Das Castello di Barletta ist eine Küstenfestung in Barletta in der italienischen Region Apulien. Die heutige Anlage ist das architektonische Resultat einer Reihe von An- und Umbauten durch eine Reihe mehrerer aufeinander folgender Dynastien vom 11. bis zum 18. Jahrhundert. Ursprünglich war die Festung, umgeben vom Meer, das auch den Graben rund um die Burg füllte und sie vor möglichen feindlichen Angriffen schützte, zum Zwecke der Verteidigung errichtet worden und ist heute ein strategischer Punkt im Stadtleben und wichtiger Meilenstein der Stadt. Heute ist sie Sitz der Stadtbibliothek, des Stadtmuseums und eines Versammlungs- und Ausstellungssaals.
Zu den dort erhaltenen Werken gehört außer einer mutmaßlichen Büste von Kaiser Friedrich II. aus Kalkstein, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, auch der „Sarkophag des Apostels“ mit einem steinernen Halbrelief, ein erstes Zeugnis des Christentums in Barletta, das aus dem 3. oder 4. Jahrhundert stammt.
Geschichte Normannische Zeit (1046–1194) Die Hypothesen über die Entstehung des ersten Kerns der heutigen Festung legen dessen Ursprünge auf die Zeit zwischen 1046 und 1050 fest, schreiben ihn den Normannen zu und meinen, dass sie auf der für dieses Volk typischen Gewohnheit basieren, das Land neben dem zu erobernden Territorium zu befestigen, indem sie Türme in Sichtweite des anschließend zu erobernden Gebietes bauten. Aus diesem Grund bemächtigte sich der Graf Peter, der Normanne, zur Vorbereitung eines Angriffs auf die Stadt Trani, die bis 1054 unter byzantinischer Herrschaft war, des unverteidigten Territoriums von Barletta und ließ eine Festung zur Verteidigung südwestlich der heutigen Anlage errichten. Zur selben Zeit wurde der erste Mauerring gebaut, in dem die Siedlung in zwei Kerne aufgeteilt war, den von „Santa Maria“ in der Nähe der Festung und des alten Mariendoms von Barletta und den von „San Giacomo“ im Westen, um die heutige Kirche San Giacomo.
Der Besitzübergang von dem normannischen Grafen an seinen Sohn Pietro II. im Jahre 1067 und der nachfolgende Krieg um die Nachfolge in der Macht bezog auch die Altavillas aus Sizilien ein, machte Apulien zum Schauplatz eines offenen Krieges und sorgte dafür, dass das Territorium von Barletta in den Machtbereich Wilhelms I. von Sizilien fiel, der seinem Vater 1154 nachfolgte, nachdem seine älteren Brüder gestorben waren. Nach der Zerstörung von Bari ließ Wilhelm, der „der Schlechte“ genannt wurde, zwischen 1156 und 1162 die Burganlage erweitern, in dem er zwei weitere Türme, die untereinander durch eine einfache Mauer verbunden waren, bauen ließ, an die später ein vierter auf der Südwestseite angebaut wurde, der die Anlage so in eine kleine Burg mit pseudo-trapezförmigem Grundriss verwandelte. 1172 weilte Wilhelm II. von Sizilien, der Sohn von Wilhelm I. und „der Gute“ genannt, als er von Tarent zurückkam und sich auf einer Pilgerreise zum Heiligtum des Erzengels Michael auf dem Monte Sant’Angelo befand, im Castello di Barletta und spendete dem Klerus von Barletta große Geldsummen.
Aus der normannischen Zeit, die mit dem Tod von Tankred, dem Vetter von Wilhelm II., 1194 endete, blieb an der Burg nur der Südostturm erhalten, in der Höhe gekürzt und durch die Umbauten im 16. Jahrhundert in die südliche Kurtine der spanischen Anlage integriert. Die umfassende Restaurierung, die in den 1980er-Jahren durchgeführt wurde, sorgte angesichts der fehlenden, direkten Zugänglichkeit des Turms durch die Wiederherstellung einer Öffnung im Erdgeschoss, die durch ein Metallgitter geschützt ist, den Blick ins Innere des Turms.
