mini|Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau als Mutter der Barmherzigkeit in Maria-Anzbach mini|Im Mittelschiff des Langhauses zum Chor Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria-Anzbach steht in einem ummauerten Plateau im Zentrum des Ortes der Marktgemeinde Maria Anzbach im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich. Die auf das Patrozinium Unsere Liebe Frau als Mutter der Barmherzigkeit geweihte römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche gehört zum Dekanat Neulengbach der Diözese St. Pölten. Die Kirche und der ehemalige ummauerte Friedhof stehen unter Denkmalschutz ().
Geschichte Erbauung und erste Aufzeichnungen Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Zur Mutter der Barmherzigkeit ist eine Wehrkirche und wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Es wird angenommen, dass die Herren von Amicinesbach, welche 1203 ausstarben, eine Kirche errichten ließen. Sichere Kunde von einem Pfarrer erhalten wir aus dem Jahr 1311.
Die Kirche ist ein dreischiffiger, vierjochiger Staffelbau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Stein- und Rippengewölben. Das Nord- und das Südportal sind spätgotisch und weisen die Jahreszahlen 1468 bzw. 1491 auf. Über dem nördlichen Portal befindet sich außerdem die gotische Inschrift „MATER MISERICORDIE 1471“ (Mutter der Barmherzigkeit).
Erster Türkensturm 1529 wurde die Kirche von den Türken total zerstört. 100 Jahre später, im Jahr 1629 wurde die Kirche mit Wehrturm (50 Meter) als Wehrkirche adaptiert.
Am Feste Maria Geburt 1677, hielt der kaiserliche Hofprediger Abraham a Sancta Clara in der Pfarr- und Wallfahrtskirche die berühmt gewordene Predigt „Der glückliche Fischzug aus Anzbach“.
Zweiter Türkensturm 1683 brachte der zweite Türkensturm wieder große Zerstörung in den Ort. Die Kirche blieb dank einer erloschenen Fackel die in die hölzerne Kanzel geworfen wurde, unbeschadet. Die erloschene Fackel ist in der Kirche in einem Glaskästchen zu sehen.
Wallfahrtsort Die Marienwallfahrt in Anzbach ist seit 1472 nachgewiesen.
Nach der Pestzeit 1683, die eine der schlimmsten Folgen der Türkeneinfälle war, wurde das Gebiet fast ausgerottet. In dieser Zeit entstanden die jährlichen Wallfahrten der Orte Ollern und Langenrohr, die noch heute eingehalten werden. Die Pest-Exvoto-Bildnisse, die Marmortafeln und zwei Wachskerzen bestätigen dies.
20. und 21. Jahrhundert In den Jahren von 1977 bis 1982 wurden der Innenraum der Kirche, sämtliche Figuren, die Kanzel und die Martinikapelle restauriert. Im Jahr 2009 fand eine neuerliche Restaurierung des Innenraums der Kirche statt. Dabei wurden neben einer Vergrößerung der Orgelempore, auch die Bänke im Hauptschiff (aus der Zeit um 1630) generalsaniert bzw. die Bänke in den Seitenschiffen neu angefertigt.
Bei einem Festgottesdienst am 25. Oktober 2015 wurde der neue Volksaltar, im neu gestalteten Altarraum geweiht und der neue Ambo gesegnet. Die Weihe des neuen Altares nahm der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng vor.
Architektur mini|hochkant|Detail aus der Statue des hl. Rochusmini|Empore und Prospekt der Orgel Die Kirche ist ein dreischiffiger vierjöchiger Staffelbau aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, mit Stein- und Rippengewölben. Das Nord- und Südportal sind spätgotisch und weisen die Jahreszahlen 1468 und 1491 auf, außerdem die gotische Inschrift über dem nördlichen, außen „Mater Misericordie 1471“, Mutter der Barmherzigkeit. An der südwestlichen Außenecke, neben dem Turm, sehen wir noch die Giebelmauer der Kirche mit einem langen Hauptschiff aus dem 14. Jahrhundert.
Ausstattung Der barocke Hochaltar wurde 1771 errichtet. Mittelpunkt ist die fast lebensgroße Gnadenstatue. Sie stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist aus Holz gearbeitet. Seltsamerweise hat sie alle Kriegswirren und die Zerstörung der Kirche 1529 überdauert.
Auf dem Hochaltar befinden sich noch 4 Holzplastiken. Links: der hl. Erzengel Michael und der hl. Josef. Rechts: der hl. Erzengel Raphael und der hl. Joachim.
Im Presbyterium sind an den Wänden Kunstschätze angebracht. Links: der hl. Leopold (gotisch), am Presbyteriumpfeiler innen der Reliquienschrein mit der erloschenen Türkenfackel und außen der hl. Antonius. Rechts innen, Reliquienschrein mit unbekannten Reliquien und außen der hl. Josef.
