L’incoronazione di Dario, RV 719, ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“) in drei Akten von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Adriano Morselli. Die Uraufführung fand am 23. Januar 1717 im Teatro Sant’Angelo in Venedig statt.
Handlung
„Argomento“
Kurzfassung
Erster Akt. Im Schlaf erscheint den beiden Töchtern des kürzlich verstorbenen persischen Königs Ciro dessen Geist. Ihr Vormund Niceno beruhigt sie. Dario bemüht sich um die Gunst der älteren Tochter Statira, deren Hand ihm den Thron sichern könnte. Während Statira, die unter Geistesschwäche leidet, ihn kaum versteht, verliebt sich ihre Schwester Argene in ihn und beschließt, die Macht an sich zu reißen. Auch der Militärführer Arpago und der vom Volk geachtete Oronte streben nach der Königswürde. Da der Machtkampf blutig zu werden droht, schlägt Dario vor, den Thron mit der Hand Statiras zu verbinden. Oronte muss sich seiner früheren Geliebten Alinda erwehren, die ihn zurückgewinnen will. Niceno stellt fest, dass er in sein Mündel Statira verliebt ist. Die beiden kommen sich beim Singen einer Kantate etwas näher. Argene verbündet sich mit Niceno, um Darios Ansprüche auf Statira zu sabotieren. Sie wollen ihr weismachen, dass Dario untreu sei.
Zweiter Akt. Argene verspricht Dario zum Schein ihre Unterstützung bei seiner Werbung um Statira. Sie diktiert ihm unter einem Vorwand einen Liebesbrief, den sie durch ihre Vertraute Flora Statira vorlegt. Er soll Darios Untreue beweisen. Die einfältige Statira hat jedoch keine Erfahrung in Liebesdingen und stört sich nach einem kurzen Moment der Eifersucht nicht weiter daran. Ein Orakel bekräftigt Darios Vorschlag, dass Statiras Ehemann Ciros Nachfolger werden soll. Arpago und Oronte stellen sich ihr vor, und beide erhalten ihre Zustimmung. Niceno versichert Statira, dass sie sich beliebig viele Liebhaber nehmen könne. Argene versucht vergeblich, Dario zu verführen und anschließend noch einmal bei ihrer Schwester zu denunzieren. Dennoch verspricht Statira auch Dario die Ehe. Als dieser von seinen ebenso erfolgreichen Rivalen erfährt, schwört er ihnen Rache.
Dritter Akt. Oronte und Arpago stellen fest, dass sie nicht die einzigen erfolgreichen Bewerber um den Thron sind, und geraten in Streit. Da Statira sie nicht beschwichtigen kann, entzieht sie ihnen ihre Zusage wieder. Mit Nicenos und Floras Hilfe setzt Argene einen heimtückischen Plan um: Sie lockt Statira aus der Stadt, wo angeblich ihre Hochzeit mit Dario stattfinden soll. Dort soll sie ausgesetzt und von wilden Tieren gefressen werden. Durch eine Unvorsichtigkeit Argenes erfährt Dario davon und folgt ihr. Niceno schickt Flora zurück in die Stadt und erklärt Statira, dass sie ihm nun ausgeliefert sei. Dario kann sie jedoch befreien. Sie akzeptiert seine Liebe nun und kehrt mit ihm zurück in die Stadt. Dort hat Argene inzwischen die Macht an sich gerissen und beginnt eine Gewaltherrschaft. Dario und Statira können das Schlimmste verhindern. Argenes Intrigen werden offengelegt und sie selbst festgenommen. Oronte findet wieder zu Alinda. Alle bejubeln das neue Königspaar Dario und Statira.
Erster Akt
(Von der Partitur abweichende Szenennummern des Librettos in eckigen Klammern)
Königliches Gemach mit zwei Betten
Szene 1. Der Geist des verstorbenen Königs Ciro fordert seine schlafenden Töchter Statira und Argene auf, nicht länger um ihn zu trauern (Accompagnato: „Figlie tergete i lumi, assai di pianto“).
Szene 2. Die beiden Prinzessinnen schrecken aus dem Schlaf auf und erzählen ihrem herbeieilenden Vormund Niceno von ihrem Traum. Niceno beruhigt sie: Ihr Vater lebe nun bei den Sternen und habe dort seinen Thron eingenommen (Duett Statira/Argene: „Cessi il pianto e il riso torni“).
Szene 3. Die Hofdame Flora teilt den beiden mit, dass Dario eine Audienz wünsche. Niceno rät ihnen, bei Besuchen von Männern vorsichtig zu sein, da sie versuchen würden, ihre Gefühle auszunutzen. Statira verspricht daraufhin, die Juwelen zu verstecken.
