mini|hochkant|Ludwig Bamberger, um 1948 170px|zentriert|rahmenlos Ludwig Bamberger (geboren am 5. September 1893 in Lichtenfels, Oberfranken, Königreich Bayern; gestorben am 16. September 1964 in Charleston, South Carolina, Vereinigte Staaten) war ein deutsch-britischer Kaufmann, ein Firmengründer, Kunstsammler expressionistischer Werke und Sammler bibliophiler Werke.
Familie mini|hochkant|Ludwig Bambergers Eltern: Sarah „Serry“ Bamberger, geborene Ullmann (1862–1925), und ihr Ehemann Philipp Bamberger (1858–1919), um 1916 mini|hochkant|Thea Bamberger, geborene Spier, um 1948 Seine Familie stammte aus dem oberfränkischen Mitwitz,Ramona Popp: Geschichtsträchtiges Haus wird Hort, 29. März 2019, auf: infranken.de [Der Artikel erwähnt die Profiteure und Nachnutzer des Anwesens ab 1939 nicht (Striwa-Mitinhaber Conrad Wagner mit Ehefrau Grete und Sohn Siegfried), enthält trotz zugrunde liegender Zuarbeit des Stadtarchivs Lichtenfels sachliche Ungenauigkeiten und Unschärfen sowie hinsichtlich des Verbleibs der Kunstsammlung Otto Bambergers eine gravierende Falschaussage.]Dr. Herbert Loebl OBE: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989. Darin nicht enthalten: Chapter IV The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, S. 55.Dr. Siegfried Rudolph: Ein Mitwitzer Kunstsammler. In: Mitteilungsblatt – Amtsblatt für die Verwaltungsgemeinschaft Mitwitz, Nr. 25 (1992), 19. Juni 1992. war jüdischer Abstammung, jedoch nicht religiös.
Ludwig Bamberger war der jüngste von vier Söhnen des Kaufmanns Philipp Bamberger (1858–1919) und dessen aus Feuchtwangen stammender Ehefrau Sarah „Serry“, geborene Ullmann (1862–1925).Philipp Bamberger wurde am 11. März 1858 in Mitwitz geboren und ist am 21. September 1919 in Lichtenfels verstorben, wo er auch beigesetzt wurde. Seine Ehefrau Sarah „Serry“ Ullmann wurde am 17. Mai 1862 in Feuchtwangen geboren und ist am 9. Februar 1925 durch Suizid aus dem Leben geschieden. – Zitiert nach: Stammbaum der Familie Anton Bamberger, undatiert [ca. 1933]. In: Gerald F. Bamberger: The Story of My Life – A Memoir, Juli 2010. Er hatte drei ältere Brüder, Otto Bamberger (1885–1933), Anton Bamberger (1886–1950) und Hugo Bamberger (1887–1949).Bamberger, Hugo. In: Deutsche Nationalbibliothek, auf: d-nb.infoHugo Bamberger: Über Additions-, Substitutions- und Halochromieerscheinungen in der organischen Chemie, auf: hathitrust.org
Ludwig wuchs wie seine Brüder in der Bamberger Straße 45 in Lichtenfels auf, wo seine Eltern zusammen mit seinem Onkel Fritz (1862–1942) und dessen Ehefrau Emilie „Milli“ Ida,Fritz Bamberger. In: Yad Vashem – The World Holocaust Remembrance Center, auf: yadvashem.orgBamberger, Fritz. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, auf: bundesarchiv.deFritz Bamberger. In: United States Holocaust Memorial Museum, auf: ushmm.org geborene Kaumheimer (1870–1942),David B. Marblestone: The Descendants of Salomon Bamberger and Esther Kann, S. 6–9, auf: t-online.deEmilie Ida Bamberger. In: Yad Vashem – The World Holocaust Remembrance Center, auf: yadvashem.orgBamberger, Emilie Ida. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, auf: bundesarchiv.deEmilie Bamberger. In: United States Holocaust Memorial Museum, auf: ushmm.org ein Wohngebäude besaßen, das über einen größeren Garten verfügte und direkt an das Areal des Familienunternehmens D. Bamberger (DBL) angrenzte.Die Firmierung D. Bamberger steht für den Namen des Firmengründers David Bamberger (geboren am 24. Dezember 1811 in Mitwitz, Oberfranken; gestorben am 23. Juni 1890 in Lichtenfels, Oberfranken). Die Abkürzung DBL (initial als Produkt-Schutzmarke: Biene im Lorbeerkranz mit dem Kürzel DBL) steht für D. Bamberger Lichtenfels, wurde von dem Unternehmen als Markenzeichen auf Messen in Frankfurt am Main und Leipzig genutzt und beispielsweise auf erhaltenen Produktkatalogen (siehe Deutsches Korbmuseum in Michelau) abgedruckt. Das international tätige Unternehmen wurde aufgrund deren jüdischer Besitzer durch die Nationalsozialisten „arisiert“ und am 6. April 1939 aus dem Handelsregister getilgt. Das Unternehmen ging unter den Bedingungen der „Arisierung“ an einen ehemaligen leitenden Angestellten der Bambergers, der als „arisch“ klassifiziert war und firmierte künftig unter dessen Namen als Knorr, Friedrich & Co. mit denselben Geschäftsfeldern weiter. Es firmierte nach Fusion mit Prandell creative hobbies GmbH unter Knorr Prandell. Dadurch war er von Kindheit an mit dem Gewerbe vertraut.
Nachdem sein Vater Philipp 61-jährig an einem Schlaganfall verstorben war, nahm sich seine Mutter 62-jährig das Leben. Dies wurde weitgehend geheim gehalten, auch gegenüber deren Enkeln und sonstigen Verwandten. In der Folge übernahm sein ältester Bruder Otto zusammen mit deren Cousin Alfred David (1890–1956) den Familienbetrieb,Alfred Bamberger wurde 1890 im oberfränkischen Lichtenfels geboren. Er nahm als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil und wurde 1917 dekoriert. Ab 1920 lebte er in Coburgs Bahnhofstraße 28. Im Familienunternehmen D. Bamberger (DBL) war er u. a. für die von Pferden gezogenen Fuhrwerke verantwortlich, die voluminöse Waren meist hochbepackt transportierten. Er heiratete Regina „Regi“ Schwarzhaupt (gestorben am 22. März 1955 in Newark, New Jersey), eine Tochter des Joseph Schwarzhaupt (geboren am 30. November 1869 in Regensburg; gestorben am 30. Oktober 1940 in Nottinghamshire, England) und dessen Ehefrau Emma Mayer (geboren am 10. Januar 1878 in Frankfurt am Main; gestorben am 5. Dezember 1955 in New York City). Joseph Schwarzhaupt war neben seinen Brüdern Mitinhaber einer in Franken und Bayern bestehenden Kette von Einzelhandelsgeschäften, die beispielsweise in Nürnberg, Regensburg und München renommierte Bekleidungshäuser unter dem Namen Modewarenhaus Emanuel Schwarzhaupt betrieb. Alfreds 1886 ausgewanderter Onkel Gustav „Gus“ Bamberger besorgte ihm und 14 weiteren seiner deutschen Neffen und Großneffen ein Affidavit, durch das Alfred 1939 in die Vereinigten Staaten emigrieren konnte. Dort lebte er mit seiner Ehefrau in Irvington, New Jersey. Er gründete ein erfolgreich operierendes Unternehmen, die Atlantic Cotton Felt Corporation. Alfred Bamberger verstarb am 19. März 1956 in Newark, New Jersey. Das Ehepaar wurde in Clifton, New Jersey, beigesetzt. – Zitiert nach: Dr. Herbert Loebl OBE: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989. . Darin nicht enthalten: Chapter IV – The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, S. 66. in dem auch Ludwig nach dem Ersten Weltkrieg mehr und mehr Aufgaben übernahm.Im Handelsregister wurde heute eingetragen bei der Firma D. Bamberger, offene Handelsgesellschaft, Sitz Lichtenfels: Philipp Bamberger [verstorben] ist als Gesellschafter ausgeschieden. Weiterer vertretungsberechtigter Gesellschafter ab 15. Dezember 1919 Bamberger Ludwig, Kaufmann in Lichtenfels. Bamberg, den 2. Januar 1920. Amtsgericht. [Namensstempel:] Guth [Stempel:] Portopflichtige Dienstsache. An Herrn Ludwig Bamberger in Lichtenfels.
Ludwig Bamberger heiratete im Jahr 1922 Thea Spier (geboren am 10. November 1898 in Frankfurt am Main; gestorben am 11. August 1990 in Charleston, South Carolina), eine Tochter des Frankfurter Schuhhändlers Simon Spier (1859–1929) und dessen Ehefrau Berta,Simon Spier wurde am 31. Dezember 1859 im nordhessischen Schrecksbach als achtes von neun Kindern des Nathan Spier (1816–1897) und der Frika, geborene Zilberberg (1824–1863), geboren. Er heiratete am 9. Dezember 1891 im Hotel Zum weißen Roß, Vorstadt 40/42, in Bingen am Rhein die am 27. Februar 1868 im saarländischen Hilbringen (heute Stadtteil von Merzig) als eines von zehn Kindern des Chaim Kaufmann (1831–1899) und dessen Ehefrau Johanna Brunette (1841–1928), geborene Lazar, geborene Berta Kaufmann. Simon Spier verstarb am 23. Januar 1929 in Frankfurt am Main, seine während der Zeit des Nationalsozialismus emigrierte Witwe im Jahr 1946 im Moschaw (hebräisch מוֹשָׁב) Ramot Ha'Shavim (hebräisch רָמוֹת הַשָּׁבִים) im britischen Mandatsgebiet Palästina. geborene Kaufmann (1868–1946) – siehe auch: Kurzbiographie des Selmar Spier.Christa Fischer: Deep in my heart, was I really ready to visit Germany?. In: Projekt Jüdisches Leben Frankfurt am Main, auf: juedisches-leben-frankfurt.de