Dieser Artikel hat den FC Winterthur in der Saison 2020/21 zum Thema. Der FC Winterthur spielte in dieser Saison in der Challenge League und beendete die Saison nach einer schlechten zweiten Saisonhälfte auf dem 6. Platz, nachdem er vor der Winterpause lediglich sechs Punkte hinter dem Leader klassiert war. Im Schweizer Cup schied er im Viertelfinal gegen den FC Aarau aus, nachdem er im Achtelfinal dem FC Basel mit einem 6:2-Sieg die höchste Niederlage im eigenen Stadion seit dessen Einzug in den neuen St. Jakob-Park zugefügt hatte.
Saisonverlauf Vorbereitung mini|Innocent Emeghara (Bild: 2011 als Nationalspieler) konnte bei seiner Rückkehr nicht mehr überzeugen Aufgrund des Corona-Lockdowns im Frühling war die alte Saison für den FC Winterthur erst mit dem Cuphalbfinal Ende August zu Ende. Da er jedoch zuvor bereits eine Pause hatte und auch die Transfertätigkeiten bereits früher starteten, werden diese an dieser Stelle bereits behandelt.
So verliessen bereits während der alten Saison zum regulären Vertragsende am 30. Juni einige Spieler den FCW, darunter der Verteidiger Nils von Niederhäusern, der Ersatztorhüter Bojan Milosavljevic sowie Luca Radice, der seine Karriere beendete. Ebenfalls Mitte Juli wurde der Vertrag mit Mido Bdarney aufgelöst. Dafür wurden Anfang Juli mit Dimitri Volkart, Sayfallah Ltaief und Sandro Di Nucci drei Junioren mit längerfristigen Verträgen ausgestattet, und Ende Juli wurde mit Gianluca Tolino ein neuer Ersatztorhüter geholt. Für den unmittelbar nach Ende der regulären Meisterschaft zum 1. FC Magdeburg gewechselten Stammstürmer Luka Sliskovic verpflichtete Winterthur Samir Ramizi von Neuchâtel Xamax mit einem Zweijahresvertrag. Nach Ende der Meisterschaft Anfang Juni zog Winterthur mit Yannick Pauli, Adrian Gantenbein und Silvan Kriz weitere Spieler von der U21 in die 1. Mannschaft nach. Weitere Spieler verliessen Winterthur nach dem Cup-Halbfinal Ende August, darunter die bisherigen Stammspieler Nuno da Silva (Mittelfeld, wegen Leihende zurück zum FC Thun), Mario Bühler (Abwehr, SC Cham) und Tobias Schättin (Abwehr, FC Zürich). Die durch die diversen Abgänge entstandenen Lücken in der Abwehr wurden mit der Verpflichtung des Rechtsverteidigers Michael Gonçalves und des Linksverteidigers Pascal Schüpbach und der Innenverteidiger Lindrit Kamberi und Anes Omerovic gefüllt. Da sich bereits vor Saisonbeginn der verletzungsbedingte Ausfall der beiden nominell ersten Torhüter, Raphael Spiegel und Gianluca Tolino, abzeichnete, wurde vom BSC Young Boys Dario Marzino leihweise übernommen. Zudem trainierte zum Saisonstart bereits der Rückkehrer Innocent Emeghara mit, der 2010 von Winterthur aus seine internationale Karriere gestartet hatte. Unter Vertrag wurde der Stürmer dann Anfang Oktober genommen. Das einzige Testspiel in der aussergewöhnlichen Sommerpause verlor der FCW gegen den FC Zürich mit 0:3.
Der Landbote bewertete die Transfertätigkeiten des FCW vor dem Saisonstart mit der Bilanz, dass wohl «die Substanz gehalten werden konnte», und auch Sportchef Kaiser war mit den Transfertätigkeiten zufrieden. Im Hinblick auf die Saison forderte Präsident Mike Keller in einer Mannschaftsansprache mehr Erfolgs- und Leistungskultur. Weder seitens des Präsidiums noch von der sportlichen Führung oder vom Trainer wurden jedoch klare Zielvorgaben kommuniziert, vielmehr wurde Wert auf Konstanz als Grundlage für zukünftigen Erfolg gelegt. Der Landbote interpretierte dies als Platz in der oberen Tabellenhälfte. Zudem verwies Trainer Loose auf die bereits zu Saisonbeginn lange Verletzungsliste.
