André Auguste Desaules (* 5. Februar 1950 in Bern) ist ein Schweizer Geograf und BodenkundlerAndré Desaules: The soils of Mount Kenya semi-arid northwestern footzone and their agricultural suitability. Dissertation, Universität Bern, 1986. mit Heimatort Fenin-Vilars-Saules (heute Gemeinde Val-de-Ruz, Kanton Neuenburg).Geburten. 3. Februar. In: Berner Tagwacht, Band 58, Nummer 33, 9. Februar 1950. (e-newspaperarchives.ch) Er ist auf Bodenmonitoring und Bodenbelastungen von Schadstoffen spezialisiert und prägte die Entwicklung der Nationalen Bodenbeobachtung (NABO) der Schweiz wesentlich mit.

Leben André Desaules studierte an der Universität Bern Geografie mit den Nebenfächern Zoologie und Geologie. Er schloss das Studium mit einer Dissertation über die Böden der semi-ariden NW-Fusszone des Mount Kenya und deren landwirtschaftliche Eignung ab. Er war während des Studiums nebenberuflich tätig und arbeitete später im Bereich des Bodenschutzes in der schweizerischen Bundesverwaltung an den damaligen Eidgenössischen Landwirtschaftlichen Forschungsanstalten in Bern-LiebefeldEidgenössische Forschungsanstalt für Agrikulturchemie und Umwelthygiene (FAC) und ab 2001 in Zürich-ReckenholzForschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL), heute Teil der Agroscope. für die Nationale Bodenbeobachtung.Eidgenössischer Staatskalender 2007:

Wirken Ab Mitte der 1980er-Jahre war Desaules mit dem Aufbau und der Weiterentwicklung der Nationalen Bodenbeobachtung der Schweiz beauftragt und prägte deren Durchführung über 25 Jahre.

Die Nationale Bodenbeobachtung wurde 1984 als Referenzmessnetz zur langfristigen Beobachtung chemischer Bodenbelastungen im Kontext des sogenannten "Waldsterbens" aufgebaut. Der Auftrag beruhte auf dem Umweltschutzgesetz von 1983 sowie den Verordnungen über Bodenbelastungen und sah Schadstoffanalysen in Böden an rund 100 Dauerbeobachtungsstandorten mit einer Messperiodizität von fünf Jahren vor.

Desaules befasste sich vor allem mit der Qualität raum-zeitlicher Beobachtung von Schadstoffbelastungen in Böden. Dazu gehörten neben methodischen Abklärungen die Einführung eines jährlichen Ringanalyseprogramms für Schadstoffe im Boden ab 1989André Desaules; Ruedi Dahinden; Thomas Keller; Peter Lischer; Victor J. G. Houba: Die Vergleichbarkeit der Analysenresultate von Schwermetall- und Fluoridkonzentrationen in Bodenproben. (=Schriftenreihe der FAC-Liebefeld, Nr. 15), Liebefeld 1993. und die Durchführung von zwei Probenahme-Ringversuchen.Desaules André und Dahinden Ruedi: Die Vergleichbarkeit von Schwermetallanalysen in Bodenproben von Dauerbeobachtungsflächen – Ergebnisse eines Probenahmeringversuches. FAC-Liebefeld, 1994. (unveröff.).André Desaules; J. Sprengart; G. Wagner; H. Muntau; S. Theocharopoulos: Description of the test area and reference sampling at Dornach. In: Science of the Total Environment. Band 264, Nr. 1–2, 2001. S. 17–26. (englisch).

Der räumliche Auflösungsgrad von rund 100 Dauerbeobachtungsstandorten genügt nicht, um den Zustand der Bodenbelastung durch Schadstoffe landesweit repräsentativ zu erfassen und wurde deshalb durch quellenbezogene Studien zum Beispiel von schadstoffbezogener Bodenbelastungen durch den Strassen- und Schienenverkehr,André Desaules (Projektleitung): Bodenverschmutzung durch den Strassen- und Schienenverkehr in der Schweiz. (=Schriftenreihe Umwelt Nr. 185). Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern 1992. (agroscope.ch) und KlärschlammdüngungThomas Keller; André Desaules: Flächenbezogene Bodenbelastung mit Schwermetallen durch Klärschlamm. Schriftenreihe der FAL, Nr. 23. Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau, Zürich-Reckenholz/Liebefeld 1997. sowie den Aufbau einer Datenbank für Bodenschadstoffe und deren AuswertungTh. Keller, A. Desaules: Böden der Schweiz – Schadstoffgehalte und Orientierungswerte (1990–1996). (= Umwelt-Materialien Nr. 139). Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Hrsg.), Bern 2001. ergänzt.

