Die Tour de Romandie 2024 war die 77. Austragung des Schweizer Etappenrennens. Das Radrennen fand vom 23. bis zum 28. April im Rahmen von sechs Etappen statt und war Teil der UCI WorldTour 2024.
Den Gesamtsieg sicherte sich der 23-jährige Spanier Carlos Rodríguez (Ineos Grenadiers), der sich mit sieben bzw. neun Sekunden vor den Bora-hansgrohe-Fahrern Alexander Wlassow und Florian Lipowitz durchsetzte. Die Punktewertung ging an Dorian Godon (Decathlon AG2R La Mondiale Team), während sich Juri Hollmann (Alpecin-Deceuninck) die Bergwertung sicherte. Die Mannschaftswertung gewann das UAE Team Emirates.
Streckenführung Insgesamt mussten die Fahrer auf den sechs Etappen 656,9 Kilometer zurücklegen. Es standen zwei hüglige Etappen und zwei Bergankünfte sowie zwei Einzelzeitfahren auf dem Programm. Nach dem Prolog in der Gemeinde Payerne führte die Strecke auf hügligem Terrain nach Freiburg, ehe tags darauf die erste Bergankunft in Salvan (Les Marécottes) erfolgte. Am dritten Etappentag wurde ein 15,5 Kilometer langes Zeitfahren mit Start und Ziel in Oron ausgetragen. Die vierte Etappe führte über mehrere Anstiege durch das untere Rhonetal und ging mit einer Bergankunft in Leysin zu Ende. Der letzte Abschnitt erfolgte auf einem hügligen Rundkurs um Vernier nahe Genf. Der höchste Punkt der Rundfahrt war die Ortschaft Les Mosses mit einer Höhe von 1444 Metern. EtappeDatumStreckeTypkmPrologDi, 23. April 2024Payerne – PayerneEinzelzeitfahren2,21Mi, 24. April 2024Château-d’Oex – FreiburgMittelgebirgsetappe165,72Do, 25. April 2024Freiburg – Salvan (Les Marécottes)Hochgebirgsetappe1713Fr, 26. April 2024Oron – OronEinzelzeitfahren15,54Sa, 27. April 2024Saillon – LeysinHochgebirgsetappe151,75So, 28. April 2024Vernier – VernierHügelige Etappe150,8Gesamtdistanz: 656,9
Reglement Im Rahmen der 77. Auflage wurden Trikots für die Gesamtwertung (gelb), Punktewertung (orange), Bergwertung (hellblau) und Nachwuchswertung (weiss) vergeben. Zudem gab es eine Auszeichnung des kämpferischsten Fahrers und eine Teamwertung, die sich aus den Zeiten der drei besten Fahrer pro Etappe ergab. Zudem gab es die Möglichkeit, Zeitbonifikationen zu gewinnen, um sich in der Gesamtwertung zu verbessern. Die Vergabe der Sekunden sowie der Punkte wird in der folgenden Tabelle erklärt. 1.2.3.4.5.6.7.8.9.10.11.12.13.14.15.Platz Punktewertung Zielankunft (Zeitfahren & Bergankunft)30252219171513119765432 Punkte Zielankunft50302018161412108765432 Zwischensprint15106 Bergwertung 1. Kategorie1510642 2. Kategorie106421 3. Kategorie531 Bonussekunden Zielankunft1064 Sekunden
Teilnehmende Mannschaften und Fahrer Neben den 18 UCI WorldTeams nahmen auch vier UCI ProTeams und eine Auswahl des Schweizer Nationalteams an dem Rennen teil. Für jede Mannschaft waren sieben Fahrer startberechtigt.
Als Favoriten auf den Gesamtsieg galten Adam Yates, Juan Ayuso, Brandon McNulty, Pavel Sivakov (alle UAE Team Emirates), Jai Hindley, Alexander Wlassow, Sergio Higuita (alle Bora-hansgrohe), Tao Geoghegan Hart, Giulio Ciccone (beide Lidl-Trek), Egan Bernal, Carlos Rodríguez, Thymen Arensman (alle Ineos Grenadiers), Richard Carapaz (EF Education-EasyPost), David Gaudu, Lenny Martinez (beide Groupama-FDJ), Enric Mas (Movistar Team), Ilan Van Wilder (Soudal Quick-Step), Simon Yates, Eddie Dunbar, Lucas Plapp (alle Team Jayco AlUla), Damiano Caruso (Bahrain Victorious), Alexei Luzenko (Astana Qazaqstan Team) und Guillaume Martin (Cofidis).
Aufgrund der hügligen Etappen sollten mit Bryan Coquard (Cofidis), Andrea Vendrame (Decathlon AG2R La Mondiale Team), Alberto Dainese (Tudor Pro Cycling Team), Matteo Moschetti (Q36.5 Pro Cycling Team), Emīls Liepiņš (Team dsm-firmenich PostNL), Ethan Hayter (Ineos Grenadiers), Alex Aranburu (Movistar Team), Nikias Arndt (Bahrain Victorious), Clément Venturini (Arkéa-B&B Hotels) und Thibau Nys (Lidl-Trek) nur wenige endschnelle Fahrer bei der Rundfahrt starten.
