mini|hochkant|Wolfsdenkmal in der Laußnitzer Heide|alternativtext= mini|Cotta’scher Flügel A von der Kreuzung mit der Schneise 10 aus (Blickrichtung Nordosten) Die Laußnitzer Heide ist ein etwa 50 km² großes Waldgebiet nordöstlich von Dresden in Sachsen. Sie gehört zum Naturraum Königsbrück-Ruhlander Heiden.Olaf Bastian, Ralf-Uwe Syrbe (2005): Naturräume in Sachsen – eine Übersicht. Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Sonderheft. S. 9–24.

Lage Die Laußnitzer Heide grenzt im Süden an Ottendorf-Okrilla und dessen Ortsteil Medingen, im Westen an Großdittmannsdorf, Würschnitz, Tauscha und Sacka, im Norden an Röhrsdorf, Glauschnitz und an die Königsbrücker Heide, im Nordosten an Laußnitz als Namensgeber und ehemals Kammergut der kursächsischen Herrscher; und im Osten an Höckendorf und Lomnitz.Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt. Arwed Strauch, Leipzig 1904. Kapitel 152: Die Laußnitzer Heide. S. 361–362.

Beschreibung Die Laußnitzer Heide ist überwiegend mit Kiefern, Fichten und Lärchen bewachsen (ca. 89 %) und einem geringen Anteil an Laubbäumen, vor allem Buchen, Eichen und Birken. Neben dem Heideland finden sich dort auch Moore. Das östliche Gebiet der Laußnitzer Heide ist überwiegend ebenes Sumpfland, das westliche Gebiet ist hügelig.

Das Höhenprofil steigt von etwa 160 m bei Medingen bis auf rund 200 m im nordöstlichen Teil bei Laußnitz an. Die markantesten Erhebungen sind der Vordere Buchberg mit 245 m, der Hintere Buchberg mit dem Feuerwachturm mit 254 m, der Mittelberg mit 246,9 m und der Walberberg mit 233,9 m direkt neben Laußnitz. Diese Erhebungen liegen alle westlich der Bundesstraße 97. Sie sind alle bewaldet und bieten keine Aussicht über das Heidegebiet – der Feuerwachturm ist nicht öffentlich zugänglich. Im Südwesten befindet sich das Naturschutzgebiet (NSG) der Waldmoore bei GroßdittmannsdorfAnmerkung: „Karte des Forstrevier Ottendorf-Okrilla mit Laußnitzer Heide“, Maßstab 1:40000, Verlag Hermann Rühle, Ottendorf-Okrilla, 1930er Jahre und das NSG Moorwald am Pechfluss bei Medingen. Ein Teil der Laußnitzer Heide ist darüber hinaus im Rahmen von Natura 2000 als EU-Vogelschutzgebiet (SPA) ausgewiesen.34 Laußnitzer Heide auf der Website www.natura2000.sachsen.de (abgerufen am 10. Juni 2020)

mini|Der Kleine Schwarze Teich nördlich Glauschnitz (nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Schwarzen Teich ganz im Südosten nördlich Ottendorf-Okrilla) mini|Dammweg am Südufer des ehemaligen Schwarzen Teichs (rechts) mit Brücke über einen Entwässerungsgraben, der links über den ehemaligen Teichabfluss in die Kleine Röder führt Bis zum Beginn der Trockenlegung im Jahre 1818 war der im Süden gelegene Schwarze Teich mit einer Fläche von rund 0,3 km² das größte stehende Gewässer in der Laußnitzer Heide.Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt. Arwed Strauch, Leipzig 1904. Kapitel 154: Der Schwarze Teich in der Laußnitzer Heide. S. 364–365. Von ihm ist noch heute der am ehemaligen Südufer gelegene Damm zu sehen. Der Teich erstreckte sich von dort rund 1 km nach Norden.Friedrich Ludwig Aster (1803): [Meilenblätter von Sachsen] Sachsen Armee Ingenieurkorps (Berliner Exemplar). Maßstab ca. 1:12.000. Über den Damm führt heute der Dammweg, der von der Höckendorfer Straße am Gewerbegebiet Laußnitz Süd nach Südosten abzweigt. Seitdem um 1850 das Gebiet endgültig trockengelegt wurde, führt nun der Flügel C mitten durch den ehemaligen Teich. Ganz im Norden der Laußnitzer Heide nördlich Glauschnitz an der Grenze zur Königsbrücker Heide gibt es noch einen Kleinen und einen Großen Schwarzen Teich, die beide unterdessen renaturiert wurden.

Dem Waldgebiet der Laußnitzer Heide schließen sich benachbarte Waldgebiete wie die Radeburger Heide im Westen, die Königsbrücker Heide im Norden, das Keulenberggebiet bei Gräfenhain und Höckendorf sowie die Mittelheide bei Lomnitz ohne Abgrenzung an.

