mini|Wappen der Gobel von Hofgiebing (1628) Die Herren und ab 1766 Freiherren von Gobel auf Hofgiebing waren Juristen und Militärs in kurpfälzischen und bayerischen Diensten, auch Geistliche der katholischen Kirche, von Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Tod 1873 des letzten Namensträgers.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, bei Justus Perthes, Gotha: Erstaufnahme 1862. Weitere Bände u. a. 1905, 1941.

mini|Wappen des Dr. jur. Christian von Gobel auf Hofgiebing (1590–1658) Adelsbestätigungen, Wappenbesserungen und Standeserhöhungen

Am 6. März 1628 in Prag bestätigte Kaiser Ferdinand II. den rittermäßigen Reichsadel, Wappen und Namen mit dem Prädikat „von Hofgiebing“ für Christian (von) Gobel, herzoglich bayerischer Rentmeister. 1633 wurde die landesfürstliche Edelmannsfreiheit (Niedergerichtsbarkeit) auf allen derzeitigen und künftigen Gütern in Bayern verliehen. Am 16. Juli 1638 und im Jahr 1654 wurden der bayerische Adelsstand etc. bestätigt. Am 15. Mai 1766 erfolgte die Erhebung in den kurbayerischen Freiherrnstand durch Kurfürst Maximilian III. Joseph für die Brüder Franz Christoph und Johann Georg von Gobel auf Hofgiebing, kurpfälzischer Kämmerer und Hof-Kammerräte. Am 18. Februar 1813 erfolgte die Immatrikulation im Königreich Bayern bei der Freiherrnklasse für die Brüder und Freiherren: Ludwig Franz Constantin (* 1782) königlich-bayerischer Landgerichts-Assessor zu Amberg, Carl Franz Georg (* 1786) königlich-bayerischer Militär, Johann Max Joseph (* 1796) und Wilhelm Sigmund (* 1797).

Wappen Blasonierung: In Gold ein schwarzer Sparren, unter diesem drei (1:2) schwarze Kugeln. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Helmdecken ein offener goldener Flug, dessen Flügel je mit dem schwarzen Sparren belegt sind.

Aus der Familiengeschichte

Herkommen In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts unterschreiben auf Akten des Herzogs von Pommern gelegentlich ein Blanckenburg und ein „Gobel“. Mit dieser Feststellung beginnt die Gobelsche Familienchronik.Die Darstellung hier folgt im Wesentlichen den Ausführungen von Helene Seutter von Loetzen (1893–1985) in einem Brief datiert 4.7.1982 an den Archivar Werner Dobras des Stadtarchivs Lindau im Bodensee, ergänzt durch Angaben in ihren Exzerpten der zweibändigen Gobel-Chronik und durch die Ergebnisse neuerer Recherchen. Erst Anfang des 16. Jahrhunderts werden die (von) Gobel (auch: Gobelo) fassbar als Vögte, Räte und Geistliche im Dienst des Erzbischofs von Trier, bzw. in Diensten der kurtrierischen und kurmainzischen Wittelsbacher.

München und Hofgiebing mini|Ehemaliges Schloss der Hofmark Hofgiebing, um 1700 1590 trat Johann Gregorius (von) Gobel (um 1560–1622), (auch Gregor, Georg), aus dem Kurfürstentum Trier kommend in kurpfälzische Dienste. Dann um 1599 (Datum lt. Reisebüchlein) kam er zu Herzog Wilhelm V. von Bayern (1548–1626) als Geheimer Rat nach München und diente später Herzog Albrecht VI. von Bayern-Leuchtenberg (1584–1666) als Hofrat und Landrichter. Aus 2 Ehen hatte er 5 Töchter und 2 Söhne. mini|Ehemalige Schlosskapelle St. Johannes der Täufer in Hofgiebing, heute Filialkirche von Obertaufkirchen. Sein Sohn Dr. jur. Christian von Gobel auf Hofgiebing (1590–1658)Gerhard Köbler: Wer ist wer im deutschen Recht. Abgerufen am 22. Juli 2011. war herzoglich bayerischer Rentmeister und später Geheimrat und Landrichter der Grafschaft Haag. Gemeinsam mit Friedrich von Hörwarth war er anteiliger Besitzer der Hofmark Hofgiebing und wurde mit ihr belehnt. 1628 erhielt er von Kaiser Ferdinand II. eine Bestätigung des rittermäßigen Reichsadels mit dem Prädikat „auf Hofgiebing“. Das namensgebende kleine Renaissanceschloss Hofgiebing in Oberbayern (1818 der Gemeinde Oberornau zugeteilt, heute Gemeinde Obertaufkirchen nördlich von Wasserburg am Inn) wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts verkauft und nach der Verwaltungs- und Gerichtsneuorganisation und dem Ende der Hofmarken im Jahr 1848 wurde das Schloss 1849 abgetragen; die letzten Reste wurden 1969 beim Straßenbau beseitigt. Die freistehende Schlosskapelle St. Johannes der Täufer ist heute eine Filialkirche von Obertaufkirchen.