In den beiden Zeitfahren galten in erster Linie Joshua Tarling, Magnus Sheffield (beide Ineos Grenadiers), Johan Price-Pejtersen (Bahrain Victorious) und Rémi Cavagna (Movistar Team) sowie Juan Ayuso, Brandon McNulty und Lucas Plapp als Favoriten. UCI WorldTeamsUCI ProTeamsNationalteamsADCEFEDFPLDTARKGFCJAYQ36ASTIGDTVLCORTBVIWAUADTUDBOHLTKCOFMOVDATSOQ
Rennverlauf und Ergebnisse Im Prolog setzte sich der Niederländer Maikel Zijlaard (Tudor) mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Australier Cameron Scott (Bahrain Victorious) durch. Auf Platz drei folgte Julian Alaphilippe (Soudal Quick-Step) mit zwei Sekunden Rückstand. Erwartungsgemäss führte der 2,2 Kilometer lange Kurs zu keinen grossen Zeitabständen, wobei Eddie Dunbar (Jayco AlUla) mit der langsamsten Zeit der Gesamtklassement-Fahrer 20 Sekunden verlor.
Die zweite Etappe endete im Sprint aus einem grösseren Fahrerfeld, den Dorian Godon (Decathlon AG2R La Mondiale Team) vor seinem Teamkollegen Andrea Vendrame gewann. Der Franzose übernahm zudem die Gesamtführung und lag sechs Sekunden vor Gianni Vermeersch (Alpecin-Deceuninck), der die Etappe als Dritter beendete. Während Giulio Ciccone (Lidl-Trek) rund zwei Minuten verlor, erreichte Eddie Dunbar das Ziel mit mehr als zehn Minuten Rückstand.
Die dritte Etappe, die mit der ersten Bergankunft zu Ende ging, gewann der Belgier Thibau Nys (Lidl-Trek) aus der Fluchtgruppe. Er setzte sich im Sprint vor dem Italiener Andrea Vendrame durch, der ebenfalls Teil der Ausreissergruppe gewesen war. Dahinter folgte Lucas Plapp (Jayco AlUla) mit vier Sekunden Rückstand. Hinter Florian Lipowitz (Bora-hansgrohe) der einen Rückstand von 14 Sekunden aufwies, folgten die restlichen Gesamtklassement-Fahrer, die 16 Sekunden auf den Etappensieger einbüssten. Thibau Nys übernahm zugleich die Gesamtführung von Dorian Godon.
Das Einzelzeitfahren der vierten Etappe gewann der US-Amerikaner Brandon McNulty (UAE Team Emirates) mit einem Vorsprung von 12 Sekunden vor seinem Landsmann Magnus Sheffield (Ineos Grenadiers). Dahinter folgten Felix Grossschartner und Juan Ayuso (beide UAE Team Emirates) mit 14 bzw. 20 Sekunden Rückstand. Carlos Rodríguez (Ineos Grenadiers), Alexander Wlassow (Bora-hansgrohe) und Ilan Van Wilder (Soudal Quick-Step) büssten rund 30 Sekunden auf den Etappensieger ein, während auch Lenny Martinez (Groupama-FDJ), Florian Lipowitz, Tao Geoghegan Hart (Lidl-Trek) und Lucas Plapp (Jayco AlUla) unterhalb der 1-Minuten-Marke blieben. Mehr als eine Minute verloren Enric Mas (Movistar Team), Adam Yates (UAE Team Emirates), Jai Hindley (Bora-hansgrohe), Simon Yates (Jayco AlUla), Egan Bernal (Ineos Grenadiers), Richard Carapaz (EF Education-EasyPost) und David Gaudu (Groupama-FDJ). In der Gesamtwertung übernahm Juan Ayuso das Gelbe Trikot und lag nun sieben Sekunden vor Ilan Van Wilder und zehn Sekunden vor Alexander Wlassow.
Die Bergankunft der fünften Etappe entschied der Ecuadorianer Richard Carapaz für sich, nachdem er sich rund zwei Kilometer vor dem Ziel von den restlichen Gesamtklassement-Fahrern abgesetzt hatte und im Anschluss im Zielsprint vor dem herannahenden Florian Lipowitz gewann. Hinter den beiden erreichte Carlos Rodríguez das Ziel als Dritter mit einem Rückstand von 10 Sekunden. Der Spanier übernahm so die Gesamtführung von Juan Ayuso, der als Elfter 44 Sekunden auf den Tagessieger verlor. Vor dem letzten Etappentag lag Carlos Rodríguez nun sieben Sekunden vor Alexander Wlassow und neun Sekunden vor Florian Lipowitz.
