Das Museum der Weltmeere () in Kaliningrad (Königsberg) ist das führende Schifffahrts- und Meeresmuseum Russlands, das sich auch wissenschaftlich mit dem Bereich der Geschichte der Erforschung der Weltmeere befasst. Der Hauptsitz des Museum befindet sich im alten Königsberger Hafen am Pregel. Außenstellen sind im Stadtgebiet von Kaliningrad, in Swetlogorsk und in St. Petersburg vorhanden.
Geschichte Durch die Regierung der RSFSR wurde das Museum mit Beschluss vom 12. April 1990 gegründetMinisterrat der RSFSR, Resolution Nr. 116 «О создании Музея Мирового океана Министерства культуры РСФСР в г. Калининграде» (dt.: über die Einrichtung des Museums des Weltozeans des Kulturministeriums der RSFSR in Kaliningrad) und 1996 zu Ehren des dreihundertsten Jahrestages der russischen Flotte feierlich eröffnet. Es ist bedeutend in der Art und Vielseitigkeit von Objekten und Exponaten und ein Anziehungspunkt für Touristen, die die Möglichkeit haben, experimentelle Forschungs- und Militäreinrichtungen zu sehen. Die Gesamtfläche des Museums beträgt 10.818 m². Einige Exponate und Ausstellungsgebäude liegen außerhalb des Museumsgeländes.
Ausstellungsgelände Die auf diverse Gebäude verteilten Ausstellungen präsentieren die Geschichte der Erforschung und Erschließung der Weltmeere. Einige historische Gebäude aus deutscher bzw. preußischer Zeit wurden restauriert und später in das Museumsensemble integriert. Ergänzt wird es durch Neubauten. Das Museumsufer umfasst:
150x150px Das Hauptgebäude wurde im September 2003 für den VII. Internationalen Kongress zur Geschichte der Ozeanographie eröffnet. Im Jahr 2004 wurde die Ausstellung „Ozean Welt. Ein Hauch ...“ mit artenreichen Meerwasseraquarien, einzigartigen Sammlungen von Meeresmollusken, Muscheln, Korallen, geologischen und paläontologischen Exponaten eröffnet. Im zweiten Stock des Hauptgebäudes befindet sich die Kongresshalle, die für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen und Präsentationen genutzt wird. Der dem Lampenhaus eines Leuchtturms nachempfundene Dachaufbau mit Leuchtfeuer ohne Funktion sowie eine Aussichtsplattform mit Blick auf die Sammlung der am Kai liegenden, historischen Flotte und auf den Königsberger Dom auf der Kneiphof-Insel krönen das Hauptgebäude. 150x150px|zentriert Das architektonische Konzept des 2018 fertig gestellten, Планета океан vom 27. Februar 2018. neuen Museumszentrums Планета океан (dt.: Ozeanplanet) verwendet geometrische Formen: Die Ausstellungsräume sind in einer fast 29 m hohen verglasten Kugel in der Form eines Ozeanplaneten, die auf einer riesigen Meereswelle ruht, untergebracht, sowie das Lager und die Pavillons der Marine- und Bildungszentren in der Form eines Würfels, wodurch eine assoziative Verbindung mit dem Volumen der Ozeane entsteht. Das Gebäude umfasst sowohl die Ausstellung selbst als auch Aquarien, ein Exploratorium, ein Kino mit Planetarium, Kunstlabors, Außengelände, einen Konferenzsaal und andere themenbezogene Einrichtungen. Wegen erheblicher Mängel an der Glasverkleidung musste diese 2019 von einem anderen Unternehmen erneut ausgeführt werden. 150x150px|zentriert|Packhof (historische Aufnahme)150x150px|zentriert|Ausstellung im Inneren In den Gebäuden des historischen, restaurierten Packhofs () ist die Ausstellung „Marine Königsberg-Kaliningrad“ () zu sehen. Die Lagerhäuser wurden Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Im gleichen Zeitraum legte man wahrscheinlich die Kaimauer und eine gepflasterte Umschlagfläche und ein Areal für den Schiffbau an. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auch die Eisenbahnbrücke und bald darauf ein großer Eisenbahnknotenpunkt angelegt, der es ermöglichte, Fracht von Hafenlagern in Wagen umzuladen und an ihren Bestimmungsort zu verschicken. Die Anlagen entlang des Flusses wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Seit dem Jahr 2000 wird daran gearbeitet, die Überreste eines hölzernen Segelschiffs aus dem 19. Jahrhundert zu konservieren, das im Bernsteinabbaugebiet östlich von Jantarny (, ) gefunden wurde. Die Kaimauer und der Bürgersteig wurden vom Museum in den Jahren 2000–2003 restauriert. Schwerpunkt ist die Ausstellung „Tiefe“, die sich mit der Tiefseeforschung befasst. Bedeutende Exponate der Ausstellung sind das bemannte Tiefseefahrzeug Mir-1 (Bathyscaph) sowie eines der größten Pottwalskelette der Welt. Auf der Ausstellungsfläche um die Gebäude herum kann man maritime Exponate mit Schwerpunkt auf Tiefseetauchen und eine reichhaltige Sammlung Seekriegsgerät besichtigen. 150x150px|zentriert 2007 wurde das auf dem gegenüberliegenden Pregelufer liegende Baudenkmal Festung Groß Friedrichsburg aus dem 19. Jahrhundert an das Museum übergeben. Am 17. Mai 2011 wurde das Tor als des russischen Weltmeeresmuseums eröffnet. Es zeigt eine Ausstellung von Gegenständen aus allen Teilen Russlands, unter dem Titel „Die Auferstehung der Schiffe“, welche Peter dem Großen gewidmet ist. Zukünftig sollen Ausstellungen über die Geschichte der russischen Seefahrt bzw. über die russische Marine zu sehen sein. Die Festung dient zur Unterbringung von verschiedenen historischen Schiffsmodellen. Auf einem der vier Festungstürme wurde eine Aussichtsplattform eingerichtet. 150x150px|zentriert Die ehemalige, eingleisige Eisenbahnbrücke am Holländerbaum von 1889, jetzt auf dem Gelände des Museums, war die erste Stahlbrücke in Königsberg. Es war eine Verbindung zwischen dem Süd- und Ostbahnhof, dem ehemaligen Pillauer Bahnhof geschaffen worden. Als wesentliche Neuerung besaß die Brücke einen Kniehebelmechanismus statt des üblichen Schraubenhubwerkes. Sie führte die Bahnstrecke Königsberg–Pillau über den Pregel. Die Brücke wurde 1929 mit der Errichtung der neuen Reichsbahnbrücke außer Betrieb gesetzt, blieb aber für Katastrophenschutzmaßnahmen erhalten. Die Brücke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Hebebrücke wieder aufgebaut und ist inzwischen außer Betrieb.
