mini|Eines der beiden Hauptgebäude des Cultural & Museum Centre Karonga im September 2014 Das Cultural & Museum Centre Karonga (CMCK) als Kombination aus Kulturzentrum und Naturkundemuseum ist eine Bildungseinrichtung in der nordmalawischen Stadt Karonga am westlichen Ufer des Malawisees. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2004 verfolgt sie das Ziel, das natürliche und kulturelle Erbe der Region zu erhalten, zu fördern und zu bewerben. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt dabei auf paläontologischen und paläoanthropologischen Funden und bietet einen Einblick in die Stammesgeschichte des Menschen. Gleichzeitig ist das Zentrum auch ein Ort der Begegnung für die lokale Bevölkerung, Ausgangspunkt für Forschungsprojekte und Station für die universitäre Ausbildung.

Als Träger fungieren die malawisch-deutsche Nichtregierungsorganisation Uraha Foundation sowie das malawische Ministerium für Jugend, Kultur und Sport.Mayamiko Seyani: „Celebrating 10 years Karonga museum“. Am 19. September 2014 auf mwnation.com (malawische Tageszeitung The Nation). Abgerufen am 21. Mai 2023. Wissenschaftliche Hauptpartner sind die Johann Wolfgang Goethe-Universität und das Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt am Main, das Hessische Landesmuseum Darmstadt, die National Museums of Kenya sowie die New York University.

Beschreibung Geschichte Die Idee für das Museum geht zurück auf die drei einheimischen Anwohner Oliver Mwenifumbo, Lawrence Mwamlima und Archibald MwakasungulaInformationen zum Cultural & Museum Centre Karonga auf der Website der Uraha Foundation. Am 17. Oktober 2015 auf uraha.de. Abgerufen am 21. Mai 2023.Stefanie Schramm: Das Museum am Nabel der Welt. In: Die Zeit. № 15 / 2006, 6. April 2006. sowie auf europäische, größtenteils deutsche Wissenschaftler – insbesondere auf das Engagement des Paläoanthropologen Friedemann SchrenkInformationen zum Cultural & Museum Centre Karonga auf der Website der Afrikaforschungsallianz der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie der TU Darmstadt. Abgerufen auf afrikaforschung-rheinmain.de am 21. Mai 2023. vom Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt am Main. Er reiste seit den 1980er Jahren regelmäßig für Forschungen in den Karonga-Distrikt und erklärte, die Region sei ihm zu einer zweiten Heimat geworden.Pamela Dörhöfer: „Wo unser aller Wurzeln sind“. Am 17. April 2015 auf fr.de (Frankfurter Rundschau). Abgerufen am 21. Mai 2023. In Uraha stieß er 1991 auf den 2,5 Millionen Jahre alten Unterkiefer UR 501 des Hominiden Homo rudolfensis. Dabei handelt es sich um einen der frühesten entdeckten Belege für die Existenz der Gattung Homo.

Schrenk und auch andere westliche Wissenschaftler profitierten bei ihrer Feldforschung in der Region immens von den Orts- und Sprachkenntnissen der Einheimischen sowie von der Arbeit der malawischen Grabungshelfer. Er gab an, den „gastfreundlichen, hilfsbereiten Bewohnern in der strukturschwachen, dünn besiedelten Region“ etwas zurückgeben zu wollen. Sie sollten „an den Schätzen, die ihr Boden hergab, teilhaben“, sodass das „Wissen um die Bedeutung ihrer Heimat als Wiege der Menschheit und als Ort noch weit früheren Lebens auf der Erde“ ihnen nicht verborgen bleibt. Darüber hinaus betonte Schrenk, dass die Bevölkerung in Karonga zwar arm,Dieter Kramer: Ein Museum als Entwicklungsagentur. From Dinosaurs to Democracy. Abgerufen auf journal-ethnologie.de (Online-Zeitschrift Journal Ethnologie des Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main) am 21. Mai 2023. aber für malawische Verhältnisse überdurchschnittlich gut gebildet sei. Mit der Ansiedlung des Museums und Kulturzentrums wollte man auch ein Gegengewicht zum wirtschaftlichen Zentrum des Landes im Süden setzen.

