Die Ordensburg Goldingen (, ) ist eine abgegangene Ordensburg des Livländischen Ordens in der lettischen Stadt Kuldīga (deutschbaltisch Goldingen) im historischen Kurland. Sie war Sitz des Komturs von Goldingen und durch seine Funktion als Statthalter Kurlands das wichtigste Zentrum und Machtbasis des Ordens in der Region.
Von der Burg selbst sind fast keine oberirdischen Überreste erhalten. Auf dem ehemaligen Burggelände befinden sich heute noch die ehemalige Schlossmühle und ein Stadtpark.
Geschichte Siedlung der Kuren Bereits vor dem Eintreffen der deutschen Kreuzfahrer wurde die Region häufig von plündernden Wikingern heimgesucht, die mit ihren Drachenbooten über den Fluss Windau bis ins Landesinnere vorstießen. Als Folge errichteten die einheimischen Kuren mehrere Holzburgen entlang des Flusses – die größte davon, Veckuldīga, lag etwa 3 km nördlich der heutigen Burg und hatte bereits im 9. Jahrhundert eine zugehörige Siedlung von etwa 10 Hektar. Man vermutet, dass es sich hierbei um das Zentrum des alten Reiches Bandava und den Sitz des kurischen Königs Lamekin (Lammekinus rex) handelt.
Ordenszeit Am 28. Dezember 1230 schloss der päpstliche Botschafter Balduin von Alna mit den kurischen Stämmen einen Vertrag über die friedliche Annahme des Christentums. Er garantierte ihnen im Gegenzug Freiheit und Unabhängigkeit. Dies wollten der Bischof von Riga, der Schwertbrüderorden, sowie die Stadt Riga allerdings nicht akzeptieren; sie ließen die auf der Rückreise nach Rom befindlichen päpstlichen Delegierten festsetzen. Die Urkunde zur Bestätigung der Freiheit wurde den Kuren gestohlen, womit ihr Schutz erlosch. 1234 wurde dann Wilhelm von Modena, ein Unterstützer der Schwertbrüder, zum päpstlichen Legaten für das Baltikum ernannt.
Mit der Schlacht von Schaulen erfuhr der Schwertbrüderorden 1236 eine derart vernichtende Niederlage, dass er sich kurz vor dem Zusammenbruch befand. Die Kuren nutzten die Chance und eroberten ihre Territorien zurück. Erst 1242 gelang es dem Deutschen Orden, der 1237 die Reste der Schwertbrüder als Livländischer Orden inkorporierte, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Dabei wurde auch die kurische Wallburg Veckuldīga zerstört.
In einem Dokument vom 19. April 1242 erlaubte Wilhelm von Modena dem Livländischen Orden die Errichtung einer Burg am Ufer der Windau. Laut der Reimchronik ließ der Livländische Landmeister Dietrich von Grüningen daraufhin zwischen 1242 und 1245 „burc Goldingen“ errichten. Die Lage war dabei strategisch äußerst günstig gewählt, so befand sie sich am Hochufer der Windau beim Wasserfall Windauer Rummel, einer Furt über die Windau, wo sich Land- und Wasserhandelswege kreuzten. Außerdem lag sie an einer wichtigen Militärstraße zwischen dem Gebiet des Deutschen Ordens in Preußen und seines livländischen Zweiges, die von Königsberg über Memel, Grobin, Durben, Goldingen und Tuckum nach Riga führte.
Anfänglich hieß die Burg Jesusburg, danach, nach dem kurischen Namen für den Ort, Burg Goldingen. Erstmals erwähnt wurde die Burg schließlich am 7. Februar 1245 in einem Dokument von Wilhelm von Modena.
Nach der Zerstörung der altem Kurenburg begannen sich allmählich Handwerker und Händler in der Nähe der steinernen Ordensburg niederzulassen. Die Zahl der ständigen Bewohner der Siedlung belief sich laut schriftlichen Quellen auf mehrere Hundert Personen.
Für 1252 wird in der Burg erstmals ein Ordenskomtur genannt. Von 1252 bis 1560 lassen sich 47 Komture nachzuweisen.
Am 4. April 1253 unterzeichneten Landmeister Eberhard von Sayn und Bischof Heinrich auf der Burg den sog. „kurischen Teilungsvertrag“, der das Land und dessen Bevölkerung zwischen dem Livländischen Orden und dem Bistum Kurland aufteilte.
Burg Goldingen spielte im 13. Jahrhundert eine essentielle Rolle bei der Unterwerfung lokaler Stämme sowie der Aufrechterhaltung der Kontrolle in der Region und war immer wieder Ausgangspunkt für Feldzüge gegen die Heiden. Mitte des 13. Jahrhunderts wird aber auch von einem Gegenangriff des litauischen Großfürsten Mingaudas auf die Burg berichtet, der jedoch abgewehrt werden konnte.
