Wu-men Hui-k'ai, (1183–1260) (Langzeichen: 無門慧開, Kurzzeichen: 无门慧开; Pinyin: Wúmén Huìkāi; Wade-Giles: Wu-men Hui-k'ai). ist ein Chán (Zen)-Meister, der in der Song-Dynastie (960–1279) in China lebte. In Japan trägt er den Namen Mumon Ekai, unter dem er in der deutschen Literatur ebenfalls bekannt ist.Dies führt in der westlichen Literatur oft zu einem verwirrenden Nebeneinander oder sogar zu einer Vermengung von ursprünglich chinesischen Namen (Personen und Orte, in verschiedenen Umschriften) mit ihren japanischen Transkriptionen, beginnend bei Titeln wie Mumonkan ... Meister Wu-mens Sammlung selbst bei Heinrich Dumoulin.

Er wurde Mönch und in der Tradition der von Linji Yixuan etwa 300 Jahre früher gegründeten Linji zong (chinesisch: 臨濟宗, Pinyin: Línjì zōng, W.-G.: Lin-chi tsung)Zong 宗 bedeutet Abstammung, Schule oder Sekte, vgl. 宗 - Wiktionary, the free dictionary. ausgebildet, die später in Japan als Rinzai-Schule bekannt wurde. Er war der 15. Nachfolger in Linji-Linie und der achte in der von Yang-ch’i Fang-hui (992–1049) der Yôgi-Linie. Wu-men Hui-k'ai wurde bekannt als Herausgeber und Kommentator der 48 Gong'an (Pinyin: gōng'àn, jap.: Kōan) umfassenden Sammlung Die torlose Schranke (無門關, Pinyin: Wúménguān; jap.: Mumonkan).

Leben und spirituelle Entwicklung Wu-men wurde zur Zeit der Südlichen Song im chinesischen Liang-chu bei Hangzhou geboren, sein erster Meister war Gong Heshang. Er erhielt die Dharma-Übertragung von Zen-Meister Yuelin Shiguan (月林師觀; jap.: Gatsurin Shikan) (1143–1217) im Wanshou-Tempel (萬壽寺, Wànshòu sì) in Suzhou. In der Linji-/Rinzai-Schule werden Ideen aufgegriffen, die sich bereits in den indischen Traditionen finden: Die existenziellen Probleme des Einzelnen sollen nicht durch heilige Texte (Sutra), religiöse Lehren, philosophische Konzepte oder gar Riten und Traditionen, sondern nur durch existenzielle Selbsterfahrung, die über die Versenkung in das eigene ICH hinausgeht, gelöst werden. Auch die überlieferten Weisheitslehren selbst müssen infrage gestellt und zertrümmert werden, wenn sie der Selbsterkenntnis im Weg stehen. Diese »tiefe Befreiung« (Satori oder Erleuchtung) kann erst erreicht werden, wenn man erkennt, dass die Paradoxa in den Fragen Metaphern für die Widersprüche in der Wahrnehmung der Welt sind. Sie können nicht in Harmonien aufgelöst werden (wie etwa Konfuzius lehrte). Jeder muss auf seine Weise lernen, sie zu ertragen und am Ende fähig werden, die Fragen selbst zu zerstören:

Der Weg dorthin führt durch unterschiedliche Formen der Meditation (vor allem: langes Sitzen im Zazen) und provozierende in sich widersprüchliche Fragen, die der Meister dem Schüler stellt. An den Antworten erkennt er den Grad von dessen Erkenntnis. Yuelin gab ihm den Gong'an (Kōan) von Zhaozhou Congshen, der später in der von Wumen herausgegebenen Sammlung Die torlose Schranke an erster Stelle stand: »Hat ein Hund Buddha-Natur?«. Wumen rang sechs Jahre lang, im Zazen vertieft und schließlich schlaflos, mit dieser Frage, bevor er eines Tages plötzlich mit dem Klang der Mittagstrommel seinen Weg fand: „WU!“ (無, jap.: „Mu“) – Nichts, Leere – man könnte die Frage mit ja oder nein beantworten, doch es kommt nicht darauf an:Shibayama Zenkei: Quellen des Zen. Die berühmten Koans des Meisters Mumon aus dem 13. Jahrhundert mit Einführung und Kommentar. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Margret Meilwes. Otto Wilhelm Barth Verlag (im Scherz Verlag), Bern – München 1976.