Staufische Zeit (1194–1266) mini|links|Vermutete Büste von Friedrich II., die im Inneren der Burg erhalten ist. 1194 erblickte Friedrich II., Sohn des Königs von Sizilien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Heinrich VI. und seiner Gattin Konstanze von Sizilien das Licht der Welt. Nach dem Tod Heinrichs VI. 1197 und dem von Konstanze 1198 wurde Friedrich unter der schützenden Hand von Papst Innozenz III. aufgezogen. Dieser Vorgang führte zu einer weitgehenden Einmischung der Kirche in die königlichen Angelegenheiten und sorgte mit einigen Briefen von Innozenz III. aus dem Jahr 1202 für die ersten historischen Zeugnisse, in denen das Castello di Barletta erwähnt wird.
1202 entzündete sich in der Tat der Streit um die Herrschaft über das Königreich Sizilien, in dem sich die Deutschen unter der Führung von Markward von Annweiler und Diepold von Schweinspeunt und die Franzosen unter Walter III. von Brienne gegenüberstanden. Diepold und Markward forderten das Erziehungsrecht für den kleinen Friedrich II., das hingegen von der Mutter Konstanze auf Papst Innozenz III. übertragen worden war; der Pontifex wiederum nominierte Walter III. von Brienne, Fürst von Tarent, Herzog von Apulien und Graf von Lecce, und wählte ihn als seinen Favoriten, um die Kontrolle über das Königreich Sizilien wiederherzustellen. Die Briefe des Pontifex, die zwischen dem 21. Juli und dem 24. September 1202 nach Gualtieri Sicaminò gesandt wurden, bezeugen erstmals die entscheidende Rolle der Burg an der Adriaküste in dieser Zeit. Am 6. Oktober desselben Jahres musste Gualtieri in der Nähe von Cannae zuerst einen Angriff von Diepolds Truppen abwehren und dann, nachdem es Barletta und seine Festung eingenommen hatte, die Belagerung durch die Truppen von Guglielmo di Palearia. Im Folgejahr versuchten die Barlettaner, nachdem sie die falsche Nachricht von Tod Innozenz’ III. verbreitet hatten, von der Belagerung zu profitieren und den pro-päpstlichen Kastellan zu vertreiben, der die Festung für Jacopo di Conti in der Hoffnung gehalten hatte, die Anlage zurückzuerobern, was aber zu Schäden an den Mauern führte.
Das Heranwachsen von Friedrich erfolgte parallel zu dem des Castello di Barletta, in dem der Kaiser ab 1228 zu verschiedenen Gelegenheiten weilte. Nachdem er 1215 in Mainz zum König des Heiligen Römischen Reiches – und somit zum König der Italiener und Deutschen – gekrönt und 1220 von Papst Honorius III. zum Kaiser erhoben worden war, brach er 1228 von Barletta aus zum sechsten Kreuzzug auf und verbrachte nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land im Folgejahr zwei Monate in der Stadt. Vor 1224, dem Jahr, in dem der Bau des friderizianischen Flügels der Festung beauftragt wurde, stammt das einzige historische Dokument, in dem Barletta erneut erwähnt wird, aus dem Jahr 1205 und in diesem erlaubte der Souverän der Kirchengemeinde von San Giacomo, eine Mühle, eine Taverne und einen Ofen zu bauen. In diesem Jahr zeigte sich der Festungskomplex unregelmäßig und asymmetrisch, weit entfernt von der üblichen Bauart frederizianischer Festungen. Aus diesem Grund griff der Souverän zwischen 1224 und 1228 ein, ließ den östlichen Teil aus normannischer Zeit abreißen und das friderizianischen „Domus“ errichten, womit er die dekorativen und architektonischen Aspekte der Festung betonte und das, was zuvor eine kleine Burg zur Verteidigung war, in eine Königsburg für seinen Hof umbauen ließ. 1228 besuchte Friedrich Barletta und verkündete von dort aus, nachdem er das Parlament der Barone in der Burg versammelt hatte, während des Reichstages, der er direkt im „Domus“ abhielt, den Aufbruch zum sechsten Kreuzzug.
Nach dem Tod von Friedrich 1250 folgte ihm sein Sohn Konrad nach. Am 21. Mai 1254 wurde dessen Sohn Konradin nach dem Tod seines Vaters, der in Lavello an Malaria gestorben war, mit erst zwei Jahren Erbe des Königreiches; zu seinem Vormund wurde Manfred, leiblicher Sohn von Friedrich II. und Halbbruder Konrads, bestellt. 14 Jahre später wurde letzterer in der Folge der Schlacht bei Tagliacozzo zwischen den Truppen des Hauses Anjou von Karl I. von Neapel und den Ghibellinen, unterstützt von Konradin, zuerst gefangen genommen und dann enthauptet. So endete also die Dynastie der Staufer zugunsten des Hauses von Anjou mit dem Expedienten Karl I. von Neapel, der gleichzeitig Barletta und seine Festung einnahm.
