Die ASD (AeroSpace and Defence Industries Association of Europe) ist der Spitzenverband der europäischen Luft- und Raumfahrt-, Sicherheits- und Rüstungsindustrie. Die Rechtsform ist eine belgische Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht. Sie wurde 2004, zeitgleich mit der EDA, gegründet und ist die Gesamtvertretung mehrerer Dachverbände und Unternehmen in verschiedenen europäischen Ländern.
Die ASD ist nicht zu verwechseln mit der ASD-STAN, die im Auftrag des CEN Normen für die Luft- und Raumfahrtindustrie entwickelt. Die Vorstandsmitglieder der ASD sind die Vorstandsvorsitzenden der jeweiligen Unternehmen die damit auch die Richtung der ASD festlegt.
Geschichte AECMA hat sich 2004 mit zwei anderen europäischen Luftfahrtorganisationen der European Defence Industries Group (EDIG) und Eurospace zu ASD, der Aerospace and Defence Industries Association of Europe vereinigt. Somit ist die ASD ein Zusammenschluss von drei ehemaligen Interessenvereinigungen; der AECMA, der EDIG und Eurospace.
ASD und AECMA Die AECMA (Association Europeene des Constructeurs de Materiel Aerospatial) war ein 1950 gegründeter Zusammenschluss der Konstrukteure für Materialien, welche speziell für die Luftfahrt hergestellt wurden. Im Jahr 1999 wurde ein neues Arbeitsgremium etabliert mit dem Ziel eine Standardisierungsorganisation zu gründen. Die AECMA-STAN wurde gegründet. Aus der AECMA-STAN ist die ASD-STAN entstanden. Die ASD-STAN gliedert sich in 8 Bereiche und 38 Arbeitsgruppen. Die von der ASD-STAN erarbeiteten Normen durchlaufen den offiziellen Normungsprozess der nationalen DIN Normen, europäischen Normen und internationalen Normen. Somit ist die ASD-STAN das offizielle assoziiertes Gremium des CEN für Luft- und Raumfahrtnormen. Die ASD-STAN erarbeitet heute noch vornehmlich Normen für die Luft- und Raumfahrtindustrie.
Zweck und Mitglieder Die ASD vertritt europaweit mehrere Dachverbände und damit mehr als 4.000 Unternehmen in 20 europäischen Ländern.
Die Organisation fungiert als Lobbygruppe und politischer Fürsprecher der Industrie innerhalb des Establishments der Europäischen Union insbesondere der Europäischen Verteidigungsagentur, der Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit sowie der Agentur der Europäischen Union für das Raumfahrtprogramm.
Das Sekretariat der ASD leitet die Sky and Space Intergroup, die Mitglieder des EU-Parlamentes mit Vertretern der Luftfahrt- und Luftwaffenindustrie zusammenbringt. Als Spitzenverband in mehreren Branchen mit starken Lobbyverbänden hat die ASD inzwischen sehr viel Macht und übt einen großen Einfluss auf politische Entscheidungen in Brüssel aus.
Die ASD hat derzeit folgende Mitglieder:https://www.asd-europe.org/about-asd/all-our-members/
Nationale Vereinigungen
Aviation Austria – Dachverband Luftfahrt AED Cluster Portugal ADS UK Agoria Belgien AIAD Italien ALKP Tschechien APAI Polen Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Deutschland BDLI Deutschland DI Dänemark DAIF Latvia Lettland FSi Dänemark GIFAS Frankreich HASDIG Griechenland IDSA Irland LDSIA Litauen NIDV Niederlande PIA Finnland SASAD Türkei SEKPY Griechenland SOFF Schweden TEDAE Spanien WKO Österreich
Unternehmensmitglieder Airbus Antonow Avio Aero BAE Systems Dassault Aviation Diehl (Unternehmen) Fincantieri GKN Aerospace Hensoldt (Unternehmensgruppe) KNDS Kongsberg Gruppen Leonardo S.p.A. Liebherr MBDA Naval Group Navantia Patria (Unternehmen) Polska Grupa Zbrojeniowa Rheinmetall Rolls-Royce Group Saab Safran S.A. Sopra Steria Thales Group
Schwerpunkte Die Schwerpunkte der ASD und ihrer Mitglieder sind:
Verbinden von Luftverkehrsmanagement, Lufttüchtigkeit und Sicherheit, Mobilität im städtischen Luftraum und Cybersicherheit in der ZivilluftfahrtIm Gebiet der Zivilluftfahrt und des Luftverkehrsmanagements, werden Standards entwickelt. Dazu gehört die Erörterung der Erfordernisse für die Schaffung eines Unternehmensumfelds, das die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie steigert und ihr Potenzial zum Nutzen Europas – und darüber hinaus – maximiert.
