mini|hochkant=1.25|Altbau mit angrenzendem Neubau

Die Heinz-Brandt-Schule ist eine öffentliche Integrierte Sekundarschule (ISS) in der Langhansstraße 120 im Ortsteil Weißensee des Berliner Bezirks Pankow. Sie ist seit 1999 nach dem Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Heinz Brandt benannt.

Geschichte Ehemalige Gemeindeschule Weißensee und POS „Grete Walter“ Die Gemeindeschule Weißensee wurde 1877 an der Roelckestraße errichtet, weil durch den Bevölkerungszuwachs die Schulplätze knapp wurden. Wenige Jahre später entstand 1900 der noch heute charakteristische Schulbau in der Langhansstraße 120.

In der DDR hieß die Schule zunächst 6. Grundschule Weißensee, dann mit der Schaffung von polytechnischen Oberschulen ab 1959 6. Oberschule Weißensee. Anfang der 1980er Jahre erhielt sie den Namen der Widerstandskämpferin Grete Walter.

Ehemalige 1. Hauptschule und Umbenennung in Heinz-Brandt-Oberschule Im dreigliedrigen Schulsystem des wiedervereinigten Berlins wurde aus der POS „Grete Walter“ die 1. Hauptschule Weißensee, bis sie 1999 in Heinz-Brandt-Oberschule umbenannt wurde. Hauptschule blieb sie bis zur Berliner Schulstrukturreform. Durch die damit verbundene Abschaffung der Hauptschulen bekam die Schule 2010 ihren heutigen Namen Heinz-Brandt-Schule. Sie veränderte das Profil von der zweizügigen Hauptschule zur vierzügigen Sekundarschule, womit zahlreiche schulinterne Reformen einhergingen, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden.

Kontroverse um geplante Erweiterung durch modularen Ergänzungsbau Im Schuljahr 2022/23 wurde bekannt, dass aus der Vierzügigkeit durch einen Erweiterungsbau eine fünfzügige ISS entstehen soll. Das zuständige Bezirksamt Pankow argumentiert mit dem Schulplatzmangel im Bezirk und will etwa 100 weitere Schulplätze schaffen, wohingegen Vertreter der Schulgemeinschaft argumentieren, dass die derzeitigen Planungen die Aufenthalts- und Unterrichtsqualität stark beeinträchtigen würden, weshalb alternative Standorte geprüft werden sollten. Zur Fällperiode 2025/26 wird mit der Fällung des alten Baumbestandes gerechnet, wogegen die Elternvertreter mit Unterstützung der Deutschen Umwelthilfe über 20.000 Unterschriften sammelten.

Schulprofil Die Schule ist Mitglied im Schulverbund Blick über den Zaun, einem Zusammenschluss reformpädagogisch orientierter Schulen.

Die gemeinsame Oberstufe realisiert die Heinz-Brandt-Schule mit der Reinhold-Burger-Schule in Kooperation mit und am Standort der Max-Bill-Schule.

Im Schuljahr 2025/26 hat die Schule 488 Schüler. Von ihnen haben 19,1 Prozent eine nichtdeutsche Herkunftssprache.

Kleine Lerngruppen und Unterricht in Lernbüros Die Heinz-Brandt-Schule ist vierzügig, bildet allerdings für fast jeden Unterricht aus den vier Klassen eines Jahrgangs jeweils sechs Lerngruppen. Diese festen Lerngruppen sind heterogen aus ca. 17–18 Schülern zusammengesetzt.

Die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch werden im System des Lernbüros unterrichtet. Es setzt auf das selbstgesteuerte Lernen der Schüler in dafür eingerichteten Fachräumen. So ist es möglich, dass der leistungsdifferenzierte Unterricht auf drei Niveaustufen in einem Raum stattfindet.

Herausforderung mini|hochkant=0.7|Logo der Herausforderung an der Heinz-Brandt-Schule

An der Heinz-Brandt-Schule finden seit 2013 Herausforderungen statt. Dabei geht es darum, dass die Schüler sich überwinden, eine für sie selbst fordernde Aufgabe bewältigen. Die erste Herausforderung bestand 2013 im Projekt Alpencross daraus, die Alpen zu Fuß zu überwinden. In den folgenden Jahren kamen Touren mit dem Rad nach Paris oder um die Ostsee hinzu, es fanden Longboard- und Kanu-Touren oder Wanderungen auf dem Jakobsweg statt. Im Rahmen des Projekts kooperiert die Schule zur Evaluation mit dem Forschungsverbund HeRiS unter Federführung der Universität Wuppertal.