Zeit des Hauses Anjou (1266–1442) Die Bedeutung von Barletta und seiner Festung zum einen Teil, die Gehässigkeit, die Karl I. gegenüber den Staufern anwandte, zum anderen Teil veranlasste ihn ab 1268, architektonisch in die gesamte Festung und in die Stadtmauer einzugreifen. In dieser Hinsicht zeigt die bemerkenswerte Dokumentation den schleichenden Übergang vom Ziel, eine normale Unterhaltung der Burg voranzutreiben zu den substanziellen Veränderungen der Maueranlage, die den Bau des angiovinischen „Palatiums“ auf der Nordseite vorsahen, das in Folge der spanischen Erweiterung verschwunden ist und dessen Fundamente nach der Restaurierung in den 1980er-Jahren als Zisterne dienten, dem Ersatz des „alten Turms“ aus normannischer Zeit, der an der Südostecke eingestürzt war, durch einen Rundturm, der Ausschachtung eines Grabens um die Burg mit dem Bau einer äußeren Verteidigungsmauer im Westen, auch „Taluto“ genannt, der Befestigung der bereits existierenden Kurtine und dem Bau eines letzten Zugangstores zur Festung, das den Namen „Porta Trani“ trägt und sich auf der Ostseite der Anlage, in Richtung auf die Stadt Trani befindet.
mini|links|Porträt von Johanna I. von Neapel Die aufgelisteten Werke, die von Karl I. beauftragt wurden, so berichten es die alten Register des Hauses Anjou, wurden von Pierre d’Angicourt, dem Superintendenten der königlichen Kurie, geschaffen. Karl I. starb 1285 in Foggia und ihm folgten zunächst Karl II. von Neapel und dann Robert von Anjou nach. Letzterer kam zwischen 1308 und 1312 der Bitte des Pfarrers von Karl II. nach, die Tempelritter, die in der Stadt wohnten, zu fangen und sie dann in den Kerkern der Burg festzuhalten.
1343, nach dem Tod von Robert von Anjou, folgte ihm seine Enkelin Johanna I. von Neapel, die Gattin von Andreas von Ungarn, dem jüngeren Bruder des Königs von Ungarn und Polen, Ludwig I., nach; sie regierte fast 40 Jahre lang in einer schwierigen Zeit, beginnend mit dem Mord an ihrem Gatten Andreas 1345 und überschattet von dem Gerücht, dass es sich dabei um eine Verschwörung der Königin Johanna handelte. Das Ende der Regierungszeit von Johanna I. kam 1382, als Karl III. von Neapel, der Gatte ihrer Enkelin Margarethe, nach der Einnahme von Neapel und der Gefangennahme des Souveräns anordnete, die Königin zu erwürgen und ihrer Herrschaft ein Ende zu setzen. Im Folgejahr, im Nachfolgekrieg, der mit dem Sieg Karls III. zu Lasten Ludwigs I. von Anjou, Enkel von Johanna I., endete, wurde das Castello di Barletta auf Befehl von Karl III. von Raimondo Orsini del Balzo besetzt. Karl III. folgte 1386 dessen Sohn, Ladislaus von Neapel nach, der bis zu seinem Tod 1414 regierte; dann ging die Macht an seine Schwester, Johanna II. von Neapel, über. Diese blieb ohne Erben und bestimmte zu ihren Nachfolgern zunächst Alfons V. von Aragón, den man „Magnanimo“ nannte, und später Ludwig III. von Anjou, der 1424 einen Nachfolgekrieg zwischen den beiden provozierte, der seine Fortsetzung im Zusammenprallen von zwischen Alfons V. und Ludwigs Bruder, René I. von Anjou fand und 1442 mit der Besteigung des Throns von Neapel durch einen Souverän des Hauses Aragón endete.
Zeit des Hauses Aragón (1442–1501) miniatur|Grabplatte von Giovanni Castriota Scanderbeg, Kastellan von Barletta von 1750 bis 1762