mini|Hauptquartier des RCE in Amersfoort
Der Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (abgekürzt RCE; ) ist die Ausführungs-, Umsetzungs- und Forschungsorganisation des niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft (Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschap) mit Zuständigkeit für alle Bereiche des Kulturerbes: Archäologie, Denkmäler inklusive Bau- und Bodendenkmäler, bewegliches Erbe und Kulturlandschaft. Er ist die oberste Behörde für Denkmalschutz und Denkmalpflege des Königreichs der Niederlande. Die Verwaltung befindet sich in Amersfoort (Provinz Utrecht).
Historische Entwicklung Aktiver Denkmalschutz wurde durch die niederländische Regierung erstmals 1875 in Angriff genommen, als die Abteilung für Kunst und Wissenschaften (Afdeling Kunsten en Wetenschappen) im Innenministerium (Ministerie van Binnenlandse Zaken) eingerichtet wurde. In den ersten Jahren ihres Bestehens (1875–1901) stand sie unter der Leitung von Victor de Stuers.Th.H. Lunsingh Scheurleer: Stuers, jhr. Victor Eugène Louis de (1843–1916). In: Biografisch Woordenboek van Nederland 1, Huygens ING, Den Haag 1979 (Digitalisat). Aufgabe der Abteilung war es, Zuschüsse für die Restaurierung von Denkmälern bereitzustellen. mini|hochkant|Jan Kalf (1873–1954), erster Direktor des Rijksbureau voor de Monumentenzorg (1918–1939) 1903 wurde eine nationale Kommission gegründet, die eine Bestandsaufnahme und Dokumentation der Denkmäler in den Niederlanden durchführte. Sie stand unter der Leitung des Architekten Eduard Cuypers (1854–1927). Die Arbeit der Kommission führte dazu, dass 1918 das Rijksbureau voor de Monumentenzorg („Reichsbüro für Denkmalschutz/Denkmalpflege“) gegründet wurde, das bis 1946 bestand. Erster Direktor von 1918 bis 1939 wurde Jan Kalf, der zuvor Sekretär von Cuypers gewesen war.A.A.M. de Jong: Kalf, Jan (1873–1954). In: Biografisch Woordenboek van Nederland Band 2. Den Haag 1985 (Digitalisat). 1946 wurde der Name in Rijksdienst voor de Monumentenzorg (RDMZ) („Reichsdienst für Denkmalschutz/Denkmalpflege“) geändert.
Die archäologische Abteilung wurde 1946 unter dem Namen Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek (ROB) („Reichsdienst für archäologische Bodenforschung“) als eigenständige Organisation abgespalten.Über den ROB auf der enzyklopädischen Webseite Geheugen van Drenthe (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. Dessen langjähriger Direktor von 1965 bis 1988 war Wim van Es. 1995 wurde noch das Nederlands Instituut voor Scheeps- en onderwaterarcheologie (NISA) („Niederländisches Institut für Schiffs- und Unterwasserarchäologie“) in den ROB integriert.Eric Hendriks: Scheepsarcheologie is miskenning te boven in der Online-Ausgabe von de Volkskrant, 30. Januar 1999 (niederländisch), abgerufen am 20. November 2018. 2006 wurden alle Dienste wieder zusammengelegt. Diese neue Gesamtorganisation trug bis 2009 den Namen Rijksdienst voor Archeologie, Cultuurlandschap en Monumenten (RACM) („Reichsdienst für Archäologie, Kulturlandschaft und Denkmäler“).Über den auf der offiziellen Webseite des Nationalarchivs (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. Der Name des Dienstes verursachte aufgrund seiner Länge regelmäßig unpraktische Situationen, so dass nach einem Alternativnamen gesucht wurde. Es sollte auch keine Abkürzung verwendet werden, wie es in der Vergangenheit bei ROB und RDMZ der Fall gewesen war. Der Name wurde daher 2009 in Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed geändert. Seit 2011 sind auch die Kernaufgaben des Instituut Collectie Nederland (ICN) („Institut für niederländische Sammlungen“), dessen Sammlungsmanagement sowie die Wissensentwicklung und -verbreitung dem Rijksdienst zugeordnet.
Seit dem 1. Januar 2018 ist Susan Lammers Direktorin des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed.Susan Lammers algemeen directeur Rijksdienst Cultureel Erfgoed (RCE), in der Onlineausgabe der Zeitschrift Monumentaal, 24. November 2017 (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. Sie löste Cees van ’t Veen ab, der den RCE seit 2008 geleitet hatte.Rücktrittsbekanntmachung Cees van ’t Veens auf der offiziellen Webseite des RCE (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018.
Zielsetzung, Aufgaben und Organisation Der Rijksdienst hat zum Ziel, Denkmale sowie archäologische, bewegliche und kulturlandschaftliche Werte von nationaler und internationaler Bedeutung zu schützen und zu erhalten. Der Dienst führt die damit verbundenen Aufgaben im Rahmen des niederländischen Denkmalgesetzes (Monumentenwet) von 1988Text des Monumentenwet 1988 auf der regierungsamtlichen Webseite wetten.overheid.nl (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. durch und verwaltet die Denkmalliste.Monumentenregister auf der offiziellen Webseite des RCE (niederländisch), abgerufen am 20. November 2018. und das Archäologische Informationssystem (ARCHIS).ARCHIS-Login (Registrierung erforderlich) auf der offiziellen Webseite des RCE (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. Nationale niederländische Denkmäler sind Gedenkstätten zur Bewahrung der Erinnerung an tiefgreifende Ereignisse oder Perioden der Vergangenheit. Dagegen wird die Bezeichnung „Nationalmonument“ (niederländisch Nationaal monument) nicht von der niederländischen Regierung zugewiesen. Es gibt auch keine offizielle Liste der „Nationalmonumente“ der Niederlande. Einige niederländische „Nationalmonumente“ sind allerdings zugleich auch nationale niederländische Denkmäler.Monumenten auf cultureelerfgoed.nl (niederländisch), abgerufen am 7. Januar 2026.
Der Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed gliedert sich in einen administrativen und einen fachlichen Bereich. Der administrative Bereich umfasst Abteilungen für Kommunikation, Controlling, Daten, digitale Infrastruktur, Finanzen und Facilities, rechtliche Angelegenheiten, das maritime Depot, Personal & Organisation, Strategie & Internationales sowie für gesetzliche Aufgaben. Dem fachlichen Bereich sind die Abteilungen für Archäologie, Konservierung & Restaurierung, Kunstsammlungen, Landschaft, Denkmäler & Sammlungen, Region Mitte-Süd, Region Nordost und Region Nordwest zugeordnet.Organisatie en mandaten van de Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed, 24. April 2014, auf der offiziellen Webseite des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (niederländisch), abgerufen am 20. November 2018.
Standorte Bis 2009 hatte das RACM drei Niederlassungen in Zeist, Amersfoort und Lelystad. 2009 ging die Niederlassung Zeist in der Niederlassung Amersfoort auf. Seit 2011 verfügt das RCE über zwei weitere Dependancen in Amsterdam, mit den Arbeitsschwerpunkten Konservierung und Restaurierung,Kurzbeschreibung der Aufgabenverteilung des RCE auf der Webseite parlement.com (niederländisch), abgerufen am 20. November 2018. und in Rijswijk, wo sich ein großes Depot befindet.Wichard Maassen: Voorbereidingen voor megaverhuizing van 65.000 kunstwerken, in der Online-Ausgabe des Allgemeen Dagblad, 18. Juli 2018 (niederländisch), abgerufen am 20. November 2018. 2016 wurde der Standort Lelystad aufgelöst.
mini|RCE-Gebäude in Amersfoort (rechts), links das mittelalterliche Stadttor Koppelpoort Amersfoort In Amersfoort wurde ein neues, großes und hochmodernes Gebäude errichtet, das von dem spanischen Architekten Juan Navarro Baldeweg im Auftrag des Rijksgebouwendienst (Behörde für Regierungsgebäude) entworfen worden war. Auf der zur Stadt gelegenen Seite hat das Bauwerk eine schräge Fassade mit einer doppelten, wärmeregulierenden Glasschicht. Die offizielle Eröffnung einschließlich der Bibliothek, dem großen Archiv und den Sammlungen von Fotos und Zeichnungen wurde am 24. Juni 2009 von Königin Beatrix vorgenommen. Bis zum Frühjahr 2014 beherbergte das Gebäude auch noch die Kunsthal KAdE (Kunsthalle KADe; KADe steht für Kunst aan de Eem / „Kunst an der Eem“).Beschreibung des Bauprojektes auf der Webseite architectuur.nl (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018.Beschreibung des Gebäudes, ehemals auf der Webpräsenz des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed, jetzt über das Internet Archive, (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018.
Lelystad (bis 2016) Die Niederlassung Lelystad war bis 2016 (anstelle der 1995 in den RDMZ integrierten NISA) für die Verwaltung und Erhaltung des archäologischen maritimen Erbes der Niederlande zuständig. Das Gebäude an der Küste des IJsselmeeres war 140 Meter lang und zwölf Meter hoch und besaß die Form eines umgekehrten Rumpfes. Diese Form war symbolisch für den Inhalt, hatte aber auch einen praktischen und wirtschaftlichen Hintergrund. Es ging darum, so viel Innenraum wie nötig mit so wenig Außenhaut wie möglich zu schaffen, was einen geringen Energieverbrauch gewährleistete. Das Gebäude war ein Entwurf des Rotterdamer Architekten Kees Christiaanse. Im Jahr 2016 wurde dieser Zweig des RCE aufgelöst. Die nationale meeresarchäologische Sammlung wurde der Stichting Erfgoed Batavialand („Erbgutstiftung Batavialand“) übertragen,Batavialand, offizielle Webseite des Museums Batavialand (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. das Gebäude schließlich abgerissen.
Bibliotheken, Bilddatenbank und Bereitstellung von Bildern mini|Eingangsbereich der Bibliothek Seit 1875 sammelten die verschiedenen Organisationen, die inzwischen im Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed aufgegangen sind, Bücher, Zeitschriften und Quellen zu den Themen Kunst, Baugeschichte, Heimatkunde, Denkmalpflege, Landschaft, Archäologie, Geologie sowie Denkmalpflege und Restaurierungstechnik. Alle diese Bestände wurden 2009 in der zentralen Bibliothek in Amersfoort zusammengeführt. Im Jahr 2011 wurden die Bibliotheksbestände des ehemaligen Niederländischen Instituts für niederländische Sammlungen (Instituut Collectie Nederland) ergänzt. Die Bibliothek ist für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. Die Bestände der Bibliothek können vor Ort eingesehen werden, werden aber nicht ausgeliehen. Inzwischen verfügt die Bibliothek über rund 125.000 Bücher (davon 3.000 alte Ausgaben aus der Zeit vor 1900), um die 8.000 laufende oder abgeschlossene Zeitschriftenreihen (wozu es in den KatalogenKatalogsuchmaschine der Bibliothek des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. über 100.000 Artikelverweise gibt), sowie ungefähr 25.000 archäologische, bauhistorische und andere Berichte.Folder der Bibliothek auf der offizielle Webseite des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018.
Neben der großen Bücher- und Zeitschriftensammlung verwaltet die Bibliothek auch eine Reihe von Sondersammlungen. So wurde 2006 die gesamte Kollektion von Zeichnungen, Manuskripten, Fotos und Inventaren der Stichting Historisch Boerderij-Ozoek (SHBO) (Stiftung Historische Bauernhofuntersuchung) übernommen.Kurzmitteilung über die auf der Webseite documentatie.org (niederländisch), abgerufen am 19. November 2018. Das Archiv des dekorativen Malers und Restaurators Jacob Por befindet sich ebenfalls in der Bibliothek. Am Standort Rijswijk befinden sich die Bibliotheksbestände aus der Kunstsammlung ICN, die das RCE im Auftrag des niederländischen Staates verwaltet. Hier gibt es insbesondere Titel zu Malerei und Skulptur sowie Künstlermonographien und Ausstellungskataloge. Die Dependance in Amsterdam verfügt über eine Spezialbibliothek rund um die Themen des Museumsmanagements, der Konservierung und Restaurierung von Materialien jeglicher Art, der künstlerischen Techniken und der Forschungsmethoden. Die dortige Sammlung beinhaltet Bücher, Zeitschriften, Tagungsberichte, audiovisuelle Medien und Dissertationen. Dort können auch online das Conservation Information Network (BCIN) und der Nederlandse Centrale Catalogus (NCC-OBN) eingesehen werden.Zur Bibliothek Amsterdam auf der Webseite adamnet.nl (niederländisch), abgerufen am 20. November 2018.