Die Einkommensverteilung in den Niederlanden befasst sich mit der personellen Verteilung der Einkommen in den Niederlanden. Die personelle Einkommensverteilung beschreibt, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) verteilt ist.

Im Jahr 2017 lag der Gini-Koeffizient in den Niederlanden bei 0,27, welcher nach Eurostat mittels des verfügbaren Äquivalenzeinkommens berechnet wird. Im Vergleich mit den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union belegten die Niederlande damit den 6. Rang. Der Mittelwert der verfügbaren Äquivalenzeinkommen in den Niederlanden betrug 2017 26.350 €, das Medianeinkommen lag im selben Jahr bei 23.560 €. Die Top 10 % der Einkommensverteilung verdienten 14,2 % des niederländischen Gesamteinkommen und lagen damit unter dem EU-27 Durchschnitt. Das Einkommensquintilverhältnis betrug 2017 4,0, die reichsten 20 % der Einkommensverteilung erhielten demnach das 4-fache der verfügbaren Einkommen der ärmsten 20 % der Einkommensverteilung. Die Armutsgefährdungsquote lag in den Niederlanden 2017 bei 13,2 % und lag damit unter dem EU-27 Durchschnitt, welcher 16,9 % betrug.

Methoden zu Darstellung und Berechnung der Einkommensverteilung

Unterscheidung zwischen Markteinkommen, Sekundäreinkommen, verfügbarem Einkommen und Äquivalenzeinkommen Das Markteinkommen (oder Primäreinkommen) stellt das primäre Einkommen dar. Dieses setzt sich aus den Einkommen aus selbständiger wie unselbstständiger Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung und Kapital vor Steuern und Abgaben zusammen. Das Sekundäreinkommen berücksichtigt Sozialabgaben, direkte Steuern sowie öffentliche (z. B. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld) und private (z. B. Unterhalt) Transfers. Somit ist das Sekundäreinkommen das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte, welches für den privaten Konsum und private Ersparnis zur Verfügung steht. Der Vergleich zwischen dem Markteinkommen und dem verfügbaren Einkommen gibt Aufschluss über die Stärke der verteilungspolitischen Maßnahmen durch die öffentliche Hand.

Im Jahr 1987 betrug die Armutsquote in den Niederlanden vor staatlichen Leistungen noch 26,4 %, nach den staatlichen Verteilungsmaßnahmen nur mehr 6,4 %. Schon wenige Jahre später im Jahr 1993 betrug die Armutsquote vor staatlichen Leistungen 27,9 % und fiel nur mehr auf 9,8 %. Dieser Zeitraum stellt auch die markantesten Veränderungen in der Nachkriegszeit dar. Diese Entwicklung ist auch bei den Gini-Koeffizienten ersichtlich, sowohl vom Markteinkommen als auch von den verfügbaren Einkommen. Hier zeigt sich, dass von 1987 bis 1993 der Gini-Koeffizient der verfügbaren Einkommen von 27,5 auf 31,1 und der Gini-Koeffizient der Markteinkommen von 40,3 auf 43,1 anstieg. Im Jahr 1995 kam es zu einer Steuerreform, in der eine progressivere Einkommensteuer umgesetzt wurde. Dies führte zu einem sinkenden Gini-Koeffizienten bis zum Jahr 2005, seither ist mit Ausnahme von kurzfristigen Schwankungen nach der Wirtschaftskrise 2008 eine relativ konstante Entwicklung ersichtlich.

Das Äquivalenzeinkommen ist jenes Einkommen, das jedem Mitglied eines Haushalts, wenn es erwachsen wäre und alleine lebte, den gleichen (äquivalenten) Lebensstandard ermöglichen würde, den es innerhalb der Haushaltsgemeinschaft hat. Dazu wird das Einkommen des gesamten Haushalts addiert und anschließend mithilfe einer Äquivalenzskala gewichtet. Die Gewichtung richtet sich nach Anzahl und Alter der Personen der Haushaltsgemeinschaft.

Überblick Einkommensverteilungsindikatoren mini|Mittelwert und Median der Einkommen in den Niederlanden, 1996–2017; bereinigt mittels HVPI (2015=100)|alternativtext=

Durchschnitts- und Medianeinkommen Ordnet man die verfügbaren Einkommen nach Einkommenshöhe, so entspricht genau jene Person, welche in der Mitte dieser Verteilung liegt, dem mittleren Einkommen (Median). Der Mittelwert beschreibt das durchschnittliche Einkommen. Wird der Durchschnitt der Einkommen zum Median-Einkommen verglichen, kann dies Aufschluss über die Einkommensverteilung geben. Ist die Differenz hoch, ist dies ein Indiz auf eine ungleiche Verteilung. Dies liegt daran, dass der Median im Vergleich zum Mittelwert statistisch robust gegenüber Ausreißern ist. Diese Ausreißer sind zum Beispiel sehr hohe Einkommen am Ende der Einkommensverteilung.

Der Mittelwert des nominellen Äquivalenzeinkommens hatte über den Zeitraum von 1996 bis 2017 (mit Ausnahme 2002–2004 wegen einer Datenlücke) stets ein höheres Niveau im Vergleich zum Median. Dennoch sind sowohl der Mittelwert als auch der Median der nominellen Äquivalenzeinkommen (nicht inflationsbereinigt) in diesem Zeitraum markant gestiegen. 2005 lag der Mittelwert des nominellen Äquivalenzeinkommen bei 18.900 Euro, der Median lag im selben Jahr bei 17.000 Euro. Bis 2017 stieg der Mittelwert des nominellen Äquivalenzeinkommen auf 26.350 Euro und der Median auf 23.560 Euro, was einer Wachstumsrate von etwa 39 % von Mittelwert und Median entspricht. Von 2008 bis 2014 stagnierte das nominelle Äquivalenzeinkommen, bevor es ab 2014 wieder anstieg.

Das reale Äquivalenzeinkommen (inflationsbereinigt mittels HVPI) stieg über den Zeitraum von 1996 bis 2017 schwächer als das nominelle Äquivalenzeinkommen. Bis 2000 lag das durchschnittliche reale Äquivalenzeinkommen bei etwa 20.000 Euro, von 2005 bis 2009 stieg es etwas rasanter auf 22.000 Euro an. Ab 2009 ist ein Abwärtstrend des realen Äquivalenzeinkommens zu beobachten.

Gini-Koeffizient mini|Gini-Koeffizient für Markteinkommen und verfügbare Einkommen in den Niederlanden von 2011 bis 2016 (OECD)|alternativtext= mini|Gini-Index der verfügbaren Einkommen für Niederlande und Nachbarländer (Belgien, Deutschland, Vereinigtes Königreich), 2004–2017 (Eurostat)|alternativtext= Der Gini-Koeffizient ist ein Maß für die Verteilung der Einkommen und nimmt Werte zwischen 0 und 1 an. Ein Gini-Koeffizient von 0 besagt, dass alle Individuen einer Volkswirtschaft exakt das gleiche Einkommen beziehen. Auf der anderen Seite stellt ein Gini-Koeffizient von 1 die größte Ungleichverteilung dar – eine Person hält das gesamte Einkommen. Der Gini-Koeffizient kann auch auf Basis einer Index-Skala abgebildet werden, dem Gini-Index, welcher zwischen 0 und 100 liegt, wobei die Interpretation gleich dem Gini-Koeffizienten ist. Ein Wert von 0 bedeutet vollkommene Gleichheit und ein Wert von 100, vollkommene Ungleichheit der Einkommen.

Bei der Betrachtung des Gini-Koeffizienten/Gini-Index ist zu beachtender ss die zur Berechnung zugrunde liegenden Daten nicht die Gesamtheit der Bevölkerung beinhalten., Individuen die im informellen Sektor toder ind, sowie Obdachlose fallen aus der Erhebung heraus. Des Weiteren macht der Gini-Koeffizient keine Angaben über die absolute Einkommenshöhe der jeweiligen Bevölkerung. Dies bedeutet, dass ein Land mit sehr niedrigen Einkommen eine gleiche Einkommensverteilung (geringer Gini-Koeffizient) aufweisen und trotzdem eine arme Bevölkerung haben kann.

Beim Umgang mit dem Gini-Koeffizient ist zu beachten, welche Einkommenskategorie als Berechnungsgrundlage herangezogen wird. Dabei ist zwischen Markteinkommen und verfügbarem Einkommen zu unterscheiden. Der Vergleich zwischen dem Gini-Koeffizienten des Markteinkommens (vor Steuern und Transfers) und des verfügbaren Einkommens (nach Steuern und Transfers) gibt Aufschluss über die Umverteilungsmaßnahmen eines Staates. Der Gini-Koeffizient des Markteinkommens in den Niederlanden betrug im Jahr 2017 etwas weniger als 0,45. Der Gini-Koeffizient des verfügbaren Einkommens lag bei 0,28. Die Rolle des niederländischen Staates bei der Umverteilung der Einkommen wird hier deutlich. Der Gini-Koeffizient in den Niederlanden gemessen am verfügbaren Einkommen fällt um ca. 0,15 niedriger aus, als wenn das Ungleichheitsmaß basierend auf Markteinkommen berechnet wird.

Im Vergleich zu den Nachbarländern und auch zum EU-27 Durchschnitt verzeichnen die Niederlande über den gesamten Zeitverlauf von 2005 bis 2017 relativ gesehen eine geringere Einkommensungleichheit bei den verfügbaren Äquivalenzeinkommen (hier berechnet mit Gini-Index von Eurostat). Nur in Belgien ist der Gini-Index vor der Wirtschaftskrise und nach 2013 auf einem niedrigeren Level angesiedelt. Der Gini-Index der Niederlande stieg ab 2013 von 25,0 auf 27,1 an, was auf eine ungleichere Einkommensverteilung schließen lässt.

S80/S20 Einkommensquintilverhältnis Das 80/20 Einkommensquintilverhältnis gibt das Verhältnis des Gesamteinkommens von den 20 % der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen (oberstes Quintil) zum Gesamteinkommen von den 20 % der Bevölkerung mit dem niedrigsten Einkommen (unterstes Quintil) an. Das Einkommensquintilverhältnis hat sich in den letzten zwölf Jahren in den Niederlanden nur geringfügig verändert. So liegt der Wert sowohl 1995 bei 4,2 und auch 2017 bei 4,0. Dies bedeutet, dass die reichsten 20 % der Niederlande das Vierfache an Einkommen im Vergleich zu den ärmsten 20 % im Jahr 2017 lukrierten. Beim EU-27-Durchschnitt betrug das 80/20-Verhältnis 2017 5,0 und lag damit über dem Wert der Niederlande. Grundsätzlich lagen die Niederlande seit 2005 immer deutlich unter dem EU-27 Durchschnitt. S80/S20 Einkommensquintilsverhältnis in den Niederlanden und EU-2719951996199719981999200200120022005200620072008200920102011201220132014201520162017EU-275,05,04,94,95,05,05,05,25,25,25,1Niederlande4,24,43,63,63,74,14,04,04,03,84,04,04,03,73,83,63,63,83,83,94,0

Top 10 % Einkommensanteil mini|Anteil der Top 10 % am nationalen Äquivalenzeinkommen in den Niederlanden, 2007–2017 Sortiert man Personen aufsteigend nach Einkommen und teilt diese in zehn gleich große Gruppen ein, also in jeweils 10 % der Gesamtbevölkerung, so erhält man die Einkommensdezile einer Volkswirtschaft. So wird sichtbar, welchen Anteil ein Dezil (z. B. das zehnte Dezil) am Gesamteinkommen hat. Der Top 10 % Einkommensanteil beschreibt das verfügbare Äquivalenzeinkommen der reichsten 10 % am Gesamteinkommen der Niederlande (somit sind Sozialversicherungsbeiträge als auch Lohnsteuer in der Berechnung inbegriffen). In den Niederlanden lag der Anteil der reichsten 10 % im Jahr 1995 bei 23 % des nominellen Äquivalenzeinkommens. Im Jahr 2008 lag der Anteil bei 22,3 % und 2017 bei 22 %. Der Anteil der Top 10 % ist seit 1996 trotz Auf- und Abschwankungen gesunken. Des Weiteren liegt die Niederlande unter dem EU-27 Durchschnitt: 2017 lag der Anteil am Gesamteinkommen der Top 10 % bei 23,9.

Geschlechtsspezifische Einkommensungleichheit

S80/S20 Einkommensquintilverhältnis mini|S80/S20 Einkommensquintilverhältnis für Frauen und Männer in den Niederlanden, 1995–2017 Das Einkommensquintilverhältnis kann zwischen 1995 und 2017 (mit einer Datenlücke zwischen 2000 und 2004) getrennt nach Geschlecht untersucht werden. Als Einkommen wird dabei das verfügbare Äquivalenzeinkommen von Männern und Frauen herangezogen. Über den betrachteten Zeitraum liegt das 80/20-Verhältnis für beide Geschlechter bei einem Wert von rund 4 und verändert sich über die Zeit nur geringfügig. Ein Verhältnis von 4 bedeutet, dass die Top 20 % der Bevölkerung in der Einkommensverteilung rund 4-mal so viel Einkommen besitzen, wie der Teil der Bevölkerung mit den niedrigsten 20 % der Einkommen. Generell ist das 80/20 Einkommensquintilverhältnis für Männer fast über den gesamten Zeitraum geringfügig höher. Die höchste Differenz zwischen den Top 20 % und den niedrigsten 20 % der Einkommen ist in den Niederlanden sowohl für Frauen als auch für Männer im Jahr 1996, mit einem Verhältnis von 4,3 für Frauen 4,5 für Männer zu beobachten. Dieser Wert fällt danach für beide Geschlechter etwas und erreicht den geringsten Wert mit 3,7 für Frauen in den Jahren 1999, 2010 und 2011 und 3,6 für Männer im Jahr 2010. Nach 2010 steigt das Einkommensquintilverhältnis für beide Geschlechter wieder an, wobei jener Wert für die Männer im Vergleich zu den Frauen wiederum etwas stärker zunimmt.