Die Dürkopp Adler GmbH ist ein Hersteller von Industrienähmaschinen. Sie entstand 1990 durch die Fusion der Unternehmen Dürkopp und Adler (Kochs Adler Nähmaschinen Werke).

Seit 2005 ist die Dürkopp Adler GmbH eine Tochtergesellschaft der chinesischen Shang Gong Group Co., Ltd. (SGG), zu der weitere Nähmaschinenhersteller wie Pfaff und die KSL Keilmann Sondermaschinenbau GmbH und chinesische Nähmaschinenmarken wie Butterfly zählen. In den 2010er Jahren wurden die Produkte der Dürkopp Adler GmbH für zahlreiche Anwendungsbereiche angepasst und international eingesetzt.

Unternehmensgeschichte Namensgebung Benannt wurde das Unternehmen nach einem der Gründer, Nikolaus Dürkopp, und der Nähmaschinenmarke Adler, die anfänglich von Koch & Co. und ab 1920 von der Kochs Adler Nähmaschinen Werke AG geführt wurde. Durch die Fusion der Unternehmen in Bielefeld entstand die Dürkopp Adler AG. Die Marke Adler ist auch von den Frankfurter Adlerwerken bekannt, einem Hersteller von Fahrzeugen und Büromaschinen, was gelegentlich zu Verwechslungen führt.

Jahre 1860 bis 1918 Gründung als Nähmaschinenfabrik mini|hochkant=1.0|ADLER Sattlernähmaschine Serie „30“ (um 1940)

Die beiden Schlosser Carl Baer und Heinrich Koch gründeten 1860 die erste Bielefelder Nähmaschinenfabrik. Unter dem Namen Koch & Co. beschäftigten sie ab 1865 den Nähmaschinenmechaniker Nikolaus Dürkopp sowie den Meister Carl Schmidt. Dürkopp hatte bereits 1861 seine erste Nähmaschine konstruiert und machte sich am 22. Oktober 1867 mit Schmidt als Dürkopp & Schmidt selbständig. Die erste Betriebsstätte war ein Schuppen am Alten Markt 5 in Bielefeld. 1868 wechselte der Betrieb in Räumlichkeiten am Alten Markt 3 b. Nach Verdopplung der Belegschaft auf knapp 40 Arbeiter wurde 1869 mit dem Bau einer Fabrik begonnen. Am 4. September 1873 wurde die spätere BKK Dürkopp Adler als „Fabrikkasse“ zur Krankenversicherung der Belegschaft gegründet. Die Kasse gilt als eine der frühesten Sozialeinrichtungen dieser Art. 1876 schied Carl Schmidt mit einer Abfindung aus, die er später zur Gründung der Anker-Werke nutzte.

Nach dem Ausscheiden von Schmidt 1876 wurde die Firma in Dürkopp & Co. geändert. Den Durchbruch zum Industriebetrieb schaffte Dürkopp, nachdem 1876 Ferdinand Kaselowsky, Direktor der Ravensberger Spinnerei und damals einer der reichsten Männer von Bielefeld, sein Geschäftspartner und neuer Geldgeber geworden war. 1877 beschäftigte das Unternehmen 250 Mitarbeiter. Um 1880 waren 19 Unternehmen in der Branche tätig und Bielefeld entwickelte sich zu einem der wichtigsten Standorte der Nähmaschinenproduktion in Deutschland.

Fahrradproduktion und Fahrzeugbau In den 1880er Jahren kam es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Nikolaus Dürkopp suchte nach neuen Absatzmärkten. Als eines der ersten deutschen Unternehmen begann Dürkopp mit der Serienproduktion von Fahrrädern. Diesem Beispiel folgten bald Koch & Co. und andere; in Bielefeld entwickelte sich ein neuer erfolgreicher Wirtschaftszweig. 1889 wurde die Firma in „Bielefelder Maschinenfabrik AG, vormals Dürkopp & Co.“ umgewandelt und mit einem Stammkapital von 2.250.000 Goldmark notiert. 1892 beschäftigte Dürkopp 1665 Belegschaftsmitglieder. 1894 wurde die Produktion von Kraftwagen aufgenommen. Ab 1895 beteiligte sich Dürkopp an den Styria-Fahrradwerken Johann Puch und Co im österreichischen Graz. Im Mai 1896 kam es zu einem Arbeitsstreik im Bielefelder Werk. Im gleichen Jahr übernahm Dürkopp auch die bankrotten Norddeutschen Fahrradwerke in Oldesloe (heute Bad Oldesloe). 1898 wurden hier laut einer Werbeanzeige des Unternehmens bereits wieder 300 Mitarbeiter beschäftigt und rund 8000 Fahrräder pro Jahr produziert.