Diese Erkenntnis ist – wie er später in seinem Kommentar schreibt – „...ein rotglühender Eisenball, den Du verschluckt hast und dabei scheiterst, wenn Du versuchst, ihn auszukotzen“. Nachdem Yuelin die Lösung anerkannt hatte, schrieb Wumen ein Gedicht über seine Erleuchtung:Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus, Band I, 2. Aufl., S. 255.

Da er während der Meditation über das „Wu“-Gong'an erwacht war, erhielt er den Spitznamen Wumen, vereinfacht übersetzt: „Methode (men) des Nein (wu)“. Im chinesischen Mahayana-Buddhismus ist der Begriff 無 (wú)Vgl. 無 - Wiktionary, the free dictionary oft ein Synonym für 空 (sunyata)Vgl. 空 - Wiktionary, the free dictionary. 門 (mén)Vgl. 門 - Wiktionary, the free dictionary steht allgemein für eine Tür oder ein Tor, im buddhistischen Sinne wird der Begriff jedoch häufig verwendet, um sich auf einen bestimmten „Aspekt“ bzw. eine bestimmte „Methode“ der Dharma-Lehren zu beziehen.

Seine persönlichen Erfahrungen fasste er in einem späteren Anhang des Wumenguan als „Zen-Warnungen“ in klaren Worten zusammen:

Wumen reiste zunächst als Wandermönch weiter durch China, war danach Abt mehrerer Klöster. Er trug alte und schmutzige Roben, ließ Haar und Bart nicht schneiden und arbeitete auf den Feldern der Tempel.

1228 (mit 46 Jahren) war er Abt des Dongjia Longxiang (龙翔; W.-G.: Lung-hsiang; jap.: Ryusho) in Fuzhou und beschloss, die »Kōans der alten Meister […] bei der Anleitung der Mönche (zu benutzen), je nach ihren Fähigkeiten und Typen, als Ziegelsteine, um an das Tor zu klopfen […] Der Buddha-Geist ist die Grundlage und torlos ist das Dharma Tor«. Hier stellte er die 48 Kōans in der Sammlung »Die torlose Schranke« zusammen und kommentierte sie.

1246 gründete er auf kaiserlichen Erlass hin das Kloster Huguo Renwangsi (護國仁王寺, Hùguó rénwáng sì) bei Hangzhou. In seinen letzten Lebensjahren zog er sich in die Nähe des von ihm gegründeten Tempels am West-Sees zurück, an einen damals noch abgelegenen Platz. Entgegen seinen Hoffnungen wurde er dort jedoch von zahllosen Besuchern und Schülern in Anspruch genommen.

Für seine Verdienste erhielt er von Kaiser Song Lizong den Ehrentitel „Buddhas Auge“ (佛眼, Fóyǎn).

Werk Das im Titel auf seinen Namen anspielende Wumenguan gehört zu den frühen Texten des Zen-Buddhismus, die zuvor zum großen Teil nur mündlich tradiert waren und dann von Schülern bzw. späteren Meistern kompiliert und ggf. kommentiert wurden.Das umfangreichste Werk, das auch als eine Grundlage für das Biyan Lu und Wumenguan diente, waren die Aufzeichnungen von der Übertragung der Leuchte aus der Ära Jingde (景德傳燈錄, Jǐngdé Chuándēng lù, W.-G.: Ching-te Ch'uan-teng lu, jap.: Denkō-roku), entstanden in der Regierungsperiode Jingde (景德; 1004–1007) von Kaiser Zhenzong (968–1022); sie wurden in 30 Faszikeln zusammengestellt von Shi Daoyuan (釋道原; W.-G.: Shih Tao-yüen; 10./11. Jh.) und 1008–1011 publiziert. Siehe Daoyuan: Records of the Transmission of the Lamp, Vol. 1–8. Translated by Randolph S. Whitfield. Books on Demand, Norderstedt 2015–2020. Es zählt noch heute – neben dem Biyan Lu (Niederschrift von der Smaragdenen Felswand, jap.: Hegikan-roku) – zu den zentralen Werken des Zen-Buddhismus und ist repräsentativ für die Kōan-Methode, in der mittels provozierender Fragen eines Zen-Meisters an seine(n) Schüler eine individuelle „Lösung“ erreicht werden soll. Wumen Huikai sammelte diverse Texte und erarbeitete sich ihr Verständnis auf den Wanderungen von Tempel zu Tempel, die damals wie heute zur Ausbildung eines Zen-Meisters gehören.

