mini|Die Gedenktafel an die von den Deutschen während des Warschauer Aufstandes ermordete und vertriebene Zivilbevölkerung von Mokotów Die euphemistisch genannte Befriedung Mokotóws bestand aus einer Serie von Massenmorden, Rauben, Brandanschlägen und Vergewaltigungen, die 1944 während des Warschauer Aufstandes im Warschauer Stadtbezirk Mokotów stattfanden. Die Verbrechen gegen Kriegsgefangene und Zivilbevölkerung des Stadtbezirks wurden von den Deutschen Besatzern bis zur Kapitulation von Mokotów am 27. September 1944 begangen, hatten jedoch in den ersten Tagen des Aufstandes die höchste Intensität.

Deutsche Verbrechen am ersten Tag des Aufstandes Am 1. August 1944 um 17:00 Uhr (sogenannte Stunde „W“) griffen Soldaten der polnischen Heimatarmee (polnisch Armia Krajowa, kurz AK) die deutschen Gebäude in allen Stadtteilen des besetzten Warschau an. Die Abteilungen des V. Distrikts „Mokotów“ der AK (poln. Obwód V AK „Mokotów“) erlitten an diesem Tag während der gescheiterten Angriffe auf stark befestigte Widerstandspunkte in der Rakowiecka-Straße und der Puławska-Straße schwere Verluste. Die Aufständischen konnten viele andere Angriffsziele nicht erreichen: u. a. die Kasernen in den Schulen in der Kazimierzowska-Straße und der Woronicza-Straße, das Fort Mokotów und die Pferderennbahn Służewiec.Adam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut Wydawniczy Pax 1969. S. 70–71. Infolge dieser Niederlage zog sich ein bedeutender Teil des V. Distrikts in den Kabaty-Wald zurück. Fünf Kompanien des Regiments „Baszta“ unter der Leitung von Oberstleutnant Stanisław Kamiński (Deckname Daniel) besetzten Wohnblocks, die in den Straßen Odyńca–Goszczyńskiego–Puławska–Aleja NiepodległościAdam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut Wydawniczy Pax, 1969. S. 82. standen und ein Viereck formten. In den folgenden Tagen gelang es jedoch den Aufständischen, neue Gebiete zu besetzen und ein starkes Widerstandszentrum in Górny Mokotów zu organisieren.

Bereits in der Nacht vom 1. zum 2. August 1944 begingen die Einheiten der SS, der Polizei und der Wehrmacht eine Serie von Kriegsverbrechen in Mokotów. Die gefangen genommenen Aufständischen wurden ebenso wie die Verletzten erschossen. Die Deutschen interessierte es nicht, dass die Soldaten der AK den Kampf offen führten und sich selbst als Kombattanten sahen, und damit gemäß der Haager Konvention kämpften.Antoni Przygoński: Powstanie warszawskie w sierpniu 1944 r. T. I. Warszawa: PWN 1980. ISBN 83-01-00293-X. S. 239. Unter anderem wurden alle polnischen Soldaten beim Angriff auf die deutschen Widerstandsnester in der Rakowiecka-Straße und einige Dutzend Kriegsgefangene vom Bataillon der AK „Karpaty“ ermordet, das die Pferdebahn in SłużewiecMaja Motyl, Stanisław Rutkowski: Powstanie Warszawskie – rejestr miejsc i faktów zbrodni. Warszawa: GKBZpNP-IPN 1994. S. 204.Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 207. attackiert hatte. Die Deutschen erschossen auch mindestens 19 Verletzte und gefangene Aufständische vom Bataillon der AK „Olza“, das beim Angriff auf das Fort Mokotów zurückgeschlagen wurde. Einige Opfer wurden lebendig begraben, was die Ergebnisse der 1945 durchgeführten Exhumierung bestätigten.Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 177, 180–181.Maja Motyl, Stanisław Rutkowski: Powstanie Warszawskie – rejestr miejsc i faktów zbrodni. Warszawa: GKBZpNP-IPN, 1994. S. 132.

In dieser Nacht fanden auch die ersten Morde an der Zivilbevölkerung des Mokotów statt. Nach der Abwehr des polnischen Angriffs trieben die Soldaten der Luftwaffe der Fliegerhorst-Kommandantur Warschau-Okęcie (poln. Dowództwo lotniska wojskowego Okęcie) fast 500 Zivilisten ins Fort Mokotów. Die Vertreibungen wurden von willkürlichen Hinrichtungen begleitet. Viele Bewohner der Bachmacka-Straße, der Baboszewska-Straße und der Syryńska-Straße wurden ermordet. Aus einem Haus in der Racławicka-Straße 97 trieben die Deutschen etwa 14 Bewohner in einen Keller und töteten sie durch eine Granate.Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 180–181.Maja Motyl, Stanisław Rutkowski: Powstanie Warszawskie – rejestr miejsc i faktów zbrodni. Warszawa: GKBZpNP-IPN 1994. S. 131. Morde an Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung wurden auf Befehl des Führers der Garnison Okęcie, General Doerfler, ausgeführt.