1908 wurden die Styria-Werke gänzlich übernommen und als Styira-Dürkopp-Werke. A.-G. weitergeführt. Mit deren Gründer, Johann Puch, hatte man sich bereits 1897 überworfen, woraufhin er die Puch-Werke gegründet hatte. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde in Bielefeld die Produktion mit Nutzfahrzeugen ausgebaut, die später auf kriegswichtige Fahrzeuge und sonstige Rüstungsgüter umgestellt wurde. Rund 30 Jahre waren Personen- und Nutzfahrzeuge die bekanntesten Produkte von Dürkopp. Nach dem Tod des Unternehmensgründers am 25. Juni 1918 firmierte das Unternehmen unter Dürkoppwerke AG und wurde von dessen Sohn Paul Dürkopp fortgeführt.

Jahre 1919 bis 1933 mini|Aktie über 1000 RM der Dürkoppwerke AG vom September 1932

Unternehmenswandel in der Wirtschaftskrise Neben den Pkw entstanden nach dem Ersten Weltkrieg auch Lastkraftwagen, und zwar im Zweigwerk Berlin-Reinickendorf, dem ehemaligen Werk der Oryx Motorenwerke AG in der Koloniestraße. 1906 stelle Dürkopp seinen ersten Lastkraftwagen mit Kardanantrieb vor. Noch während des Ersten Weltkriegs wurden Lkw mit einer Nutzlast von drei bis fünf Tonnen gefertigt und blieben auch nach Kriegsende in Produktion. Neukonstruktionen gab es erst in den Jahren 1923/24. Aufgrund der geringen Auflage der Fahrzeuge konnte allerdings keine ausreichende Rentabilität erreicht werden. Die Automobilabteilung wurde durch die Gewinne aus der Fahrrad- und Nähmaschinenherstellung aufrechterhalten. Daher wurde 1927 der Pkw-Bau und 1929 der Lastkraftwagenbau zu Gunsten der anderen Produktionszweige wegen der Weltwirtschaftskrise aufgegeben. Die Styria-Dürkopp-Werke A.-G. wurde 1927 von den Steyr-Werken übernommen. Bis 1930 ging die Nähmaschinenproduktion immer weiter zurück und wurde von Kochs Adler übernommen. Dürkopps Belegschaft schrumpfte deswegen auf 700 Mitarbeiter.

Jahre 1933–1945 Rüstungsproduktion während des Nationalsozialismus mini|Zeitungsannonce; Werbung für Nähmaschinen und Fahrräder

Schon früh waren die Dürkoppwerke an der Rüstungsproduktion für die Aufrüstung der Wehrmacht beteiligt, Mitte der 1930er-Jahre wuchs die Belegschaft wieder auf über 2000 Personen an. Man produzierte unter anderem Seitengewehre, Nadellager und Wälzlager für Panzer, Maschinengewehre, Granaten, Flugabwehr-Geschütze, LeichtgeschützeTerry Gander, Peter Chamberlain: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939–1945. 2. Auflage. Spezialausgabe. Motorbuchverlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-02481-0Joachim Engelmann: Das Buch der Artillerie. 1939–1945. Lizenzausgabe. Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2004, ISBN 3-89555-179-1 (Dörfler Zeitgeschichte), Panzerabwehrkanonen, Bordlafetten für Flugzeuge und Zünder.Hans-Jörg Kühne: Kriegsbeute Arbeit. Der „Fremdarbeitereinsatz“ in der Bielefelder Wirtschaft 1939–1945 (= Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Bd. 17). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2002, ISBN 3-89534-444-3, S. 99ff. Durch den Aufschwung ab 1933, bedingt durch die Produktion von Rüstungsgütern, erzielte der Betrieb ab 1934 wieder Gewinne. 1933 wurde in Künsebeck bei Halle (Westf.) ein Zweigwerk eingerichtet, mit einer Waffenproduktion und über 2000 Arbeitsplätzen. 1939 übernahm die Familie Barthel (Kommerzienrat Hermann Barthel) die Aktienmehrheit. Man stellte Dürkopp Maschinen zur Verfügung, um die Rüstungsproduktion zu bewerkstelligen. 1944 war Dürkopp der wichtigste Produzent von Wälzlagern für deutsche Panzer.

Die Nationalsozialisten ernannten Dürkopp-Vorstandsmitglied Wulfert zum Wehrwirtschaftsführer. 1941 ernannte die Deutsche Arbeitsfront die Dürkoppwerke zum Nationalsozialistischen Musterbetrieb; 1943 wurden sie als Kriegsmusterbetrieb ausgezeichnet. Zeitweise waren bei Dürkopp über 3000 Zwangsarbeiter (sog. Fremdarbeiter, auch Frauen) und Kriegsgefangene, überwiegend aus der Sowjetunion, im Einsatz.Hans-Jörg Kühne: Kriegsbeute Arbeit. Der „Fremdarbeitereinsatz“ in der Bielefelder Wirtschaft 1939–1945 (= Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Bd. 17). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2002, ISBN 3-89534-444-3, S. 46 Bei schweren Bombenangriffen auf Bielefeld wurde 1944 der Betrieb zerstört und am 31. März 1945 stillgelegt. Erst nach Kriegsende wurde das Werksgelände, gefördert durch Georg Barthel, wieder aufgebaut.