Szene 4. Dario macht Statira den Hof. Während diese seine Rede aufgrund ihrer geistigen Behinderung kaum versteht, verliebt sich Argene sofort in ihn. Trotz ihrer Eifersucht verspricht sie Dario, sich bei ihrer Schwester für ihn einzusetzen. Dario dankt ihr überschwänglich (Arie Dario: „Sarà dono del tuo amore“).
Szene 5. Argene und Flora sehen in Dario einen würdigen Nachfolger Ciros. Argene beschließt, alles zu unternehmen, um ihn für sich selbst zu gewinnen und den Thron an sich zu reißen (Arie Argene: „D’un bel viso in un momento“).
Szene 6. Flora will Argene folgen, da sie eine Heimtücke vermutet. Sie wird jedoch von Statira aufgehalten. Statira will wissen, was Dario gemeint habe, als er sie als Gefährtin für sein Bett und sein Reich erwählte, und was er konkret von ihr erwarte. Flora erklärt, dass sie die königliche Krone tragen müsse, damit das Volk sie respektiere. Außerdem müsse sie ihren treuen Untertanen Geschenke und Gefälligkeiten gewähren und ihren Gatten lieben. Statira versteht noch nicht alles. Sie verspürt aber bereits einen „gewissen Schmerz“, den sie für eine Trügerei Amors hält (Arie Statira: „In petto hò un certo affanno“).
Szene 7. Flora sorgt sich um die naive Statira (Arie Flora: „Arma il cor di bel coraggio“).
Hof; an der Seite ein Baldachin mit einer Statue des gekrönten Ciro
Szene 8. Hauptmann Arpago bekräftigt vor seinen Soldaten seinen Anspruch auf die Hand Statiras und den Thron und verspricht ihnen Reichtümer und dem Volk ein gutes Leben. Er greift nach der Krone der Statue, um sie sich selbst aufzusetzen. In diesem Moment erscheint Oronte und entreißt ihm die Krone.
Szene 9. Oronte besteht darauf, dass ihm selbst die Krone gebühre. Beide greifen zu ihren Schwertern und kämpfen gegeneinander. Auch zwischen Arpagos Soldaten und dem umstehenden Volk brechen Handgemenge aus (Sinfonia per il combattimento).
Szene 10. Dario tritt zwischen die Kämpfenden und fordert sie zum Waffenstillstand auf. Um das Leben unschuldiger Bürger nicht zu gefährden, soll der Himmel anhand von Opfergaben entscheiden, wer von ihnen die Kronprinzessin und das Reich erhalten wird. Die drei schwören, den Frieden zu halten. Arpago prahlt damit, dass er gewinnen werde (Arie Arpago: „Cinto il crin di verde alloro“).
Szene 11. Dario verachtet den überheblichen Arpago. Er hofft auf die Liebe der Prinzessin (Arie Dario: „Chi vantar può il suo valore“).
Szene 12. Auch Oronte ist zuversichtlich. Da erscheint seine von ihm verlassene frühere Geliebte Alinda, die ihm in die Hauptstadt gefolgt ist, um ihn zurückzugewinnen. Oronte weist sie brüsk zurück (Arie Oronte: „Lasciami lasciami in pace“).
Szene 13. Alinda ist erschüttert über Orontes grobes Verhalten. Sie fühlt sich gezwungen, seine Beschimpfungen zu ertragen, und beklagt sich über die sozialen Einschränkungen, denen die Frauen unterliegen (Arie Alinda: „Se si potesse amar“).
Das Gemach Nicenos mit Globen, Büchern sowie chemischen, mathematischen und musikalischen Instrumenten
Szene 14. Niceno komponiert mit Hilfe seines Violoncellos (eigentlich eine „Viola all’Inglese“ bzw. Viola da gamba) eine Kantate. Dabei muss er an Statira denken, die er insgeheim liebt.
Szene 15 [14f]. Statira hört Niceno eine Weile unbemerkt zu (Arioso Statira: „Godi pur de’ tuoi diletti“) und tritt dann hervor. Sie singen gemeinsam Nicenos Kantate, wodurch Statira unwissentlich seine Liebesgefühle bestätigt (Statira: „Ardo tacito amante e, il foco moi“ – Statira: „L’adorar beltà, che piace“). Sie bittet ihn, ihr zur Seite zu stehen, wenn sie mit Dario verheiratet ist, den sie für einen trügerischen Liebhaber hält (Statira: „L’occhio, il labro, il seno, il core“).
Szene 16 . Argene teilt Niceno mit, dass sie selbst den Thron mit Dario besteigen wolle. Er soll ihrer Schwester einreden, dass Dario seine Liebe lediglich vortäusche. Da dies auch Nicenos eigenen Wünschen entspricht, ist er einverstanden. Argene verspricht ihm eine großzügige Belohnung und beruhigt ihr eigenes Gewissen (Arie Argene: „Affetti del cor mio non vi condanno“).
