Johannes Hermann Leonhard Schmeidler (* 1841 in Breslau; † 17. April 1902 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Prediger und Publizist in Schlesien und Berlin. Er engagierte sich auch gegen den wachsenden Antisemitismus in seiner Zeit.
Leben und Wirken Johannes Schmeidler stammte aus einer anerkannten schlesischen Gelehrtenfamilie. Sein Vater Johann Carl Hermann Schmeidler war Prediger und Kirchenhistoriker in Breslau, die Mutter war Adelheid Weiss.
Er studierte Evangelische Theologie und wurde danach Prediger im schlesischen Schweidnitz. Ab etwa 1872 war er in Breslau tätig. 1877 erhielt er eine Predigerstelle an der Jerusalemskirche in Berlin, die er bis zu seinem Lebensende ausübte.Stenographische Berichte der öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin. 4. 1877. S. 269 (rechts unten); am 1. Juli 1877 als zweiter Pfarrer der Jerusalemskirche eingeführt
Johannes Schmeidler vertrat eine liberale Theologie, die vor allem eine Liebesethik befürwortete. Er gehörte auch zu den 75 gesellschaftlichen Persönlichkeiten, die 1880 eine öffentliche Erklärung gegen neue antisemitische Tendenzen unterschrieben. 1891 war er einer der ersten Mitglieder des neuen Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, zu dessen Vorstand er auch gehörte.Olaf Blaschke, Katholizismus und Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich, 2. Auflage, 1999, S. 215 Er war auch aktives Mitglied im Deutschen Protestantenverein.
Johannes Schmeidler war mit Elise Bertha Heinemann seit 1868 verheiratet.Bernhard Koerner, Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien. Band 15, 1909 S. 366, mit detaillierten Angaben zur Familie Sie hatten vierzehn Kinder, darunter Johanna Clara, verheiratete Thomas, Lehrerin deren Sohn Klaus Thomas (1915–1992), Theologe, Psychotherapeut Johannes Werner Schmeidler (1890–1969)
Charakterisierungen Der Berliner Schriftsteller Felix Hollaender beschrieb Pfarrer Johannes Schmeidler in einem autobiographischen Buch etwas ironisch.
Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr erlebte ihn 1893
Publikationen (Auswahl) Eigene Schriften Johannes Schmeidler verfasste einige Schriften zu kirchlichen und theologischen Themen.
Ultramontanismus, Orthodoxismus und religiöse Weltanschauung unserer Zeit. Ein Vortrag über die kirchliche Lage der Gegenwart nach ihrer geschichtlichen Entwicklung, 1873
Auferstehung, Geistesausgiessung und Himmelfährt. Ein Beitrag zur Geschichte der Entstehung des Urchristenthums, nach einem im Protestantenverein zu Breslau gehaltenen Vortrage, 1875 Die praktische Verwertung der neuen preußischen Kirchen-Verfassung für das evangelische Gemeindeleben. Ein Wort vom freien protestantischen Standpunkt an die Gemeinden und Vertreter, Trewendt & Granier, Breslau, 1876 Die synoptischen und apotryphischen Evangelien, 1877 Die Stellung der Gegenwart zu Christus. Ein Vortrag, 1881 Wer Dr. M. Luther war und was die deutschen Protestanten nach 400 Jahren von ihm lernen sollen. Ein Lebensbild, 1883
Die religiösen Anschauungen Friedrich Fröbels, 1883; Neudruck Woodbridge 1988 Gotteskindschaft und Geistesfreiheit. Zwölf Predigten und Reden, Haack, Berlin 1884 Der Entwurf der Neuen Agende. Ein Wort zu seiner Bedeutung für die evangelische Kirche, Alvin Prausnitz, Berlin, 1893
Zeitschriften Johannes Schmeidler war als namentlich genannter Herausgeber an zwei Zeitschriften verantwortlich beteiligt.Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 1871–1893 (Börsenblatt digital, Suche Schmeidler) Schlesisches Protestantenblatt, 1871–um 1876 Neuer evangelischer Gemeindebote, 1877–um 1891
Literatur Johannes Schmeidler. In: Mittheilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, vom 23. April 1902, S. 125, Nachruf
Weblinks Archivmaterialien zu Johannes Schmeidler Ix Theo Publikationen von Johannes Schmeidler WorldCat
Einzelnachweise
Kategorie:Geboren 1841 Kategorie:Gestorben 1902 Kategorie:Mann Kategorie:Publizist Kategorie:Evangelischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Geistlicher (Berlin) Kategorie:Person (Berlin-Kreuzberg)