Geschichte Innerhalb des heutigen Gebietes der Laußnitzer Heide gab es drei Dörfer, die 1431 den Hussitenkriegen zum Opfer fielen: Nicklasdorf, Johnsdorf und Gumprechtsdorf.Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt. Arwed Strauch, Leipzig 1904. Kapitel 153: Wüste Marken in der Laußnitzer Heide. S. 363. Alle drei Dörfer blieben Wüstungen. Reste der Kirchenruine von Nicklasdorf sollen 1836 vom in Laußnitz wohnenden Königlichen Revierförster Friedrich August Kasten abgerissen worden sein. Die Steine der Nickelskirche am alten Weg Sparren (bei Schneise 14 zwischen den Flügeln F und G nördlich der Kurve der B 97) wurden angeblich zur Verbesserung der Waldwege verwendet.

Das sehr alte Waldgebiet gehörte schon lange zum Kammergut Laußnitz und wurde im Jahr 1591 als Mischwaldgebiet beschrieben. Es war im Mittelalter im Besitz der Wettiner, die es zur Jagd nutzten, während die Region gleichzeitig auch landwirtschaftlich genutzt wurde.

Die Landwirtschaft erlitt im Dreißigjährigen Krieg einen starken Einbruch, was zu einer Zunahme des Jagdwilds und somit wiederum einem Anstieg der Jagd führte. Der mit den hohen Wildbeständen einhergehende hohe Verbiss sowie intensive ungeregelte Holznutzung führten im 18. und 19. Jahrhundert dazu, dass sich insbesondere der Laubwaldbestand stark reduzierte. Erst ab 1811 wurde vor allem durch Betreiben Heinrich von Cottas mit der Wiederaufforstung des Geländes begonnen, hauptsächlich mit Kiefern und Fichten.

In der DDR-Zeit wurden dem Waldgebiet durch die Nutzung der sowjetischen Streitkräfte sowie höhere Belastungen durch Industrieabgase in den 1980er Jahren erhebliche Schäden zugefügt. Diese wurden nach 1990 zügig beseitigt und sind mittlerweile auch zumeist von der Natur überwachsen.

Heute gehört die Laußnitzer Heide etwa zur Hälfte zum Landschaftsschutzgebiet Westlausitz.WDPA ID 20914 in protectedplanet.net (abgerufen am 8. Juni 2020) In der 1822 errichteten Samendarre in Laußnitz befindet sich ein Museum, das auch die Geschichte der Laußnitzer Heide zum Thema hat.

Wölfe in der Laußnitzer Heide

Das Wolfsdenkmal in der Laußnitzer Heide wurde zum Gedenken an die letzte Wolfsjagd im Jahr 1740 errichtet, bei der der letzte Wolf abgeschossen wurde. Seit 2019 ist die Laußnitzer Heide wieder Siedlungsgebiet eines Wolfsrudels.LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland: Wolfsvorkommen in Sachsen Monitoringjahr 2018/19, abgerufen am 15. Januar 2020

Meilensteine und Vermessungspunkte An der heutigen B 98 Richtung Großenhain befindet sich kurz vor der alten Forstgrenze der Rest einer Kursächsischen Postmeilensäule. Die Ganzmeilensäule trägt die Jahreszahl 1722, das Monogramm AR für Augustus Rex sowie die Aufschrift Hain für Großenhain in der einen, und Königsbrück in der Gegenrichtung. Ein königlich-sächsischer Halbmeilenstein aus dem Jahre 1836, der sich ebenfalls in einem schlechten Erhaltungszustand befindet, steht nahe dem Wolfsdenkmal an der B 97. Am Hinteren Buchberg findet sich eine Station der Königlich-Sächsische Triangulirung. Die Station erster Ordnung von 1865 mit der Nummer 29 diente der Mitteleuropäischen Gradmessung.

Wegenetz und Wegesäulen mini|Wegenetz mit Flügeln A bis M (rot) und Schneisen 1 bis 21 (blau, gerade Nummern aus Gründen der besseren Übersicht weggelassen); gelb dargestellt sind heute noch existierende Überreste des alten Systems mit radialen Flügeln 1 bis 8 beginnend mit 1 in Richtung Süden; die dünne gelbe Linie kennzeichnet beispielhaft einen der alten konzentrischen Querwege: die noch heute in Abschnitten existierende Alte 6

