mini|hochkant=1.5|Nordfront der Kirche Die Herz-Jesu-Kirche () ist eine römisch-katholische Kirche in der oberschlesischen Stadt Opole (ehemals Oppeln). Das Kirchengebäude entstand in den 1930er Jahren und dient als Hauptkirche der gleichnamigen Pfarrei. Betreut wird die Kirchengemeinde vom Orden der Jesuiten; kirchenmäßig gehört sie zur Diözese Gliwice (Gleiwitz).
Lage Das Gotteshaus steht nordöstlich des historischen Stadtkerns auf der Westseite der ehemaligen Jana-Matejki-Straße. Die aktuelle offizielle Anschrift für den gesamten Gebäudekomplex – also sowohl für das Kirchengebäude als auch für das direkt angebaute Jesuiten-Pfarrhaus – lautet ul. Ojca Józefa Czaplaka 1, 46-020 Opole. Das gesamte Kirchenareal befindet sich auf einer topografischen Höhe von rund 165 Metern über dem Meeresspiegel.
Geschichte Vorgeschichte Die Jesuiten waren im Januar 1668 aus Neisse (Nysa) nach Oppeln gekommen, um hier das Schulwesen zu modernisieren. Zunächst predigten sie in der St.-Alexis-Kapelle an der Hospitalstraße (ulica Szpitalna). Dann erhielten sie 1669 von Kaiser Leopold I. die Ruinen des Oberen Schlosses geschenkt, in denen sie eine erste provisorische Holzkirche in Fachwerkbauweise errichteten und sie der Heiligen Dreifaltigkeit weihten. – Als 1773 infolge der politischen Machtkämpfe der Bourbonen auf europäischer Ebene die Auflösung des Jesuitenordens von Papst Clemens XIV. angeordnet wurde, erhielt die Schule einen anderen Träger und einen anderen Namen und die Jesuitenbrüder mussten wegziehen. So verfiel auch das jesuitische Kirchengebäude und schließlich ließ die Stadtverwaltung die Reste im Jahr 1828 abreißen. Von dem ehemaligen Komplex des Jesuitenkollegs ist heute (Stand 2026) nur das Gebäude des ehemaligen Kollegs erhalten geblieben, in dem sich das Museum von Oppeln (Kleiner Markt Nr. 7) eingerichtet hat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts durfte sich der Jesuitenorden wieder neu gründen und so kehrten Ordensbrüder nach Oppeln zurück und es entstand der Wunsch nach einem neuen eigenen Sakralbau. Der Orden erwarb eine Baufläche und weihte diese am 12. Juli 1924 für den heutigen Kirchenbau. Bereits im gleichen Jahr konnten die Jesuiten eine kleine Notkapelle fertigstellen, die am 2. Januar 1925 konsekriert wurde. Parallel dazu erarbeitete Architekt Gropper die Pläne für eine steinerne Pfarrkirche auf dem Bauplatz.
Das heutige Gotteshaus wird gebaut mini|Aufnahme aus den 1940er Jahren
Die Grundsteinlegung für den Kirchenbau erfolgte im April 1930. Dank des schnellen Baufortschritts war der Rohbau bereits am 10. August 1930 fertiggestellt, Anfang Oktober 1930 wurden die Glocken im Kirchturm aufgehängt.
Die Oppelner Zeitung vom 7. Oktober 1930 druckte dazu folgende Nachricht:
Die feierliche Kirchweihe vollzog Weihbischof Valentin Wojciech (bp Walenty Wojciech) am 19. Oktober 1930, bei welcher die Gemeinde dem Heiligen Herzen Jesu gewidmet wurde. Die Gesamtbaukosten für den Kirchenbau betrugen 60.000 Mark (umgerechnet in heutige Währung 270.000 Euro (ohne Lohnkosten)).
Erweiterungen Anfang der 1940er Jahre wurde die Kirche um drei Joche verlängert. – Für die Aktion Metallspende des deutschen Volkes im Zweiten Weltkrieg zwecks Herstellung von Rüstungsgütern wurden 1943 drei der vier Glocken abgeliefert und eingeschmolzen. Das Gotteshaus selbst erlitt in den letzten Jahren des Krieges keine baulichen Beschädigungen.
Nach dem Ende des Krieges (1945) übernahmen polnische Jesuiten unter Pater Jan Szuba die Kirche und die von Gropper konzipierte Struktur konnte schrittweise umgesetzt werden:
Der Innenraum wurde in den darauffolgenden Jahren für die wachsende Pfarrei erweitert. Insbesondere konnte die Kirche durch den Umbau von zwei angrenzenden Wohnräumen erheblich vergrößert, die Tragfähigkeit des Gebäudes verstärkt und die Front des Altarraums umgestaltet werden. Die künstlerische Ausgestaltung übernahm der Lemberger Künstler Mieczysław Różycki.
Seit 1949 Am 19. Dezember 1949 wurde die Kuratie schließlich offiziell durch Kardinal Bolesław Kominek zur selbstständigen Pfarrei Herz Jesu erhoben.