Szene 17 . (Urfassung: längeres Rezitativ) Nicenos Gefühle schwanken zwischen Hoffnung auf Liebeserfüllung und Furcht (Arie Niceno: „Qual’è à l’onte dè venti sul monte“).
Zweiter Akt
Argenes Gemächer
Szene 1. Während er auf Argene wartet, besingt Dario sein Liebesleid (Arioso Dario: „Cessa Tiranno amor“). Als sie eintrifft, erkundigt er sich sofort nach Statira. Das weckt Argenes Eifersucht, und sie deutet an, dass sie selbst ebenfalls verliebt sei. Dann teilt sie Dario mit, dass Statira ein Herz aus Stein habe. Sie werde sich aber weiterhin bemühen, es zu erweichen. Sie bittet Dario, für sie einen Brief an ihren Angebeteten zu schreiben, da ihre Hand zu sehr zittere.
Szene 2. Nachdem Flora einen Stuhl gebracht hat, beginnt Argene mit dem Diktat des Liebesbriefs. Zwischendurch flüstert sie Flora zu, was sie damit eigentlich beabsichtige. Bevor er sich verabschiedet, dankt Dario ihr für ihre Hilfe bei Statira (Arie Dario: „Placami la mia bella“).
Szene 3. Argene trägt Flora auf, ihrer Schwester den Brief zu zeigen und dabei zu erwähnen, dass er für sie selbst bestimmt war. Sie soll glauben, dass Dario ihr untreu sei (Arie Argene: „Fermo scoglio in mezzo al mare in mezzo al mare“).
Szene 4. Als Flora ihr den Brief bringt, schwört Statira Dario fürchterliche Rache für seine vermeintliche Untreue (Arioso Statira: „Dalle furie tormentata“). Doch dann erkennt sie, dass es ihr eigentlich egal ist. Dario und ihre Schwester dürfen gerne ein Paar werden. (Von einer Arie der Urfassung ist nur der Schluss erhalten.)
Szene 5. Flora glaubt, dass Statira nicht in der Lage ist, die Ursache ihres Schmerzes zu erkennen (Arie Flora: „Lo spietato crudo amore“).
Weites Gelände, auf dem sich die Perser versammeln, um die Sonne anzubeten; an einer Seite ein Pavillon
Szene 6. Dario, Oronte und Arpago beten um eine Offenbarung, wer von ihnen das Reich regieren soll (Arioso Dario/Oronte/Arpago: „Lampa eterna, eterna face“). In einer von Licht umhüllten Kugel erscheint Apollo und verkündet, dass derjenige den Thron besteigen werde, der Ciros ältere Tochter heirate (Accompagnato Orakel: „Quello che la figlia maggior“). Alle drei Anwärter und besonderes Oronte sind zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen (Arie Oronte: „Non mi lusinga vana speranza“).
Szene 7. Niceno bereitet Statira darauf vor, die Bewerber zu empfangen. Sie ist sich über ihre eigenen Gefühle noch immer nicht im Klaren und weiß nicht einmal, ob und auf wen sie eifersüchtig sein sollte.
Szene 8. Als erster stellt sich Arpago vor und weist auf seine Loyalität im Krieg hin. Mit Nicenos Zustimmung reicht Statira ihm ihre Hand. Arpago wähnt sich bereits als Sieger (Arie Arpago: „Mi và scherzando in sen“).
Szene 9. Oronte gefällt Statira ebenfalls, und sie reicht auch ihm die Hand, zumal Niceno ihr versichert, dass sie sich so viele Liebhaber nehmen könne, wie sie wolle.
Szene 10. Alinda tritt hervor und bittet Statira, Oronte ihr zu überlassen. Statira beruhigt sie und zieht sich mit Niceno zurück (Arie Statira: „Sereno il fosco nubilo“).
Szene 11. Alinda versichert Oronte ihrer ungebrochenen Liebe. Oronte bleibt jedoch bei seiner Ablehnung (Arie Oronte: „Se fui contento“).
Szene 12. Alinda leidet unter der Zurückweisung, kann Oronte aber immer noch nicht aufgeben (Arie Alinda: „Io son quel augelletto“).
Argenes Zimmer mit einem Pavillon
Szene 13. Argene sehnt sich nach Dario (Arioso Argene: „Dario amato, e dove sei?“).
Szene 14 [13f]. Als Flora dessen Ankunft meldet, lässt Argene ihn sofort vortreten, obwohl sie noch nicht angekleidet ist. Sie hofft, dadurch seine Gefühle zu wecken.
Szene 15 . Nachdem Dario eingetreten ist, gibt Argene vor, sich zu erschrecken, und beschimpft Flora für ihren angeblichen Fehler.
Szene 16 [14f]. Argene gelingt es nicht, Dario ihre Liebe zu erklären, da seine Gedanken ausschließlich auf Statira gerichtet sind.