Die Konservierung und Restaurierung antiker griechischer Keramik ist eine Untergruppe in der Fachrichtung der Keramikrestaurierung. Antike griechische Keramik zählt zu der meist vertretenen Fundkategorie aus der antiken griechischen Welt. Besonders häufig besteht antike griechische Keramik aus Terrakotta. Sie datiert vom 11. Jahrhundert v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. In der Regel stammen diese Objekte aus archäologischen Ausgrabungen, in denen sie je nach Kontext vollständig, rituell zerstört oder durch die Bodenlagerung zerscherbt gefunden werden. Vorwiegend liegen die Gefäße als Scherben vor. Professionelle Restauratoren konservieren und restaurieren diese Funde meist in Rücksprache mit Archäologen, Kuratoren und weiteren Wissenschaftlern. Antike griechische Keramiken kommen zudem illegal durch Raubgrabungen und den Kunsthandel in den Umlauf. Objekte aus diesem Kontext weisen je nach Erhaltungszustand größere Überarbeitungen auf, um als vollständig erscheinendes Gefäß für den Verkauf attraktiver zu sein. Viele Stücke kamen so bis ins späte 20. Jahrhundert in Museen, wissenschaftliche Einrichtungen und private Sammlungen.
Geschichte der Konservierung und Restaurierung antiker Vasen Antike In älterer Literatur finden antike Reparaturen kaum Erwähnung, da sie anscheinend als selbstverständlich und unwichtig angesehen wurden, obwohl sie ein wichtiges Zeugnis über den Wert oder die Häufigkeit des Gebrauchs der Keramik ablegen. Moderne Untersuchungen beschäftigen sich inzwischen vermehrt mit antiken Reparaturen, wobei eine übergreifende, allgemeine Arbeit zu diesem Thema noch nicht verfasst wurde.
Die zeitgenössischen Reparaturen an antiken Keramiken lassen sich in vier Techniken einteilen:
Metallstifte: Insbesondere zur Wiederanbringung von abgebrochenen Henkeln oder Füßen sind schmale Stifte aus Kupferlegierung oder Blei verwendet worden. Diese Stifte wurden durch vorgebohrte Löcher in das Gefäß getrieben. Es gibt Hinweise darauf, dass auch nagelähnliche Stifte mit verbreiterten Enden verwendet wurden, um das Herausrutschen zu verhindern. Ebenso waren der Bleiverguss an beiden Enden zur Fixierung der Metallstifte oder das komplette Ausgießen von ausgehöhlten Gefäßfüßen eine gängige Methode bei der Reparatur. Metallstifte zur Fixierung von abgebrochenen Gefäß- oder Figurenbestandteilen kamen noch bis ins 20. Jahrhundert in der Restaurierung vor, werden aber heute nicht mehr verwendet.
Metallklammern: Die seit etwa 3000 v. Chr. angewendete Art der Reparatur eignet sich vor allem zur Reparatur der Gefäßkörper, kann aber ebenfalls für Füße und Henkel genutzt werden. Diese Methode ist bis ins 20. Jahrhundert bei der Reparatur antiker Keramiken zu beobachten und ist in manchen Teilen der Welt bis heute noch bei Gebrauchskeramik in Verwendung. Zur Anbringung der Klammern müssen auf beiden Seiten der Bruchstücke Löcher gebohrt werden. In der Antike wurden einfache Drillbohrer dafür genutzt. Die Löcher wurden mit Bronze oder Blei ausgegossen oder mit aus einfachem Bronzedraht bestehenden Klammern verbunden. Hierbei können die Klammern entweder auf der Oberfläche aufliegen oder in eine Vertiefung zwischen den Bohrlöchern eingelassen sein. Neben der unauffälligeren Aufbringungsart der eingelassenen Klammern weisen sie eine höhere Stabilität auf, da sie sich nicht so wie die aufliegenden Klammern gegeneinander verschieben können. Eine Sonderform bilden dabei Klammern mit angespitzten Enden, die im Gegensatz zu den oben genannten Klammern nicht die Gefäßwandung durchdringen. Es gibt die Überlegung, dass diese Klammern wie Nägel mit einem Hammer in die Keramikoberfläche eingeschlagen wurden. Es ist allerdings zu vermuten, dass die Löcher für diese Spitzen ebenfalls vorgebohrt werden mussten, um einen Schaden am Gefäß zu verhindern.