Mitte der 1970er Jahre wurden auf Bais weiterer Pläne zur Vergrößerung der Kirche folgende Arbeiten durchgeführt: die drei Joche in Richtung Norden wurden im modernen Stil umgebaut. Und am 18. März 1979 konnte die Gemeinde drei neue Glocken einweihen.
Eine der jüngsten baulichen Ergänzungen ist die neue Kapelle des Allerheiligsten Sakraments, die am Fronleichnamsfest 2019 geweiht wurde. In ihrem Zentrum steht eine Monstranz. Auf einer Seite blieben die bisherigen Glasmalereien erhalten, auf der anderen Seite wurden neue Polychromien angelegt, die Szenen aus dem Evangelium darstellen (die Taufe Jesu, die Offenbarung bei der Hochzeit zu Kanaa in Galiläa, der Gute Hirte, das lebendige Wasser und die Fußwaschung der Apostel). Der Entwurf stammt vom Jesuiten-Pater Przemysław Wysogląd.
Im Jahr 2024 konnte die Jesuitengemeinde mit einer Renovierung der Kirche beginnen, zur Unterstützung findet eine Spendensammlung statt.Hauptseite mit Fotos (poln.), abgerufen am 16. September 2026.
Architektur Außen Die Kirche ist ein dreischiffiger Bau auf einem rechteckigen Grundriss im neobarocken Baustil, Länge des Kirchenschiffes etwa 35 m, Breite etwa 15 m; die Chorgrundfläche hat die Maße 8,5 × 7,5 m.Breiten und Längen grob mit dem Tool bei Google Earth abgemessen. Der Chor orientiert sich in Nord-Süd-Richtung, ist also nicht wie üblich geostet. Der ursprünglich erste Teil des Gebäudes, der Südteil, entstand aus Sandstein, während der Neubau aus den 1970er Jahren aus Backsteinen aufgemauert wurde. Das gesamte Gebäude oberhalb des Bossenwerks wurde danach einheitlich verputzt.
Ein eingeschossiger Vorbau an der Ostseite bildet den Haupteingang zur Kirche, dessen Öffnung oben von einem Korbbogen überspannt wird. Diese und die Eingangstüren in das Kirchenhauptschiff sind zweiflügelig, mit Paneelen versehen und mit Holzschnitzereien verziert. – Das Kirchenschiff gliedert sich in ein Hauptschiff und zwei Seitenschiffe.
Im Dachbereich befinden sich vier Dachgauben, die halbrund mit Dachschindeln belegt sind. Das Kirchenschiff ist mit einem Satteldach abgeschlossen, in dem auf der West- und Ostseite je vier Gauben eingearbeitet sind. links|mini|hochkant|Eingang zur Kirche Der First des Haupthauses trägt auf dem Nordgiebel einen kleinen Dachreiter, dessen Glocke die Jahreszahl „1910“ aufweist. Darauf und auf der Kirchturmspitze steht je eine Turmkugel mit einem metallenen Kreuz. Dachreiter und eine der Turmkugeln müssen erst nach dem Krieg aufgesetzt worden sein, denn das Foto von 1940 und vorherige zeigen diese Aufbauten nicht.
Kirchturm mini|hochkant|Glockenturm An der Südostecke des Sakralbaus steht ein (geschätzt) 15 m hoher Glockenturm auf quadratischem Grundriss (Seitenlängen zirka 11 m). Der Turm schließt an der Stelle an das Hauptschiff an, wo es in das Presbyterium übergeht. Im oberen Teil des Turms befinden sich vier rechteckige mit einem Rundbogen abgeschlossene Fensteröffnungen als Schallluken, hinter der die Glockenstube eingerichtet ist, Die vierflächige Turmspitze ist mit Karpiówka-Dachziegeln verkleidet und wird von einer Laterne mit darauf sitzender Wetterfahne bekrönt. Unterhalb der Turmspitze befindet sich die Glockenstube mit dem Geläut und Schallöffnungen.
Über der Eingangstür zum Turm ist der Spruch Ego Sum Ostium (dt.: „Ich bin die Tür“) eingearbeitet. Direkt darüber wurde aktuell (Sommer 2026) ein neu gestaltetes Glasmalfenster eingesetzt mit einer Jesusdarstellung.Renovierung der Kirche - Bild des Turmfensterchens (Text in Polnisch), abgerufen am 16. September 2026.
Glocken Aus der Erstausstattung des Jahres 1930 ist nur die damalige Glocke (Nr. 3) erhalten. Alle vier Glocken waren in Westfalen bei Petit & Gebr. Edelbrock gegossen worden und hatten ein Gesamtgewicht von 80 Tonnen (etwa 400 kg); die schwerste war Christus König geweiht, die zweite der Muttergottes, die dritte dem heiligen Josef und die vierte dem heiligen Ignatius von Loyola.