Schützen von Zugang zu Finanzmitteln, Kapazitätsaufbau, Cyberverteidigung und kritische RohstoffeIm Gebiet des Zugangs zu Finanzmitteln wird die ASD maßgeblich von der EDA und den nationalen Verbänden unterstützt. Nachhaltigkeit von klimaneutrale Luftfahrt, Klima und Verteidigung, Chemikalien und Gefahrstoffe sowie Forschung und Entwicklung Auf dem Gebiet der Chemikalien und Gefahrstoffe ist die ASD bei der Erarbeitung sektorspezifischer Orientierungshilfen im Bereich REACH involviert.
Erklärung der Beschaffungen Die Beschaffungen in der Rüstungs-, Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie habe oftmals eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten. Als Beispiele sind hier die Beschaffungen eines Kampfflugzeuges, Satelliten oder Panzers zu nennen. Die Kosten für derartige Beschaffungen liegen zu ca. 1/3 bei der Beschaffung und ca. 2/3 zum Betrieb und Unterhalt. Hier reicht es nicht nur die Produktentwicklung und Produktion des Produktes zu beauftragen. Häufig müssen auch infrastrukturelle Einrichtungen und Gegebenheiten zeitgleich beauftragt werden, wie z. B. Liegenschaften zur Lagerung, Schulung und Reparatur. Außerdem muss genügend Personal (militärisch und zivil), mit den Fähigkeiten die für den Betrieb, die Wartung und den Support von Systemen während ihrer gesamten Lebensdauer erforderlich sind, vorhanden sein. Zusätzlich umfassen die einzelnen Beschaffungen häufig verschiedene Nationen mit unterschiedlichen finanziellen Finanzierungszusagen und Zeiträumen. Das bedeutet, dass eine frühzeitige Kapitalfinanzierung der Beschaffungen geplant werden muss. Die verschiedenen Nationen haben zudem einen unterschiedlichen Rechtsrahmen der beachtet werden muss. Folglich laufen die Beschaffungen über einen Zeitraum, in denen die Regierungen der beteiligten Länder mehrfach wechseln können, und somit auch die finanziellen Prioritäten und die Rechtsrahmen.
Neben den politischen Gegebenheiten und Vorgaben spielen auch die Unternehmen in den Beschaffungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zum einen bezüglich der jahrelangen Laufzeit der Beschaffungen und zum anderen die Spezialisierung auf einzelne Fachgebiete. So muss ein Produkt was schon über einen langen Zeitraum in der Nutzung ist auch weiter versorgt werden. Dies ist allein bei der Softwareentwicklung eine Herausforderung. Auch die Komplexität mit teilweise mehreren hundert involvierten Unternehmen für eine Beschaffung sind eine Herausforderung. Hierbei versucht jedes Unternehmen seinen Einfluss zu vergrößern und so den Unternehmenserfolg auf mehrere Jahre zu sichern.
Auswirkungen unkorrekter Entscheidungen und mangelnder Kommunikation innerhalb solch komplexer Beschaffungen, innerhalb des PLM, können am Beispiel der Produktfamilie Boeing 737 MAX gesehen werden.
Standardentwickung
Die S-Series of Standards Die ASD entwickelt und gibt folgende Spezifikationen,https://www.s3000l.org/links/ bekannt unter der S-Series of Specifikation, heraus: ASD/AIA SX000i Internationale Spezifikation für integrierte Produktunterstützung (IPS) S1000D, Internationale Spezifikation für technische Veröffentlichungen unter Verwendung einer gemeinsamen Quelldatenbank S2000M, Internationale Spezifikation für das Materialmanagement S3000L, Internationale Spezifikation für logistische Unterstützungsanalysen – LSA S4000P, Internationale Spezifikation für die Entwicklung geplanter Wartungsprogramme S5000F, Internationale Spezifikation für die Rückmeldung von Betriebsdaten S6000T, Internationale Spezifikation für Trainingsanalyse und -design SX001G, Glossar für die IPS-Spezifikationen der S-Serie SX002D, Gemeinsames Datenmodell für die IPS-Spezifikationen der S-Serie STE 100, Simplified Technical English (Vereinfachtes technisches Englisch)
Die Spezifikationen S1000D, S3000M, S4000P, S5000F und S6000T bilden in der Metasprache XML verschiedene Datenmodelle ab. Diese sind XML Schemata.https://www.sx000i.org/docs/SX005G%20Issue%202.1.pdf PDF Seite 1 Die Spezifikation S2000M ist eine Datenbank gestützte Spezifikation zur Versionierung und Management von Ersatzteildaten.
