Der Festgesang, auch Jodok-Kantate genannt, WAB 15, ist eine Kantate, die 1855 von Anton Bruckner komponiert wurde.

Entstehung und Stellung im Gesamtwerk Diese Kantate ist die letzte von drei Bruckners größeren Gelegenheitskompositionen.C. Howie, Kapitel II, S. 22–23.

Bruckner komponierte sie am 6. Dezember 1855 für den Namenstag von Jodok Stülz, dem Dechant des Stifts St. Florian,C. van Zwol, S. 713. als „Abschied von St. Florian“, drei Wochen vor seinem Umzug nach Linz.C. van Zwol, S. 64 Das Stück sollte am 13. Dezember 1855 (Stülz Namenstag) oder am Vorabend aufgeführt werden. Die Handschrift befindet sich im Archiv des Stifts St. Florian.

Die Handschrift wurde 1921 von Franz Xaver Müller im Archiv des Stifts St. Florian gefunden.U. Harten, S. 151–152. Ein Faksimile erschien erstmals in Band II/2, S. 241–244 der Göllerich/Auer-Biographie. Die Partitur ist erschienen in Band XXII/1 Nr. 5 der Gesamtausgabe.Gesamtausgabe – Kantaten und Chorwerke mit Orchester

Text Der Autor des für die Kantate verwendeten Texts ist unbekannt.

Aufbau und Besetzung Das insgesamt 143 Takt lange Werk in C-Dur ist für gemischten Chor und Sopran-, Tenor- und Basssolisten sowie Klavier komponiert.

Die Kantate besteht aus sechs Teilen: Rezitativ: Sankt Jodok sproß, Bass Solist (bars 1–7) Aria: In Einsamkeit zurückgezogen, Bass Solist (bars 8–23) Chor: Du bist der Vater, gemischter Chor (Takte 27–79) – Ziemlich langsam, gemütlich Aria: Du pflegst das Herz, Sopransolistin (Takte 80–102) – Langsam, mit Gefühl Rezitativ: Nicht minder ziert, Tenor Solist (Takte 103–109) Schlußchor: Heil unserm Vater, gemischter Chor (Takte 100–143) – Mäßig langsam

Obwohl sie bereits eigene Ideen des Komponisten enthält, wirkt die Kantate mit ihren beiden Rezitativen, Arien und Chorsätzen etwas archaisch. Die Arien gehen auf Beispiele des Barocks zurück, in denen ein Instrument des Basso continuo den Solosänger begleitet. Die Chorsätze – ein wenig in Anlehnung an Michael Haydn – verweisen mit Imitationsphrasen auf blumiger Kontrapunkt.

Diskografie Es gibt eine einzige Aufnahme des Festgesangs: Thomas Kerbl, Chorvereinigung Bruckner 2011: Anton Bruckner Lieder/Magnificat – CD: LIVA 046, 2011

Literatur August Göllerich: Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffens-Bild. ca. 1922 – posthum herausgegeben von Max Auer von G. Bosse, Regensburg 1932. Anton Bruckner – Sämtliche Werke, Band XXII/1: Kantaten und Chorwerke I (1845–1855). Franz Burkhart, Rudolf H. Führer, Leopold Nowak (Hrsg.), Musikwissenschaftlicher Verlag der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Wien 1987 (verfügbar auf IMSLP: Neue Gesamtausgabe, XXII/1. Kantaten und Chorwerke Teil 1: Nr. 1-5). Uwe Harten: Anton Bruckner. Ein Handbuch. Residenz Verlag, Salzburg 1996, ISBN 3-7017-1030-9. Cornelis van Zwol: Anton Bruckner 1824–1896 – Leven en werken. Thoth, Bussum 2012, ISBN 978-90-6868-590-9. Crawford Howie: Anton Bruckner – A documentary biography. Online überarbeitete Ausgabe.

Weblinks

Festgesang C-Dur, WAB 15 Kritische Diskografie von Hans Roelofs Thomas Kerbls Aufnahme kann auf YouTube gehört werden: Kantate für Dechant Jodok Stulz, WAB 15

Einzelnachweise

Kategorie:Kantate von Anton Bruckner Kategorie:Musik 1855