Da die Technik der aufliegenden und eingelassenen Klammern in einigen Fällen an einem Gefäß vorzufinden sind, liegt die Vermutung nahe, dass sie zeitgleich verwendet wurden. Ausschlaggebend für die Wahl der Technik ist hierbei eher die Position der Klammern im Gefäß, da die aufliegenden Klammern eher auf Bereichen mit Figuren und Dekor genutzt wurden, um diese nicht durch zusätzlichen Materialabtrag, wie es bei eingelassenen Klammern notwendig ist, zu beschädigen. Hierbei ist zu erwähnen, dass grundsätzlich versucht wurde, die Klammern an unauffälligen Stellen anzubringen. 2
Flickungen von Gefäßmündungen: Für diese Reparatur ist ein Loch senkrecht durch die anzusetzende Scherbe der Mündung bis in die Gefäßwand gebohrt worden. In diese Bohrung wurde ein an den Enden verdickter Stift aus Blei eingelassen. Diese Reparaturmethode ist eher selten anzutreffen.
Ersatzteile aus anderen Gefäßen: Fehlende oder kaputte Elemente konnten ohne Rücksicht auf die vorhandene Dekoration durch andere, ähnliche Gefäßbestandteile ersetzt werden. Auch Unterschiede in der Wandungsstärke lassen sich dabei beobachten. Dies war neben dem Ersatz von Füßen und Henkeln auch bei fehlenden Wandungsscherben oder Mündungen möglich. Hierzu wurde die fremde Scherbe durch sorgfältiges Schleifen an die Fehlstelle im Gefäß angepasst und mittels Klammern befestigt. War zur Darstellung kein passendes Fragment vorhanden sind auch Ergänzungen mit vollkommen anderen Darstellungen zu beobachten. Dies weist eindeutig darauf hin, dass die Wiederherstellung der Nutzbarkeit bei der Reparatur Priorität hatte. Auch die Häufigkeit an in der Antike reparierter Gebrauchskeramik wie Schalen, Krateren und Amphoren bestärken diese Annahme. Die Beobachtung, dass vor allem Henkel und Füße repariert wurden, ist nicht verwunderlich, da diese der größten Belastung bei der Handhabung der Gefäße ausgesetzt sind.
18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert Archäologische Entdeckungen und die zunehmende Beliebtheit der antiken griechischen Kunst im 18. und 19. Jahrhundert führten zu einer hohen Nachfrage nach Objekten und Artefakten. Die Restaurierungsmethoden, die vom frühen 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert verwendet wurden, hatten vor allem das Ziel, die Gefäße in einen vollständigen und ungebrochen erscheinenden Zustand zurückzuversetzen. Alle Schäden sollten durch die Maßnahmen weitgehend verborgen werden, sodass das Objekt neu und makellos wirkt. Nach dem Zusammensetzen der vorhandenen Scherben mit verschiedenen Klebstoffen wie Schellack oder anderen tierischen Leimen und sogar Gips erfolgte die Ergänzung von fehlenden Scherben. Entweder wurden die fehlenden Scherben durch neue gebrannte und bemalte Stücke ersetzt oder die Fehlstellen mit Gips ausgefüllt. Entsprechend der Dekore und Bildszenen wurden die Fehlstellen bemalt – zum Teil auch ganz nach der Fantasie des Restaurators. In einigen Fällen wurden dekorative Bilder sogar zensiert und übermalt, um den Geschmack der damaligen Gesellschaft und potenzieller Sammler anzusprechen. Zu den verwendeten Materialien der Restauratoren gehörten Schellack, Proteinkleber, Metallklammern, Metallarmierungen, Ölfarben, Gips, Bariumsulfat, Calcit, Ton, Kaolin und Wasserglas. Da die Arbeiten in vielen Fällen ohne vorherige Erprobung des Materials durchgeführt wurden und häufig das genommen wurde, was zur Hand war, sind dem verwendeten Material, welches für die Restaurierungen dieser Zeit genutzt wurde, keine Grenzen gesetzt. Einige historische Rezepte zu Kittmassen wurden überliefert.
