Moravská Třebová (deutsch: Mährisch-Trübau) ist eine Stadt im Okres Svitavy der Region Pardubice.
Geographische Lage mini|links|Ortsansicht Moravská Třebová liegt in Mähren an der Třebůvka (Mährische Triebe), einem Nebenfluss der March, im Schönhengstgau, der ehemals größten deutschen Sprachinsel in Böhmen und Mähren.
Stadtgliederung Zur Stadt Moravská Třebová gehören neben der Vorstadt (Předměstí) die eingemeindeten Ortschaften Boršov (Porstendorf), Sušice (Tsuschitz) und Udánky (Undangs).
Geschichte mini|Stadtansicht 1840 Während der Herrschaft der Herren von Boskowitz und Ladislav Velen von Zerotein von 1486 bis 1622 war Mährisch-Trübau ein Zentrum der humanistischen Gelehrsamkeit und wurde „das Mährische Athen“ genannt.
Bei der Volkszählung 1930 hatte die Stadt 8167 Einwohner (davon 801 Tschechen – 10 %).Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4. Adam Kraft Verlag, 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 285.
Nach dem Münchener Abkommen (September 1938) gehörte Mährisch Trübau von 1938 bis 1945 zum Regierungsbezirk Troppau im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die 1938 an Deutschland übertragenen Territorien wieder von der Tschechoslowakei übernommen. 1945/46 wurde die deutschsprachige Bevölkerung aus der Stadt Mährisch Trübau vertrieben, ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die Katholische Kirche während der kommunistischen Ära (1948–1989) enteignet.
Zwischen 1850 und 1960 war Moravská Třebová Bezirksstadt.
Für die historische Begebenheit am Křížový vrch (Kreuzberg), die Ausgangspunkt eines Volksstückes von Josef Willhardt wurde, siehe Annenruhe.
Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1854 4035 davon 4.025 Katholiken deutscher Zunge, sechs Protestanten (‚Akatholiken‘) und vier JudenGregor Wolny: Kirchliche Topographie von Mähren. Teil I: Olmützer Dioecese. Band 2. Brünn 1857, S. 447; books.google.de 1857 4814 Carl Kořistka: Die Markgrafschaft Mähren und das Herzogthum Schlesien in ihren geographischen Verhältnissen. Wien / Olmüz 1861, S. 268–269; books.google.de 1900 7733 meist deutsche Einwohner 1930 8167 davon 801 Tschechen 1939 8199
+ Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs (Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres) Jahr Einwohner 1971 9.171 1980 11.657 1990 12.462 2000 11.632 Jahr Einwohner 2010 10.853 2020 9.795 2022 9.685
Sehenswürdigkeiten mini|T.G.Masaryk-Platz mini|Schloss Moravská Třebová Die Stadt ist seit 1980 als städtisches Denkmalreservat eingestuft und besitzt zahlreiche Einzeldenkmale: Rathaus Bürgerhäuser Schloss Moravská Třebová Kirche Mariä Himmelfahrt Lorettokapelle Kirche St. Josef auf dem Kreuzberg Kreuzkapelle am Kalvarienberg Mariensäule Stadtmuseum ehemaliges Franziskanerkloster ehemaliges Piaristengymnasium Lateinschule Friedhof mit zahlreichen historischen Grabdenkmälern
Partnerstädte Banská Štiavnica, Slowakei Staufenberg, Deutschland Vlaardingen, Niederlande
Söhne und Töchter der Stadt
Nikolaus von Dornspach (1516–1580), Bürgermeister von Zittau Carl Giskra (1820–1879), österreichischer Politiker Hermann Blodig (1822–1905), Jurist, Ökonom und Hochschullehrer Wilhelm Rodler (1835–1898), Advokat und Abgeordneter zum Österreichischen Abgeordnetenhaus Ludwig Vincent Holzmaister (1849–1923), US-amerikanischer Unternehmer, Gründer des „Holzmaister-Museums“ Karl Karafiat (1866–1929), Geistlicher, Denkmalpfleger und Heimatforscher Franz Budig (1870–1928), im eingemeindeten Porstendorf geborener Politiker und Landwirt Rudolf von Eichthal (1877–1974), Schriftsteller und Musiker Julius Schindler (1878–1941), deutscher Unternehmer Hugo Hodiener (1886–1945), Landschaftsmaler Walther Hensel (1887–1956), deutscher Musikwissenschaftler Hugo Herrmann (1887–1940), zionistischer Autor, Verleger und Propagandist Franz Josef Mayer-Gunthof (1894–1977), österreichischer Unternehmer Ernst Peschka (1900–1970), nationalsozialistischer Politiker Magda B. Arnold (1903–2002), tschechisch-US-amerikanische Psychologin, Hochschullehrerin Josef Lidl (1911–1999), deutscher Graphiker, Autor, Musiker und Heimatkundler Karl Dittert (1915–2013), deutscher Designer Friedrich Lang (1915–2003), Pilot und Offizier der deutschen Luftwaffe und Bundeswehr Gert Wilden (1917–2015), deutscher Komponist und Dirigent Franz Kirchner (1919–2003), DDR-Volkskammerabgeordneter, CDU-Funktionär und Oberbürgermeister von Weimar Gerhard Pieschl (* 1934), Weihbischof in Limburg Wolfgang Ehrenberger (* 1941), Informationswissenschaftler Adolf Nowak (1941–2025), deutscher Musikwissenschaftler und Hochschullehrer Wolfgang Bier (1943–1998), Bildhauer Gernot Heger (* 1943), deutscher Mineraloge und Kristallograph Jaroslava Maxová (* 1957), Mezzosopranistin Martin Abraham (* 1978), Fußball- und Futsalspieler Taťána Malá (* 1981), Politikerin Roman Kreuziger (* 1986), Radrennfahrer Leopold König (* 1987), Radrennfahrer Marek Langhamer (* 1994), Eishockeytorwart
Persönlichkeiten, die in der Stadt wirkten Georg Pacák (1670–1742), Bildhauer Thaddäus Supper (1712–1771), Maler und Bildhauer Vincenz Weber (1809–1859), Arzt und Dichter, war Stadtphysicus der Stadt, Bezirks- und Gerichtsarzt Alois Czerny (1847–1917), deutschmährischer Heimatforscher Hermann Hammerl (1853–1933), Physiker und Gymnasialprofessor Moritz Schur (1860–1933), Textilindustrieller Pater Petrus Mangold (1889–1942), ab Januar 1940 kommissarischer Provinzial für die sudetendeutschen Franziskanerklöster, lebte und wirkte bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo im Franziskanerkloster in Mährisch Trübau. Gustav Peichl (1928–2019), Architekt und Karikaturist, besuchte 1938 die Oberschule für Jungen in Mährisch-Trübau und war dort von 1944 bis 1947 technischer Zeichner am Stadtbauamt Alois Stenzl (1882–1942), Obmann der Deutschen Gewerbepartei und 1925–1935 Abgeordneter im Parlament der Ersten Tschechoslowakischen Republik
Literatur Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.
Weblinks
Website der Stadt (tschechisch). Verband der Deutschen in der ČR Begegnungszentrum Mährisch Trübau
Einzelnachweise
Kategorie:Städtisches Denkmalreservat in Tschechien