Farnace ist ein vielfach vertontes Libretto zu einer Opera seria in drei Akten von Antonio Maria Lucchini. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Leonardo Vinci am 8. Januar 1724 im Teatro Alibert in Rom.

Handlung

Die Handlung spielt in Herakleia Pontike, der Hauptstadt der Könige von Pontos.

„Argomento“

Kurzfassung

Erster Akt. Berenice, die Königin von Kappadokien, hat sich aus Hass gegen ihren Schwiegersohn, den pontischen König Farnace, mit den von Pompeo geführten Römern verbündet. Farnace befiehlt seiner Frau Tamiri, sich selbst und den gemeinsamen Sohn zu töten, sofern sein letzter Versuch, das Schicksal zu wenden, scheitern sollte. Pompeos und Berenices Truppen erobern gemeinsam die Hauptstadt Herakleia und schlagen Farnaces Leute zurück. Dabei fällt dessen Schwester Selinda in die Hände der Feinde. Dieser gelingt es, sowohl Berenices Hauptmann Gilade als auch den römischen Präfekten Aquilio in sich verliebt zu machen und gegeneinander auszuspielen. Tamiri versteckt ihren Sohn im Mausoleum der pontischen Könige, statt ihn wie befohlen zu töten. Ihre eigene Mutter liefert sie an Pompeo aus, da sie sich weigert, ihren Mann zu verraten.

Zweiter Akt. Selinda hält ihre beiden Verehrer hin, damit sie sich umso eifriger um ihre Gunst bemühen. Tamiri verhindert Farnaces Selbstmord. Sie lässt ihn glauben, ihr gemeinsamer Sohn sei tot. Farnace trauert um ihn, obwohl er selbst den Befehl dazu gegeben hatte. Als Berenice das Mausoleum zerstören lassen will, bleibt Tamiri nichts anderes übrig, als das Kind wieder aus seinem Versteck zu holen und ihre Mutter um Mitgefühl anzuflehen. Berenice verstößt ihre Tochter jedoch und bringt den Jungen zu den Römern. Auch Farnace sagt sich nach Tamiris Lüge von ihr los. Selinda fordert Gilade auf, das Kind zu retten. Farnace dringt in den Palast ein, um Berenice und Pompeo eigenhändig zu töten. Er lehnt Selindas Vorschlag ab, das Attentat ihren Verehrern zu überlassen. Berenice fordert Pompeo auf, das Kind sofort zu töten. Selinda und Aquilio überzeugen ihn aber, dass sich eine solche Tat nicht mit der römischen Ehre verträgt. Aquilio verspricht Selinda, dass er für sie eine gefährliche Handlung ausführen werde.

Dritter Akt. Vor den Siegesfeiern der Römer verlangt Berenice erneut den Tod ihres Enkels und bietet Pompeo als Gegenleistung die Hälfte ihres Reichs. Tamiri überzeugt ihn aber durch ihre Unterwerfung und Mutterliebe, das Kind freizugeben. Sie kann auch Farnace wieder mit sich versöhnen. Selinda verlangt von Gilade, Berenice zu töten, und von Aquilio, Pompeo zu stürzen. Aquilio und Farnace kommen sich gegenseitig in die Quere, als sie Pompeo ermorden wollen. Farnace gibt vor, zu Berenices Garde zu gehören. Diese erkennt ihn jedoch und lässt ihn festnehmen. Trotz des Flehens ihrer Tochter und Pompeos Mahnungen verurteilt sie ihn zum Tode. Gilade und Selinda dringen mit ihren Leuten ein. Sie überwältigen die Wachen und befreien Farnace. Selinda will Berenice und Pompeo töten lassen. Farnace möchte Pompeo verschonen, aber Berenice eigenhändig töten. Diese bedroht Tamiri mit ihrem Dolch, und Pompeo nimmt das Kind als Geisel. Tamiri löst die Pattsituation mit einem allgemeinen Aufruf zum Frieden. Berenice erkennt Farnace als Schwiegersohn an. Pompeo verzichtet auf seine Eroberungen und setzt Farnace wieder als König ein. Gilade darf Selinda heiraten.

Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Libretto der Erstfassung von 1724.

Erster Akt

Ufer des Schwarzen Meeres mit dichtem Wald, der die ganze Bühne einnimmt

Szene 1. Der Wald wird gerodet und in ein offenes Feld umgewandelt. In der Ferne sieht man das Meer mit der sich nähernden Flotte Berenices, der Königin von Kappadokien. Die Truppen gehen an Land. Anschließend verlassen Berenice und ihr Hauptmann Gilade mit großem königlichen Gefolge ein prächtiges Schiff. Berenice hasst ihren Schwiegersohn Farnace so sehr, dass sie sich mit den Römern verbündet hat und ihn mit ihren Truppen endgültig vernichten will.