Amberg und Atzlricht Der junge Jurist Franz Albrecht (Albert) von Gobel auf Hofgiebing (1630–1694), jüngster Sohn Christians, wurde 1655 von Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern aufgefordert, eine Ratsstelle auf der Ritterbank der Regierung in Amberg anzunehmen. Amberg war die enorm befestigte Regierungs- und Residenzstadt der Oberpfalz, mit einem Stadtrecht aus spätestens 1294 und reich geworden durch den Eisenerzbergbau. Ab 1595 war sie Amtssitz des calvinistisch gesinnten Regenten der Oberpfalz, Fürst Christian I. von Anhalt-Bernburg (1568–1630). Aber 1620, zu Anfang des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648), verlor der pfälzische Kurfürst und „Winterkönig“ von Böhmen, Friedrich V. von der Pfalz, die Schlacht am Weißen Berg gegen die verbündeten Bayern und Habsburger. In der Folge wurde die reformierte Oberpfalz von den katholischen Wittelsbachern aus Bayern übernommen und viele Bürger flohen in die evangelischen Freien Reichsstädte Nürnberg und Regensburg, sodass in Amberg wichtige Positionen von katholischen Familien eingenommen wurden. mini|Ehemalige Schlosskapelle und Wallfahrtskirche Mariä Schnee in Atzlricht, heute Filialkirche. Also zog Franz Albrecht am 3.1.1656 nach Amberg und wurde schließlich (ab 1680) Landrichter zu Amberg und kurpfälzischer Regierungsrat. Im Jahr 1660 heiratete er in 1. Ehe Barbara Katharina Österreicher von Teublitz, Witwe nach Bartholomäus Schäfer von Bodenstein, und kam so in den Besitz von Hofmark und Schloss Atzlricht bei Amberg. Über dem Haustor wurde das Gobel-Wappen mit dem Namen Franz Albrecht und der Jahreszahl 1660 angebracht. 1664 ließ er die heute noch als Filialkirche bestehende kleine Wallfahrtskirche Maria Schnee als freistehende Schlosskapelle erbauen. Ihr heutiges Aussehen gab ihr 1723 sein Sohn Christian Wilhelm (1663–1735). Das ungewöhnliche Patrozinium Mariä Schnee erklärt sich aus der Bekanntschaft des Stifters mit den Jesuiten. Diese hatten nämlich den Kult der Marienkirche Roms, der Basilika Santa Maria Maggiore, mit dem Gnadenbild „Salus Populi Romani“ („Heil des römischen Volkes“) weit verbreitet. Schloss und Hofmark Atzlricht wurde am 27. April 1702 zu einem Landsassensitz erhoben. Zu Mitte des 20. Jahrhunderts stand noch das alte Haus mit dem hohen Dach für die Kornlagerung und wurde von einem Bauern bewohnt, der sehr freundlich die alte schwarze Rauchküche und den schönen oberen Saal mit dem großen Kachelofen zeigen konnte. Um 1975 galt das Schloss als baufällig und wurde abgerissen. mini|Basilika St. Martin in Amberg Für die Rekatholisierung der von den Calvinisten leer geräumten Amberger Domkirche St. Martin übernahm Franz Albrecht die Renovierung der ehemaligen Stephanskapelle und stiftete einen Johann Nepomuk Altar. Dafür erhielt er vom Konsistorium in Regensburg das vererbbare Recht auf ein unentgeltliches Begräbnis in der Kapelle, und noch heute ist dort sein Epitaph mit den Wappen der Gobel, seiner beiden Gemahlinnen und 16 weiteren Ahnen zu sehen. (Im Dom gibt es noch eine zweite Gobel-Grabtafel, und im Museumshof 3 weitere.) mini|Ehemaliges Stadthaus (1738) des Landsassen von Gobel in Amberg, Georgenstraße 61. (Autor: Tilman2007) Dr. jur. Johannes Georg von Gobel auf Hofgiebing (1689–1747), Herr auf Atzlricht, war ein Sohn Franz Albrechts aus dessen 2. Ehe mit Eva Lochner von Hüttenbach zu Lintach. Weil seine Bewerbung um eine Stelle als Regierungsrat auf der Ritterbank in Amberg mit der Begründung abgelehnt wurde, das Ambergische Direktorium sei durch die kurpfälzische Zeit zu sehr und zum Teil mit „ausländischen Subjekten“ besetzt worden, lebte er „aus eigenen Mitteln“. Aus seiner 1. Ehe (Amberg 1715) mit Maria Sofia Candida Mulz von Walda (1692–1731) hatte er 9 Kinder. Vier seiner Söhne wurden Geistliche – Äbte und Prälaten von Rang, in verschiedenen Klöstern in München, Wien und Rom, die eines Tages gemeinsam einen feierlichen Gottesdienst im Dom von Amberg zelebrierten – und zwei, nämlich Franz Christoph (auch: Gustav) und Johann Georg, wurden 1759 zu kurfürstlich-pfalzbayerischen Kammerherrn und 1766, nach sorgfältiger Ahnenprobe, zu Rittern des Bayerischen St. Michaels-Ordens und mit Diplom vom 16.5.1766 von Kurfürst Maximilian III. Joseph in den kurbayerischen Freiherrnstand erhoben. mini|Fenzl-Haus im Stadtzentrum von Amberg, Georgenstraße 33 Dr. jur. Franz Christoph (auch: Gustav) Freiherr (seit 1766) von Gobel auf Hofgiebing (1718–1788) wurde nach seinem Studium in Ingolstadt und Salzburg Hofkavalier bei Ernestine Elisabeth Johanna Prinzessin von Pfalz-Sulzbach (1697–1775) ⚭ (1719) Wilhelm d. J. Landgraf von Hessen-Wanfried-Rheinfels (1671–1731). Diese wohnte nach dem Tod ihres Mannes von 1731 bis 1747 auf Schloss Rheinfels, auch einige Zeit im Augustiner-Chorfrauenstift St. Maria zu Kamp bei Boppard.Klaus Graf: Es gab nie ein Augustiner-Eremiten-Nonnenkloster zu Kamp. In: Archivalia. 1. Dezember 2021, abgerufen am 8. November 2024. 1747 trat sie als Mater Theodora Augusta Theresia vom hl. Joseph in das Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen von Neuburg an der Donau ein; 1758 wurde sie zur Priorin gewählt. Sie starb 1775 im Ruf der Heiligkeit. Gedenktag der „Heiligen Ernestine von Bayern“ (bisher ohne Heiligsprechung) ist der 14. April.Siehe: https://www.pfalzneuburg.de/wp-content/uploads/2020/06/Karmelitinnenkloster.pdf Bei ihrem Eintritt ins Kloster hatte sie für ihr gesamtes Gefolge eine standesgemäße Versorgung bei Karl Theodor Kurfürst von der Pfalz, dem Sohn ihres Bruders, erwirkt. Dieser schätzte seine Tante so sehr, dass er ihr immer einen Besuch abstattete, wenn er in Neuburg weilte. Ihr ehemaliger Hofkavalier erhielt eine ansehnliche Pension und eine Pfalz-Sulzbachische Regierungsratsstelle (Hofkammerrat).