Exponate Am Pregelkai des alten Königsberger Hafens zwischen „Holländischer Baum“ und Hundegatt liegen diverse Museumsschiffe, meist begehbar und mit themenbezogenen Ausstellungen:
150x150px|zentriert Das auf dem Kai ausgestellte Flugboot Berijew Be-12 Tschaika (Möwe, ) konnte auf dem Wasser und auf festem Untergrund starten und landen. Entwickelt wurde es als militärischer Seeaufklärer zur See- und Küstenüberwachung, zur Suche nach Bodenschätzen, zur U-Boot-Jagd und zur Seenotrettung. Dieser Typ ist weiterhin in Betrieb. 150x150px|zentriert Auf dem ehemaligen Forschungsschiff Witjas (, ) wurde ein Museum der Meeresforschung eingerichtet.Hartmut Ehlers: Museum Ships in Kaliningrad. In: Marine News. Vol. 56, No. 3, März 2002, S. 146–147. Es enthält auch Kopien der Schiffszeichnungen der Witjas, die als Mars, von der Deschimag im Wesermünder Werk Seebeck für die Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Neptun“ in Bremen gebaut wurde. Man sieht auch Fotografien des Inneren der Witjas, die 1948 nach der Umrüstung des Schiffes auf der Mathias-Thesen-Werft zum Forschungsschiff in Wismar aufgenommen wurden. Im Jahr 2001 wurde an Bord eine große Ausstellung eingerichtet – eine „Bernsteinhütte“. Die Sammlung wird jährlich mit Sonderausstellungen der größten und ungewöhnlichsten Steine, die hauptsächlich in und an der Ostsee abgebaut werden, aufgefüllt. Bis 2008 bestand die Ausstellung aus 3.414 Einheiten. Der größte Bernstein wiegt 1.208 Gramm. Während der Reise im Rahmen des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957 wurde das nach dem Schiff benannte Witjastief 1 im Marianengraben entdeckt, das mit 11.034 m als die tiefste bekannte Stelle der Weltmeere galt. 150x150px|zentriert Das einzige U-Boot-Museum Russlands ist auf dem B-413 (). Auf Befehl des Oberbefehlshabers der Marine wurde B-413 am 3. September 1999 außer Dienst gestellt. Nach der Anweisung des Kommandanten der baltischen Flotte wurde es von Kronstadt nach Kaliningrad verlegt, wo es Ende 1999 in der Ostseewerft Jantar () angedockt wurde, um es als Museum umzurüsten. Am 14. Juni 2000 machte das U-Boot am Museumspier fest und am 1. Juli 2000 fand die feierliche Übergabe durch die Ostseeflotte an das Museum statt. Auf dem U-Boot ist die Ausstellung „Aus der Geschichte der russischen U-Boot-Flotte“ zu sehen. 150x150px|zentriert Der ehemalige Fischtrawler SRT-129 () ist das einzige Museumsfischereifahrzeug in Russland. Das Schiff wurde 2007 in die Sammlung aufgenommen und ist ein typisches Fischereifahrzeug, wie es immer noch von Ostseefischern eingesetzt wird. Das Schiff hat ein für die Öffentlichkeit zugängliches Steuerhaus, maßstabsgetreue Modelle von Fischereifahrzeugen und zeigt Filme über die Fischerei in Russland und in der ehemaligen UdSSR. 150x150px|zentriert Das einzige Schiff für Weltraumnachrichtenverbindungen Kosmonavt Viktor Patsaev (). Das nach dem verunglückten Wiktor Pazajew benannte Forschungsschiff von Roskosmos liegt seit 2001 am Pier des Museums vor Anker. Bis 1994 bestand die Hauptaufgabe des Schiffes darin, Telemetriedaten zu empfangen, zu analysieren und die Funkkommunikation zwischen dem Raumschiff und dem Missionskontrollzentrum bereitzustellen. Am 14. April 2001 wurde das Schiff am Museumsanleger festgemacht, am 23. April wurde auf ihm die Ausstellung Kosmische Odyssee eröffnet. Das Feuerschiff Irbenski () ist der letzte bemannte, schwimmende Leuchtturm der Welt. Das ein paar Jahre nach Betriebsaufgabe fast schon schrottreife Schiff wurde später zum Maritimen Erbe Russlands erklärt, womit die Finanzierung einer Restaurierung gesichert war. Am 29. Oktober 2017 verlegten zwei Schlepper die Irbenski an die Werft Kronstadt. Inzwischen ist die restaurierte Irbenski Bestandteil der Ausstellungen und hat ihren Liegeplatz direkt vor dem „Ozeanplanet“.
Kunstobjekte Auf dem Gelände des Museums stehen einige Objekte von kultureller Bedeutung: