Der Giro d’Italia 2023 war die 106. Austragung der italienischen Grand Tour. Das Straßenradrennen startete am 6. Mai 2023 in Fossacesia Marina und ging am 28. Mai 2023 in Rom zu Ende. Die Rundfahrt führte über 21. Etappen und beinhaltete zwei Ruhetage.

Die Gesamtwertung gewann Primož Roglič (Jumbo-Visma), der die Maglia Rosa durch seinen Sieg im Bergzeitfahren der 20. Etappe übernahm.

Gesamtzweiter wurde Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) mit einem Rückstand von 14 Sekunden.

Gesamtdritter wurde João Almeida (UAE Team Emirates) mit einem Rückstand von 1:15 Minuten. Almeida, der damit die Nachwuchswertung gewann, wurde auch Sieger der Bergankunft der 16. Etappe.

Gesamtvierter wurde Damiano Caruso (Bahrain Victorious) mit einem Rückstand von 4:40 Minuten. Sein Team gewann die Mannschaftswertung.

Gesamtfünfter wurde Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) mit einem Rückstand von 5:43 Minuten. Er gewann die Bergwertung.

Gewinner der Punktewertung wurde Jonathan Milan (Bahrein Victorius), der auch die 2. Etappe im Massensprint gewann.

Zwei Fahrer konnten zwei Etappen gewinnen: Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step) gewann die Einzelzeitfahren der 1. und 9. Etappe, musste das Rennen allerdings anschließend als Gesamtführender nach einer COVID-19-Infektion aufgeben. Nico Denz (Bora-hansgrohe) gewann aus Ausreißergruppen heraus die 12. und 14. Etappe.

Die Sonderpreise verteilten sich wie folgt: Die Zwischensprintwertung gewann Toms Skujiņš (Trek-Segafredo). Die Ausreißerwertung gewann Thomas Champion (Cofidis). Der Fair-Play-Preis ging an Groupama-FDJ und Soudal Quick-Step.

Derek Gee (Israel-Premier Tech), der aus Ausreißergruppen heraus viermal Etappenzweiter wurde (8., 10., 14. und 19. Etappe), Zweiter der Punktewertung, Bergwertung und Zwischensprintwertung wurde, wurde als kämpferischster Fahrer geehrt.

Teilnehmende Mannschaften und Fahrer

Nach dem Reglement der Union Cycliste Internationale waren die 18 UCI WorldTeams zum Start berechtigt und verpflichtet. Zudem qualifizierten sich automatisch die zwei in der UCI-Weltrangliste des Vorjahres bestplatzierten UCI ProTeams Lotto Dstny und TotalEnergies, die jedoch auf ihr Startrecht verzichteten, wodurch der Veranstalter vier Wildcards vergeben konnte. Diese erhielten Eolo-Kometa, Green Project-Bardiani CSF-Faizanè, Israel-Premier Tech und das Team Corratec. Für jedes Team waren acht Fahrer startberechtigt.

Gesamtklassement

Als Favoriten auf den Gesamtsieg galten in erster Linie der Weltmeister Remco Evenepoel (Soudal-Quick Step) und Primož Roglič (Jumbo-Visma). Während Remco Evenepoel die UAE Tour und Lüttich–Bastogne–Lüttich für sich entschied, setzte sich Primož Roglič bei Tirreno–Adriatico und der Katalonien-Rundfahrt durch, die er mit einem kleinen Vorsprung vor dem Belgier gewann.

Zum erweiterten Favoritenkreis zählten João Almeida (UAE Team Emirates), der die Katalonien-Rundfahrt auf dem dritten Platz beendete und sein Teamkollege Jay Vine, der zu Beginn der Saison die Tour Down Under gewann. Die Ineos Grenadiers sandten mit Geraint Thomas, Tao Geoghegan Hart, Thymen Arensman und Pavel Sivakov gleich vier Rundfahrt-Spezialisten an den Start, wobei Tao Geoghegan Hart, der Giro-d’Italia-Sieger des Jahres 2020, zuletzt mit dem Gesamtsieg bei der Tour of the Alps aufzeigte. In Abwesenheit des Vorjahressiegers Jai Hindley führte Alexander Wlassow die Bora-hansgrohe-Mannschaft an. Trotz solider Leistungen blieb der Russe bislang jedoch hinter seinen Erwartungen zurück und teilte sich die Kapitänsrolle mit Lennard Kämna. Mit Damiano Caruso und Jack Haig wollte auch für das Bahrain Victorious Team mit zwei Kapitänen an den Start gehen. Weitere bekannte Rundfahrten-Spezialisten, die die 106. Austragung des Giro d’Italia in Angriff nahmen werden sind: Hugh Carthy, Rigoberto Urán (beide EF Education-EasyPost), Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) und Domenico Pozzovivo (Israel-Premier Tech).

Punkte- und Bergwertung

Bei den Sprintern galten in erster Linie Mark Cavendish (Astana Qazaqstan), Fernando Gaviria (Movistar), Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck), Mads Pedersen (Trek-Segafredo), Michael Matthews (Jayco AlUla), Davide Ballerini (Soudal-Quick Step) und Pascal Ackermann (UAE Team Emirates) als mögliche Etappensieger. Hinzu kamen mit Jonathan Milan (Bahrain Victorious), Andrea Vendrame (AG2R Citroën), Alberto Dainese (DSM), Simone Consonni (Cofidis), Magnus Cort Nielsen (EF Education-EasyPost), David Dekker (Arkéa-Samsic) und Niccolò Bonifazio (Intermarché-Circus-Wanty) weitere endschnelle Fahrer. Eine zentrale Rolle im Kampf um die Punktewertung spielte die anspruchsvolle dritte Woche, als sich entschied, welche Sprinter das Ziel der Rundfahrt Rom erreichten.

Die dritte Woche entschied auch über den Ausgang der Bergwertung, da hier der Großteil der Punkte vergeben wurde. Neben den einheimischen Fahrern waren es meist Rundfahrt-Spezialisten mit großen Zeitrückständen, die diese Sonderwertung prägten. Mit Warren Barguil (Arkéa-Samsic), Lorenzo Fortunato (Eolo-Kometa), Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) Einer Rubio (Movistar), Joseph Dombrowski (Astana Qazaqstan) und Filippo Zana (Jayco AlUla) standdn erneut bekannte Berg-Spezialisten am Start der Rundfahrt.

Zeitfahren

Insgesamt gab es drei Zeitfahren mit einer Gesamtlänge von 72 km. Der Giro enthielt somit die meisten Einzelzeitfahrkilometer bei einer Grand Tour seit 10 Jahren. Mit Filippo Ganna (Ineos Grenadiers), Stefan Küng (Groupama-FDJ) und Rohan Dennis (Jumbo-Visma) starteten neben Remco Evenepoel und Primož Roglič zahlreiche weitere Zeitfahr-Spezialisten, die sich das erste Rosa Trikot nach dem Auftaktzeitfahren sichern konnten. Im Bergzeitfahren der vorletzten Etappe zählten jedoch die Berg-Spezialisten zu den Favoriten.

Strecke mini|Rom als Zielort des Giro d’Italia 2023 Insgesamt mussten auf den 21 Etappen 3.348,8 Kilometer und 51.500 Höhenmeter zurückgelegt werden, was einem Tagesschnitt von 166,1 Kilometern entsprach. 2023 führte der Giro d’Italia neben Italien auch durch die Schweiz. Auf dem Programm standen: fünf flache, neun hüglige und sieben Bergetappen, von denen sechs mit einer Bergankunft enden. Zudem werden drei Etappen als Einzelzeitfahren ausgetragen, die insgesamt 73,2 Kilometer der Gesamtdistanz ausmachten. Des Weiteren wurde eines der Zeitfahren als Bergzeitfahren ausgetragen, was im Rahmen des Giro d’Italia zuletzt im Jahr 2016 der Fall war. Im Vergleich zum Vorjahr wurden nicht nur deutlich mehr Zeitfahrkilometer absolviert, sondern auch die Anzahl der Anstiege, die über 2000 Meter führen, stieg auf sieben an. Der höchste Punkt der Rundfahrt (Cima Coppi) war der Grosse St. Bernhard mit einer Höhe von 2469 Metern Seehöhe.

Grande Partenza in den Abruzzen Im Jahr 2023 wurde der Giro d’Italia in Italien gestartet. Der Auftakt erfolgte in den Abruzzen, die nach 2001 zum zweiten Mal den Start der Rundfahrt austrugen. Als Startort diente Fossacesia Marina, ehe es über ein 19,6 Kilometer langes Einzelzeitfahren entlang der Costa dei Trabocchi nach Ortona ging. Die Strecke verlief großteils auf flachen Straßen, ehe der letzte Kilometer leicht ansteigend in das Zentrum des Zielortes führte. Die zweite Etappe startete im Landesinneren und führte von Teramo über 201 Kilometer ins südliche San Salvo. Auch der zweite Abschnitt war, abgesehen von kürzeren Anstiegen in der ersten Rennhälfte, flach. Nach der zweiten Etappe verließ der Giro d'Italia die Abruzzen, kehrte jedoch auf der siebten Etappe mit der ersten großen Bergankunft der 106. Austragung zurück.

Erste Woche: Apennin und Einzelzeitfahren mini|Die italienische Großstadt Neapel, mit Blick auf dem Hafen und den Vesuv Auf der dritten Etappe führte die Italien-Rundfahrt auf dem Weg nach Melfi weiter in Richtung Süden. Im Anschluss ging es von Venosa zur ersten kleinen Bergankunft beim Lago Laceno. Rund vier Kilometer vor dem Ziel wurde mit dem Colle Molella (1087 m), ein knapp zehn Kilometer langer Anstieg überquert, der im mittleren Teil eine durchschnittliche Steigung von rund 10 % aufwies. Der fünfte Tagesabschnitt führte die Fahrer nach Salerno am Tyrrhenischen Meer. Die sechste Etappe startete und endete in Neapel und führt um den Vesuv und entlang der Amalfiküste. Nach den zwei flacheren Etappen stand am folgenden Tag die erste große Bergankunft auf dem Programm. Diese startete in Capua und führte Richtung Norden über 218 Kilometer auf den Gran Sasso, wo sie beim Campo Imperatore auf einer Höhe von 2135 Metern Seehöhe endete. Der Schlussanstieg war zwar 26,5 Kilometer lang, wies jedoch im unteren und speziell im mittleren Teil nur geringe Steigungsprozente auf. Die Durchschnittsteigung der letzten vier Kilometer lag jedoch bei über acht Prozent mit Passagen von bis zu 13 %. Die achte Etappe startete in Terni und endete in Fossombrone. Im Finale der Etappe wurde ein Rundkurs befahren, auf dem kurze, aber steile Anstieg absolviert wurden. Die letzte Etappe der ersten Woche wurde im Rahmen eines 35 Kilometer langen Einzelzeitfahrens ausgetragen, dass in der Emilia-Romagna auf flachen Straßen von Savignano sul Rubicone nach Cesena führte.

Zweite Woche: Alpen mit Abstecher in die Schweiz mini|Grosser St. Bernhard Nach dem ersten Ruhetag wurde die Rundfahrt am 16. Mai fortgesetzt und führte von Scandiano nach Viareggio. Tags drauf ging es von Camaiore kurzzeitig entlang der Küste, ehe das Piemont erreicht wurde, wo sich das Ziel in Tortona befand. Auf der 12. Etappe wurde auf dem Weg von Bra nach Rivoli mit dem Colle Braida (1007 m) der erste Anstieg in den Alpen absolviert. Die Passhöhe wurde jedoch bereits 30 Kilometer vor dem Ziel passiert. Auf der 13. Etappe stand die erste schwere Alpen-Etappe auf dem Programm. Nach dem Start in Borgofranco d’Ivrea hätte mit dem Grosser St. Bernhard auf einer Höhe von 2469 Metern das Dach der Rundfahrt (Cima Coppi) passiert werden sollen. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen wurde der Pass jedoch aus dem Programm genommen und die 74,6 Kilometer lange Etappe am Fuße des Croix de Coeur (2174 m) gestartet, ehe die Auffahrt zum Zielort Crans-Montana (1456 m) erfolgte. Die Schlusssteigung über Lens wies auf einer Länge von 13,1 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 7,2 % auf. Auf der nachfolgenden Etappe verließen die Fahrer die Schweiz wieder und passierten auf dem Weg von Siders nach Cassano Magnago den Simplonpass (2004 m), dessen Passhöhe jedoch bereits 140 Kilometer vor dem Ziel erreicht wurde. Die 15. Etappe erinnerte in ihrer Streckenführung an die Lombardei-Rundfahrt und beinhaltete die Anstiege des Valico di Valcava (1336 m), Selvino (946 m) und Valpiana (989 m). Der letzte große Anstieg wurde rund 30 Kilometer vor dem Ziel überquert, ehe es im Finale von Bergamo über den Colle Aperto (368 m) ging.

Dritte Woche: Entscheidung in den Dolomiten mini|Drei Zinnen