Einige in der Wumenguan-Sammlung erwähnte Kōans wenden sich ausdrücklich gegen Buddha selbst als den höchsten Repräsentanten buddhistischer Lehren. Auch er darf nicht nur verehrt, sondern muss – wie jede Übernahme einer fremden Erkenntnis oder überlieferten Erfahrung – gründlich infrage gestellt werden.

Kōan Nr. 21: Ein Mönch fragte Ummon in allem Ernst: »Was ist Buddha?« Ummon sagte: »Kanshiketsu (ein vertrockneter Kot-Spatel)Der Stock bzw. Spatel dient als Äquivalent zum Toilettenpapier..«

Kōan Nr. 33: Ein Mönch fragte Baso in allem Ernst: »Was ist Buddha?« Baso antwortete: »Weder Geist noch Buddha«.

Kōan Nr. 34: NansenNanquan Puyuan (chin.: 南泉普願; W.-G.: Nan-ch’üan P’u-yüan; Pinyin: Nánquán Pǔyuàn; jap.: Nansen Fugan); geb. 749, gest. 835. sagte: »Geist ist nicht Buddha. Wissen ist nicht der Weg.«

Durch Shinji Kakushin (1207–1298)Shinchi Kakushin (心地覚心), auch bekannt als Muhon Kakushin (無本覺心) sowie posthum als Hotto Kokushi (法燈國師), war ein Schüler Wumens und begründete in Japan die Hotto-Linie des Zen. wurde das Wumenguan/Mumonkan nach Japan gebracht. Die einfache Sprache, der klar gegliederte Aufbau und die von verschiedenen Zen-Meistern im Laufe der Zeit angehängten, verständlichen Kommentare (Teisho) – zusammen „ein Meisterwerk der Prägnanz“ (Dumoulin)Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus, Band I, 2. Aufl., S. 256. – haben über die Jahrhunderte hinweg bis heute ihre Wirkung entfaltet.

Literatur Mumonkan. Die Schranke ohne Tor. Meister Wu-mens Sammlung der 48 Kôan, aus dem Chinesischen übersetzt und erläutert von Heinrich Dumoulin. Matthias Grünewald Verlag, Mainz 1975. (Lizenzausgabe: Angkor Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-936018-66-0). Bi-Yän-Lu: Meister Yüan-wu's Niederschrift von der Smaragdenen Felswand, verfasst auf dem Djia-schan bei Li in Hunan zwischen 1111 und 1115, in Druck erschienen in Sïtschuan um 1300, verdeutscht und erläutert von Wilhelm Gundert. Hanser, München – Wien 1960, 1967, 1973. 3 Bde. (Nachdruck: Marix, Wiesbaden 2005, 3 Bde. in 1 Bd., ISBN 3-86539-031-5) Shibayama Zenkei (Hrsg.): Zu den Quellen des Zen. Die berühmten Koans des Meisters Mumon aus dem 13. Jahrhundert. Aus dem Amerikanischen übers. v. Margret Meilwes. Otto Wilhelm Barth Verlag (im Scherz Verlag), Bern u. a. 1976, ISBN 978-3-502-64564-1. Two Zen Classics: Mumonkan and Hekiganroku. Translated with commentary by Katsuki Sekida, edited and introduced by A. V. Grimstone. Weatherhill, New York City – Tokyo 1977 (Nachauflagen 1996 u. 2000: ISBN 0-8348-0130-2). Ingrid Fischer-Schreiber u. a. (Hrsg.): Lexikon der östlichen Weisheitslehren. Buddhismus – Hinduismus – Taoismus – Zen. Otto Wilhelm Barth Verlag (im Scherz Verlag), Bern – München – Wien 1986. (Lizenzausgabe: Albatros, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96136-X) Bi-Yän-Lu, Aufzeichnungen des Meisters vom Blauen Fels, aus dem Chinesischen übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Ernst Schwarz. Kösel, München 1999, ISBN 3-466-20443-7. Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus, Band I: Indien, China und Korea. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Narr Francke Attempto, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7.

Weblinks

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