Szene 2. Pompeo und sein Präfekt Aquilio empfangen Berenice. Er will ihr seine besten Kämpfer zur Unterstützung schicken, um die Stadt einzunehmen. Gilade soll den Angriff führen (Arie Pompeo: „Regni, ed Imperi“).

Szene 3. Gilade fragt Berenice, warum sie Farnace so sehr hasst. Sie entgegnet, sein Vater Mitridate habe in der Schlacht ihren Gemahl Ariarate getötet und anschließend ihren eigenen Sohn ermordet. Wenn auch Farnace nicht selbst für diese Tat verantwortlich war, so habe er ihr doch ihre Tochter Tamiri geraubt (Arie Berenice: „Da quel ferro, che ha svenato“).

Atrium des königlichen Palasts in der Stadt

Szene 4. Farnace will trotz aller Rückschläge weiter gegen die Römer kämpfen – notfalls noch als Geist aus dem Grab heraus.

Szene 5. Das Flehen seiner Frau Tamiri bleibt erfolglos. Farnace gibt ihr einen Dolch und befiehlt ihr, sich und den gemeinsamen Sohn zu töten, falls er scheitern sollte (Arie Farnace: „Parli di Madre amante“).

Szene 6. Tamiri ist zwar bereit, ihr eigenes Leben aufzugeben, will ihren Sohn aber schonen (Arie Tamiri: „Combattono quest’alma“).

Ebene mit der Stadt Herakleia neben einem Hügel, zu dem eine Brücke führt; Teil eines Waldes, in dem sich Farnace mit seinen Soldaten versteckt hält

Szene 7. Pompeo, Gilade und Aquilio bestürmen die Stadt mit ihren Truppen (Pompeo/Gilade/Aquilio: „Su Campioni, su Guerrieri“). Die Belagerten machen einen Ausfall, um sie auf freiem Feld zu verteidigen, werden aber zurückgedrängt und überwältigt. Farnace kommt mit seinen Leuten aus dem Wald, um die Feinde von hinten anzugreifen. Sie müssen aber nach heftigem Kampf fliehen.

Szene 8. Aquilio hat Farnaces Schwester Selinda gefangen genommen und übergibt sie Gilade zur Bewachung.

Szene 9. Gilade verliebt sich auf den ersten Blick in Selinda (Arie Gilade: „Occhi: voi siete quelle“).

Szene 10. Selinda ist gerührt von Gilades Verhalten. Sie will sich aber nicht von Liebesgefühlen beeinflussen lassen (Arie Selinda: „Un caro, e dolce sguardo“).

Platanen-Allee mit Statuen; in deren Mitte eine große Pyramide, die zum Grab der Könige von Pontos bestimmt ist

Szene 11. Tamiri versteckt ihren Sohn in der Pyramide, um ihn zu retten. Dann zieht sie den Dolch, um sich selbst zu töten.

Szene 12. Berenice verhindert dies gerade noch rechtzeitig. Sie betrachtet ihre Tochter als Feindin und fordert Auskunft über den Verbleib Farnaces und seines Sohnes, den sie ebenso verabscheut.

Szene 13. Da Tamiri die Auskunft verweigert, übergibt Berenice sie Pompeo als Gefangene und Sklavin.

Szene 14. Pompeo fordert Tamiri auf, seinen Sieg anzuerkennen und ihren Sohn auszuliefern, damit er nicht später zu einem Feind Roms heranwachse. Tamiri macht sich über diese Feigheit der Sieger lustig (Arie Tamiri: „Forti Eroi, che de la Terra“).

Szene 15. Pompeo ist beeindruckt von Tamiris tugendhafter Haltung (Arie Pompeo: „Mi piace, e m’innamora“).

Loggien

Szene 15. Farnace befragt Selinda nach seiner Familie. Sie weiß nicht, wo sich Tamiri und ihr Sohn aufhalten, erzählt ihm aber, dass sowohl Aquilio als auch Gilade sich in sie verliebt hätten. Farnace fordert sie auf, dies für ihre eigenen Zwecke zu nutzen und die beiden gegeneinander auszuspielen (Arie Farnace: „Già per vaga, e vezzosa Beltà“).

Szene 16. Aquilio erklärt Selinda seine Liebe und bittet um die Gunst, für sie kämpfen zu dürfen (Arie Aquilio: „Bei labri, io penserò“).

Szene 17. Auch Gilade bietet Selinda sein Herz und seinen Degen an.

Szene 18. Berenice befiehlt Gilade, Selinda scharf zu bewachen, bis ihr Bruder gefasst ist.

Szene 20. Berenice glaubt, Herrscher könnten sich nur durch Strenge an der Macht halten (Arie Berenice: „Chi temea Giove Regnante“).

Zweiter Akt

Königliche Gemächer

Szene 1. Aquilio und Gilade kämpfen mit den Degen um das Vorrecht, sich um Selinda zu bemühen. Pompeo unterbricht sie und erinnert Aquilio daran, dass Selinda ihre Feindin und Gefangene sei (Arie Pompeo: „Segui Marte, e resisti ad Amore“).