1290 wurde der Komtur zu Goldingen zum Stellvertreter des Landmeisters in der Region ernannt und in diesem Zuge alle in Kurland stationierten Ordensbrüder unterstellt. Goldingen wurde dadurch zu einer der bedeutendsten livländischen Komtureien, während sich die Burg selbst zum wichtigsten Wehr- und Verwaltungszentrum Kurlands wandelte. So wurde hier beispielsweise eine Pferde-Zucht für den Orden betrieben, wobei der Komtur selbst über 200 Schlachtrösser verfügte – lediglich der Landmarschall und der Ordensherr selbst besaßen ein vergleichbares Aufgebot. Diese hielten sich auf ihrer Durchreise oft in Goldingen auf und verfassten zahlreiche Dokumente.
Die Siedlung Goldingen wurde 1355 zur Stadt erhoben und übernahm das Rigaer Stadtrecht. 1368 wurde die Stadt in die Hanse aufgenommen.
Speziell im 14. Jahrhundert kam es immer wieder zu Raubzügen des Ordens gegen Litauen, meist mit Beteiligung der einheimischen Bevölkerung. So z. B. der Überfall des Vogtes von Grobin mit Unterstützung kurischer Hilfstruppen im Jahre 1369, 1370 der Feldzug des Landmarschalls (mit Truppen aus Kurland, Mitau und Kokenhusen), sowie der Angriff des Komturs von Goldingen im selben Jahr ebenfalls mit kurischer Unterstützung. 1375 griff der Vogt von Rositten cum 400 vernaculus et neophitis („mit 400 Einheimischen und Neugetauften“) die Ländereien des Fürsten von Polozk an.
Während des Litauischen Bürgerkriegs war auch Goldingen mit einem Aufgebot beteiligt, dessen Größe unterschiedlich überliefert ist. So beschrieb der Komtur von Goldingen dem Komtur von Memel, dass beim Einmarsch in Samogitien 1434 seine Armee aus 800 Mann Infanterie und Reitern bestand. Nach Angaben des Komturs von Ragnit zählte die Armee hingegen 1.000 Mann, bestehend aus 40 Reitern und dem Rest Fußsoldaten bzw. „Landvolk“. Ca. 5 % der Teilnehmer am Feldzug in Samogitien waren Deutsche, die restlichen 95 % waren einheimische Balten. Während des Feldzugs erlitt die Armee von Goldingen große Verluste. So beklagte sich der Komtur, dass kein einziger Ritter, Ordensdiener, Vasall oder Bürger heimgekehrt sei; auch sei kein einziges Pferd, keine einzige Rüstung oder Kettenhemd zurückgekommen. Über die Überlebenden schrieb er: „Nur die Einheimischen kehren in 6er- oder 7er-Gruppen nach Hause zurück, aber selbst das sind wenige.“
Im Jahre 1451 bestand das Konvent von Goldingen aus 12 Ordensbrüdern (darunter der Komtur selbst) sowie 3 Halbbrüdern und 2 Priestern. Dies erscheint zunächst wenig, berücksichtigt man aber, dass es zu dieser Zeit nur etwa 200 Ordensritter in ganz Livland gab und dass in den wichtigsten Zentren des Ordens in Riga 18 Ordensbrüder, in der Residenz des Landmeisters in Wenden 15 und im Sitz des Landmarschalls in Segewold 12 Brüder stationiert waren, dann ist auch dies wieder ein Hinweis auf die Bedeutung Goldingens. Die Größe des o. g. Konvents lässt darauf schließen, dass das Reiter-Aufgebot des Ordens in Goldingen aus lediglich 15 Mann bestand. Geht man davon aus, dass die Anzahl der Reiter derer aus der Überlieferung von 1434 ähnelte, dann waren die restlichen 25 Reiter vermutlich Diener des Ordens, Vasallen oder Bürger (Deutsche und Nichtdeutsche).
Die Bedeutung des Komturs von Goldingen lässt sich z. B. durch eine Korrespondenz des livländischen Landmeisters Bernd von der Borch an den Hochmeister des Deutschen Ordens Martin Truchsess von Wetzhausen vom 18. Oktober 1480 belegen. Von der Borch beschrieb darin die Entsendung einer der einflussreichsten Personen Livlands (Komtur Gerhard von Mallinckrodt) an die Höfe verschiedener europäischer Herrscher (bis hin zu Kaiser Friedrich III.) um diese um finanzielle und militärische Hilfe zu ersuchen. Diese Mission kann als erfolgreich bewertet werden, da Friedrich III. die Gefahr aus Russland erkannte und Bernd von der Borch deshalb mit Stadt und Erzstift Riga belehnte.Regesta Imperii, XIII: Friedrich III. (1440–1493), Heft 24: Die Urkunden und Briefe aus dem historischen Staatsarchiv Königsberg im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, aus den Staatsarchiven Gdańsk, Toruń, Riga sowie dem Stadtarchiv Tallinn für die historischen Landschaften Preußen und Livland, bearbeitet von Elfie-Marita Eibl. Böhlau, Wien, Weimar, Köln 2010, ISBN 978-3-205-78509-5, Nr. 237, S. 208 (online).
