Der Kalifornische Maulwurf (Scapanus latimanus) ist eine Säugetierart aus der Gattung der Westamerikanischen Maulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Sein Verbreitungsgebiet umfasst die Westküste Nordamerikas, wo er vom südlichen Oregon bis in den Süden von Kalifornien auftritt. Dort bewohnt er Landschaften mit offener oder geschlossener Vegetation auf feuchten Böden. Die Lebensräume reichen von Tieflandgebieten bis in höhere Gebirgslagen. Es handelt sich um einen mittelgroßen Vertreter der Westamerikanischen Maulwürfe. Wie seine Verwandten ist der Kalifornische Maulwurf an eine grabende Lebensweise angepasst. Er zeichnet sich durch einen walzenförmigen Körper mit kurzem Hals und grabschaufelartigen Vordergliedmaßen aus. Das Fell ist schwarzbraun bis silbergrau gefärbt.
Über die Lebensweise liegen nur bedingt Informationen vor. Die Tiere legen unterirdische Tunnel und Gänge an, die in mehreren Ebenen verlaufen und pflanzengepolsterte Nester enthalten. Die Ernährung basiert auf Wirbellosen. Der Nachwuchs kommt wahrscheinlich einmal jährlich zur Welt. Die Art wurde im Jahr 1841 wissenschaftlich eingeführt, galt aber im Verlauf des 19. Jahrhunderts als identisch mit dem Townsend-Maulwurf. Diesbezüglich gab es auch eine Zeitlang Unklarheiten über den genauen Fundort der Belegexemplare. Die Stammesgeschichte reicht bis in das Altpleistozän zurück, der größere Teil der Fossilfunde entstammt dem Jungpleistozän. Heute sind mehrere Unterarten anerkannt. Der Bestand wird als nicht gefährdet eingestuft.
Merkmale Habitus mini|Vordergliedmaße eines Kalifornischen Maulwurfs Der Kalifornische Maulwurf ist ein mittelgroßer Vertreter der Westamerikanischen Maulwürfe. Seine Kopf-Rumpf-Länge variiert von 13,1 bis 15,3 cm. Der Schwanz wird 2,3 bis 3,8 cm lang. Das Gewicht reicht von 55,6 bis 73,9 g, sehr große Individuen können auch bis zu 85,0 g wiegen. Es gibt starke geographische Unterschiede. Tiere aus dem trockenen südlichen Verbreitungsgebiet sind deutlich kleiner als solche aus dem feuchten nördlichen und östlichen. Zudem besteht ein Geschlechtsdimorphismus mit durchschnittlich größeren männlichen gegenüber weiblichen Individuen. Im äußerlichen Erscheinungsbild gleicht der Kalifornische Maulwurf seinen Verwandten. Wie diese ist er an eine grabende Lebensweise angepasst. Dadurch zeigt sich sein Körper walzenförmig, der Hals ist kurz und die vorderen Gliedmaßen sind zu Grabwerkzeugen mit breiten, kräftigen Nägeln umgestaltet. Die Schnauze ist konisch zugespitzt und unbehaart sowie rosafarben. Sie zeichnet sich durch sichelförmige Nasenlöcher aus. Die Augen sind winzig und werden vom Fell nahezu vollständig verdeckt, äußere Ohrmuschel sind nicht erkennbar. Das kurze, seidige Fell ist schwarzbraun bis silbergrau gefärbt und weist zuweilen eine messing- oder kupferfarbene Rückenbehaarung auf. Im Winter dunkelt das Fell ab, Tiere aus dem trockenen Süden sind generell heller. Bei einigen Exemplaren kommen creme- bis orangefarbene oder weißliche Flecken am Kinn und im Gesicht vor beziehungsweise sie sind generell zimt- bis fahlgelb gefärbt. Insgesamt treten aber Individuen mit Farbanomalien eher selten auf. Den Schwanz bedeckt ein dichter silberfarbener Haarflaum. Der Hinterfuß misst 16 bis 2,5 cm in der Länge. Weibchen haben vier Paare an Zitzen, zwei in der Brust- und jeweils eins in der Bauch- und Lendengegend.
Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel wird 31,8 bis 37,4 mm lang und im Bereich der Warzenfortsätze 15,9 bis 17,7 mm breit. Die Weite auf Höhe der Augeneinschnürung beträgt 7,3 bis 8,6 mm. Der Abschnitt im Bereich der Orbita ist rechteckig gestaltet. Insgesamt ist der Schädel schlanker als im Verhältnis beim Südlichen Kalifornien-Maulwurf (Scapanus occultus), so dass die Mastoidbreit weniger als 49 % der Gesamtlänge ausmacht. Die Stirnlinie verläuft relativ gerade und flach. Im Vergleich zum Townsend-Maulwurf (Scapanus townsendii) und zum Pazifischen Maulwurf (Scapanus orarius) wirkt das Rostrum kürzer und breiter. Der Mittelkieferknochen überragt nach vorn das Nasenbein. Die Nasenöffnungen sind nach vorn gerichtet. Der Gaumen ist deutlich gestreckt. Der moderat massige Unterkiefer weist einen langgestreckten Kronenfortsatz auf. Wie bei den meisten anderen Westamerikanischen Maulwürfen besteht das Gebiss aus 44 Zähnen, die Zahnformel lautet: . Abweichend zu den weiter südlich verbreiteten Westamerikanischen Maulwürfen wie der Südliche Kalifornien-Maulwurf und der Baja-California-Maulwurf (Scapanus anthonyi) kommt es beim Kalifornischen Maulwurf nicht zu einer Reduktion der Zahnanzahl. Entsprechend den übrigen Neuweltmaulwürfen ist der erste obere Schneidezahn stark vergrößert, zusätzlich kommt beim Kalifornischen Maulwurf ein großer, eckzahnartiger unterer zweiter Schneidezahn vor, der die beiden anderen überragt. Die Prämolar stehen anders als beim Townsend-Maulwurf dicht gedrängt. Sie verfügen alle über jeweils eine Wurzel. Die vorderen Zähne einschließlich der ersten beiden Prämolaren der oberen und unteren Zahnreihe sind einspitzig (unicuspid), variieren in ihrer Größe aber stärker. Die beiden hinteren Prämolaren und die ersten beiden Molaren sind gegenüber den vorderen Zähnen außerordentlich groß. Die oberen Zahnreihe wird 10,2 bis 11,6 mm lang, die untere Prämolaren-Molarenreihe hingegen 9,6 bis 11,3 mm.
Genetische Merkmale Der diploide Chromosomensatz lautet 2n = 34. Es besteht aus insgesamt 16 zweiarmigen Autosomenpaaren, die Form der Geschlechtschromosomen ist unbekannt. Die Anzahl der Arme der Autosomen (fundamentale Anzahl) wird mit 60 angegeben.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Kalifornischen Maulwurfs Das Verbreitungsgebiet des Kalifornischen Maulwurfs erstreckt sich mit mehreren Unterarten entlang der Pazifikküste vom südlichen Oregon bis über weite Gebiete Kaliforniens. Die Nordgrenze wird etwa beim Crater Lake im Klamath County und dem Fort Rock Basin im Lake County erreicht, die Südgrenze liegt etwa auf Höhe von Santa Barbara und dem Yosemite Valley. Das östlichste Vorkommen erreicht den Westrand Nevadas. Eine isolierte Population besteht auf Angel Island in der Bucht von San Francisco. Ausgespart vom Vorkommen der Art bleiben Teile des San Joaquin Valleys. Der Kalifornische Maulwurf tritt bevorzugt in Gebieten mit feuchten und reichhaltigen Böden auf, die mit Wiesen, Weiden sowie Wäldern mit geringer Bodenvegetation bestanden sind. Die Höhenverbreitung reicht vom Meeresspiegelniveau bis in höhere Gebirgslagen. Hochgelegene Nachweise fanden sich mit rund 2900 m im Yosemite-Nationalpark in der Sierra Nevada sowie mit rund 2600 m in der Kaskadenkette. Im nördlichen Teil schließt der Lebensraum offene Buschgebiete mit Artemisia-Pflanzengemeinschaften ein, im Süden auch wüstenartige Landschaften. Vor allem hier suchen die Tiere bevorzugt feuchtere Bereiche etwa unter Felsblöcken auf. Generell sind felsige Regionen sowie steinige oder tonige Böden jedoch ein Hindernis für die Verbreitung der Art. Auf sehr sandigen Böden fehlt sie ebenfalls, da dort entweder nicht genügend Nahrung zur Verfügung steht oder der Boden für den Bau von unterirdischen Tunneln ungeeignet ist. Ebenso können die Tiere in Gebieten, in denen der Boden für lange Zeit gefroren bleibt, nicht überleben.