Hitlers Befehl zur Zerstörung Warschaus und die Ausführung des Befehls in Mokotów Nach der Nachricht vom Aufstand gab Adolf Hitler dem Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, und dem Chef des Generalstabes des Oberkommandos des Heeres (OKH), General Heinz Guderian, den mündlichen Befehl, Warschau dem Erdboden gleichzumachen und alle seine Bewohner zu ermorden.Antoni Przygoński: Powstanie warszawskie w sierpniu 1944 r. T. I. Warszawa: PWN, 1980. ISBN 83-01-00293-X. S. 221. Laut dem Bericht von SS-Obergruppenführer Erich von dem Bach-Zelewski, der zum Kommandeur der Kräfte zur Befriedung Warschaus ernannt wurde, lautete der Befehl: „Jeder Bewohner muss ermordet werden, es dürfen keine Kriegsgefangenen gemacht werden. Warschau ist dem Erdboden gleichzumachen und somit wird ein erschreckendes Beispiel für ganz Europa erstellt werden.“Antoni Przygoński: Powstanie warszawskie w sierpniu 1944 r. T. I. Warszawa: PWN, 1980. ISBN 83-01-00293-X. S. 223. Hitlers Befehl, Warschau zu zerstören, erhielten auch die Befehlshaber der deutschen Garnison in Warschau. SS- und Polizeiführer im Bezirk Warschau, Paul Otto Geibel, bezeugte nach dem Krieg, dass Himmler ihn am Abend des 1. August telefonisch anwies: „Erschießen Sie Zehntausende.“Szymon Datner, Kazimierz Leszczyński (red.): Zbrodnie okupanta w czasie powstania warszawskiego w 1944 roku (w dokumentach). Warszawa: wydawnictwo MON, 1962. S. 418. Am 2. August befahl der Stadtkommandant von Warschau, General Rainer Stahel, den ihm untergeordneten Einheiten der Wehrmacht, alle des echten oder potentiellen Aufstandes verdächtigten Männer zu ermorden und Zivilisten als Geiseln (einschließlich Frauen und Kinder) zu nehmen.Antoni Przygoński: Powstanie warszawskie w sierpniu 1944 r. T. I. Warszawa: PWN, 1980. ISBN 83-01-00293-X. S. 241.

Mokotów war in dieser Zeit von starken deutschen Einheiten besetzt, u. a. dem SS-Panzergrenadier-Ersatz-Bataillon 3 in der Kaserne an der Rakowiecka-Straße (SS-Stauferkaserne), den Batterien der Fliegerabwehr in der Pole Mokotowskie, den Einheiten der Luftwaffe im Fort Mokotów, der Flakkaserne an der Puławska-Straße und der Einheit der Gendarmerie im Gebäude des Hauptquartiers im Bezirk Warschau an der Dworkowa-Straße. Trotzdem brachte die Umsetzung des Hitler-Vernichtungsbefehls in Mokotów nicht so tragische Ausmaße wie in den Stadtbezirken Wola, Ochota oder Śródmieście Południowe. Mokotów galt als Randbezirk, daher führten die Deutschen lange Zeit keine größeren Offensivaktionen durch. Innerhalb ihres Machtbereichs ermordeten die deutschen Einheiten massiv polnische Zivilisten, gleichzeitig benahmen sie sich passiv gegenüber den Aufständischen.Adam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut Wydawniczy Pax, 1969. S. 330. Es wurden Häuser verbrannt, Raube begangen und Frauen vergewaltigt.Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 343.Szymon Datner, Kazimierz Leszczyński (red.): Zbrodnie okupanta w czasie powstania warszawskiego w 1944 roku (w dokumentach). Warszawa: wydawnictwo MON, 1962. S. 113–115, 119. Die Überlebenden wurden aus den Häusern vertrieben und in das Durchgangslager 121 Pruszków gebracht, von wo aus viele Menschen in die Konzentrationslager oder zur Zwangsarbeit ins Dritte Reich deportiert wurden.

Massaker im Mokotów-Gefängnis

mini|hochkant|Gedenktafel an der Wand des Mokotów-Gefängnisses Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Aufstandes im Mokotów-Gefängnis in der Rakowiecka-Straße 37 befanden sich 794 Gefangene, darunter 41 Minderjährige.Maja Motyl, Stanisław Rutkowski: Powstanie Warszawskie – rejestr miejsc i faktów zbrodni. Warszawa: GKBZpNP-IPN, 1994. S. 135. Am 1. August wurde diese Anstalt von den Soldaten der Heimatarmee angegriffen: Sie fielen ins Gefängnis ein und übernahmen das Verwaltungsgebäude, waren aber nicht in der Lage, die Strafvollzugsanstalten zu erreichen.Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 189.

Am 2. August wurde der stellvertretende Direktor des Mokotów-Gefängnisses, der Justizinspektor Kirchner, in die naheliegende SS-Kaserne an der Rakowiecka-Straße 4 gerufen. Dort erklärte ihm der SS-Obersturmführer Martin Patz, der Kommandeur des SS-Panzergrenadier-Ersatz-Bataillons 3, dass der General Reiner Stahel die Liquidierung aller Gefangenen angeordnet habe. Diese Entscheidung wurde auch vom SS- und Polizeiführer Warschau, SS-Oberführer Paul Otto Geibel, bestätigt, der dazu die Hinrichtung der polnischen Wachen befahl. Kirchner entwarf das Übernahmeprotokoll, indem er Patz alle Gefangenen von der Gefängnisanlage übergab.Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 227. Am selben Nachmittag betrat eine SS-Einheit das Gefängnis. Fast 60 Gefangene wurden gezwungen, drei Massengräber im Gefängnishof auszuheben, dann wurden sie mit Maschinengewehren erschossen. Danach begannen die Deutschen, die übrigen Gefangenen aus den Gefängniszellen herauszuziehen. Sie stellten ihre Opfer an die Gräber und ermordeten sie. In der mehrstündigen Hinrichtung kamen über 600 Gefangene des Mokotów-Gefängnisses ums Leben.Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 278.

Von den Fenstern der Gefängniszellen aus beobachteten die Polen das Gemetzel im Gefängnishof und verstanden, dass der Tod auf sie wartete und sie nichts zu verlieren hatten. Die Gefangenen aus den Abteilungen Nr. 6 und Nr. 7 im zweiten Stock entschieden sich für einen verzweifelten Schritt und griffen die Wachen an. Während der Nacht und mit Hilfe der Bewohner der naheliegenden Häuser entkamen von 200 bis 300Lesław M. Bartelski: Mokotów 1944. Warszawa: wydawnictwo MON, 1986. ISBN 83-11-07078-4. S. 278–279. Gefangene und gelangten in ein von den Aufständischen kontrolliertes Gebiet.

Massaker im Jesuitenkloster an der Rakowiecka-Straße mini|Jesuitenkloster in Mokotów – Ort des Massakers (2. August 1944) Am ersten Tag des Aufstands wurde das Haus der Schriftsteller der Gesellschaft Jesu in der Rakowiecka-Straße 61 nicht in die Kämpfe einbezogen. Im Kloster versteckten sich jedoch ein Dutzend Zivilisten, die aufgrund der Erschießungen nicht nach Hause zurückkehren konnten. Am Morgen des 2. August wurde das Haus der Schriftsteller von deutschen Flugabwehrgeschützen aus dem nahe gelegenen Pole Mokotowskie beschossen und bald stürmte eine 20-köpfige SS-Einheit das Haus – höchstwahrscheinlich aus der Stauferkaserne. SS-Männer hatten den Polen vorgeworfen, dass aus dem Gebäude, wo die Polen waren, deutsche Soldaten beschossen worden seien. Nach einer flüchtigen Suche, die zu keinen Anhaltspunkten für diese Vorwürfe führte, führten die Deutschen den Abt des Klosters, Pater Superior Edward Kosibowicz, aus dem Gebäude ab – angeblich für zusätzliche Vernehmungen im Hauptquartier. Pater Edward Kosibowicz wurde durch einen Schuss in den Hinterkopf im Pole Mokotowskie ermordet.Szymon Datner, Kazimierz Leszczyński (red.): Zbrodnie okupanta w czasie powstania warszawskiego w 1944 roku (w dokumentach). Warszawa: wydawnictwo MON, 1962. S. 124–127.Felicjan Paluszkiewicz: Masakra w Klasztorze. Warszawa: wydawnictwo Rhetos, 2003. ISBN 83-917849-1-6. S. 10–12.