1442 erlaubte der Landmeister Heinrich Vincke von Overberg den Ordensbrüdern der Burg in Goldingen zum Teil eigene Steuern einzutreiben; erst 1470 erreichten die Bürger die Abschaffung dieser Zusatzsteuer. Die Ordensbrüder ließen sich daraufhin etwas Neues einfallen, wogegen die Städter aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Burg nichts ausrichten konnten. So mussten die Bürger z. B. ihr Mehl in der Wassermühle des Ordens mahlen lassen und dafür eine separate Steuer entrichten.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde in Goldingen bei der Burg eine Brücke über die Windau errichtet, für die der Orden eine Nutzungsgebühr entrichten ließ. Am 1. Januar 1615 wurde ein Teil der Brücke vom Fluss weggerissen, am 20. März desselben Jahres fiel die restliche Brücke den Frühjahrsfluten zum Opfer; dabei wurde auch die Burg überflutet. Ganze 259 Jahre (bis 1874) sollte es dauern, bis Goldingen wieder eine Brücke erhielt.
Herzogtum Kurland und Semgallen mini|400px|Ansicht von Schloss Goldingen von 1729, Zeichnung von J. G. Weygandt. Die Burg behielt ihre große militärische und politische Bedeutung (von allen Burgen in Kurland galt Goldingen als die am schwersten einzunehmende) bis zum Ende des Livländischen Ordensstaates im Jahre 1561. Der Orden gerit zu Beginn des Livländischen Krieges in große Not und verpfändete so die Burg 1560 an Polen-Litauen. Nach seiner Auflösung 1561 wurde Kurland von der Adelsrepublik Polen-Litauen als Herzogtum Kurland und Semgallen eingegliedert. Erster Herzog wurde der letzte Landmeister des Ordens in Livland, Gotthard Kettler. Dieser machte die Burg zu einer seiner Residenzen (in Kurland gab es zu dieser Zeit nur die Städte Hasenpoth, Goldingen und Windau), lebte hier von 1561 bis 1570 und verrichtete von hier aus seine Regierungsgeschäfte. Auch die erste Herzogsgruft befand sich auf Burg Goldingen.
1587 wurde Mitau (Jelgava) offiziell zur neuen Hauptstadt des Herzogtums erklärt und der Hofstaat verließ Goldingen.
Nach dem Tod des ersten Herzogs Gotthard Kettler im Jahre 1587 wurde das Herzogtum unter den Söhnen Friedrich und Wilhelm geteilt, was am 21. Mai 1596 (nach Volljährigkeit Wilhelms) im Vertrag von Hofzumberge zwischen den Brüdern bestätigt wurde.August Robert Seraphim: Die Geschichte des Herzogtums Kurland (1561–1795). Franz Kluge, Reval, 2., erweiterte Aufl. 1904, S. 44. Dabei erhielt Friedrich Semgallen und Wilhelm Kurland. Goldingen wurde zum Residenzsitz von Kurland ernannt und blieb dies bis 1617.
Am 28. Oktober 1610 wurde auf Burg Goldingen Wilhelms Sohn Jakob Kettler geboren.
1615 erschütterte eine politische Krise das Land. Herzog Wilhelm bestand auf die absolute Herrschaft als Herzog, wohingegen die Stände und der Adel versuchten ihre erlangten Freiheiten zu erhalten oder gar auszubauen. Die Folge waren jahrelange Auseinandersetzungen zwischen Herzog und Adel. 1615 forderte Herzog Wilhelm – in Abwesenheit des sich im Ausland befindlichen Herzogs Friedrich – auf dem Landtag in Alt-Autz, diesen nach Mitau zu verlegen. Dies wurde letztlich auch durchgesetzt, jedoch führte dies zu Unruhen bei den Adligen. Um diese zu beenden, ließ Wilhelm die Anführer der adeligen Opposition – die sich bereits seit langem gegen die Autorität des Herzogs auflehnenden Brüder Magnus und Gotthard von Nolde – verhaften. Als sie sich widersetzten, wurden sie von Männern des Herzogs getötet.