Referenzschule im Kulturagentenprogramm Im Rahmen des Kulturagentenprogramms ist die Schule Referenzschule, bietet also anderen Schulen den Austausch zur möglichen Vermittlung kultureller Bildung an. Kulturelle Bildung findet neben dem Fachunterricht vor allem auch in zahlreichen WPU-Kursen, in AGs und Projekten statt, die häufig mit externen Experten durchgeführt werden. Es wurden Projekte mit dem Deutschen Theater, den KW Institute for Contemporary Art oder den Tanzkomplizen realisiert. Außerdem unterhält die Schule eine Kooperation mit der Jugendkunstschule Pankow (JUKS). Einmal im Jahr wird mit „Kunstkommt“ eine schuleigene Ausstellung der besten Schülerarbeiten durchgeführt.

Bereits 2004 beteiligte sich die Schule mit Schülern und Lehrkräften am vielfach prämierten Filmprojekt Rhythm Is It! 

Projektfahrten nach England und Spanien Traditionell findet nach Möglichkeit zu Beginn des 9. Schuljahres eine Fahrt nach Südengland statt, wobei neben Brighton und Umgebung auch die Hauptstadt London erkundet wird. Meist im Februar besteht für die Schüler mit zweiter Fremdsprache Spanisch die Möglichkeit, nach Barcelona zu reisen.

Multiprofessionelle Teams: Schulclub und Schulstation Im Haus der Künste und des Handwerks befinden sich ein Schulclub und eine Schulstation, die von Mitarbeitern der schulbezogenen Jugendsozialarbeit des Trägers RAA Berlin geleitet werden.

Projekte und Veranstaltungen Schülerstipendium In jedem Jahr werden seit 2010 in einem Auswahlverfahren Schüler der Schule ausgezeichnet und erhalten in der Folge ein Stipendium, das durch die Bildungsinitiative Pankow in Zusammenarbeit mit der Schule und dem Wirtschaftskreis Pankow vergeben wird. Aus jeder Klasse werden durch die Schüler zwei Teilnehmer am Auswahltag nominiert. Die Nominierten müssen am Auswahltag ein Assessment bewältigen, in dem sie Vertretern der freien Wirtschaft gegenübertreten. Für einige Jahre war die damalige Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Schirmherrin der Veranstaltung. Seit der Verleihung 2022 übernimmt die Pankower Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) die Schirmherrschaft für das Schülerstipendium.

Osterprojektwoche Vor Ostern widmet sich die ganze Schulgemeinschaft einem gemeinsamen Thema, das durch die Gesamtschülervertretung mitbestimmt wird. In den vielfältigen Projekten lernen die Schüler dann unterstützt von Experten fächerübergreifend und an selbstgewählten Themen.

Im Schuljahr 2013/14 wurde im Rahmen des Projektes Stark ohne Gewalt das Musical Streetlight zusammen mit der Band Gen Rosso einstudiert und zur Aufführung gebracht.

Praktikums- und Ausbildungsbörse Die Jahrgänge 9 und 10 nehmen im Rahmen des Profiltags an der Praktikums- und Ausbildungsbörse teil. Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen der Region stellen sich dafür den Schülern in der Schule vor. Unterstützt wird diese Maßnahme der Berufsorientierung vom langjährigen Partner Wirtschaftskreis Pankow. Daneben finden zahlreiche weitere Aktionen im Rahmen des Berliner Programms zur vertieften Berufsorientierung statt, an dem die Schule seit Jahren teilnimmt.

Tage der offenen Tür Jedes Jahr lädt die Heinz-Brandt-Schule zweifach zum Tag der offenen Tür ein. Ein Termin liegt meist Mitte Dezember, der zweite Mitte Januar.

Schulfest Zum Ende des Schuljahres findet das Sommerfest der Heinz-Brandt-Schule statt. Neben einem Bühnenprogramm mit musikalischen und anderweitigen Beiträgen präsentieren die Klassen und Kurse an einem Stand ihre Projekte. Es werden zudem die Herausforderungsgruppen geehrt, die meist erst kurz vor dem Sommerfest nach Berlin zurückkehren.

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage mini|SoR–SmC-Logo

Die Heinz-Brandt-Schule trägt seit dem Jahr 2016 den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR–SmC). Regelmäßig findet im Rahmen der politischen Bildung Projekte statt. Hierzu gehören unter anderem die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz-Birkenau für die höheren Jahrgänge. 2024 entstand hierzu auch ein Videotagebuch zur Reise nach Krakau und Auschwitz. Die jährliche Auseinandersetzung mit der Biografie des Namensgebers am Heinz-Brandt-Tag ist ebenfalls mit SoR–SmC-Projekten verbunden. Paten der Schule sind Klaus Mindrup (MdB, SPD) und Clara West (MdA, SPD).