Erst am 18. März 1979 wurden drei neue Glocken geweiht, die Namensgebung aus der Historie wurde übernommen. So besteht das Geläut aktuell aus folgenden vier Glocken:
+Glockenplan Nr. Name Gewicht (kg) Schlagton Durchmesser Gussjahr Gussfirma Weitere Informationen4 Hl. Josef (św. Józef) 130 kg fis″ 57 cm 1979 Waleria Felczyński i syn Janusz, Przemyśl 3 św. Ignacy Loyola 290 kg c″ 77 cm 1930 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher Inschrift: „Solo et in choro Ignatium inaploro“ [Allein und gemeinsam (mit den Gläubigen) rufe ich Ignatius an!].2 Maria (Maryja) 500 kg a′ (+) 92,5 cm 1979 Waleria Felczyński i syn Janusz, Przemyśl 1 Jesus Christus (Jezus Chrystus) 950 kg fis′ ~116 cm
Innenarchitektur Chor und Fenster
Das Presbyterium wird von einer halbrunden Apsis abgeschlossen. Die Altarfenster sind hochrechteckig und in einem schmalen, rechteckigen Feld übereinander angeordnet. Die Fenster der Seitenschiffe sind oval und relativ klein.
Emporen Bei den Emporen (oft auch als Tribünen oder Chöre bezeichnet) in der Herz-Jesu-Kirche handelt es sich um eine architektonische Besonderheit, die in dieser Form in klassischen Hallenkirchen eher selten an dieser Stelle zu finden ist. Statt wie üblich über den Seitenschiffen des Langhauses oder ausschließlich als Orgelempore im hinteren Teil der Kirche (über dem Eingang) wurden hier die Emporen direkt im Presbyterium eingebaut. Sie sind galerie- oder bühnenartig in die Seitenwände des Chorbereichs integriert, diese bauliche Besonderheit hängt eng mit der Aufstellung der Orgel zusammen. Als die in der Werkstatt von Carl Berschdorf gefertigte Orgel im Jahr 1937 eingebaut wurde, erhielt der freistehende Spieltisch auf der linken Empore des Altarraums seinen Platz. Dadurch hat der Organist eine direkte Sichtlinie in das Presbyterium. – Neben der Unterbringung von Kirchenmusiker-Bereichen dienten solche jesuittypischen Chortribünen historisch oft auch dazu, Ordensbrüdern oder besonderen Gästen einen separaten, leicht erhöhten Platz für das Gebet während der Heiligen Messe zu bieten.
Ausstattung Altar Der Hochaltar, die Seitenaltäre und der Vor dem Jahr 1960 besaß der Hauptaltar eine völlig andere Gestalt. Dort befand sich nur eine zentrale Figur des Heiligsten Herzens Jesu. Farblich war dieser Bereich schlicht gehalten und glich den Seitenaltären. Am 28. Februar 1960 weihte Bischof Franciszek Jop feierlich einen neuen, großen Hochaltar ein. Dieser wurde im historisierenden (neobarocken) Stil gefertigt, um sich optisch in die Architektur einzufügen. Auch die Seitenaltäre und der Ambo sind im Neobarock-Stil gestaltet.
Bänke Der Großteil der Kirchenbänke befindet sich im breiten Mittelschiff. Die hölzernen Bänke sind dort in zwei großen, parallelen Blöcken angeordnet. Durch die Mitte führt ein breiter Gang direkt auf den Altarraum zu. In den schmaleren Seitenschiffen befinden sich teilweise zusätzliche, kürzere Bankreihen oder Freiflächen für Stehplätze und Prozessionswege. Die Empore bietet darüber hinaus auch Platz für zusätzliche Bestuhlung oder den Kirchenchor. Grob abgeschätzt gibt es in der Kirche zwischen 300 und 450 feste Sitzplätze.
Orgel Die Orgel wurde 1937 von Carl Berschdorf gebaut. Sie verfügt über eine elektropneumatische Traktur. Die Spielkonsole befindet sich auf der linken Seite des Chors. Im Oktober 2015 wurde das Instrument von Maciej Mamel aus Dobczyce restauriert und neu gestimmt.
Disposition Manuał I Manuał II Pedał1. Nachthorngedeckt 16′1. Weitgedeckt 8′1. Principalbas 16′2. Principal 8″2. Quintade 8′2. Subbas 16′3. Holzflőte 8′3. Dolkan 8′3. Zartbass 16′4. Gemshorn 8′4. Ital. Prinzipal 4′4. Octavbass 8′5. Gamba 8′5. Nachthorn 4′5. Gedacktpommer 8′6. Octave 4′6. Spitzquinte 2 2/3′6. Choralbas 4′7. Rohrflőte 4′7. Schwiegel 2′7. Rożek 2′8. Schweizerpfeife 2′8. Terz 1 3/5′8. Mixtura 3x9. Sesgialtera 8′9. Super-Kwinta 1 1/3′9. Posaune 16′10. Cornett 3fach10. Cymbel 3x11. Mixtur 4fach11. Krummhorn 8′12. Trompet 8′