mini|Johannes Meyer-Rusca (1890) mini|Johannes Meyer-Rusca (1920) Johannes Meyer-Rusca (Vorname privat Jean,So beispielsweise in seinem Brief an den Vater vom 9. Dezember 1873, wiedergegeben in Dieter Boser, Bernhard Boser (Hrsg.): Geschichte und Genealogie der Familie Meyer-Rusca. Privatdruck 2002, S. 101–107. Familienname bis 1870 Meier geschrieben;Wie heute noch die weiteren Meier mit Bürgerort Winkel, soweit es sich nicht um Nachkommen Johannes Meyer-Ruscas handelt. Meyer übernahm die Schreibweise mit y älteren Schreibtraditionen einiger seiner Vorfahren, wie er in seinen Erinnerungen aus meinem Leben schreibt (wiedergegeben in Dieter Boser, Bernhard Boser (Hrsg.): Geschichte und Genealogie der Familie Meyer-Rusca. Privatdruck 2002, S. 1–73; hier S. 30). Rusca war der Ledigenname seiner Frau, den er stets mitzuführen pflegte; * 26. März 1851 in Winkel bei Bülach; † 4. Februar 1936 in Seeb, Gemeinde Winkel) war ein in seinem Heimatland und in Italien tätiger Schweizer Grosskaufmann und Seidenindustrieller sowie Zürcher Kantonal- und Kommunalpolitiker.

1880 an die traditionsreiche Zürcher Rohseidenfirma Hans Conrad Muralt & Sohn (ab 1883 Bodmer-von Muralt) berufen, trug er wesentlich dazu bei, diese von einer reinen Handelsfirma zu einem Unternehmen vorwiegend industrieller Art zu entwickeln. 1902, als Bodmer-von Muralt in die Aktiengesellschaft Banco Sete umgewandelt wurde, verlegte Meyer seinen Wirkungsort von Zürich an den neuen Firmenhauptsitz in Mailand, dem damals grössten Seidenplatz Europas. Nach dem Rückzug aus der operativen Leitung 1910 nahm er zahlreiche öffentliche Ämter an: Er war Mitglied des Zürcher Kantonsrates, des Bankrats der Zürcher Kantonalbank sowie des Zürcher Handelsgerichts und amtete auf kommunaler Ebene als Präsident der Zivilgemeinde Winkel und der Primarschulpflege, als Friedensrichter sowie als Forstvorstand. Überdies engagierte er sich in etlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisationen.

Leben und Wirken Ausbildung, erste Berufserfahrungen, Heirat Johannes Meyer wuchs als Jüngster von vier Buben des Heinrich Meier («Schuhmachers»)So laut der Ahnentafel sowie dem Abschlusszeugnis der Primarschule, beides in Dieter Boser, Bernhard Boser (Hrsg.): Geschichte und Genealogie der Familie Meyer-Rusca. Privatdruck 2002, S. 29 und 37; die Angabe «Jakob Meier» in einem in der Bülach-Dielsdorfer Wochen-Zeitung vom 7. Februar 1936 abgedruckten Nachruf ist unrichtig. und der Anna Meier («Leonhards») auf einem Bauernhof im Dorfkern von Winkel auf.Kapitel, soweit nicht anders vermerkt, nach Johannes Meyer-Rusca: Erinnerungen aus meinen Leben. In: Dieter Boser, Bernhard Boser (Hrsg.): Geschichte und Genealogie der Familie Meyer-Rusca. Privatdruck 2002, S. 75–100 und die Ahnentafel ebd. S. 29. Nach der örtlichen Primarschule besuchte er in Bülach die Sekundarschule. 1866 trat er eine kaufmännische Lehre bei Jeanjaquet père et fils, nouveautés, couvertures et tapis im westschweizerischen Neuenburg an. 1868 wurde er in Reiff-Hubers Seidenbeutelfabrik in Wiedikon (ab 1869 in der Enge; beides heute zu Zürich) angestellt; die dort hergestellten Produkte dienten dem Sieben von Mehl und wurden weltweit an Mühlen und Händler von Müllereiartikeln verkauft.Johannes Meyer erwähnt in seinen Erinnerungen Grossmann in Budapest, Schwarz in Wien, Storer in Stuttgart, Erlanger in Moskau und Zürcher in Valparaíso; im Weitern nennt er die Rheinlande, New York (wo ein Konsignationslager unterhalten wurde) und Australien. Gleichen Jahres trat er dem Kaufmännischen Verein Zürich bei und wurde bald darauf dessen Vizepräsident, der Vorsteher der Unterrichtskurse und schon im Alter von 21 Jahren dessen Ehrenmitglied.Nachruf in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Februar 1936. 1872 gründete er den Bülach-Dielsdorfer Verein Zürich, welcher den in der Stadt arbeitenden Zürcher Unterländern eine Heimat bieten sollte.