Ebenso erwies sich der zeitliche Auflösungsgrad von fünf Jahren als ungeeignet für die Früherkennung von Schadstoffbelastungen und wies teilweise nicht plausible Konzentrationsabnahmen auf, die es abzuklären galt. Es zeigte sich, dass Böden für Schadstoffeinträge wegen biologischer und bodendynamischer Prozesse (Durchmischung und Verlagerungen) ein schlechtes Zeitarchiv sind. Das führte ergänzend zur Erhebung von Schadstoffflüssen (Bilanzen) auf Dauerbeobachtungsparzellen, die sehr schlecht mit dem probenbasierten Bodenmonitoring übereinstimmten.

Desaules hat sich nach seiner Pensionierung 2012Desaules leitete die Nationale Bodenbeobachtung (NABO) von ihrer Gründung 1984 bis 2007 und publizierte bis zu seiner Pensionierung und auch danach zum schadstoffbedingten Bodenmonitoring. weiter mit Bodenmonitoring und insbesondere mit der Probenahmetheorie von Pierre Gy beschäftigt. Es gelang ihm, die Theorie in zwei unabhängigen Experimenten empirisch zu bestätigen, nämlich dass Stichproben von stationären, heterogenen Flächen (2-D) und (Boden-)Körpern (3-D) weder repräsentativ noch reproduzierbar sind und ein unlösbares Problem darstellen. Daraus schloss er, dass Analysen von stationären Umweltproben praktisch durchwegs verzerrt und zeitlich instabil sind und probenbasiertes Bodenmonitoring deshalb nicht verlässlich und belastbar sein kann. Stattdessen empfiehlt er, Bodendatenbanken mit sehr grossen Datenmengen weiterzuführen und in Zeitschnitten von 10–20 Jahren stratifiziert auszuwerten, um langfristige Veränderungen von Schadstoffkonzentrationen in Böden verlässlich und robust zu erfassen denn durch die Auswertung grosser Datenmengen werden Messfehler zunehmend ausgemittelt.

Nach seiner aktiven Berufszeit entwickelte Desaules Unterrichtsmaterialien zu Bodenkunde, Biodiversität, Zahlen-, Mess-, Modell- und Denkkompetenz. Er beteiligte sich auch an der öffentlichen Debatte über Boden- und Umweltpolitik, unter anderem durch Beiträge in der Neuen Zürcher Zeitung zu Fragen des Bodenschutzes, der Vorsorgepolitik und der Grundlagen einer nachhaltigen Raumentwicklung.André Desaules: Von der Vorsorge zum Umweltmanagement. Problematischer Paradigmenwechsel im Bodenschutz der Schweiz. In: Neue Zürcher Zeitung, 23. April 2007. (agroscope.ch)André Desaules: Boden- und Raumentwicklung in der Schweiz; Mangelnde Grundlagen für eine nachhaltige Lenkung. In: Neue Zürcher Zeitung, 15. September 2007. (agroscope.ch)André Desaules: Inadäquates Vertrauen ist der Humus für Krisen. In: Der Bund, 22. Januar 2010.

Anmerkungen

Schriften (Auswahl) Mit Rainer Schulin, Richard Webster und Berchtold von Steiger (Hrsg.): Soil Monitoring: Early Detection and Surveying of Soil Contamination and Degradation. Birkhäuser, Basel 1993. (agroscope.ch)

BUWAL (Hrsg.): NABO – Nationales Bodenbeobachtungsnetz: Messresultate 1985–1991. Schriftenreihe Umwelt Nr. 200. 134 S., Anhänge 175 S. Mit Ruedi Dahinden: Nationale Boden-Beobachtungsnetz – Veränderungen von Schadstoffgehalten nach 5 und 10 Jahren. BUWAL, Bern 2000. Bodenmonitoring in der Schweiz – Ziele, Probleme und Lösungen. 2004. (agroscope.ch) Measurement instability and temporal bias in chemical soil monitoring: sources and control measures. Environ. Monit. Assess. (2012) 184:487–502. Quality Assessment of Soil Pollution Monitoring: Focus on Representativeness. 2016.

Weblinks

Autorenprofil von André Desaules bei ResearchGate

Einzelnachweise

Kategorie:Geograph (20. Jahrhundert) Kategorie:Geograph (21. Jahrhundert) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Mann