Parsau ist eine Gemeinde im Osten des Landkreises Gifhorn in Niedersachsen.
Geographie Geographische Lage Parsau liegt zwischen den Naturparks Südheide und Drömling in der geschichtlichen Landschaft des Vorsfelder Werders, einem eiszeitlichen Geestrücken. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Brome an.
Gemeindegliederung Die Ortsteile der Gemeinde sind: Ahnebeck (136 Einwohner), unmittelbar nördlich von Parsau Croya (392 Einwohner), unmittelbar nordöstlich von Ahnebeck Kaiserwinkel (89 Einwohner), östlich von Parsau Parsau (1251 Einwohner) Stand 31. Dezember 2019Mitteilungsblatt der Samtgemeinde Brome vom 31. Januar 2020; Zählung der Samtgemeinde
mini|Forstgehöft Giebel Zum Ortsteil Parsau gehört der Wohnplatz Giebel, der als Enklave im gemeindefreien Gebiet Giebel liegt (sieben Einwohner).
Nachbargemeinden Die nachfolgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Parsau. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Westen genannt:
Tiddische Bergfeld Tülau Brome Klötze Oebisfelde-Weferlingen Giebel (gemeindefreies Gebiet) Rühen
Geschichte Parsau wurde urkundlich erstmals um 1505 als Barso, 1510 als Persauw, erwähnt. Der Name stammt vom Altslawischen prabû für Staub oder borû für Kiefer, also etwa „Ort beim Kiefernwald.“Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 492 Parsau war braunschweigisch; die Grenze zum Fürstentum Lüneburg lag zwischen Ahnebeck und Croya. Die ursprüngliche Dorfform war die eines wendischen Rundlings. 1561 wurde die erste Kirche im Bereich des Vorsfelder Werders in Parsau errichtet, 1567 die erste Schule.
1742 wurde das Amt Vorsfelde gegründet, dem auch Parsau angehörte. Eine anlässlich einer Landesvermessung 1757 erstellte Beschreibung erwähnt in Parsau unter anderem 28 Höfe, eine in Fachwerkbauweise erstellte Kirche mit einem kleinen Glockenturm und eine Schule. Ein Krug (Gaststätte), eine Mühle, eine Schmiede und eine Ziegelei waren damals in Parsau nicht vorhanden.
1807 erfolgte die Auflösung des Amtes Vorsfelde durch die französische Besatzungsmacht, danach gehörte Parsau bis 1813 zum Kanton Vorsfelde im Distrikt Helmstedt, im Departement der Oker des Königreiches Westphalen. Im 19. Jahrhundert kam Parsau in den neu gegründeten Landkreis Helmstedt. 1828 wurde die baufällige Kirche durch einen Neubau ersetzt, ihr Turm wurde 1910 hinzugefügt. von 1846 bis 1849 erfolgte in Parsau die Separation. Laut einem Siedlungsverzeichnis um 1850 bestanden zu dieser Zeit 31 Bauernhöfe. Das Niederungsgebiet Drömling beginnt unmittelbar östlich von Parsau. Daran hatte der Ort, wie die übrigen Anrainer-Dörfer, seit Jahrhunderten bis in die Neuzeit Holzanteile in dem Bruchwaldgebiet. 1851 wurde der Rundling nach Osten hin mit einer Straße durchstochen. 1866 wurde südwestlich von Parsau eine Ziegelei eröffnet. In der Gemarkung nördlich von Parsau standen einst zwei Windmühlen. Die 1876 erbaute Holländermühle wurde 1925 abgerissen. Die Bockwindmühle entstand 1843 und wurde 1926 abgebrochen. Die Windmühlen wurden von der Motormühle einer dörflichen Molkereigenossenschaft verdrängt.
1909 erfolgte in Parsau die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr und der Bau des Bahnhofs, 1919 wurde ein Kriegerdenkmal aufgestellt. 1935 wurde die Ziegelei wieder geschlossen, an ihrer Stelle befindet sich heute der Hof Polle. Am 11. April 1945 nahmen kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs amerikanische Truppen, aus Bergfeld kommend, Parsau ein. 1949 erfolgte in Parsau die Gründung einer Volksbücherei, 1955 wurde das Kalthaus erbaut und die Kalthausgenossenschaft gegründet. Die Gemeinde Parsau gehörte ab 1972 zur Samtgemeinde Rühen. Im selben Jahr kam sie vom Landkreis Helmstedt zum Landkreis Gifhorn. Am 1. März 1974 wurde die Samtgemeinde Rühen aufgelöst. Am 15. März 1974 wurde die Gemeinde Parsau Teil der Samtgemeinde Brome.Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 521. 1974 wurde auch ein 1655 erbautes Fachwerkhaus nach Braunschweig-Riddagshausen umgesetzt, wo es heute an der Straße Zwischen den Bächen steht.