Bei der Konzeption waren die Bürger Karongas ganz bewusst von Beginn an eingebunden. Zur Finanzierung gründeten sie mit der Uraha Fondation Malawi einen privaten Trägerverein und in Deutschland entstand das Pendant Uraha Fondation Germany. Weitere Geldmittel für das Projekt kamen vom malawischen Staat, von der Europäischen Union, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, vom Deutschen Entwicklungsdienst, vom deutschen Auswärtigen Amt sowie von der deutschen Botschaft in Malawi. Insgesamt beliefen sich die Baukosten auf ungefähr 30 Millionen Malawi-Kwacha (damals knapp 343.000 Euro). Das Grundstück stellte die Stadtverwaltung Karonga kostenfrei zur Verfügung. Im Vorfeld der Eröffnung konnte die bis dahin lediglich oral tradierte Geschichte des Nyakyusa-Volks (auch Ngonde genannt) – der vorherrschenden Ethnie der Region – mittels kultureller und historischer Forschung weitgehend gesichert werden. Mit lokalen Theatergruppen wurde ein umfangreiches Aufklärungsprogramm konzipiert, das Bildungsinhalte wie Evolution, Geologie und kulturelle Geschichte spielerisch in Lehrstücken umsetzte. Mit diesen Aufführungen erreichte man in der Fläche nahezu jede Siedlung des Karonga-Distrikts.

Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2000 und nach mehreren Verzögerungen konnten die Gebäude im April 2004 an die lokalen Partner übergeben werden.Stephanie Müller: The Cultural & Museum Centre, Karonga. In: The Society of Malawi Journal. Band 58, № 1, 2005, Seiten 1–5. Nach dem Innenausbau wurde das Cultural & Museum Centre Karonga am 10. November 2004 durch den damaligen Staatspräsidenten Bingu wa Mutharika eröffnet. Dem Festakt wohnten 400 geladene Gäste – darunter der ehemalige deutsche Botschafter in Malawi Jürgen Hellner – sowie 4000 weitere Besucher bei.Ein Museum für mehr Selbstvertrauen. In: Design in Acrylics – Magazin des Geschäftsgebiets Acrylic Sheets der Degussa GmbH. № 2 / 2007, Seiten 6–7.

Architektur mini|Musterform eines versetzten Pultdaches oder Doppelpultdaches, wie es – allerdings geschwungen – auch am Cultural & Museum Centre Karonga zu finden ist Das Cultural & Museum Centre Karonga besteht aus zwei ähnlich konstruierten, aber unterschiedlich dimensionierten und schräg zueinander versetzten Bauten. Für die Entwürfe zeichnete der britische Architekt Kevin M. Davies verantwortlich und orientierte sich dabei an Mustern der organischen Architektur. Markantestes Merkmal der Gebäude ist ihre geschwungene Dachform, die von den ausgegrabenen Knochen des Malawisaurus dixeyi inspiriert wurde. Die untere Hälfte der Gebäude ist aus Ziegeln aufgebaut und im Inneren verputzt, während die obere Hälfte von einer Holzkonstruktion getragen wird, auf die als Außenverkleidung Wellblech und Kunststoff montiert wurden. Dieses Material wurde gewählt, um die Wellenform zu ermöglichen. Durch die spezielle Dachform – ein sogenanntes versetztes Pultdach, auch Doppelpultdach genannt – ist ein natürlicher Lichteinfall aus größerer Höhe gewährleistet.