Ziele der S-Series of Standards Mit der Entwicklung und Herausgabe der S-Series of Standards wird versucht, die teilweise über Jahrzehnte, laufende komplexe Beschaffung in der Rüstungs-, Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie zu vereinheitlichen.
Entwicklung der Standards
ASD und A4A Die ASD und die ähnlich gelagerte Airlines for America (A4A) sind Interessenvertretungen der jeweiligen Mitglieder. Es wurden parallel ähnliche Standards entwickelt, wie z. B. für die technische Dokumentation die S1000D auf Seiten der ASD und die ATA iSpec 2200 auf Seiten der A4A. Diese Standards sollen nun zusammengeführt werden.
Zitat der A4A zu ATA iSpec 2200
Zitat der ASD zu S1000D
Die Standards der ASD sowie der A4A waren ursprünglich zum Informationsmanagement in der Auszeichnungssprache Standard Generalized Markup Language (SGML) vorgesehen. Im Laufe der Zeit sind beide Organisationen für die Darstellung von Information zu XML gewechselt. Die Bachalorarbeit mit dem Titel „Vergleich der Spezifikationen für Technische Dokumentation ATA iSPEC2200 und S1000D“ gibt einen Hinweis auf die bestehenden Herausforderungen für die Harmonisierung der Standards der beiden Interessenvertretungen.
Die ASD Strategic Standardisation Group (SSG) Zur Erarbeitung von faktischer Standardisierung setzt die ASD die ASD Strategic Standardisation Group (SSG) ein. Um die von den verschiedenen Interessenvertretungen erarbeiteten Standards miteinander zu vereinen und zu harmonisieren, wurde eine Absichtserklärung getroffen. Mitglieder der SSG sind: Airbus, Airbus Defence and Space, Airbus Helicopters, BAE Systems, Daher (Unternehmen), Dassault Aviation, Leonardo S.p.A., MBDA, MTU Aero Engines, Rolls-Royce Group, Saab, Safran S.A., und Thales Group. Standardisierung und Harmonisierung der ausgewählten Standards erfolgt über ein sogenanntes ASD SSG Radar Chart. Das Radar Chart soll zur Identifizierung des Unterstützungsgrads des Standards durch ASD beitragen. Offizielle Normen sind nur vereinzelt, als Kandidat, vertreten.
Da zu jedem einzelnen Standard der S-Serie ein Gremium, in einer eigenen organisatorischen Struktur, existiert, werden auch jeweils einzelne Änderungsanträge gefordert. Nichtmitglieder der ASD könne Änderungsanträge über den sogenannten SpecRing stellen.
Einordnung der S-Series of Standards Die ASD versucht mit der S-Series of Standards ein Konzept des integrierten Produktsupports (IPS) (ehemals Integrated Logistic Support (ILS)) zu etablieren. Von der Produktentwicklung bis zur Ausmusterung (Verschrottung, Recyling) sollen die Daten innerhalb des Lebenszyklus eines Produkts verfolgt werden.
Die Spezifikationen besteht aus Datenmodellen zu verschiedenen Aspekten der Informationen innerhalb des Produktlebenszyklus. Die S1000D für die Technische Dokumentation. Die S2000M für Ersatzteillogistik. Die S3000L für die Logistik. Die S4000D für die Wartung. Die S5000F für das Feedbackmanagement. Die S6000T für Schulung. Die SX001G ist ein Glossar zur Erklärung der Datenmodelle innerhalb der S-Series of Specifikation. Die SX002D beschreibt ein übergeordnetes Datenmodell was die Zusammenhänge der verschiedenen Datenmodelle erklären soll. mini|360px|Product Lifecycle Management
Die Datenmodelle sind unabhängig vom realen Produktdatenmanagement (PDM) wie er heutzutage mit modernen Produktentwicklungsmethoden bei der Entwicklung von Produkten genutzt wird, wie beispielsweise Computer-aided design (CAD), Computer-aided manufacturing (CAM), Produktdatenmanagement (PDM), Digital Mock-Up (DMU) und computer-aided engineering (CAE).