Hinrunde In die Saison startete Winterthur am 12. September direkt mit einem Cupspiel der 2. Runde (der Cup fand in einem coronabedingten, angepassten Modus statt) gegen den Erstligisten FC Tuggen, das er mit 2:1 gewann. Auch in die Meisterschaft startete der FCW – abgesehen von einer Startniederlage – gut. Nach fünf Spielen mit drei Siegen und je einer Niederlage und einem Unentschieden konnten die Winterthurer als Zweitplatzierte ihren bisher besten Saisonstart unter Loose verbuchen. Gespielt wurde dabei auf der Schützenwiese auf einem für 940'000 Fr. neu verlegten Rasen inklusive Drainage- und Bewässerungssystem, der am 22. September eingeweiht wurde. Das schlechte Anwachsen des Rollrasens sollte jedoch noch weit bis in die Rückrunde für Ärger sorgen.
Weitere personelle Wechsel gab es auch noch nach Saisonstart: Am 10. Oktober musste der Abgang von Ousmane Doumbia zum FCZ vermeldet werden. Etwa zur gleichen Zeit wurde der Vertrag mit Verteidiger Valon Hamdiu auf Wunsch des Spielers aufgelöst. Hamdiu kam als Ergänzungsspieler in der noch jungen Saison in allen vier Spielen zum Einsatz und spielte bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt 89 Minuten. Als Ersatz für ihn wurde der Verteidiger Florian Baak aus der 2. Mannschaft des Hertha BSC verpflichtet und zusätzlich noch Anfang November der zuletzt vereinslose Andreas Wittwer.
Die Fussballmeisterschaft wurde dann im Oktober von der anrollenden zweiten Coronawelle eingeholt. Zunächst fielen beim FCW aufgrund elf in Quarantäne befindlichen Spielern zwei Spiele aus. Weitere coronabedingte Spielverschiebungen hatten am Ende zur Folge, dass der FCW nach einer mehrwöchigen Spielpause ab dem 20. November insgesamt zehn Spiele in 32 Tagen zu absolvieren hatte. Winterthur schlug sich in dieser Zeit grundsätzlich gut und war bis Anfang Dezember bei Spielrückstand Tabellenführer nach Minuspunkten. Am Ende dieser Spieleserie verpassten es die Winterthurer, mit einem Sieg gegen Neuchâtel Xamax nach 15 gespielten Runden als Zweiter in die Winterpause zu gehen. Stattdessen klassierte sich Winterthur auf dem 5. Platz in einer ungewöhnlich ausgeglichenen Liga mit lediglich vier Punkten Rückstand auf Leader GC und einem komfortablen Vorsprung von 14 Punkten auf den Tabellenletzten Chiasso.
Der Landbote attestierte der Mannschaft dementsprechend auch eine ordentliche Bilanz, insbesondere auch unter Berücksichtigung des dicht gedrängten Programms, das die Mannschaft zuletzt zu absolvieren hatte. Bester Spieler in der Herbstbewertung des Landboten war Captain Davide Callà mit einer Note von 5,5 – während Anas Mahamid, der zuletzt keine Fortschritte mehr erzielte, sowie Innocent Emeghara, der nicht zu überzeugen vermochte, lediglich mit einer 3,5 bewertet wurden.
Rückrunde In die nach kurzer Weihnachtspause am 4. Januar beginnende Rückrundenvorbereitung startete Winterthur mit einer zusätzlichen Verstärkung im Sturm, dem vom BSC Young Boys geliehenen Stürmer Samuel Ballet. Zudem wurde bereits Ende des letzten Jahres der Vertrag mit Stammstürmer Roman Buess vorzeitig bis Sommer 2023 verlängert. In der aufgrund des gedrängten Spielplans nur kurzen Vorbereitung absolvierte der FCW zwei Testspiele, gegen den FC Vaduz (3:2) und den FC Zürich (1:1), bevor die Meisterschaft bereits am 23. Januar fortgesetzt wurde. Vor Beginn der Rückrunde äusserte der Leiter Sport Oliver Kaiser das Ziel, möglichst lange vorne mitzuspielen. Bezüglich potenzieller Aufstiegschancen wurde jedoch auf die Verpflichtung weiterer Spieler verzichtet, beispielsweise eines Ersatzs für den verletzten Davide Callà.