Eine erste Landkarte der Laußnitzer Heide fertigte 1555 der Leipziger Mathematikprofessor Johannes Hommel (Humelius) an.Eberhard Schöne (2007): Die Forstgrenzsteine der Laußnitzer Heide. In: Zwischen Großer Röder und Kleiner Spree (Museum der Westlausitz Kamenz) Band 4, S. 8–39, ISBN 978-3-910018-45-7 Schon auf dieser Karte gibt es einen zentralen Punkt an der Stelle, an der heute die Grüne Säule steht. Die ersten exakten Vermessungsarbeiten erfolgten 1595 durch den Landvermesser und Kartografen Matthias Öder. Sie dienten in erster Linie den jagdlichen Bedürfnissen der in dieser Zeit herrschenden Wettinischen Fürsten. Auch die Ödersche Karte zeigt ein spinnennetzförmiges Wegenetz. Damals gab es acht große radiale Flügel, die mit 1 bis 8 im Uhrzeigersinn bezeichnet wurden. Von diesen sind heute noch die Grüne Eins (Richtung Süden), die Alte Drei (Richtung Westen) und die Alte Sieben (Richtung Osten) vorhanden. Auch gibt es noch Überreste einiger der nahezu konzentrisch um das Zentrum herum angeordneten Querwege, die von innen her ebenfalls durchnummeriert wurden. Von diesen alten Querwegen gibt es noch, insbesondere südlich der Grünen Säule von der Grünen Eins in Richtung Osten abzweigend, die Alte Fünf und die Alte Sechs, die nicht mit den alten radialen Flügeln verwechselt werden dürfen.

Das heutige Wegenetz mit parallel verlaufenden Flügeln und rechtwinklig kreuzenden Schneisen nach Heinrich von Cotta und seinem Sohn Friedrich Wilhelm von CottaTanja Schumann, Matthias Schrack, Cornelia Mäßler (2015): Ergebnisse einer Bestandsaufnahme von Kleindenkmalen im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet "Moorwaldgebiet Großdittmannsdorf". In: 40 Jahre ornithologische und Naturschutzarbeit in Großdittmannsdorf (Tagungsband), Museum der Westlausitz Kamenz. S. 59–74, ISBN 978-3-910018-71-6 wurde zwischen 1826 und 1832 für die vorrangig forstwirtschaftliche Nutzung angelegt. Die streng geradlinigen Flügel A bis M erhielten einen Abstand von 200 sächsischen Feldmessruten (rund 859 m) und eine Breite von 2 Ruten (8,6 m). Dabei wurden die alten Flügel 2 und 6 nun zum Flügel E durch den zentralen Punkt. Flügel A liegt im Südosten nahe Lomnitz und Flügel M im Nordwesten nördlich Tauscha. Senkrecht dazu legte man Schneisen mit einer Breite von einer halben Rute (2,1 m) im Abstand von 100 Ruten (rund 429,5 m) an. Die Schneisen erhielten Nummern von 1 bis 21. Die Schneise 1 liegt im Südwesten der Laußnitzer Heide bei Großdittmannsdorf und die Schneise 21 im Nordosten nahe Glauschnitz. Die alten Flügel 4 und 8 wurden nun zur Schneise 13. Am Schluss wurde am ehemaligen zentralen Punkt E13 im Jahre 1832 die Grüne Säule errichtet. Die Schneise 21 ist aufgrund der Außengrenze der Laußnitzer Heide die kürzeste Schneise. Sie ist die einzige, die keinerlei Kreuzungspunkte mit Flügeln hat und wird deshalb in vielen Aufzeichnungen weggelassen.

Zur besseren Orientierung wurden Wegesäulen an allen Kreuzungen zwischen Flügeln und Schneisen aufgestellt. Außerdem markierte man Flügelwege am Rand der Heide und an Kreuzungspunkten mit großen Straßen (wie der heutigen B 97 und B 98) mit Säulen. Eine sehr große Säule steht an der Einmündung des Flügels D in die heutige B 97 nördlich Ottendorf-Okrilla. Auch Schnittpunkte mit alten radialen Flügelwegen sind zuweilen markiert, so zum Beispiel die Einmündung der Alten Sieben in den Flügel D. Von den Wegesteinen steht neben der Grünen Säule derzeit nur ein Stein zur Kennzeichnung der Kreuzung des Flügels D mit dem Schlägenweg unter Denkmalschutz (Nummer 09287180 auf der sächsischen Denkmalliste).

Die Schneise 6 ist heute durchgehend asphaltiert und führt im Landkreis Bautzen als K 9261 von Ottendorf-Okrilla in Richtung Würschnitz. Von ihr abgehende Flügel sind heute in Richtung Südosten verlaufende Zufahrtsstraßen zur Kiesgrube und zum Sprengstofflager der Maxam.

Forstgrenze und deren Markierung mini|Die Laußnitzer Heide auf einer Landkarte von 1752 im Amt Radeberg (AR, gelbe Linie) (nördlich und westlich beginnt das Amt Großenhain (rote Linie), südlich das Amt Dresden (AD, grüne Linie)) mini|Möglicher Verlauf der Forstgrenze von 1735, auf der heute noch Grenzsteine aus dieser Zeit zu finden sind (rechts unten sieht man die Forstgrenze um die heute zur Gemeinde Wachau gehörende Mittelheide, die damals ebenfalls markiert wurde; nach Schöne)