Stolpersteine für Angehörige der Familie Behrendt mini|hochkant|Stolpersteine für Max und Meta Behrendt

Schüler der Heinz-Brandt-Schule verlegten im Jahr 2021 gemeinsam mit Angehörigen der Familie Behrendt Stolpersteine für MaxStolperstein für Max Behrendt und Meta BehrendtStolperstein für Meta Behrendt in der Hufelandstraße in Prenzlauer Berg. Das Projekt beinhaltete die Auseinandersetzung mit Biografien der beiden im Nationalsozialismus ermordetem Berliner jüdischer Herkunft, das Sammeln von Spenden zur Finanzierung der Herstellung der Stolpersteine sowie die Durchführung der Verlegung selbst. Die noch lebenden Angehörigen unterstützten den Prozess mit Besuchen in der Schule.

Am 8. Mai 2023 wurden mit Angehörigen der Familie Behrendt drei weitere Stolpersteine verlegt. In der Landsberger Allee 8 wurde Max Behrendt gedacht, der für seine Beziehung mit einer Nicht-Jüdin denunziert wurde. In der Barnimstraße 18 wurde Ottilie Reich und ihrem Sohn Michael Scharff gedacht. Alle drei Angehörige der Familie Behrendt wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Kampagne #UnLearnSchool von beWirken Als eine von bundesweit acht Schulen wurde die Heinz-Brandt-Schule ausgewählt, im fünfteiligen Episodenfilm Unlearn School – Auf dem Weg zum Lernen in der Zukunft Teile des innovativen Schulkonzepts zu präsentieren. In Episode 1 wird die umfangreiche Schülerpartizipation und das Projekt Herausforderung vorgestellt, in Episode 4 wird das Lernen im Kontext der Digitalität porträtiert. Neben den Protagonisten der Schulen kommentieren namhafte Bildungsexperten wie beispielsweise Bob Blume, Margret Rasfeld oder Peter Spiegel die Innovationsprojekte. Aus den Interviews und den Projektdarstellungen der einzelnen Schulen ist zusammen mit weiteren Gastbeiträgen zudem ein Buch entstanden, in dem die Heinz-Brandt-Schule auf mehreren Seiten Teile des innovativen Schulkonzepts darstellt.

Das Filmprojekt, das Buch und die social-media-Kampagne sind Teil des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Innovationsprojektes „Kulturwandel Lehrkräftefortbildung“, das seit Anfang 2022 in Abstimmung mit Lehrkräften, Schulleitungen und Bildungsexperten systemische Lösungsansätze für strukturelle Defizite in der Lehrkräftefortbildung entwickelt.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl) 2002: 1. Preis im Wettbewerb „Schule und Betrieb – Begegnung von zwei Welten“ 2011: Preisträger des Deutschen Schulpreises 2011: 1. Platz im Wettbewerb „Starke Schulen“ (Landesebene) 2016: Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ 2019: 1. Preis in der Kategorie „Sekundarschule“ beim Schulgartenwettbewerb der Lenné-Akademie 2022: Nationale Auszeichnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Deutschen UNESCO-Kommission für Bildung für nachhaltige Entwicklung 2023 und 2025: Auszeichnung als „Faire Schule“ durch das EPIZ Berlin 2025: Preisträger des Wettbewerbs „Berliner Klima Schulen“ Quelle: Übersicht der Preise und Auszeichnungen

Gebäude mini|Doppelturnhalle sowie angrenzendes Haus der Künste und Werkstätten

Die Heinz-Brandt-Schule verfügt über einen Altbau an der Langhansstraße (etwa von 1900), der auch das Schullogo ziert. 1925 wurde er durch die Doppelturnhalle nach Entwürfen von Erich Olzewski ergänzt. Beide Gebäude sowie das ganze Bauensemble sind denkmalgeschützt.

Seit 2012 ergänzt ein Neubau mit modernen Fachräumen das Schulensemble. Hinzu kommen eine vollständig sanierte Doppelturnhalle und das Haus für Künste und Handwerk mit Werkstätten, einer Lehrküche und den Räumen des Schulclubs (Schulsozialarbeit und Jugendarbeit an Schule).

Weblinks

Website der Heinz-Brandt-Schule Die Heinz-Brandt-Schule als eins von zwei Beispielen für die Schule der Zukunft. – Artikel zum Projekttag Global Goals auf lehrer-news.de