Die Seitenaltäre wurden 1785 aus anderen Kirchen übertragen. Der rechte Kreuzaltar zeigt ein geschnitztes Kruzifix mit dem Gekreuzigten, zur Seite seine Mutter Maria und seinen Lieblingsjünger Johannes. Der linke Seitenaltar zeigt in der Mitte den hl. Sebastian, rechts von ihm den hl. Rochus und links den hl. Florian.
1790 wurde vom Tischler Franz Kraft eine neue Kanzel samt Stiege angefertigt.
Orgel Die Orgel wurde 1990/1991, unter Beibehaltung des neugotischen Prospekts, durch die Oberösterreichische Orgelbauanstalt Kögler neu errichtet. Die Orgel verfügt über folgende Disposition: I Hauptwerk C–g31.Bourdon16′2.Principal8′3.Flöte8′4.Octav4′5.Spitzflöte4′6.Octav2′7.Mixtur′8.Trompete8′II Schwellwerk C–g39.Viola8′10.Gedackt8′11.Principal Flöte4′12.Fugara4′13.Octav2′14.Mixtur1′15.Cornett III16.Oboe8′TremulantPedal C–f117.Subbaß16′18.Principal Baß8′19.Flötenbaß8′20.Octavbaß4′21.Posaunenbaß16′22.Trompetenbaß8′ Koppeln: MK II-I; PK I-P, PK II-P
Glocken Der Turm beherbergt 5 Glocken – 4 davon wurden 1945 geweiht, die Vorgänger mussten für Kriegszwecke im Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden und nur die Neunerin blieb wegen ihres schönen Klanges in den beiden Weltkriegen verschont.
Martinikapelle mini|195x195px|Martinikapelle, Ostansicht vom Marktplatz Die Pfarr- und Wallfahrtskirche ist weithin durch die Merkwürdigkeit bekannt, dass hier fast zwei fast gleiche Presbyterien finden, ein freistehendes über dem alten Beinhaus (Martinikapelle) und das eigentliche mit dem Hochaltar in der Pfarrkirche. Die Martinikapelle befindet sich rechts vom Eingang in den ehemaligen Friedhof, der rund um die Kirche angelegt war. Diese Kapelle ist ein gotischer Bau aus der Zeit um 1400 und hat an der der Kirche zugewandten Seite einen sehenswerten gotischen Erker. Im Karner der Kapelle sind die Gebeine aus dem aufgelassenen Friedhof aufbewahrt.
Ehemalige Pfarrer Die längste Amtsdauer eines Pfarrers war die von Anton Artner, sie dauerte von 1858 bis 1906. Seit 2000 ist Erzdechant Wilhelm Schuh Pfarrer von Maria Anzbach.http://www.pfarre-maria-anzbach.at/wir-als-pfarrgemeinde/pfarrer Walther in Entzesbach 1311 Kilian im 15. Jahrhundert Christofen um 1562 Nicolaus Cutigius um 1611 Georg Hiendl verst.19. November 1626 Johann Greinwald 1638–1645 Maximilian v. Hennegau 1645–1649 Johann Chrysost.Golitius 1649–1656 Georg Arthueber 1656–1658 Christian Ernst Korneritz 1658–1666 Malachias Praumiller OCist 1666–1670 (dann Abt von Wilhering) Nicolaus Farkahs 1672–1674 Narcißus Romanus Rotwang 1674–1680 Johann Pichler 1680–1682 Michael Werz 1682–1684 Thomas Antoni 1684–1689 Franz Bichler 1689–1712 Petrus Morten 1712–1728 Johann Ernst Koller 1729–1742 Michael Schöberl 1742–1761 Christoph Schiechl 1761–1777 Barthol. Tourneller 1777–1800 Th. Wurm 1800–1814 Valentin Kirsch 1814–1830 Anton Hößler 1830–1858 Anton Artner 1858–1906 Josef Bach 1906–1914 Michael Müller 1914–1933 Johann Sitte 1934–1961 Johann Fischer 1961–2000 Wilhelm Schuh seit 2000
Literatur Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich südlich der Donau 2003. Maria-Anzbach, Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau als Mutter der Barmherzigkeit, mit Grundrissdarstellung, Kapelle hl. Martin an der Nordostecke des ummauerten Bereiches, Pfarrhof. S. 1292–1294.
Weblinks
http://www.pfarre-maria-anzbach.at/ http://www.maria-anzbach.at/Unser_Ort/Kirche_und_Religion/Allgemeine_Information
Einzelnachweise
Kategorie:Maria Anzbach Kategorie:Erbaut in den 1470er Jahren Maria-Anzbach Kategorie:Bauwerk im Mostviertel Maria-Anzbach