblinks Robert D. McFadden: Mimi Sheraton, Innovative New York Times Food Critic, Dies at 97. nytimes.com, 6. April 2023.

Einzelnachweise

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