Lebensweise Territorialverhalten mini|Kalifornischer Maulwurf in den Portola Highlands Die Lebensweise des Kalifornischen Maulwurfs ist vergleichsweise ungenügend erforscht. Die Tiere leben unterirdisch und graben mit ihren kräftigen Vorderfüßen Tunnelsysteme. Diese verlaufen in mehreren Ebenen. Oberflächennahe Gänge liegen häufig nur 2 cm tief und sind oberirdisch als Rippeln erkennbar, die zahlreiche Abzweigungen aufweisen. Tiefere Tunnel verlaufen rund 25 bis 45 cm unter der Erdoberfläche. Hier befinden sich auch die Nester, die mit Pflanzen ausgepolstert werden und zusätzlich zum Schutz unter Wurzeln oder Büschen liegen. Die beim Graben anfallende überschüssige Erde wird in charakteristischen Auswurfhügeln (Maulwurfshügel) an die Oberfläche gedrückt. Da das Aushubmaterial von unten nach oben geschoben wird, sind die Tiere selten an der Oberfläche des Hügels sichtbar. Jedes Individuum beansprucht ein eigenes Gangsystem. Aufgelassene Gänge können innerhalb von eins bis zwei Tagen wieder besiedelt werden. An der zentralsüdlichen Küste von Kalifornien wurden drei Gangsysteme in einem Abstand von 1,0 bis 1,5 km zueinander dokumentiert.
Der Kalifornische Maulwurf ist ein guter Schwimmer und bewegt sich dabei mit alternierenden Bewegungen der Vorder- und Hinterbeine fort. Ein Tier schwamm bis zu sechs Minuten lang ohne zu ermüden, allerdings war nach rund einer Minute das Fell so stark durchnässt, dass es den Körper nicht mehr waagerecht halten konnte. Auf festem Boden erreicht der Kalifornische Maulwurf eine Geschwindigkeit bis zu 0,6 m je Sekunde auf einer überwundenen Distanz von rund 12 m.
Ernährung Über die Ernährungsweise wildlebender Individuen liegen aufgrund der versteckten Lebensweise unter der Erdoberfläche nur Einzelergebnisse vor. Der Mageninhalt eines einzelnen Tieres aus Oregon bestand zu 80 % aus Weichtieren und zu 20 % aus unbestimmten Käfern. In Küstennähe werden wohl Sandflöhe wie Megalorchestia vertilgt. Sehr sporadisch vertilgt der Kalifornische Maulwurf seine Nahrung an der Erdoberfläche, ein beobachtetes Individuum fraß dabei einen Spanner. In Gefangenschaft gehaltene Tiere verzehrten sowohl Regenwürmer als auch Fleisch. Die täglich konsumierte Menge betrug zwischen 53,4 und 107,7 % des eigenen Körpergewichts. Sie war bei ausschließlicher Regenwurmnahrung größer als bei reiner Fleischnahrung. Außerdem tranken sie regelmäßig Wasser.
Fortpflanzung Die Fortpflanzung findet vermutlich einmal jährlich statt. Paarungsbereite Männchen wurden im frühen Januar beobachtet, ein nahezu ausgewachsenes Jungtier im Mai. Die Wurfgröße liegt bei zwei bis fünf, durchschnittlich vier Jungen. Sie verbleiben in einem mit Pflanzen gepolsterten unterirdischen Nest. Im Alter von zehn Tagen sind sie rund 7,2 bis 7,5 cm lang. Nach 30 bis 35 Tagen verlassen die Jungen das Nest.
Fressfeinde und Parasiten Da der Kalifornische Maulwurf nahezu ausschließlich unter der Erdoberfläche lebt, ist die Anzahl der Fressfeinde begrenzt. Gelegentlich werden Individuen jedoch von Fichtenmardern, Schleiereulen, Kornweihen oder Rotschwanzbussarden erbeutet. Nach Untersuchungen im nordöstlichen Kalifornien beträgt beim Fichtenmarder der durchschnittliche Volumenanteil der Maulwurfsart am gesamten Beutespektrum 3,6 % und der Gewichtsanteil 3,5 %. Im Herbst liegt der jeweilige Anteil mit 7,2 % beziehungsweise 6,9 % gut doppelt so hoch wie im Frühjahr mit 3,2 % beziehungsweise 3,5 %. Durchschnittlich wurde der Kalifornische Maulwurf in rund 2,6 % aller untersuchten Kotreste nachgewiesen. Beobachtungen über die Jagd des Rotschwanzbussards auf die Tiere beschränken sich auf die erste Jahreshälfte, was eventuell mit dem Fortpflanzungsverhalten des Kalifornischen Maulwurfs zusammenhängt.
Bisher wurden zumeist äußere Parasiten dokumentiert. Belegt sind unter anderem Flöhe der Gattung Corpsylla, des Weiteren Zecken der Gattung Ixodes und Milben der Gattungen Androlaelaps und Haemogamasus.
Systematik