Es stellte sich jedoch heraus, dass das Material dem heißen Klima nicht standhalten konnte.Karonga liegt gemäß der effektiven Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger im Grenzbereich von Ostseitenklima mit Monsuneinflüssen (Cwa), subtropischem Gebirgsklima (Cwb) und wintertrockenem tropischem Savannenklima (Aw). Im Verlaufe des Jahres 2014 bildeten sich hitzebedingt Risse, durch die dann während der südhemisphärisch-sommerlichen Regenzeit Wasser ins Innere drang,George Singini: „National Bank donates K1m to Karonga Museum“. Am 20. Oktober 2014 auf mwnation.com (malawische Tageszeitung The Nation). Abgerufen am 21. Mai 2023. das die Fossilien und andere Sammlungsstücke zu beschädigen drohte. Gegen Ende des gleichen Jahres gelang es den Museumsverantwortlichen, im Rahmen mehrerer Benefizveranstaltung Gelder für die Dachreparatur einzuwerben. Großspenden kamen dabei unter anderem von den Unternehmen Airtel Malawi,Rodgers Siula: „Airtel rescues Karonga museum’s roof“. Am 12. November 2014 auf nyasatimes.com (malawische Nachrichtenwebsite). Abgerufen am 21. Mai 2023. von Illovo SugarJohn Chirwa: „Illovo donates K1m to Karonga Museum“. Am 7. November 2014 auf mwnation.com (malawische Tageszeitung The Nation). Abgerufen am 21. Mai 2023. sowie von der malawischen National Bank. Als im Frühjahr 2018 noch keine Sanierung des seit bereits vier Jahren schadhaften Daches erfolgt war, wurden Vorwürfe gegen die Museumsleitung dahingehend laut, dass sie 5,2 Millionen Malawi-Kwacha (damals etwa 6000 Euro) hinterzogen habe, die für die Dachreparatur bestimmt gewesen waren. Der Museumsdirektor Winston Mwagomba wies die Anschuldigungen entschieden zurück und beklagte, dieser Rufmord schade der Einrichtung. Als Grund für die Verzögerung nannte er, dass die Reparaturkosten auf 18 Millionen Malawi-Kwacha taxiert worden seien – wesentlich mehr, als man zunächst aufzubringen in der Lage gewesen sei. Nun habe man allerdings eine finanzielle Zusicherung seitens der Europäischen Union erhalten, sodass die Bauarbeiten im Mai 2018 beginnen sollten.Tiwonge Kumwenda: „Karonga museum says no money ‚cashgated‘“. Am 12. November 2014 auf nyasatimes.com (malawische Nachrichtenwebsite). Abgerufen am 21. Mai 2023.

Nutzung Ausstellung mini|hochkant|Das Skelettmodell eines Malawisaurus dixeyi ist das Kernstück der Dauerausstellung. Foto: Oktober 2006 Die Umsetzung der Ausstellung wurde im Vorfeld der Eröffnung unterstützt durch die Jubiläumsstiftung der Stadt- und Kreis-Sparkasse Darmstadt sowie die Unternehmen Egger Group (St. Johann in Tirol), Würth-Gruppe (Künzelsau), Festool (Wendlingen am Neckar) und Röhm GmbH (Darmstadt). Die Firma Mühlhäuser ermöglichte die Bereitstellung und den Transport eines Containers für Hilfsgüter.Stephanie Müller: Wissenschaftsvermittlung in der Wiege der Menschheit. In: Forschung Frankfurt. № 2/3, 2006, Seiten 10–15. Hauptattraktion des Museums ist der etwa acht Meter lange Skelettabguss eines Malawisaurus dixeyi. Dessen Holotypus wurde um 1924 etwa 45 km südlich von Karonga gefunden und das Tier ist im Museum erstmals im Fundland zu sehen. Auch ein Abguss des Homo-rudolfensis-Unterkiefers UR 501 ist ausgestellt. Dieser sollte ursprünglich in der malawischen Hauptstadt Lilongwe präsentiert werden – erst die Intervention dreier Dorfältester bewirkte seinen Verbleib in Karonga. Lokale Dorfälteste waren angehalten, in der Zusammenstellung der Exponate zu assistieren.