Später lebte Franz Christoph auf seinen Gütern. An ihn erinnert das sogenannte Fenzl-Haus in Amberg, dessen Besitzer er war und das er 1772 an den Advokaten Johann Kaspar Wolf verkaufte. Dieser ließ es mit der prachtvollen Rokoko-Fassade neu aufführen. Ab 1908 besaß es der Buchhändler Josef Fenzl. Das zugekaufte Lehen (Dorf) Ginching vererbte er 1788 seinen Kindern Anton Maria und Josepha, verehelichte Gräfin von Arco.

Kulmain an der Kirche Johann Georg Freiherr (seit 1766) von Gobel auf Hofgiebing (1720–1798) war der weitere Sohn von Johannes Georg, der wie sein Bruder Franz Christoph in den kurbayerischen Freiherrnstand erhoben wurde. 1762 heiratete er Anna Dorothea Freiin Lochner von Hüttenbach (1721–1780) auf Hüttenbach, aber die Ehe blieb kinderlos.

1762 war seine Base Anna Maria Sophia, verwitwete Pfreimder von Bruck (auch: Pfreimbder; Pfründner von Bruck), geborene Mulz von Walda, gestorben. Ihr Grab befindet sich in der Kulmainer Kirche Mariä Himmelfahrt, denn sie war Herrin des bei Kemnath gelegenen Landsassengutes Kulmain an der Kirche, in dessen Besitz schließlich (1768/1769) Johann Georg kam. Schon 1497 war ein Hans PfreimderEdwin von Rauscher, Dr. Graf Lambert von Oberndorff, Dr. Armin Schlegl: Stammliste der Pfreimder von Bruck, Älterer Teil: 1200 - 1500. In: Verhandlungen des Historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, 87. Band. Regensburg, Selbstverlag, 1937. Heimatforschung Regensburg, http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1566-8, 1937, abgerufen am 11. November 2024. Inhaber von Gütern, aus denen sich die spätere Landsasserei entwickelte, die bis 1712 im Besitz der Pfreimder war. Durch Heirat wurde Georg Albrecht Mulz von Walda neuer Herr der Hofmark. Das Geschlecht der Mulz von Walda wurde 1790 vom Kurfürst von Bayern von Reichsvikariat wegen in den Reichsfreiherrnstand erhoben. mini|Gobelsches (auch Mülzisches) Schlösschen in Kulmain an der Kirche, Ansicht von 1761