Der FCW startete mit einem 3:0-Erfolg gegen den Tabellenletzten Chiasso aus der Winterpause. Danach wendete sich jedoch bereits mit einer unbefriedigenden Leistung gegen Schaffhausen das Blatt. Der FCW legte in der Folge eine negative Serie von sieben Spielen ohne Sieg hin, bis er Anfang März gegen GC wieder ein Spiel gewinnen konnte und verlor dadurch den Anschluss an die breite Spitzengruppe.
Mitten in dieser Negativserie in der Meisterschaft trat Winterthur Mitte Februar im Basler St. Jakob-Park gegen den FC Basel zum Cup-Achtelfinal an. Das Spiel fand aufgrund eines Spielfeldterrainabtauschs in Basel statt, da der Rasen auf der Schützenwiese weiterhin Probleme bereitete. Das Resultat dieses Cupspiels, dass vom Landboten als Jahrhundert-Resultat bezeichnet wurde, war eines für die Geschichtsbücher: Der FCW schlug ein schwach spielendes Basel im eigenen Stadion gleich mit 6:2 (2:0), wobei der Winterthurer Sieg nach zwei frühen Toren zu keinem Zeitpunkt gefährdet war und Loose in der zweiten Hälfte sogar alle bisherigen Torschützen auswechseln konnte. Die Winterthurer haben den Baslern damit die höchste Niederlage im neuen St. Jakob-Park verpasst. Es war gleichzeitig auch der erste Sieg der Winterthurer im Cup gegen Basel.
Der zum Herbst ungleiche Ligaalltag wurde jedoch auch nach dem Sieg gegen Basel nicht besser. Neben den schlechten Leistungen musste der Verein aufgrund des weiterhin schlecht angewachsenen Rasens auf der Schützenwiese für einige Heimspiele sogar aufs Wiler Bergholz ausweichen, während die Stadt Winterthur sogar eine externe Bodenanalyse des neuen Rasens in Auftrag gab. Als der FCW schliesslich am 6. April nach seinem überragenden Sieg gegen Basel in Aarau zum Cup-Viertelfinal antrat, waren die Eulachstädter die punktschwächste Mannschaft des neuen Jahres. Winterthur schied dann auch nach einer schlechten Leistung gegen die Aargauer diskussionslos mit 0:3 aus dem Cupwettbewerb aus und verpasste es dadurch, die Bilanz der inzwischen in der Meisterschaft bereits gelaufenen Saison noch aufzubessern. Auch im Gegensatz zur letzten Saison gelang es den Winterthurern auch gegen Ende der Rückrunde nicht mehr, sich in der Meisterschaft noch zu steigern, und sie beendeten die Saison als punktschwächste Mannschaft im Jahr 2021 auf dem 6. Platz – mit am Schluss lediglich noch sieben Punkten Reserve auf den Absteiger FC Chiasso.
So verwundert am Ende dann auch die schliesslich vernichtende Bilanz aus dem zweiten Halbjahr Ende der Saison nicht mehr. Der FCW hat die zu Beginn der Saison durchaus offenen Saisonziele klar nicht erfüllt, Stürmer Roman Buess bezeichnete die Saison gegenüber dem Landboten zu Saisonende als eine «grosse Enttäuschung». Dementsprechend vergab der Landbote in seiner Notenbewertung dann auch dem grössten Teil der Spieler eine Note von 4, wobei keiner der Spieler eine Note darunter erhielt. Immerhin drei Spieler wurden trotz der schlechten Rückrunde noch als gut benotet, es waren dies der Verteidiger Granit Lekaj («5»), der Stürmer Roman Buess («knappe 5») sowie Davide Callà («gute 5»), der auf Ende der Saison seinen Rücktritt als Spieler erklärt hatte.
Eine Positivmeldung konnten hingegen die FCW-Frauen verbuchen, die mit einem 2:1-Sieg gegen ihre direkten Verfolger Balerna Ende Mai eine Runde vor Schluss den Aufstieg in die Nationalliga B realisieren konnten.
Kader Kader, basierend auf Angaben der Website der Swiss Football League (SFL), abgerufen am 19. Juni 2022.