1872 trat Meyer im damals österreichischen Triest eine Stelle als Buchhalter bei der Firma Heinrich Escher an, die mit Baumwolle und Olivenöl handelte sowie eine Holzunternehmung in Slawonien und eine Zement- und Kalkfabrik in Istrien besass. Anlässlich eines Besuchs der Adelsberger Grotte (im heutigen Slowenien) verlobte er sich Pfingsten 1873 mit Emilia Rusca (2. Oktober 1851 – 11. Oktober 1936), Tochter der Triester Logisgeberin, Schwester eines Praktikanten der Firma und Angehörige einer Familie, die väterlicherseits ursprünglich aus dem schweizerischen Agno und mütterlicherseits aus Wien stammte. Ab 1873 arbeitete Meyer während zweier Jahre als Buchhalter bei der Römer Privatbank N. Bianco & Co.So laut dem Verzeichnis des im Staatsarchiv Zürich aufbewahrten Nachlasses; der in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Februar 1936 erschienene Nachruf gibt als Name der Bank «Gallarati» an. 1875 nahm er eine Stelle bei der Rohseidenfirma Zuppinger, Sibler & Co. in Zürich an, verbrachte aber das erste Jahr in Bergamo, wo die Firma eine Spinnerei und eine Zwirnerei besass.Nach dem in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Februar 1936 erschienenen Nachruf und nach Hans Meyer: Bescheidener Nachtrag zu den Jugenderinnerungen von Joh. Meyer-Rusca. In: Dieter Boser, Bernhard Boser (Hrsg.): Geschichte und Genealogie der Familie Meyer-Rusca. Privatdruck 2002, S. 109–113. 1876 erfolgte in Triest die Heirat mit Emilia Rusca.

Familie, Berufstätigkeit in Zürich und Mailand 1876 liess sich das junge Paar in Zürich nieder.Das Folgende, soweit nicht anders vermerkt, nach Hans Meyer: Bescheidener Nachtrag zu den Jugenderinnerungen von Joh. Meyer-Rusca. In: Dieter Boser, Bernhard Boser (Hrsg.): Geschichte und Genealogie der Familie Meyer-Rusca. Privatdruck 2002, S. 109–113. Ihm wurden zwischen 1877 und 1892 fünf Söhne und drei Töchter geboren, darunter Walterio Meyer Rusca.

Nach fünf Jahren bei der Firma Zuppinger, Sibler & Co. folgte Meyer 1880 einem Ruf der ebenfalls zürcherischen Rohseidenfirma Hans Conrad Muralt & Sohn, ab 1883 im Alleinbesitz von Martin Bodmer und von nun an Bodmer-Muralt genanntFritz Stucki: Geschichte der Familie Bodmer von Zürich (1543–1943). Hrsg. vom Bodmer-Familien-Fonds zur Feier des vierhundertsten Jahrestages der Einbürgerung der Familie in Zürich. Buchdruckerei, Zürich 1943, S. 266, 268.. Die anschliessende Umstellung der zuvor reinen Handelsfirma in ein Unternehmen vorwiegend industrieller Art war in erster Linie Meyers Werk.

