Der Hafen Oldenburg ist ein kombinierter Binnen- und Seehafen an der Hunte in Oldenburg (Oldb), Niedersachsen.
Geographie und Anbindung Der Hafen Oldenburg liegt an der Hunte östlich des Stadtzentrums und des alten Stadthafens. Er ist über die tidenabhängige Hunte und die Weser mit der rund 93 km (50 sm) entfernten Nordsee verbunden und liegt etwas östlich des hier beginnenden Küstenkanals. Dieser verläuft auf der Stadtstrecke zusammen mit der kanalisierten Hunte und trennt sich von dieser etwas unterhalb der rund 1,5 km entfernt liegenden Schleuse Oldenburg. Der Hafen liegt im Zentrum des Weser-Ems-Wirtschaftsraums.
Die Stadt ist über die BAB 28 (Leer, Ostfriesland, bis zur BAB 1 Autobahndreieck Stuhr) und BAB 29 (Wilhelmshaven bis zur BAB 1 Ahlhorner Heide) an das Fernstraßensystem angebunden. mini|Hafenpromenade in Oldenburg (2010) Für den Schienenverkehr ist Oldenburg ein Knotenpunkt der Bahnstrecken Bremen–Oldenburg, Oldenburg–Leer, Wilhelmshaven–Oldenburg und Oldenburg–Osnabrück.
Rondell Zum näheren Gelände gehört das Rondell auf der Ostseite des Oldenburger Hafens. Es wurde 1948/49 nach Plänen des Architekten Karl-Joseph Pfeiffer († 1958) als „Stautorcafé“ errichtet. Das markante Rundgebäude beherbergte über mehrere Jahrzehnte unter anderem eine Diskothek und ein Eiscafé und entwickelte sich zu einem bekannten Ausflugsziel der Stadt.
Nach der Trockenlegung weiterer Teile des Hafens im Jahr 1983 wurde an dieser Stelle der Stautorkreisel mit einer breiten, zum Hafenbecken ausgerichteten Aufenthaltsfläche angelegt. Seitdem wird die Anlage aufgrund ihrer Lage im Kreisverkehr als „Rondell“ bezeichnet. Im Jahr 2026 befindet sich dort ein Gastronomiebetrieb.
Geschichte
Entstehung und Ausbau des Hafens mini|Der Osthafen bei Dunkelheit Bereits im 13. Jahrhundert siedelten Händler an den Ufern der unteren Hunte. Im Jahr 1345 erhielt der Marktflecken Oldenburg die Stadtrechte nach Bremer Recht und damit Zugang zum Seehandel. Urkunden aus dem 14. Jahrhundert bezeugen, dass seitdem am Oldenburger Flusshafen verschiedene Waren umgeschlagen und „gestaut“ wurden. Der bis in die Gegenwart bestehende Straßenname Stau nimmt darauf Bezug.
Dank der Förderung von Graf Anton Günther entwickelte sich Oldenburg im 17. Jahrhundert zu einem erfolgreichen Standort der Seeschifffahrt. Am Hafen befand sich mit dem Stautor eines der fünf Tore der mittelalterlichen Stadtmauer.
Bis zum 19. Jahrhundert war der Hafen führender Binnenhafen im Oldenburger Land. Waren wie Fisch aus Norwegen, Dänemark und Island, Wein aus Frankreich sowie Holz aus Norwegen wurden hier importiert und für den Weitertransport in das Binnenland umgeschlagen.
Im Jahr 1846 wurde die Hunte begradigt und ausgebaut. Hierdurch konnten größere Schiffe den Hafen anlaufen. Gleichzeitig wurden die Gleisanschlüsse für die Bahnstrecke Oldenburg–Bremen ausgebaut. Die Ende der 1860er-Jahre zunächst als Drehbrücke gebaute Eisenbahnbrücke über die Hunte erhielt besondere Aufmerksamkeit, da ihre Konstruktion und Funktionsweise den Schiffsverkehr nicht behindern durfte. Im Jahr 1909 wurde die Kapazität der Liegeplätze im Oldenburger Hafen am Nordufer der Hunte erweitert.
mini|Hafenkräne im Osthafen
Die Fertigstellung des Küstenkanals im Jahr 1935 brachte die Verbindung über die Unterems in das Ruhrgebiet. Im Zweiten Weltkrieg blieb Oldenburg und damit auch der Hafen von größeren Zerstörungen verschont. In den 1960ern veränderte sich das Erscheinungsbild deutlich, beispielsweise als 1962/1963 Teile des historischen Hafenbeckens untertunnelt wurden. Im Jahr 1965 wurde eine neue Kaje am Südufer der Hunte gebaut. Die eigentliche Verlegung der Umschlagsaktivitäten aus dem alten Stadthafen an die ein wenig weiter flussabwärts gelegenen Ufer der Hunte erfolgte systematisch in den 1980er-Jahren.