Eingemeindungen
Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Ahnebeck, Croya und Kaiserwinkel eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahl von Parsau ohne Ahnebeck und Croya: Jahr 1774 1793 1821 1849 1858 1871 1885 1905 1910 1925 1928 1939 1948 1950 1956 1961 1971 1985 2017 Einwohner 211 225 265 322 330 411 521 551 577 599 601 566 1010 970 890 852 844 1000 1222
1928 lebten im Ort Parsau 601 Menschen. Bis 1939 war die Zahl auf 566 gesunken. 1948 war sie infolge der Flüchtlingsströme auf 1010 gestiegen, um dann bis 1971 auf 844 zu sinken. 1985 lebten 1000 Menschen in Parsau.Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 519. Seitdem ist die Zahl durch Ausweisung neuer Siedlungsgebiete weiter gestiegen.
Politik
Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Parsau setzt sich aus elf Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.
Die letzten Kommunalwahlen ergaben die folgenden Sitzverteilungen: Wahljahr CDU SPD Gesamt20216511 Sitze 2016Wahlergebnis 2016, abgerufen am 12. September 2016 6 5 11 Sitze
Als einzige Partei verfügt die CDU über einen Ortsverband in Parsau.
Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister und auch Gemeindedirektor Hans-Joachim Keil (CDU) war von 1972 bis 1996 tätig. Danach folgte als Bürgermeister Helmut Werthmann (CDU) bis 2011. Joachim Zeidler (CDU) wurde am 24. November 2011 gewählt. Im September 2015 übernahm Kerstin Keil (CDU) nach Zeidlers Rücktritt das Amt.
Wappen Das Wappen ist gespalten in Grün und Silber. Rechts ein silbernen Reiher links blickend. Links ein grünes Schwarzerlenreis mit aufrechtstehendem Blatt und drei hängenden Samenzapfen.
Gemeindepartnerschaften Parsau ist seit 1978 mit Landesbergen, einer Gemeinde im Landkreis Nienburg/Weser, durch eine Gemeindepartnerschaft verbunden.Kirmes Landesbergen: 25 Jahre Partnerschaft Parsau im Mittelpunkt. Samtgemeinde Mittelweser, 21. Oktober 2003, abgerufen am 13. Mai 2018. Initiator dieser Partnerschaft war Willi Heineking, CDU-Politiker in Landesbergen. Eine zweite Partnerschaft besteht seit 1992 mit Nowa Karczma (deutsch Neukrug) in Polen, einem in der Nähe von Danzig gelegenen Dorf.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kirchen mini|Kreuzkirche mini|St.-Raphael-Kirche In Parsau gibt es drei Kirchengemeinden mit den folgenden Kirchen: Christuskirche mini|hochkant|links|Christuskirche Die evangelisch-lutherische Christuskirche an der Hauptstraße wurde 1828/29 erbaut und 1910 um einen Turm erweitert. Ihre Kirchengemeinde umfasst neben Parsau auch Ahnebeck und Bergfeld, sie bildet seit dem 1. Juli 2012 mit den evangelisch-lutherischen Gemeinden Rühen und Brechtorf-Eischott einen Pfarrgemeindeverband. Die Christuskirche ist die nördlichste Kirche der Propstei Vorsfelde, und gehört damit zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Ihr schlicht gehaltener Innenraum wird von einer Flachdecke abgeschlossen und bietet rund 180 Sitzplätze. 1561 wurde die erste Kirche in Parsau erbaut, um den Einwohnern von Parsau den weiten Weg in die St.-Petrus-Kirche in Vorsfelde zu ersparen. Die Gottesdienste in der Parsauer Kirche wurde jedoch zunächst von Vorsfelder Geistlichen gehalten. 1828 wurde die inzwischen baufällig gewordene Fachwerkkirche abgerissen und 1829 durch das heutige Kirchengebäude aus Velpker Sandstein ersetzt. 1896 folgte der Bau des Pfarrhauses, aber erst von 1907 an wohnt ein Pastor in Parsau. Der Turm, der auf der Ostseite steht und ebenfalls aus Velpker Sandstein erbaut ist, wurde der Kirche erst 1910 hinzugefügt. Nachdem im Ersten Weltkrieg 1917 eine der beiden Glocken abgegeben werden musste, wurden 1925 die zweite, verbliebene Glocke entfernt und zwei Stahlglocken angeschafft. 1977/78 erfolgte eine umfangreiche Renovierung und Umgestaltung der Kirche, unter anderem wurde der Eingang von der Westseite auf die Ostseite verlegt, eine Orgelempore eingebaut und neues Kirchengestühl angeschafft. Am 3. Dezember 1978 wurde die Kirche wieder eingeweiht, 1979 wurde noch eine neue Orgel aufgestellt. Zur Kirchengemeinde gehört auch der Parsauer Friedhof.