Moderne Restaurierung Moderne Restaurierungen nutzen heute nur noch zerstörungsfreie Methoden, die dem Erhalt des Objektes dienen und seine Erfahrbarkeit unterstützen. Bei den eingebrachten Materialien wird großer Wert auf die Reversibilität, Alterungsbeständigkeit und die Absenz von Schadstoffen gelegt. Ergänzungen sollen dabei nicht mehr der Wiederherstellung eines makellosen Objektes dienen, sondern als statische Unterstützung der Substanz oder lediglich als Präsentationshilfe, die den Betrachter dabei unterstützt das Objekt zu verstehen. Eine Unterscheidbarkeit vom Original zu modernen (Ergänzungs-)Materialien dient dazu, dem Betrachter keine Vollständigkeit des Objektes vorzutäuschen. Ergänzungen sollen erkennbar, aber auch in das Erscheinungsbild des Objektes integriert sein und somit visuell in den Hintergrund treten. Hierbei stimmen die Restauratoren die Intensität und Technik der Fehlstellenergänzungen mit dem Objekt ab.
Neben der Konservierung und Restaurierung der antiken Gefäße müssen sich die Restauratoren heute mit den alten Restaurierungen der letzten Jahrhunderte auseinandersetzen. Insbesondere unsachgemäß ausgeführte Restaurierungen und gealterte Restaurierungs- und Konservierungsmaterialien liegen bei aktuellen Restaurierungsmaßnahmen im Fokus. Unsachgemäß ausgeführte Restaurierungen sind besonders bei antiken griechischen Keramiken häufig zu beobachten, da diese Objekte vielmals für den Kunsthandel und durch private Sammler intensive Überarbeitungen erfahren haben. Zur Wertsteigerung wurden diese Objekte besonders intensiv überarbeitet, was zahlreiche starke Schäden mit sich führte. So lassen sich an diesen restaurierten Objekten großflächige Übermalungen, abgeschliffene Bruchkanten und Oberflächen, Säureschäden, Verfärbungen, Armierungen sowie irreversible Klebstoffe und Farben finden. Geschuldet der Tatsache, dass derartige Restaurierungen nicht von ausgebildeten Restauratoren durchgeführt wurden, weisen die Objekte neben den genannten Schäden zudem unsauber und schief ausgeführte Verklebungen der Scherben, grob bearbeitete Ergänzungen und unpassende Retuschen auf. Aus diesen Überarbeitungen entsteht in der aktuellen Restaurierungswissenschaft der Konflikt zwischen der Erhaltung der Geschichte des Objektes und somit diesen Arbeiten teils minderer Qualität auf der einen und dem ästhetischen und unverfälschten Erscheinungsbild des Objektes auf der anderen Seite. Sofern es die Stabilität und Qualität alter Restaurierungen zulässt, werden sie nur überarbeitet, um einen größeren Eingriff am Objekt zu vermeiden und um das alte Restaurierungsmaterial zu erhalten. Können die Altrestaurierungen nicht am Objekt belassen werden, nehmen die Restauratoren Proben des Materials, um diese für die Nachwelt und mögliche Analysen zu bewahren. Jeder Eingriff wird in Wort und Bild dokumentiert.
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