Verrat oppositioneller Arbeiter an die NS-Justiz Während der NS-Zeit gab es innerhalb der Arbeiterschaft mehrere oppositionelle Betriebsgruppen, die sogenannte Feindsender gehört und darüber diskutiert hatten. Diese wurden von der Dürkopp-Leitung an die Justiz ausgeliefert. Der Volksgerichtshof tagte dafür drei Wochen im August 1944 in Bielefeld. Während des Prozesses hielt der damalige Vizepräsident des Volksgerichtshofes Dr. Crone eine Rede zur Abschreckung vor den Arbeitern auf dem Betriebsgelände.Erinnerungskultur in Ostwestfalen-Lippe LWL 14 der Betriebsgruppenmitglieder wurden zum Tode verurteilt und in Dortmund am 15. und 22. September 1944 hingerichtet und dort in einer Ecke auf dem Friedhof verscharrt. Nach dem Krieg wurden die Leichen von Otto Appelfelder, Paul Brockmann, Otto Giesselmann, Gustav Höcker, Hermann Kleinewächter, Gustav Koch, Gustav Milse, Bernhard Putjenter, Rudolf Sauer, Hermann Wörmann, Friedrich Wolgast, Bernhard Zawacki nach Bielefeld und die von Heiko Ploeger nach Herford überführt. In Bielefeld wurde eine Gedenktafel auf dem Sennefriedhof für die Oppositionellen errichtet. Im Mai 2025 wurde eine Gedenktafel für die von der NS-Justiz ermordeten vorm ehemaligen Tor 6 der Dürkopp Werke angebracht.Gedenktafel erinnert an den Arbeiterwiderstand. Westfalen-Blatt, 22. Mai 2025

Jahre 1946 bis 1990 Unternehmenswandel in der Nachkriegszeit mini|Das Gebäude Tor 1 gilt als Keimzelle der Dürkopp-Werke

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Unternehmen in der Westzone. Die Dürkoppwerke beschränkten sich anfangs überwiegend auf die Produktbereiche Industrienähmaschinen, Fahrräder und Förderanlagen. 1949 wurde die Produktion von motorisierten Zweirädern wieder aufgenommen und bis 1961 fortgesetzt. Die Erfolgsmodelle der Nachkriegszeit waren unter anderem Motorräder, wie die Dürkopp MF 100, MF 125, die Modelle Fratz und Dianette sowie der Roller Diana, der europaweit verkauft wurde.

Anfangs baute Dürkopp wie viele andere Hersteller Motoren von ILO oder Fichtel & Sachs ein, ab 1952 aber eigene Motoren, deren Komponenten auch an Ardie in Nürnberg geliefert wurden.

Übernahme durch FAG 1962 wurde die Aktienmehrheit der Dürkoppwerke Aktiengesellschaft (1889–1967) von der FAG Kugelfischer AG übernommen. 1967 – dem Jahr des 100-jährigen Bestehens der Dürkoppwerke – erfolgte die Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sie war ein deutscher Hersteller von Nähmaschinen, Fahrrädern, Motorrädern, Automobilen, Förderanlagen und Kugellagern mit Sitz in Bielefeld. 1987 übernahm FAG auch die Aktienmehrheit der Kochs Adler AG. Die beiden Nähmaschinenfabriken fusionierten 1990 zur heutigen Dürkopp Adler AG mit Sitz in Bielefeld-Oldentrup.

Jahre 1991 bis 2020 2002 wurde die FAG ihrerseits von der INA-Holding übernommen. Danach sollte Dürkopp Adler relativ schnell verkauft werden; die Verhandlungen zogen sich aber hin.

Übernahme durch SGSB Mitte 2005 kaufte das chinesische Unternehmen SGSB-Gruppe (vormals „ShangGong“) das Aktienpaket der FAG. Die neuen Haupteigner übernahmen dabei 94,98 Prozent der Aktien. 2010 wurde der Bereich Lagerlogistik und -automation ausgegliedert und als Dürkopp Fördertechnik GmbH an die österreichische Knapp AG veräußert.

Eine außerordentliche Hauptversammlung der Dürkopp Adler AG stimmte am 20. März 2018 der Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre auf die Hauptaktionärin, die DAP Industrial AG mit Sitz in Bielefeld, gegen eine angemessene Barabfindung in Höhe von EUR 35,81 zu. Die DAP Industrial AG ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der ShangGong Group Co., Ltd. mit Sitz in Shanghai, Volksrepublik China. Insgesamt stimmten 96,64 Prozent des vertretenen Grundkapitals der Dürkopp Adler AG für die Maßnahme.

Geschäftszahlen 1995 bis 2015 Jahr Umsatz (Mio. €)Quelle: Geschäftsberichte des Unternehmens; Hoppenstedt Aktienführer Mitarbeiter ca.zum 31.12. 1995 308 1092 2000 198 2402 2005 102 1622 2010 76 1150 2015 142 1321 2017 160 1442

Unternehmensbereiche und Produkte im Überblick Nähmaschinen