Auf der abschliessenden sechsten Etappe kam es neuerlich zu einem Sprint, in dem sich Dorian Godon, vor Simone Consonni (Lidl-Trek) und Dion Smith (Intermarché-Wanty) durchsetzte. In der Gesamtwertung kam es zu keinen nennenswerten Veränderungen, wodurch Carlos Rodríguez seinen ersten Rundfahrtsieg bei einem Etappenrennen der UCI WorldTour fixierte.
Prolog: Payerne – Payerne (2,2 km)
Der erste Abschnitt wurde in Form eines Prologs in Payerne ausgetragen. Nach dem Start auf der Avenue du Stade führte die Strecke über die Rue des Grandes Rayes ans Ufer der Broye, der die Fahrer stromabwärts bis zur Rue d’Yverdon folgten. Auf dem letzten Kilometer folgten zahlreiche Kurven, wobei das Kloster Peterlingen umrundet wurde. Der Zielstrich befand sich auf der Grand-Rue nahe dem Stadtkern. Die flache Strecke enthielt insgesamt zwölf 90-Grad-Kurven. + Ergebnis PrologPlatzFahrerNationTeamZeit1.Maikel ZijlaardTudor Pro Cycling Team0:02:55 h (45,26 km/h)2.Cameron ScottBahrain Victorious+ 0:01 min3.Julian AlaphilippeSoudal Quick-Step+ 0:02 min4.Dorian GodonDecathlon AG2R La Mondiale Team+ 0:03 min5.Ivo OliveiraUAE Team Emirates"6.Tim van DijkeTeam Visma-Lease a Bike"7.Gianni VermeerschAlpecin-Deceuninck"8.Nikias ArndtBahrain Victorious+ 0:04 min9.Alex AranburuMovistar Team"10.Antoine AebiSwiss Cycling"+ Gesamtwertung nach dem PrologPlatzFahrerNationTeamZeit1.Maikel ZijlaardTudor Pro Cycling Team0:02:55 h2.Cameron ScottBahrain Victorious+ 0:01 min3.Julian AlaphilippeSoudal Quick-Step+ 0:02 min4.Dorian GodonDecathlon AG2R La Mondiale Team+ 0:03 min5.Ivo OliveiraUAE Team Emirates"5.Tim van DijkeTeam Visma-Lease a Bike"7.Gianni VermeerschAlpecin-Deceuninck"8.Nikias ArndtBahrain Victorious+ 0:04 min9.Alex AranburuMovistar Team"10.Antoine AebiSwiss Cycling" Etappe 1: Château-d’Oex – Freiburg (165,7 km)
Die erste Etappe startete in Château-d’Oex und führte über hügliges Terrain nach Freiburg. Nach einer kleinen Startrunde um die Siedlung Moulins führte die Strecke über Haut-Intyamon leicht abschüssig in Richtung Norden, wobei das Schloss Greyerz passiert wurde. Kurz vor Bulle bogen die Fahrer rechts ab und gelangten so ans Ostufer des Greyerzersees. Nach 39,3 Kilometern wurde hier in Corbières der erste Zwischensprint ausgefahren, ehe der See über die Pont de Corbières überquert wurde. Bei Sorens begann danach die Auffahrt zur gleichnamigen Bergwertung, die nach 49,5 Kilometern beim Campingplatz La Forêt abgenommen wurde. Mit einer Höhe von 1025 Metern war sie als Bergwertung der 2. Kategorie klassifiziert worden. Im Anschluss führte die Strecke auf welligem Terrain über Le Châtelard, Massonnens, Gibloux nach Corpataux-Magnedens, wo der finale Rundkurs erreicht wurde. Dieser war rund 40 Kilometer lang, enthielt zwei Anstiege der 3. Kategorie und musste zweieinhalb Mal absolviert werden. Die erste Bergwertung führte über die Route de la Tuffière nach Arconciel (754 m) und wurde 89,7, 49,5 und 9,1 Kilometer vor dem Ziel überquert. Sie stellte zudem den letzten Anstieg des Tages dar und wies auf einer Länge von rund zwei Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 5,9 % auf. Über Épendes und Marly ging es dann zum Zielort Freiburg, der über die Pérollesbrücke erreicht wurde. Unmittelbar darauf erfolgte die erste Zielpassage auf dem Boulevard de Pérolles. Vorbei am Stadtzentrum ging es dann zur Pont de Saint Jean, ehe der zweite Anstieg des Rundkurses in Angriff genommen wurde. Dieser führte auf einer gepflasterten Strasse zur Loretokapelle (651 m) und wies auf einer Länge von rund 800 Metern einen Steigungsschnitt von 10,3 % auf. Im oberen Teil enthielt die Auffahrt jedoch Rampen von bis zu 20 %. Nachdem die Bergwertung 76,6 und 36,3 Kilometer vor dem Ziel überquert worden war, führte die Strecke weiterhin leicht ansteigend über Tentlingen und Giffers nach Le Mouret, wo in der letzten Runde ein Zwischensprint 25,3 Kilometer vor dem Ziel ausgefahren wurde. Um zum Ausgangspunkt des Rundkurses zu kommen, überquerten die Fahrer die Barrage de Rossens.