Jüngere Vergangenheit im 21. Jahrhundert Von 2002 bis 2008 wurden die Untere Hunte und die Stadtstrecke des Küstenkanals ausgebaut. Dabei wurde die Hunte weiter begradigt und Engstellen beseitigt.
Im Jahr 2016 wurde der Hafenbetrieb an der Rheinstraße nahe der Innenstadt eingestellt und in den Hafenbereich an der Dalbenstraße bzw. im Osthafen verlagert. Das Gelände an der Rheinstraße steht gemäß Stadtentwicklungsplanung für Wohnungsbau zur Verfügung. 2017 wurde etwas unterhalb der Eisenbahnbrücke mit dem Ausbau einer neuen Wendestelle begonnen, die es Seeschiffen bis zu 110 m Länge erlaubt, Oldenburg anzulaufen. Die Wendestelle wurde 2021 in Betrieb genommen. 2019 wurde im Stadthafen eine neue Landungsbrücke für Fahrgastschiffe erstellt.
Nachdem die Eisenbahnbrücke, die bei Elsfleth über die Hunte führt, im Februar 2024 durch eine Schiffskollision zerstört wurde, und die eingerichtete Behelfsbrücke nicht beweglich ist, wird der Oldenburger Hafen voraussichtlich mehrere Jahre lang von der Seeschifffahrt abgeschnitten sein.Nach Schiffsunfall: Huntebrücke bei Elsfleth bekommt heute Ersatz, NDR, 23. April 2024
Güterverkehr, Gewerbe und Infrastruktur mini|Rhein-Umschlag am alten Standort mini|Neue Wohnbebauung an der Rheinstraße (2023) Der Hafen Oldenburg wird pro Jahr im Schnitt von 1000 Binnen- und 60 Seeschiffen angelaufen. Nach Angaben des Eigenbetriebs Hafen der Stadt Oldenburg wurden 2019 insgesamt 1.143.849 t Güter be- oder entladen (2020: 1,06 Mio. t, 2021: 0,8 Mio. tBenjamin Klare: Niedersächsische Häfen ziehen Bilanz. In: Täglicher Hafenbericht vom 23. Februar 2022, S. 3). Hauptsächlich werden Baustoffe (Sand, Kies, Natursteine und Split), Getreide und Futtermittel, chemische Erzeugnisse (Mineraldünger) sowie Sekundärrohstoffe (Altmetalle) umgeschlagen. Bei den Futtermitteln profitiert Oldenburg von Verlagerungseffekten aus anderen Häfen und von anderen Verkehrsträgern, wobei die günstige Lage Oldenburgs zu den Verarbeitern und Empfängern der Futtermittelindustrie die wichtigste Rolle spielt.
Die Binnenschifffahrt zeigte im Jahresvergleich das stärkste Wachstum, während die Menge der per Bahn transportierten Güter stagnierte.
Die Unternehmensgruppe Rhein-Umschlag hat zwei hydraulische Umschlagbagger installiert, um den Umschlag vom Schiff auf Zug und Lkw auf der Kaje zu ermöglichen. Je ein Gerät wird im Hafen Dalbenstraße und im Osthafen genutzt. Die 140 t schweren Hydraulikbagger ersetzen Krane aus den 1960er-Jahren.
Die Hafenwirtschaftsgemeinschaft Oldenburg bilden die Unternehmen Agravis, Rhein-Umschlag, Springer & Sohn, Vetra Betonfertigteile, modal3-Logistik mit der Stadt Oldenburg.
Der „Seemannsclub 50 Miles“ in Trägerschaft der Humanistischen Vereinigung bietet Seeleuten aus aller Welt in der Cloppenburger Str. 345 die Gelegenheit, während der Liegezeit ihrer Schiffe im Hafen von Oldenburg ruhige Stunden an Land zu verbringen und ein umfangreiches Betreuungsangebot zu nutzen.
Der über 100 Jahre bestehende Oldenburger Yacht-Club (OYC) hat seine Liegeplätze mit Maststellanlage im alten Stadthafen.
Weblinks
Hafen Oldenburg, Website der Stadt Oldenburg Website der Oldenburger Hafenwirtschaftsgemeinschaft
Einzelnachweise
Oldenburg Kategorie:Verkehrsbauwerk in Oldenburg (Oldb) Kategorie:Hunte Kategorie:Erbaut in den 1340er Jahren Oldenburg