Kreuzkirche Eine weitere Kirche ist die baptistische Kreuzkirche in der Hehlertstraße 1 aus dem Jahre 1900. 1889 wurde die Gemeinde gegründetGemeindebrief der ev. freikirchlichen Gemeinden Brome & Parsau, Ausgabe September-Oktober 2014. und bereits ein Gemeindehaus erbaut. 1905 waren von 551 Einwohnern Parsaus 80 Baptisten. In jüngerer Zeit wurde die Kirche durch einen Anbau erweitert. St.-Raphael-Kirche
Die katholische St.-Raphael-Kirche wurde 1962/63 als Filialkirche der Pfarrgemeinde St. Michael in Vorsfelde errichtet, zu der sie auch heute noch gehört. Ihre Kirchengemeinde bildete sich, als sich ab 1945/46 katholische Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches im seit der Reformation evangelisch geprägten Parsau und den umliegenden Dörfern niederließen. Die nach dem Erzengel Raphael benannte Kirche befindet sich an der Bahnhofstraße und gehört zum Bistum Hildesheim.
Grünflächen und Naherholung mini|Grillplatz Ein etwas außerhalb des Dorfes gelegener Grillplatz, das große, südlich von Parsau befindliche Waldgebiet, die nahegelegenen Landschaftsschutzgebiete Drömling und Kaiserwinkel sowie die Naturschutzgebiete Kaiserwinkel und Giebelmoor bieten Naherholungsmöglichkeiten in der Natur.
Sport Parsau verfügt über zwei Sportplätze, ein Fitnessstudio, eine Tennisanlage, ein 1970 erbautes Sportheim und eine Schließanlage. Der Sportverein SG Parsau/Ahnebeck von 1902 ist in Parsau aktiv. Fußball wird auch im 1910 gegründeten Verein FC Germania Parsau gespielt, Jugendfußball in der Jugendspielgemeinschaft Kleine Aller Drömling. Der Tennisverein Parsau e. V. wurde 1989 gegründet, sein westlich der Bahnstrecke gelegenes Vereinsgelände bietet zwei Tennisplätze und das 1991 erbaute Vereinsheim.Tennisverein Parsau., abgerufen am 19. Mai 2018. Im 1986 entstandenen Skatclub Drömling Buben Parsau wird Skat gespielt.
Theater und Musik Der Männergesangverein Parsau-Ahnebeck geht auf das Jahr 1878 zurück, die heutige Theatergruppe Parsau entstand 1987.
Regelmäßige Veranstaltungen Das jährliche Schützenfest findet am Pfingstwochenende statt, es wird von der 1892 gegründeten Schützengesellschaft Parsau-Ahnebeck e. V. veranstaltet.Nach Eklat: Schützen suchen neuen Vorstand. Internetpräsenz der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung vom 21. Februar 2013, abgerufen am 19. Mai 2018. Das Osterfeuer wird am Karsamstag entzündet. Weitere Veranstaltungen organisiert die auf das Jahr 1951 zurückgehende Junge Gesellschaft Parsau/Ahnebeck.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Ein Kiosk mit einem Hermes-Paketshop und eine Fleischerei sind heute die einzigen Einkaufsmöglichkeiten für Waren des täglichen Bedarfs in Parsau, nachdem die Lebensmittelgeschäfte und die Bäckereien geschlossen wurden. Auch ein Friseursalon, eine Tankstelle und eine Zimmervermietung sind in Parsau vorhanden. Geschlossen wurden die Gaststätten Zur Post, Dreyer und Zum Bahnhofs-Krug, nur im Bürgerzentrum ist heute mit der Gaststätte Unter den Eichen noch Gastronomie zu finden.