Szene 2. Aquilio und Gilade beschließen, ihren Konflikt beizulegen und Selinda selbst die Wahl zu überlassen.

Szene 3. Gilade und Aquilio fordern Selinda auf, sich für einen von ihnen zu entscheiden. Sie erklärt, dass sie ihre Liebesbemühungen nicht überzeugt haben, und weist beide ab (Arie Selinda: „Lascia di sospirar“).

Szene 4. Gilade und Aquilio lassen sich davon nicht abschrecken. Sie wollen später noch einmal ihr Glück versuchen (Arie Aquilio: „Talor due pupillette“).

Szene 5. Berenice teilt Gilade mit, dass Selinda das erste Opfer ihrer Rache werden soll. Als er für sie um Gnade bittet, ermahnt Berenice ihn, dass die Liebe keinen Platz im Herzen eines Kriegers habe (Arie Berenice: „Colei, che t’invaghì“).

Szene 6. Gilade will auf keinen Fall gegen seine Geliebte vorgehen (Arie Gilade: „Anche a Giove io farò guerra“).

Andere Sicht auf die Pyramide, die zum Grab der Könige von Pontos bestimmt ist

Szene 7. Nach seiner Niederlage will sich Farnace selbst töten.

Szene 8. Da erscheint Tamiri. Farnace wirft ihr vor, seinen Befehl nicht befolgt zu haben, da sie noch immer lebe. Tamiri entgegnet, dass sie den Sohn im Mausoleum bestattet habe. Da brechen plötzlich väterliche Gefühle in Farnace aus, und er gibt seiner tiefen Trauer Ausdruck (Arie Farnace: „Perdona, o Figlio amato“).

Szene 9. Farnace versteckt sich, als Berenice mit ihren Soldaten kommt, um das Mausoleum dem Erdboden gleichzumachen. In ihrer Verzweiflung holt Tamiri das Kind aus dem Grabmal, stellt es seiner Großmutter vor und bittet diese um Gnade. Sie zeigt jedoch keinerlei Freundlichkeit für ihren Enkel, sondern sagt sich von ihrer Tochter los und führt das Kind fort.

Szene 10. Nachdem Farnace dies beobachtet hat, verstößt auch er Tamiri wutentbrannt.

Szene 11. Verzweifelt fleht Tamiri die Götter um Mitleid an (Arie Tamiri: „Dividete, o giusti Dei“).

Galerie

Szene 12. Selinda fordert Gilade auf, als Beweis seiner Liebe ihren Neffen zu retten. Gilade ist bereit dazu (Arie Gilade: „Da che Volgesti a me“).

Szene 13. Farnace ist heimlich in den Palast eingedrungen, um Berenice und Pompeo zu töten, und trifft hier auf seine Schwester. Sie rät ihm von diesem gefährlichen Vorhaben ab und teilt ihm mit, dass sich die Reste seines Heeres bereits sammeln und auf ihn warten. Sie selbst werde mit Gilades und Aquilios Hilfe seinen Plan ausführen. Farnace weist dieses Angebot zurück. Er kann seinen Rachedurst kaum zügeln (Arie Farnace: „Spogli pur l’ingiusta Roma“).

Szene 14. Berenice bringt den Knaben zu Pompeo und fordert diesen auf, ihn zu töten. Selinda bittet Pompeo um Gnade für das unschuldige Kind, und auch Aquilio weist darauf hin, dass der römische Adler keine Tauben reiße. Pompeo gibt es in Aquilios Obhut. Der Senat in Rom soll über sein Schicksal entscheiden (Arie Pompeo: „Bella, consolati“).

Szene 15. Selinda und Aquilio verstehen nicht, warum Berenice so unerbittlich gegen ihren eigenen Enkel vorgeht. Sie beharrt weiterhin auf ihrem Wunsch nach Rache (Arie Berenice: „Tigre irate, che due prede“).

Szene 16. Selinda lässt sich von Aquilio noch einmal versichern, dass er für sie kämpfen und dabei ein großes Risiko eingehen wird (Arie Aquilio: „Con voi, vezzosi rai“).

Szene 17. Tamiri schüttet Selinda ihr Herz aus. Selinda versichert ihr, dass alles wieder gut wird.

Szene 18. Farnace macht Tamiri erneut Vorwürfe, seinen Befehl nicht befolgt zu haben. Es gelingt ihr aber, ihn von der Richtigkeit ihres Handelns und ihrer Liebe zu ihm und dem Kind zu überzeugen (Arie Tamiri: „Forse, o Caro, in questi accenti“).

Szene 19. Farnace hofft, dass sich das Schicksal noch einmal zu ihren Gunsten wenden werde (Arie Farnace: „S’arma il Cielo di tuoni, e di lampi“).

Dritter Akt

Platz von Herakleia mit Trophäen und anderen Siegeszeichen