Lonny Elisabeth Marie Paula von Schleicher (* 4. November 1919 in Berlin-Lichterfelde; † 13. November 2014 in München) war als Stieftochter von Kurt von Schleicher (1882–1934), dem letzten Reichskanzler der Weimarer Republik, eine Betroffene des Röhm-Putsches durch die Ermordung ihres Stiefvaters und ihrer Mutter Elisabeth von Schleicher. Sie war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Zeitzeugin und Referentin gefragt.
Leben Lonny von Schleicher war die Stieftochter von Kurt von Schleicher und Tochter von Elisabeth von Schleicher, geb. von Hennigs. Es war der letzte Schultag vor den großen Ferien, der 30. Juni 1934, alles war bereits für die Sommerfrische an der Ostsee gepackt, doch als sie zu Hause ankam, war ihr Stiefvater bereits tot. Im Zuge des Röhm-Putsches war durch die SS auf ihre Eltern ein Attentat verübt worden. Lonnys Mutter kam schwer verletzt in das Krankenhaus Nowawes und war bereits verstorben, bevor die Tochter das erfuhr. Und erst nach der „Begräbnis“ bekamen sie und ihr Vater die Urnen mit der Asche der Verstorbenen ausgehändigt.
Sie besuchte nach dem Lyzeum als weiterführende Schule die Frauenschule Schloss Wieblingen, die heutige Elisabeth-von-Thadden-Schule, deren damalige Schulleiterin Elisabeth von Thadden 1944 ermordet wurde. Anschließend studierte sie Fremdsprachen am Orient Institut in Berlin. Eine Reise ins Ausland, um die Sprachkenntnisse zu vertiefen, wurde ihr untersagt und für eine Emigration fehlten ihr die finanziellen Mittel und ein gültiger Pass.
Nach der Grundausbildung beim Deutschen Rotes Kreuz arbeitete sie beim Oberkommando der Wehrmacht in der Sanitätsabteilung. Die Abteilung wurde aufgelöst, nachdem ihr Chef, General Friedrich von Rabenau, wegen seiner Kontakte zum Widerstand verhaftet wurde. Sie sollte nun im Führerhauptquartier arbeiten, lehnte aber ab und ging als Stabshelferin nach Paris, arbeitete später als DRK-Helferin in Berlin und absolvierte eine Ausbildung beim DRK im Tropenlazarett. 1945 wurde sie nach Dänemark versetzt, wo Schiffe mit verletzten Soldaten landeten, die noch aus Russland herausgebracht werden konnten. Bei Kriegsende geriet sie in englische Gefangenschaft. Ihr Vater hat den Krieg nicht überlebt, er starb im November 1945 in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager.
Nach der Entlassung arbeitete sie zunächst als Krankenschwester, später als Arzthelferin. Später erreichte sie im Ullstein Verlag eine leitende Position.Matthias Schmettow: Gedenkbuch des deutschen Adels. Marburg/Lahn 1967, S. 133. Ab 1962 arbeitete sie für den Bundesnachrichtendienst. mini|Grabmal am Ehrengrab Kurt von Schleichers auf dem Parkfriedhof Lichterfelde, Berlin 2023
Zeitzeugin des Röhm-Putsches Lonny von Schleicher erlangte als Zeitzeugin eine Bekanntheit, was sich in Interviews von Zeitungen und Fernsehen zeigte. Sie wurde oft zu Veranstaltungen als Rednerin eingeladen, die sich den Jahren 1933–1945 widmete.
Ermordung des Ehepaars von Schleicher Interview auf zeitzeugen-portal.de (Video) „Haß habe ich nie gefühlt“ Ein Besuch bei Lonny von Schleichter auf ifz-muenchen.de (PDF; 1,1 MB) Lonny von Schleicher verlor ihre Lieben, aber nie den Mut auf mittelbayerische.de
Literatur Das Leben von Lonny von Schleicher wurde in diversen Büchern beschrieben. So auch in dem Werk Frauen gegen Hitler : Schicksale im Nationalsozialismus von Martha Schad (Verlag Heyne, München, 2002, ISBN 3-453-86138-8).Frauen gegen Hitler – Schicksale im Nationalsozialismus auf digitales-deutsches-frauenarchiv.de
Einzelnachweise
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