Die Kirche St. Johannes der Täufer in Łankiejmy () ist ein Bauwerk aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie gottesdienstliches Zentrum für den Sprengel Langheim der vereinigten evangelischen Kirchengemeinden Langheim-Gudnick in Ostpreußen und ist heute katholische Pfarrkirche der Pfarrei Łankiejmy in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Łankiejmy liegt am Flüsschen Zaine () im Norden der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 21 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Kętrzyn (). Durch das Dorf verläuft die Woiwodschaftsstraße 592 (frühere deutsche Reichsstraße 135) zwischen Giżycko (Lötzen) und Bartoszyce (Bartenstein). Das Dorf ist außerdem Bahnstation an der Bahnstrecke Posen–Toruń–Korsze.

Der Standort der Kirche befindet sich südlich der Hauptstraße unweit der Einmündung der Nebenstraße aus Trzeciaki (Dreihöfen) und Wygoda (Heinriettenhof).

Kirche mini|hochkant|Blick auf den Kirchturm mini|hochkant|Feldsteinfundament auf der Südseite der Kirche Die Kirche im ehemaligen Langheim wurde Ende des 14. JahrhundertsWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 80, Abb. 306 – wohl zwischen 1375 und 1400Kirche in Langheim bei ostpreussen.net – unter der Schirmherrschaft der Familie Truchseß von Wetzhausen errichtet. Es handelt sich um einen chorlosen Bau aus Feld- und Backsteinen mit einem schönen Staffelgiebel an der Ostwand.

Der Kirchturm ist etwa hundert Jahre später vorgesetzt worden – mit Feldsteinen im Unterbau. Die oberen drei Stockwerke sind gemauert und an zwei oberen Seiten mit Staffelgiebeln verziert. Aus dem Jahre 1772 stammen die Zifferblätter für die Uhr auf den vier Seiten des Turms. Sie wurden von der Patronatsfamilie von der Groeben gestiftet.

Im Süden ist an die Kirche eine Vorhalle angebaut, im Norden die Sakristei und daneben ein Gruftgewölbe.

Die Kirche in einschiffig. Ihr Innenraum hat eine trapezförmige Holzdecke und ist reich an geschnitzten Emporen und Gestühl. Der Altar von 1682 und die Kanzel von 1687 sind einfache Schnitzwerke, verbunden mit unbedeutenden Ölgemälden. Von der gotischen Ausstattung blieben ein Kruzifix aus der Zeit um 1515 und ein Messkelch von etwa 1380 bis 1400 erhalten.

Im Jahre 1822 erhielt die Kirche eine Orgel, die von Johann Scherweit aus Königsberg (Preußen) () erbaut wurde. Die Glocken trugen die Daten 1771, 1772 und 1834.

1817/18 zerstörte ein Orkan das Kirchendach und den Turm, was erhebliche Reparaturmaßnahmen nach sich zog. 1911 erfolgte eine Grundrenovierung des gesamten Gebäudes. In den Jahren nach 1945 wurden weitere Umbaumaßnahmen vorgenommen, um den Kirchenraum dem veränderten – weil dann katholischen – Gebrauch anzupassen. Außerdem erhielt die Kirche den Namen des Täufers Johannes („Kościół św. Jana Chrzciciela“).Parafia Łankiejmy im Erzbistum Ermland Aufgefundene Epitaphe (u. a. der Familie Truchseß von Wetzhausen) wurden in das Lapidarium der St.-Georg-Kirche in Kętrzyn (Rastenburg) verbracht.

Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Die Gründung einer Kirche in Langheim wird auf das Jahr 1367 datiertWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 473 Mit der Einführung der Reformation in Ostpreußen wurde die Kirche evangelisch. Von 1533 bis 1538 war Groß Schwansfeld () mit Langheim verbunden,Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 48 Bereits 1528 war die Kirche Gudnick (polnisch Gudniki) zu Langheim gelegt worden – bis zum Jahre 1692, abermals wieder von 1736 bis 1768 und endgültig ab 1870.Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 82 Der Pfarrsitz der beiden verbundenen Kirchengemeinden Langheim und Gudnick blieb in Langheim, das bis 1945 in den Kirchenkreis Rastenburg (polnisch Kętrzyn) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte.

Im Jahre 1925 zählten beide Kirchengemeinden zusammen 5000 Gemeindeglieder, von denen 2200 zum Sprengel Langheim und 2800 zum Sprengel Gudnick gehörten. Das Kirchenpatronat oblag für beide Kirchen der von der Groebenschen Familienstiftung mit Sitz in Langheim.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in den 1940er Jahren setzten dem Leben der evangelischen Kirche in Langheim ein Ende. Evangelische Einwohner gehören heute zur Pfarrei in Kętrzyn (Rastenburg) mit der Filialkirche in Bartoszyce (Bartenstein) innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Sprengel Langheim der Pfarre Langheim-Gudnick gehörten bis 1945 zwanzig Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort

Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Dreihöfen Trzeciaki Langwäldchen Długi Lasek Eichenau Dąb Ludwigsfelde Freifelde Scharkeim Sarkajmy * Glaubitten Głowbity Sprenglienen Grützau Gnojewo * Sußnick Suśnik Hartels Dzierżążnik Tamperboths Krzeszewo Heinriettenhof Wygoda * Wendehnen Wandajny Kätzels Kociól Wotterkeim (Dorf) Kowalewo Małe Kremitten Krzemity Wotterkeim (Vorwerk) Kowalewo Duże * Langheim Łankiejmy * Zandersdorf Swędrówka

Pfarrer (bis 1945) Von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs amtierten an der Kirche Langheim als evangelische Geistliche: NN., 1538 Johann Wagner, 1554/1567 NN., bis 1574 N. Martinus, ab 1574 Matthäus Waissel, 1574–1587 Samuel Hebelius, 1590–1594 Jonas Wolstein, ab 1594 Michel Cuderus, 1598–1613 Martin Romanus, 1629 Christoph Romanus, 1664–1668 Matthias Roscius, ab 1670 Johann Heinrich Frouwen, 1679–1704 Johann Christoph Friese, 1704–1724 Daniel Friedrich Weber, 1724–1783 Friedrich Wilhelm Schumacher, 1777–1790 Johann Christoph Pflüger, 1790–1803 Christoph Mich. Nietzki, 1803–1814 Ferdinand Leopold Neumann, 1815–1854 Otto Friedrich W. Biermann, 1854–1901Angehöriger des Corps Masovia Paul Ernst Alb. Nietzki, 1901–1909 Hermann Georg A. Poetz, 1909–1913 Hans Fr. K.L. Zollenkopf, 1913–1934 Franz Geist, ab 1934 Hermann Paulokat, 1938 Curt Schlösser, 1939–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarre Langheim sind erhalten: Taufen: 1672 bis 1765Aufbewahrung: Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig und 1810 bis 1835 sowie 1847 bis 1911Aufbewahrungsort: Staatsarchiv Allenstein, Olsztyn/Polen Trauungen: 1672 bis 1765 Begräbnisse: 1672 bis 1765.

Katholisch Vor 1945 lebten in Langheim nur wenige Katholiken. Sie waren nach Sturmhübel () bzw. Korschen (polnisch Korsze) im Bistum Ermland eingepfarrt. Ihre Zahl stieg stark an, als nach 1945 sich polnische Neubürger mit fast ausnahmslos katholischer Konfession sich in Łankiejmy ansiedelten und die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus beanspruchten. In Łankiejmy entstand eine eigene Pfarrei, die dem Dekanat Reszel () im jetzigen Erzbistum Ermland zugehört. Der Pfarrei angegliedert sind die Filialorte Kraskowo (Schönfließ) und Wandajny (Wendehnen).

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