In dieser Zeit trat er erneut in die Leitung des Kaufmännischen Vereins ein, und er gehörte zu den Gründern des damaligen Vereinshauses «zum alten Seidenhof». 1878 liess er zusammen mit Ulrico Vollenweider in der Zürcher Börse ein «Seidenzimmer» einrichten, das den zahlreichen auswärtigen Besuchern einen geeigneten Treffpunkt verschaffen sollte. Die Schaffung der Zürcher Usanzen für den Handel in roher Seide war zu einem grossen Teil Meyers Werk; ebenso führte er eine neuartige Berechnung über die Rohseidenerzeugung und den Verbrauch, unter Berücksichtigung der Lagerbestände und der Verschiffungen, ein.Th[eophil] Niggli: Hundert Jahre Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft. 1854–1954. Hrsg. von der Zürcherischen Seidenindustrie-Gesellschaft. Orell Füssli, Zürich , S. 24. Von 1897 bis 1899 amtete er auch als Präsident der noch heute existierenden Zürcherischen Seidenindustrie-Gesellschaft.Th[eophil] Niggli: Hundert Jahre Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft. 1854–1954. Hrsg. von der Zürcherischen Seidenindustrie-Gesellschaft. Orell Füssli, Zürich , S. 180.

1902 wurde die Firma Bodmer-Muralt in die Aktiengesellschaft Banco Sete mit Sitz in Mailand und Zürich umgewandelt, was Meyers Umzug in die lombardische Metropole nötig machte;Nach dem Verzeichnis des im Staatsarchiv des Kantons Zürich aufbewahrten Nachlasses war Meyer «zuletzt» Delegierten des Verwaltungsrates; ob das ab 1902 oder aber erst nach Martin Bodmers Tod 1909 der Fall war, geht daraus nicht hervor. in Zürich blieb sein Schwiegersohn Caspar Bruppacher in leitender Stelle. In Mailand, dem damals grössten Seidenplatz Europas, ernannte ihn die Associazione Serica zum Mitglied ihres Schiedsgerichts und die Seidentrocknungsanstalt Mailand zum Mitglied ihres Verwaltungsrates und der Aufsichtskommission ihres Seidenlaboratoriums. In den Zeiten ihrer grössten Ausdehnung besass der Banco Sete in Italien und im Tessin 16 Spinnereien und 8 Zwirnereien, und überdies liess er Rohseide im Lohn zwirnen.Laut dem in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Februar 1936 erschienenen Nachruf. Das Historische Lexikon der Schweiz nennt in seinem Artikel über Martin Bodmer für das Jahr 1906 17 Spinnereien und 5 Zwirnereien. Hans Meyer führt in seinem Bescheidenen Nachtrag zu den Jugenderinnerungen von Joh. Meyer-Rusca Spinnereien in den lombardischen Städten Nerviano, Pioltello, Boccaleone, Buscate, Bellano, Alpignano und Buriasco sowie im Tessiner Melano und Zwirnereien im lombardischen Nerviano und Broseta sowie im Tessiner Capolago auf. In Basel, Elberfeld und Krefeld unterhielt die Firma Verkaufsagenturen; Geschäfte wurden überdies in Wien, Lyon, Manchester, Moskau und New York getätigt. Auch der Seidenindustrie im ungarischen Győr nahm sich Meyer an. Nach Martin Bodmers Tod 1909So gemäss dem Nachruf in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Februar 1936; laut dem Historischen Lexikon der Schweiz, Artikel Martin Bodmer (Stand 28. Juli 2019), soll Bodmer 1908 gestorben sein. gelang es ihm, den Banco Sete 1910 dem Mailänder Industriellen Giuseppe de Montel zu verkaufen. Infolgedessen zog er sich aus der operativen Leitung der Firma zurück, blieb aber im Verwaltungsrat, bis die Firma 1934 (die 1920 in die Allgemeine Rohseiden A.-G. umgewandelt worden war) nach de Montels Tod liquidiert wurde. Noch 1910 kehrte Meyer mit seiner Frau in die Schweiz zurück; seine Söhne Hans und Max versuchten in Mailand beziehungsweise Zürich «die Brosamen zusammenzulesen, die vom einst glänzenden Geschäft noch übriggelassen» wurden.Johannes Meyer: Banco Sete. In: Dieter Boser, Bernhard Boser (Hrsg.): Geschichte und Genealogie der Familie Meyer-Rusca. Privatdruck 2002, S. 141–143, hier S. 142.

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